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Thema: Alkohol und Aggressionen

  1. #1
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    Standard Alkohol und Aggressionen

    Hallo,

    ich bin neu hier und hätte gleich einmal ein paar Fragen bzw. Eure Meinungen zu einem Problem, was nicht mich persönlich betrifft.

    Meine 23jährige Tochter ist seit 2 Jahren mit einem 18 Jahre alten, jungen Mann zusammen.
    Er – ich nenne ihn mal Edi – kommt aus einer zerrütteten Familie, in der Missbrauch und Züchtigungen vor kamen. Die Mutter trennte sich von dem Vater und zog ihre 4 Kinder von zwei verschiedenen Vätern alleine groß. Alle Kinder sind Legastheniker und teilw. hyperaktiv. Alle lernen einen Beruf bzw. sind schon fertig.
    Edi ist ein zurückhaltender Junge, der manchmal etwas geistesabwesend wirkt, aber er ist sehr lieb und nett. In meiner Tochter hat er wohl immer die Beschützerin gesucht, die ihm Geborgenheit gibt und nach der er sich richtet. Sie ist die dominante. Sie liebt an ihm seine liebe Art zu ihr, manchmal geht ihr sein Phlegma auf die Nerven.

    Seit einem halben Jahr wohnen sie zusammen.

    Nun zum eigentlichen Problem:
    Edi trinkt normalerweise wenn er zu Hause ist oder mit meiner Tochter unterwegs, wenig oder gar keinen Alkohol. Ist er allerdings mit seinen gleichaltrigen Freunden auf irgendwelchen Festen oder Feiern, besäuft er sich überwiegend, so dass er am nächsten Tag nicht mehr weiß, was eigentl. alles gelaufen ist. Er wird aggressiv und sucht Schlägereien. Das hat ihm schon eine Gerichtsverhandlung eingebracht und einige Verletzungen. Das letzte Mal wurde auch meine Tochter unbeabsichtigt mit reingezogen, weil sie ihn abhalten wollte.
    Seitdem wird über eine Therapie bzw. Trennung nachgedacht.

    Nachdem ich selber in Therapie bin, habe ich gestern meiner Psychologin von dieser Geschichte erzählt. Sie meinte eine Therapie wäre sehr gut, aber auf alle Fälle darf er keinen Alkohol mehr trinken, weil dieser ihn enthemmt und er keine Kontrolle mehr über sich hat. Wenn er die Therapie nicht machen will, wäre auch ein Entzug sinnvoll. Auf meine erstaunte Frage, ob sie es denn schon für eine Sucht hält, da ja diese Schlägereien bzw. dieses besinnungslose Trinken nur alle paar Monate stattfindet, fragte sie mich dann, ob er denn bei solchen Festen ohne Alkohol auskäme. Auf meine Verneinung meinte sie:“eben“…somit ist es auch eine Sucht. Ich erwähnte noch, dass er ja ansonsten lammfromm sei und normalerweise keiner Fliege was zu leide tut.

    Meine zweite Tochter findet allerdings, dass junge Männer in diesem Alter ja sehr oft zuviel Trinken und dass sich das sicher in ein paar Jahren geben würde…sie sieht darin noch keine Sucht.

    Ich hätte dazu gerne Eure Meinung, vielleicht ist auch ein Fachmann hier, der dieses Problem von der psychologischen Seite betrachtet.

    Für eine Antwort vielen Dank.

    Liebe Grüße

    Trabi

  2. #2
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Trabi,

    ups, ich sehe grad, die wohnen schon zusammen?

    Also er ist bereits dem Elternhaus entkommen? Aber wahrscheinlich noch nicht wirklich frei von diesem System, wie denn auch in dem Alter... Entzug glaube ich nicht, dass das schon nötig ist. Wahrscheinlich muss er sich irgendwann mal mit seiner Familiengeschichte beschäftigen, um sich wirklich davon distanzieren zu können.

    Letztlich kann Deine Tochter nur klarmachen, dass sie da nicht mitmacht, falls er saufen will. Oder sie trägt es eben mit. Aber leere Drohungen und Ermahnungen bringen absolut nix. Eine Therapie muss schon von ihm selbst aus gehen. Wenn da keine Einsicht da ist, wird niemand von euch etwas daran ändern können.

    Diese Trinkerei kann natürlich auch sehr mit dem Freundeskreis zusammen hängen. Ist in dem Alter eben noch wichtig, dazuzugehören. Ideal wäre natürlich: Freundeskreis wechseln und sich von Familie distanzieren. Aber mit 18?

    lg Gaby
    Geändert von Gast784 (16.05.2008 um 17:47 Uhr)

  3. #3
    Neuling
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    Standard

    Hallo Gaby,

    danke für deine Antwort.

    Also du meinst, mit der Familiengeschichte beschäftigen? Dann ist eine Therapie ja wohl unumgänglich, denn alleine wird er das nicht schaffen. Ich denke, dass er dazu noch nicht genügend Verantwortungsgefühl für sich und andere hat.
    Vor einer Therapie hat er aber eher Angst, denn er meint, er könnte dort nicht über seine Probleme reden - wie das Männer ja eben sowieso nicht gerne machen. Meine Therapeutin meinte dazu, dass er nicht reden muss, es wäre schon gut, wenn er in der Therapie über sich und seine Situation nachdenkt.

    Ja, ich hoffe auch, dass meine Tochter nicht immer wieder nachgeben wird, denn dieses Problem hatte ich selber in meiner Kindheit. Mein Vater war ähnlich - allerdings war er nicht aggressiv, wenn er voll war, sondern eher das heulende Elend. Aber ich kenne die jahrelangen Bemühungen meiner Mutter und auch mir, denn ich musste immer vermitteln und ihn bereden...aber ich schweife ab.
    Naja, ich habe ihr aber trotzdem vor Augen geführt, dass genau dieses Verhalten ihre Oma mitmachen musste...und Kinder darunter leiden.

    LG

    Trabi

  4. #4
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    Hallo Trabi,
    schließe mich Gabi an. Wozu soll er einen Entzug machen, wenn er gar nicht körperlich abhängig ist? Als Sucht sehe ich es auch nicht. Es ist Missbrauch, aber keine Sucht. Therapie wäre sicherlich sinnvoll. Aber wenn er sich weigert...Wenn deine Tochter es so toleriert kann es womöglich sein, dass das Problem noch schlimmer wird...Also müsste sie ihm ein Ultimatum stellen. Aber reden wird er in der Therapie wohl schon müssen.
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

    Ich bin frei und ich l(i)ebe es!!!

  5. #5
    Gast784
    Gast

    Standard

    ich weiss ja nicht, wie sportlich der junge Mann ist. Aber Sport bzw. bestimmte Sportarten (nicht unbedingt die Vereinsmeier, die nur etwas sporteln, um danach einen lüpfen gehen zu können), sind gut für die Selbstdisziplin, Selbstbewusstsein und langfristig schmeckt auch Alkohol nicht mehr (weiß nicht warum, vll auch nur, weil sich das bessere Körperbewusstsein auch auf die Ernährung ausdehnt)
    Ist für nen 18jährigen vll zugänglicher, als ne Gesprächstherapie.


    Und das verliebte Päärchen könnte sich so zusammen sinnvoll betätigen


    Falls er eher ein Kreativer wäre, könnte er sich vll auch mit Kunst-, Musiktherapie oder Theaterarbeit locken lassen.

    lg Gaby
    Geändert von Gast784 (17.05.2008 um 10:44 Uhr)

  6. #6
    Schreibkraft Avatar von DanBan
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    Zitat Zitat von Trabi Beitrag anzeigen
    Meine zweite Tochter findet allerdings, dass junge Männer in diesem Alter ja sehr oft zuviel Trinken und dass sich das sicher in ein paar Jahren geben würde…sie sieht darin noch keine Sucht.
    Ich sehe das ebenso; zumindest habe ich diese Erfahrung in meiner Umgebung gemacht. Manchmal gibt sich das, wenn die Lebenssituation gefestigter wird (wenn der Beruf nach der Ausbildung beginnt). Es hängt wohl hauptsächlich von einem Wechsel des Umfelds ab. Wenn sich die Freunde ändern - nicht alle tolerieren oder mögen exzessiven Alkoholkonsum am Wochenende - ändert man auch sich selbst. Er ist nicht süchtig, sondern das wöchentliche Besäufnis gehört einfach zu seinem Freundeskreis dazu.

    Ich denke es würde nicht viel bringen, ihm eine Therapie zu empfehlen, wenn er selbst dies nicht will. Aber man kann es ja mal ansprechen, schaden würde es bestimmt nicht.
    Weiblich, ledig, jung, bekloppt.

  7. #7
    Neuling
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    Hallo,

    er hat diese Sportart angefangen, die man gemeinhin jungen Männern empfiehlt, die Schwierigkeiten haben ihre Aggressionen zurückzuhalten....er boxt und das gar nicht mal schlecht. Auch trainiert er im Fitnessclub. Leider hat er momentan eine Pause eingelegt.

    Danke für Eure Meinungen, finde ich super und bestätigt auch meine Meinung.
    Eine Therapie wäre zwar eigentlich bei den schlimmen früheren Verhältnissen sicher nicht verkehrt, aber ich denke die Hemmschwelle davor ist für ihn momentan noch zu groß. Allerdings finde ich er sollte sich und meiner Tochter beweisen, dass er auch ohne Alkohol auskommen kann oder vielleicht wäre es auch ein Weg bevor man zusammen auf einem Fest erscheint vorher auszumachen, dass man nur bzw. höchstens 2 Bier trinkt und dann ist Schluß. Vielleicht schafft er das ja.

    LG

    Trabi

  8. #8
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    Zitat Zitat von Waris Beitrag anzeigen
    Hallo Trabi,
    schließe mich Gabi an. Wozu soll er einen Entzug machen, wenn er gar nicht körperlich abhängig ist?
    hmmm....reicht nicht schon eine psychische Abhängigkeit...nur mal so in den Raum gestellt? Ich z.B. habe mal eine zeitlang geglaubt internetsüchtig zu sein. Danach hat aber nur mein Geist verlangt...nicht aber mein Körper.
    Aber soviel ich weiß, wird von Fachleuten eh diskutiert, ob solche Dinge mit Drogensüchten vergleichbar sind....

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