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Thema: Abhängigkeit erkannt

  1. #1
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    Standard Abhängigkeit erkannt

    Hi an alle,

    fühle mich gerade furchtbar und habe niemanden zum Reden....

    Ich hatte heute wieder mal eine Therapiesitzung. Habe gestern lange über das Thema Abhängigkeit nachgedacht und darüber mit meiner Therapeutin gesprochen. Hintergrund: ich habe seit knapp 7 Monaten eine Beziehung zu einem Mann, der panische Angst hat, sich irgendwie von mir abhängig zu machen.

    Ich habe immer geglaubt, dass in meinen früheren Beziehungen die Männer von mir abhängig waren. Was sie teilweise auch sicherlich waren. Heute habe ich erkannt, dass ich die Abhängige war und bin. Ich habe aufgrund meiner Familiengeschichte eine tief verwurzelte Sehnsucht nach Sicherheit und Stabilität. Die ich in meinen Beziehungen an sich immer hatte. Weil ich aber gleichzeitig Angst davor habe, verlassen zu werden, habe ich die Beziehungen nach 3-4 Jahren beendet und bin sozusagen geflüchtet. Weil ich überzeugt war, dass mich sowieso niemand auf Dauer erträgt. Um dem Schmerz des Verlassen werdens zuvor zu kommen, bin ich gegangen.

    In dieser Beziehung gibt es keine Sicherheit. Bei meinem Partner wurde eine emotional instabile Personlichkeitsstörung mit Borderlinezügen diagnostiziert. Daher kommt es von seiner Seite aus immer wieder zu Rückzügen, Kontaktabbrüchen. Wie jetzt gerade.

    An sich komme ich mit diesem Schweigen ganz gut zurecht. Weil ich normalerweise nach spätestens 24 Stunden mit einer Meldung seinerseits rechnen kann. Nur ist diese Krise bei ihm jetzt sehr massiv. Und ich habe keine Ahnung, wie lange es dauert, bis er sich meldet.

    Jetzt habe ich massive Angst. Vor dem Allein sein. Dass ich selbst wieder in eine Depression stürze. Und ich habe erkannt, dass ich abhängig bin von einem gewissen Sicherheitsgefühl. Das ich durch sein großes schwarzes Loch nicht habe.

    Ich fange an, mich immer tiefer in diesen Kreisel aus Selbstzweifeln zu drehen. Wie komm ich da wieder raus? Habe niemanden, mit dem ich reden kann. Keine Familie, keine Freunde. Hat jemand einen Tip für mich?

    LG
    Dagmar

  2. #2
    Painter
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    Hallo Dagmar,

    Schon mal vorweg: Alleinsein ist nicht schlimm!
    Deine Thera wird dir sicher gesagt haben das man alleine glücklich sein muß um eine intakte Beziehung zu führen.
    Das ist alles leichter gesagt als getan, aber rede mit dir selbst und führe dir die Fakten vor Augen: Er hat eine Krise und wenn sie länger dauert, was solls, er nimmt sich wohl die Zeit für sich um stärker zu dir zurück zu kommen.

    Nutze du die Zeit um weiter zu kommen, woher kommt die Angst vor dem verlassen werden?
    Frage dich das, waren es die Eltern oder ein früherer Partner, die dich verlassen haben: finde es heraus, heile die alten Wunden um die Angst vor neuen zu überwinden!

    Carpe Diem

    Liebe Grüße Andreas

  3. #3
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    Hi, Andreas,

    an sich kann ich inzwischen ganz gut alleine sein. Was mich aufzehrt, ist dieses Gefühl, nicht gewollt zu werden, nicht gesehen zu werden. Und er nimmt sich nicht die Zeit, um stärker zurück zu kommen, sondern um auf ein für ihn "normales" Level zu kommen. Eine Stärkung erreicht er gar nicht.

    Ich weiss, woher die Angst vor dem Verlassen werden kommt. Aber wie kann man Wunden heilen, die fast 40 Jahre alt sind? Die immer wieder aufgerissen wurden, nur schlecht vernarbt sind? Ich weiss, nur mit Zeit. Aber durch seine Rückzüge arbeitet er meiner Therapie massiv entgegen. Weil ich keine Sicherheit bekomme.

    Es wird mir grade klar - entweder ändert er das oder ich muss die Beziehung beenden. Das lastet mir schwer auf der Seele...

    Liebe Grüße
    Dagmar

  4. #4
    Painter
    Gast

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    Hallo Dagmar,

    Da ich meine fast 40 Jahre alten Wunden auch noch nicht geheilt habe, kann ich das natürlich nicht so beantworten, wie ich gerne würde.
    Wissen tue ich, das man sich die Sicherheit selber geben muss und du scheinst auf dem richtigen Weg zu sein. Von ihm scheint da sowieso nichts zu kommen, was ist das alleinsein dagegen?
    Du schreibst du hast keine Freunde: Wie wäre es mit neuen Hobbys, im Sportverein oder in irgendwelchen Kursen lernt man immer Leute kennen, wenn man auf diese zugeht, findet man auch welche. Mir hat das sehr geholfen und das schreiben hier auch.
    Meine alten Wunden versuche ich neben der Thera und mit drüber sprechen auch noch mit malen zu bewältigen. Sicher es dauert kommt einen so vor als gäbe es kein Ziel aber jeder kleine Schritt macht einen glücklicher und stärker.

    Liebe Grüße
    Andreas

  5. #5
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    Was das allein sein dagegen ist? Völlige Verzweiflung. So weiss ich, dass er immer wieder kommt. Früher oder später. Wenn ich es beende, stehe ich völlig alleine da.

    Ich bin seit Monaten auf Rückzugskurs, was soziale Aktivitäten angeht. Seit nunmehr 8 Wochen krankgeschrieben zu Hause, d. h. jetzt im Krankengeld. Was meine finanzielle Situation nicht gerade entspannt. Absolut planlos, orientierungslos, ziellos. Keine äussere Sicherheit. Wie kann ich mir da innere Sicherheit geben?

    Drehe mich im Kreis...

  6. #6
    Painter
    Gast

    Standard

    Schaffe etwas selbst, breche aus, aus dem Kreis
    Packe irgendetwas an, es kommt nicht darauf an was es ist, nur das du dir bewußt machst das du auf dem weg bist.

    z.B. Ich habe u.a. Angst vor dem Zahnarzt, nach Wochen des inneren Kampfes hhab ich mir einfach schon mal die Telefonnummer herausgelegt.
    War ein anfang. Ich war auf dem Weg..........
    nächsten Tag: angerufen, all meine Ängste auf den tisch gepackt und Termin gemacht. hat mich 100 Liter schweiß gekostet
    ich hab mich aber, nachdem der Puls wieder unten war, toll gefühlt.

    Muss nicht gleich sowas grosses sein, bewusst etwas anfangen, ist der richtige Anfang und wenn man sich toll fühlt, kann man auch mit sich alleine sein.

    Liebe Grüße
    Andreas

  7. #7
    Verleger Avatar von Natz
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    Hallo Berenice,
    ich kann Deine Situation sehr gut nachempfinden-meine ist gerade ähnlich. Krankgeschrieben bin ich auch, hatte eine Knie-OP, allerdings schon seit März.
    Solche Zeiten kann man ganz gut als "Nebelzeiten" betiteln, da man einfach nicht weiß, was nach dem Nebel kommt. Bei mir kommt noch dazu, dass hinterher die Arbeitslosigkeit wartet, da ich nach 12 Jahren eingespart wurde. Ich habe momentan auch keine Ahnung, wie es weitergeht und das versetzt einem in Panik. Man kann es aber auch als Chance auf was neues sehen und sich überlegen, in welche Richtung man noch gehen könnte.
    Was den Mann angeht:stabilisieren wird der Dich nicht. Boderline ist eine ganz schwierige Sache und auch nicht mit ein Paar Therapiesitzungen getan. Es wäre wahrscheinlich sinnvoller, das Problem des Weglaufens anzugehen, da Du ja sonst beziehungsfähig scheinst. Deine Aufgabe wäre es, diese Angst zu überwinden.
    Meine Wunden sind jetzt auch 37 Jahre alt und manche wachsen nie ganz zu. Allerdings kann man lernen, Leute von sich fernzuhalten, die sie wieder aufreißen.
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  8. #8
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Berenice,

    der Mann tut Dir nicht gut und das weisst Du auch. Du solltest daher nicht weiter auf ihn hoffen oder gar bauen.

    Spontan kam mir beim lesen erst das Bild, dass Dir jetzt vll Tanztherapie oder Kunsttherapie sehr weiter helfen könnten. Denn diese Therapieformen können nochmal eine viel tiefere Ebene erreichen und vor allem unsere gesunden Selbstheilungskräfte stärken.

    Aber solche Therapien werden leider meist nur im Rahmen von stationären Therapien bezahlt und ich kenne die Belastungen, wenn man praktisch keine existenzielle Sicherheit hat. Und auch das Risiko, dass dann alles schlimmer wird, weil man in die gesellschaftliche Isolation rutscht. Du hast also sowohl eine materiell wie eine psychische Baustelle. Das ist nicht leicht.

    zum Materiellen noch ein Tipp: Du kannst beim DRK und ähnlichen Trägern mal nachfragen, ob sie organisierte Nachbarschaftshilfe machen, und da ehrenamtlich tätig werden. Ehrenamtlich, d.h. Du kriegst eine "Aufwandsentschädigung" von ca 6,50-7,50€ pro Stunde, das Dir niemand anrechnen darf (auch Hartz nicht) und tust was sinnvolles, nämlich in Deiner Nachbarschaft einfache Hilfstätigkeiten, und kommst so auch wieder etwas unter die Leute.

    Du schreibst, dass Du ziel- und orientierungslos bist. Wenn Du diesen Mann aus Deinem Leben herausnimmst (gedanklich, spiel das mal in der Therapie durch) und guckst, was Du mit dieser Energie, die der bindet, statt dessen machen könntest und gerne wollen würdest (beruflich, freizeitmäßig, sonstwas, egal), dann hättest Du vll schon ein kleines Türchen aus dem Hamsterrad gefunden, auf dessen Pfad Du dann weiter wandeln könntest.

    Setze Dir kleine Ziele und mache kleine Schritte, damit Du nicht die ganze Zeit auf den ganzen Berg starrst und immer wieder siehst, wie Du was dazu gewinnst.

    lg Gaby
    Geändert von Gast784 (08.07.2009 um 16:57 Uhr)

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