psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 24

Thema: Abwehr positiver Gefühle und Bedürfnisse

  1. #1
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
    Registriert seit
    28.11.2011
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    623
    Danke
    94
    117 mal in 90 Beiträgen bedankt

    Standard Abwehr positiver Gefühle und Bedürfnisse

    Liebe Foris

    Irgendwie geht es hier oft um negative Emotionen wie Wut, Angst, Schmerz und Trauer. Abwehrmechanismen, die einem vor solchen Gefühlen schützen sind auf breiter Ebene erforscht und eine Therapie öffnet einem den Zugang zu diesen verborgenen Gefühlswelten.

    Im Alltag werden oft auch positive Gefühle und Bedürfnisse unterdrückt. Es handelt sich da um Bedürfnisse, die man sich durchaus selbst vermitteln könnte. Ich habe dazu ein paar Beispiele erfunden:

    "Eigentlich würde ich jetzt gerne mal nix tun und mich einfach nur entspannen. Andererseits erledigen sich die ganzen Pflichten nicht von selbst und ich kann mir dieses Bedürfnis nicht wirklich leisten."

    "Eigentlich würde ich gerne ausgehen und wieder mal so richtig auf den Putz hauen. Andererseits kann ich doch nicht so egoistisch sein und meinen Partner bzw. die Kinder alleine zu Hause lassen."

    "Eigentlich hätte ich gerne wieder mal aufregenden Sex. Andererseits lebe ich in einer festen Beziehung und kann doch nicht ohne negative Konsequenzen fremdgehen."

    "Eigentlich würde ich sehr gerne eine neue Ausbildung beginnen, weil mich der aktuelle Job zu wenig fordert. Andererseits verdiene ich ja nicht schlecht und die materielle Sicherheit ist mir schon auch wichtig."

    Das sind doch alles Situationen, wo man zwischen zwei gegensätzlichen Bedürfnissen entscheiden muss.

    Kennt ihr ähnliche Verhaltensmuster bei euch? Wie verhindert ihr erfolgreich eure positiven Gefühle und Bedürfnisse? Lohnt es sich überhaupt, dieses Thema genauer zu betrachten?

    Mir wäre es lieb, wenn so viele Beispiele wie möglich gesammelt werden könnten. Ich würde gerne die wichtigen Mechanismen hinter diesen Blockierungen, Hemmungen und Unterdrückungen erkennen.
    Geändert von martinspin (18.12.2011 um 11:05 Uhr)
    Liebe Grüsse, Martin

    I Psychologieforum.de

    Es gibt ein Leben vor dem Tod - Nutze es!

  2. #2
    Verleger Avatar von Darkstar
    Registriert seit
    02.10.2009
    Ort
    in der kulturellen Diaspora
    Beiträge
    2.494
    Danke
    1.749
    1.088 mal in 631 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Martin,

    spannendes Thema
    Wenn man hier im Forum (nicht nur da, aber so ist es nachvollziehbarer) die diversen Fragen in den Threads list und die jeweilige Thematik dann etwas tiefer in die dahinter stehen Prozesse verfolgt - wie oft streift man da nicht gerade diesen großen Bereich "Bedürfnisse & Bedürfniskonflikte" (oft genug trifft man ihn sogar ) ...

    Gibt es überhaupt einen Aspekt des Lebens, der nicht, offen oder verborgen, von diesem Konflikten zumindest mitbestimmt wird?
    Jede Entscheidung ist ja immer auch ein "Abwägen" zwischen sich widersprechenden Bedürfnissen - wie dieser Prozess dann abläuft, wird von vielen Faktoren beeinflusst. Inneren wie äußeren, wobei die Grenzen wohl oft sehr fließend sind.
    Und ob es immer nur genau zwei Bedürfnisse sind, die sich da um ihre Hackordnung balgen ...
    (Maslow erscheint mir da teilweise zu starr und schematisch, gerade an den Übergangsstellen)

    Ich verkneife mir jetzt die Frage, was denn wirklich ein Bedürfnis ist: ist es das, was wir auf den ersten Blick als solches ansehen, oder ist es nicht oft "nur" das Resultat viel grundlegenderer Bedürfnisse, die bereits in Konkurrenz zueinander stehen?
    In Deinen Beispielen kommt sehr oft auch das Erfüllenmüssen von "Pflichten" vor: muss das jetzt bedeuten, dass es ein "Bedüfnis zur Pflichterfüllung" gibt? Wohl eher nicht.
    Wir empfinden es vielleicht als ein "Bedürfnis", gespeist wird es aber aus ganz anderen Quellen - es ist mehr Folge denn Ursache.

    Lohnt es sich überhaupt, dieses Thema genauer zu betrachten?
    Unbedingt! Gerade da liegt ja auch oft der Schlüssel für ein Lösen eigener Konflikte, die sich dann nach außen als Problem manifestieren: "ich weiß mir keinen Rat", "ich finde keinen Ausweg" ...
    Dahinter verbirgt sich doch oft "nur" die Frage nach den eigenen Bedürfnissen und wie diese umgesetzt werden können - gegen den Widerstand anderslautender "Bedürfnisse".

    Einen Satz in Deinem Post verstehe ich jetzt aber nicht:
    Wie verhindert ihr erfolgreich eure positiven Gefühle und Bedürfnisse?
    "Verhindern"? "Erfolgreich"?
    Wäre es nicht sinnvoller danach zu fragen, wie man sie positiv leben kann, um dabei dann zu sehen, was dem alles entgegenstehen könnte?
    (Es geht Dir ja nicht um die "Perfektionierung" von "Abwehrstrategien", sondern ums genaue Gegenteil: wie diese sich verhindern lassen, oder?)
    Also: wie man diese Bedürfniskonflikte für sich so auflösen kann, dass sie nicht weiter negativ in einem schwelen ...
    Die Bedürfnisse selbst lassen sich ja nicht "verhindern": sie sind da. Punkt!

    Ich kann sie unterdrücken, meine legitimen Bedürfnisse "hintenan stellen", sie ignorieren oder "bekämpfen" (und damit eigentlich mich selbst) - sie bleiben aber dennoch existent und werden auch weiter jeden möglichen "Gegendruck" auslösen.
    Es gibt sicherlich grundlegende Bedürfnisse, die jeder Mensch hat, es gibt wohl auch welche, die erst "neu geschaffen" werden (wobei da dann immer noch die Frage bleibt, ob sie wirklich "neu" sind, oder "nur" eine neue Ausprägung bestehender, die neu kombiniertwerden und dann ein schönes Etikett verpasst bekommen. Sprich: lassen sie sich nicht vielleicht wieder in vorhandene "Basiselemente" zurückverfolgen).

    "Mein Freund behandelt mich wie den letzten Dreck - ich will ihn aber nicht verlieren, weil ich ihn ja sooo sehr liebe" ...
    Wird es bei sowas nicht am deutlichsten?

    Ich würde gerne die wichtigen Mechanismen hinter diesen Blockierungen, Hemmungen und Unterdrückungen erkennen.
    Die Frage nach den Eigenanteilen in Situationen, in denen es jemand zwischen den widersprüchlichen Bedürfnissen zerreibt...

    Da der Mensch trotz allem doch ein soziales Wesen ist, das auf soziale Interaktion angewiesen ist: machts ja noch komplizierter
    Es geht ja nicht mehr nur um die "gesunde Balance" in einem und für einen selbst (wenn es nur alleine um mich ginge, wären viele Entscheidungen leichter zu treffen), es müssen ja auch noch die des Gegenübers mit "eingearbeitet" werden - Stoff für ganz neue Konflikte

    Deine Frage: kann ich sie so interpretieren, dass es darum geht, wie wir den Umgang mit unseren Bedürfnissen lernen und was alles darauf Einfluss hat/haben kann?
    Es ist ja wohl ein Lernprozess, der dahinter steckt, oder?
    Erziehung, Prägung, "Sozialisierung", vermittelte "Wertesysteme" etc. pp.

    Warum stellen die einen (zu denen ich mich selbst viel zu lange zählen "durfte") alle eigenen Bedürfnisse ohne Widerstand hintenan, während andere nur die eigenen anerkennen und diese dann auch durchdrücken ...
    Das wäre der äußere Konflikt (und seine Auflösung) - der ja aber auch einen inneren im jeweils Beteiligten zur Grundlage hat.

    Darf ich mal frech sein?
    Ich glaube, das beste Verständnis für die Prozesse dahinter stellt sich dann ein, wenn man seinen eigenen Prozesse auf diesem Gebiet nachspürt: ansonsten bleibt es zu schnell in abstrakter Theorie hängen, die man nicht mehr wirklich auf sich selbst transferieren kann.
    Beispiele Dritter helfen, klar, aber letztendlich geht es ja um die eigenen, individuellen, Prozesse.

    Gutes Threadthema!
    Hoffentlich entwickelt es in dem Rahmen, der früher hier mal die Regel war ...


    "Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
    (mongolisch)
    -----------------------------
    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
    (Immanuel Kant, 1724 - 1804)

  3. #3
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
    Registriert seit
    28.11.2011
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    623
    Danke
    94
    117 mal in 90 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hi Darkstar

    Vielen Dank für dein ausführliches Feedback

    Das Thema interessiert mich wirklich sehr stark, weil ich mir dadurch erhoffe, mich und meine Mitmenschen besser verstehen zu können.

    Liest man modernere Bücher, ist öfters von Gefühlen und Bedürfnissen die Rede. "Die gewaltfreie Kommunikation" von Rosenberg z.B. baut sogar darauf auf. Schlechte Gefühle sind bei Rosenberg bloss Ausdruck von unbefriedigten Bedürfnissen, welches es zu ergründen gilt.


    Zitat Zitat von martinspin
    Wie verhindert ihr erfolgreich eure positiven Gefühle und Bedürfnisse?
    Da ich davon ausgehe, dass wir uns alle mehr oder weniger drücken, wenn es um "gefährliche" Bedürfnisse geht, hab ich den Satz ironisch formuliert.

    Hab in den vergangen Jahren schon zig mal nach dem Begriff "Bedürfnis" gegoogelt. Neben Maslow und Rosenberg findet sich relativ wenig zum Begriff, obwohl das Thema wichtig ist

    Wie und wieso werden eigene positive Bedürfnisse verhindert?

    Als Musiklehrer lebe ich z.B. in der Spannung, dass ich einerseits den Schüler bzw. die Schülerin unterstützend berühren will und andererseits das Damoklesschwert der sexuellen Nötigung bzw. der sexuelle Missbrauch in der Luft hängt. Ich weiss, dass mein Körperkontakt nicht durch sexuelle Absichten motiviert ist. Weiss das das Kind bzw. der Jugendliche und die Eltern auch?

    Das ist für mich ein gutes Thema, wo es absolut schwierig wird in der Gesellschaft und wo Bedürfnisse zugunsten der eigenen Sicherheit zurück gedrängt werden.
    Geändert von martinspin (18.12.2011 um 17:55 Uhr)
    Liebe Grüsse, Martin

    I Psychologieforum.de

    Es gibt ein Leben vor dem Tod - Nutze es!

  4. #4
    Schreibkraft Avatar von Todai94
    Registriert seit
    08.12.2011
    Ort
    In einem Dorf
    Beiträge
    232
    Danke
    27
    35 mal in 29 Beiträgen bedankt

    Standard

    [QUOTE=martinspin;118707]
    "Eigentlich würde ich jetzt gerne mal nix tun und mich einfach nur entspannen. Andererseits erledigen sich die ganzen Pflichten nicht von selbst und ich kann mir dieses Bedürfnis nicht wirklich leisten."

    "Eigentlich würde ich gerne ausgehen und wieder mal so richtig auf den Putz hauen. Andererseits kann ich doch nicht so egoistisch sein und meinen Partner bzw. die Kinder alleine zu Hause lassen."

    "Eigentlich hätte ich gerne wieder mal aufregenden Sex. Andererseits lebe ich in einer festen Beziehung und kann doch nicht ohne negative Konsequenzen fremdgehen."

    "Eigentlich würde ich sehr gerne eine neue Ausbildung beginnen, weil mich der aktuelle Job zu wenig fordert. Andererseits verdiene ich ja nicht schlecht und die materielle Sicherheit ist mir schon auch wichtig."
    [QUOTE]

    Also ich finde man kann da nicht so pauschal sagen, dass man positive Gefühle verhindert, denn manche Aussagen stehen auch moralisch zu sich selbst im Widerspruch, wie das Beispiel mit dem Sex.

    Bei anderen Beispielen, wie dem ich würde gerne das tun, muss aber noch anderes Erledigen, verhindert man positive Gefühle ja auch nicht von sich aus. Es ist die Situation, die etwas anderes vordert und somit die bessere Wahl nicht zulässt.

    Man denke sich das Quote einfach als Zitat, dass nur nicht will

  5. #5
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
    Registriert seit
    28.11.2011
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    623
    Danke
    94
    117 mal in 90 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hi Sascha

    Es geht hier weniger um einmalige Situationen, sondern um immer wiederkehrende Momente, wo positive Bedürfnisse zu Gunsten eines anderen Bedürfnisses unterdrückt werden.

    Wenn dieser Konflikt über längere Zeit keine Lösung erfährt, kann es schon belastend werden für einen Menschen.

    Mich interessieren in erster Linie die Beispiele. Du kennst doch sicher eines aus deinem Leben
    Liebe Grüsse, Martin

    I Psychologieforum.de

    Es gibt ein Leben vor dem Tod - Nutze es!

  6. #6
    Schreibkraft Avatar von Todai94
    Registriert seit
    08.12.2011
    Ort
    In einem Dorf
    Beiträge
    232
    Danke
    27
    35 mal in 29 Beiträgen bedankt

    Standard

    Kla kann ich dir eins geben:

    "Ich würde jetzt gerne etwas trinken aber ich bin zu faul aufstehen"

    Als Beispiel xD

    Aber ich versteh nicht ganz worauf du hinauswillst o.O

  7. #7
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
    Registriert seit
    28.11.2011
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    623
    Danke
    94
    117 mal in 90 Beiträgen bedankt

    Standard

    Ich spreche von wiederkehrender Unterdrückung von positiven Bedürfnissen, was auf Dauer belastend wird.

    Ich verstehe auch, dass es gar nicht mal so einfach ist, über solche Dinge zu sprechen, weil das viel stärker unsere Scham- und Schuldgefühle berührt wie verletzende Momente der fernen Vergangenheit

    Wie steht es z.B. mit Girls in deinem Leben? Noch nie erlebt, dass du verliebt warst und dich nicht getraut hast, dich zu outen?
    Liebe Grüsse, Martin

    I Psychologieforum.de

    Es gibt ein Leben vor dem Tod - Nutze es!

  8. #8
    Roman Verfasser
    Registriert seit
    27.11.2011
    Ort
    Dresden
    Beiträge
    1.338
    Danke
    174
    309 mal in 242 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Martin,

    na gut, Du bringst ja auch nur erfundene Beispiele

    Ich finde den Mechanismus jetzt auch nicht so kompliziert. Man wehrt die guten Dinge ab weil echte Entspannung, echte Zufriedenheit, ins Gefühl kommen, natürlich Schmerz verursachen würde. Da arrangiert man sich lieber mit der dauerhaften Unzufriedenheit, streitet in Foren oder baut Mist auf der Arbeit, um das gewohnte Elend aufrecht zu erhalten. Jeder Ersatzstreit ist im Grunde besser als auf sich selbst zurückzufallen.

Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 24
    Letzter Beitrag: 06.03.2012, 11:06
  2. Könnte das Forum positiver werden ?
    Von Loewenzahn im Forum Feedback & Themenvorschläge
    Antworten: 67
    Letzter Beitrag: 03.01.2012, 07:26
  3. Gefühle der ex?
    Von Papa2010 im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 14.06.2011, 08:50
  4. Können negative Gefühle positive Gefühle unterdrücken?
    Von DerFragende im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 24.03.2010, 18:19
  5. Gefühle
    Von Schäfchen im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 26.03.2009, 09:48

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!