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Thema: 20. Hochzeitstag

  1. #1
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    Standard 20. Hochzeitstag

    Ich habe mir überlegt, ob ich das unter "Liebe" poste oder in mein Tagebuch, das ich ja eigentlich mehr dafür angelegt habe, über meinen Job zu berichten.

    Da aber alles in der Berufsschule angefangen hat, die mein Mann und ich gemeinsam besucht haben und sich aus alledem das herausentwickelt hat, was ich heute mache, habe ich mich für das Tagebuch entschieden.
    Auch weil es persönlicher ist.


    Mein Mann und ich feiern heute unseren 20. Hochzeitstag und schätzen uns mehr als glücklich, immernoch eine lebendige, kommunikative und liebe-volle Ehe zu führen.
    Ich kann gar nicht zum Ausdruck bringen, wie dankbar ich dafür bin.


    Als wir geheiratet haben, waren wir beide zwischen dem zweiten und dritten Ausbildungsjahr in einem kaufmännischen Job.
    Wir waren so "durchgeknallt", um ganz spontan zu entscheiden: "Wir heiraten".

    Mein Mann war erst 19 Jahre alt, ich war 21.

    Die ganze Welt hat uns für vollkommen übergeschnappt gehalten, es wurde von einer "Kinderhochzeit" gesprochen und es wurden Wetten abgeschlossen, dass unsere Ehe kein Jahr hält.

    Nun denn: "Totgesagte leben länger.....".

    Für mich war die Eheschließung der Sprung in die Freiheit, auch wenn es möglicherweise merkwürdig klingt.
    Mein Mann und ich haben sich gegenseitig unterstützt - letztendlich konnten wir die vorzeitige Abschlußprüfung machen, die wir komplikationslos bestanden haben.

    Wir waren unglaublich viel unterwegs, haben die USA unzählige Male besucht und sind nach einer Menschenrechtspreisverleihung in Washington DC auf die Idee gekommen, dass wir Kinder annehmen könnten, statt "selbst zu machen" .

    Dadurch haben wir unsere große Tochter in Afrika adoptiert, wenige Jahre später haben wir unser schwerbehindertes Pflegekind aufgenommen.
    Beide Kinder: absolute Wunschkinder.

    Und so ging das weiter und weiter....

    Wir haben wunderbare Ehejahre hinter uns, wir haben aber auch schwere Krisenzeiten hinter uns bringen müssen, als mein Mann vor vielen Jahren seinen Job verloren hat und wir damals unverschuldet in die Arbeitslosigkeit geschlittert sind.
    Während dieser Krise, habe ich einen Arbeitsplatz gefunden, den ich dann auch verloren habe.
    Zeitgleich starb ein naher Angehöriger im Alter von 21 Jahren an Krebs, den wir bis zuletzt begleitet haben, dann erfuhren wir, dass mein Vater auch sterben wird.

    Damals dachten wir, dass es nicht mehr weitergehen kann....aber es ist weitergegangen.

    Heute haben wir uns fast wieder komplett von dem wirtschaftlichem Desaster erholt, sind noch enger zusammengewachsen - unsere Kinder sind mittlerweile schon ziemlich groß.

    Ich habe ein schönes Gedicht gefunden, das gerade zu den Anfängen unserer Ehe passt und das ich zum heutigen Tag einfach teilen möchte - und zum Mutmachen, denn wir haben uns nicht mit dem Verstand für unsere Ehe entschieden:

    Es ist Unsinn
    sagt die Vernunft
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe

    Es ist Unglück
    sagt die Berechnung
    Es ist nichts als Schmerz
    sagt die Angst
    Es ist aussichtslos
    sagt die Einsicht
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe

    Es ist lächerlich
    sagt der Stolz
    Es ist leichtsinnig
    sagt die Vorsicht
    Es ist unmöglich
    sagt die Erfahrung
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe


    (Erich Fried)
    Viele Grüße

    "Klee"



  2. #2
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Klee,


    Mich würde auch interessieren, was ihr als sehr wichtig einschätzt, um eine solch lange und erfüllte Beziehung leben zu können. Vll könnte sich da mal wieder eine positive Diskussion zwischen all den Problemfeldern in diesem Forum ergeben
    Geändert von Nivella (07.09.2011 um 08:49 Uhr) Grund: Verschiebungsvorschlag wurde umgesetzt

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    Klee (04.09.2011)

  4. #3
    Lib
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    Standard

    Hab den Beitrag eben erst gelesen, Klee. Ich finde schön, was Du über Deine Ehe schreibst und ich freue mich für Euch (und für alle), dass es solche Beziehungen noch gibt. Mein Glaube daran ist momentan etwas brüchig...

    Wie Gaby würde ich gerne über das "Wie" reden

    LG
    Lib

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  5. #4
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    Hallo Ihr's,

    wenn ich ein bissl "durchgeatmet" habe, werde ich hier auf jeden Fall etwas dazu schreiben.

    Vorneweg eine Verständnisfrage:
    meint Ihr mit der Frage, "wie" wir unsere Ehe seit 20 Jahren leben?

    Ich muss offen sagen: ich stehe gerade ein bisschen auf der Leitung, weil ich in den letzten zwei Tagen hier im Forum leicht "über-aktiv" gewesen bin .
    Viele Grüße

    "Klee"



  6. #5
    Gast784
    Gast

    Standard

    hmm, Klee, meine Frage war schon etwas schwammig formuliert, denn natürlich will ich ALLES wissen, was es dazu braucht, um so lange glücklich in einer Beziehung zu sein

    Aber es muss ja gar nicht so persönlich werden.

    Gibt es denn eine Art "Erfolgsrezept" bzw ein paar Zutaten, die Du als universell einstufen würdest, um so lange gut miteinander verbunden zu sein?

  7. #6
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    Alles klar .
    Sobald ich mich wieder etwas sortierter und freier im Kopf fühle (bitte um Geduld ), texte ich Euch einfach mal zu.....
    Viele Grüße

    "Klee"



  8. #7
    Lib
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    Ich freu mich drauf, Klee

    Mir geht es wie Gaby.
    Ich war auch lange verheiratet (bis zur Scheidung 16 Jahre), wir sind aber aus der Kurve geflogen. Von daher bin ich sehr am richtigen Fahrverhalten für künftige Ausflüge interessiert...

    LG
    Lib

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  9. #8
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    Standard

    ...ich schreibe jetzt einfach mal drauflos.
    Wobei ich nicht glaube, dass es ein allgemeingültiges Rezept gibt, weil wir Menschen alle ganz unterschiedliche Biographien und Lebenserfahrungen gemacht haben - deswegen weiss ich nicht, ob man unsere "Merkmale" überhaupt übertragen kann.

    Ich schreibe jetzt einfach mal das auf, von dem ich glaube, dass es bei uns "wirkt".

    Was bei uns vielleicht am meisten ausgeprägt ist, ist dass sowohl mein Mann als auch ich sowohl in guten Kontakt mit unseren Gefühlen stehen, aber auch in gutem Kontakt miteinander.

    Wir können unsere Gefühle füreinander benennen (und das kann auch Meinungsdifferenzen beinhalten. So wie wir uns sagen können, dass wir uns lieben , können wir uns auch sagen, wenn wir uns gegenseitig mal annerven ) und wir können uns auch sagen, wenn wir mal Distanz brauchen und alleine sein wollen.

    Was für uns beide irgendwie wichtig ist, ist eine Ausgewogenheit zwischen Freiheit und partnerschaftlicher Bindung.

    Wobei wir beide teilweise auch unterschiedlich "programmiert" sind und zwischen diesen Unterschiedlichkeiten alleine schon in Kontakt bleiben müssen, weil wir uns da schon auch ein Stück weit "entgegengesetzt" entwickelt haben und einfach zusehen müssen, dass wir uns in den Unterschiedlichkeiten ergänzen, statt auseinanderzuleben.


    Was ich (manchmal fast zu meinem eigenen Erstaunen) ganz klar sagen kann:
    von uns beiden ist keiner eifersüchtig.

    Mein Mann hat schon immer fast ausschließlich mit Frauen zusammengearbeitet und wenn er zu Stammtischen geht, ist er oft sogar der einzige Mann (der Hahn im Korb eben) - er hat gute Frauenfreundschaften und er war auch schon geschäftlich mit seinen Kolleginnen unterwegs. Gemeinsam im Auto, gemeinsam im Hotel und was weiß ich.

    Auch wenn es unglaublich klingt:
    ich war wegen den anderen Frauen nie nervös (eher wegen der Autostrecke, wenn er z.B. auf Messe ist oder mal auf Schulung musste und deswegen um die 600km mit dem Auto unterwegs war).

    Genauso ist meine "beste Freundin" ein Mann. D.h. es gibt zwei Männer in meinem engsten Freundeskreis und mein Mann wird auch nicht nervös, wenn ich mich mit einem meiner Freunde gelegentlich alleine treffe.

    Ich bin bisher noch nicht fremdgegangen und habe es auch nicht vor - und ich gehe davon aus, dass es bei meinem Mann auch so ist.
    (Klar würde ich ziemlich doof schauen, wenn.....)

    Was bei uns vielleicht auch gravierend ist, ist dass wir schon einige gruselige Jahre hinter uns bringen mussten, in der es uns wirtschaftlich richtig an die Existenz gegangen ist und wir auch eine familiäre Katastrophe nach der anderen erlebt haben.

    Und vielleicht hat uns anfangs auch so eine Art "gedankenlose Unbedarftheit" geholfen. Wir haben wirklich nur auf unser Herz-Bauchgefühl gehört.....ohne den Verstand großartig zu benutzen.

    Wenn ichetwas optimieren könnte, wäre es vermutlich unsere berufliche Situation:
    ich glaube, es würde besser passen, wenn mein Mann Teilzeit arbeiten würde und ich Vollzeit (aber um das finanziell zu wuppen, müsste ich tatsächlich ein SozPäd-Studium dranhängen, um auch nur annähernd in meinem Job das zu verdienen, was mein Mann in einem renommierten Unternehmen in seiner Position verdient, wobei das auch kein überdurchschnittlicher Lohn ist - anderweitig müsste ich wieder in meinen alten Job als Juwelierfachverkäuferin zurück und darauf habe ich eigentlich keine große Lust mehr, seit ich als "selbsternannte Sozialtante" Deutschland's Familien unsicher mache ).

    Ich arbeite suuuuupergerne und mein Mann ist suuuuuuuuuuuuuupergerne zuhause und er ist ein toller Hausmann, während ich eine miserable und sehr leidenschaftslose Hausfrau bin (obwohl ich beruflich als Unterstützung im Haushalt arbeite *gggg*, vielleicht klappt's deswegen so gut? Ich komme nie mit irgendwelchen guten Tips in die Familien, sondern die Mütter, bei denen ich bin, bekommen mich ganz authentisch in ihre Küche und merken schnell, dass für mich der Erfinder der Tiefkühlkost ein Heiliger ist ).

    Das ist, glaube ich im Moment, das einzige, das ich sofort ändern würde.....

    Ach ja: wir haben auch einen hohen Kuschelfaktor, genießen die Nähe und wir nehmen uns auch trotz der Kinder viel Zeit füreinander und Miteinander.
    Ich habe mein "Frausein" mit Beginn meiner Mutterschaft auch nicht an den Nagel gehängt und weder mein Mann, noch ich identifiziern uns ausschließlich über unsere Elternrolle.

    Wir schmieden schon jetzt Pläne, was wir mal alles so anstellen wollen, wenn die Kids nicht mehr hier wohnen.....
    Viele Grüße

    "Klee"



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