psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: Alkoholiker oder nicht?

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    07.10.2007
    Beiträge
    45
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Alkoholiker oder nicht?

    Hallo,

    ab wann ist man ein Alkoholiker? Mein Mann trinkt täglich abends nach Feierabend ca. 2-3 Bier und mind. 1-2 Glas Wein. Jeden Tag! Der Wein gehört für ihn zum Essen dazu, wenn ich mal nur Wasser trinken will, stellt er sich demonstrativ auch nur ein Wasserglas hin ist, aber "muffig" und redet nicht mehr viel beim Essen.
    Der Alkohol lässt ihn locker werden, er wird dann offen, lustig und redseelig. (Ist ja so üblich beim Alkohol) Ansonsten ist er verschlossen, frisst alles in sich hinein und kann nicht aus sich heraus.
    Am schlimmsten ist die Fasnachtszeit. Unsere ganze Familie ist in einem Fasnachtsverein und wenn wir mal zusammen mit ein paar Leuten weggehen, trinkt er immer sehr schnell und mehr wie alle anderen, muss dauernd ein volles Glas in der Hand haben. Er kann nicht mehr aufhören, kennt seine Grenze nicht mehr.
    Ich kann das nur ertragen wenn ich auch Alkohol trinke, dann stört es mich nicht so sehr. Ich habe aber immer noch den Überblick, weiss wann genug ist und wenn ich dann sage, es ist besser wenn wir jetzt heimgehen, dann beschimpft er mich vor allen anderen, ist total sauer auf mich.
    Ich kann ihn aber nicht dortlassen und einfach gehen, ich habe zuhause keine ruhige Minute, kann die ganze Nacht nicht schlafen. Er hat schon im Strassengraben geschlafen wenn er "voll" war, oder ist vor seiner Tochter im Hausflur auf den Boden gefallen und konnte nicht mehr aufstehen. Danach ist es ihm furchtbar peinlich und er reisst sich eine zeitlang zusammen, aber es hält leider nie lange an.
    Wie kann ich mich nur etwas abgrenzen, d. h. wie schaffe ich es nur mich nicht immer für ihn verantwortlich zu fühlen? Ich bin jedesmal heilfroh wenn wir alle wieder zuhause sind, aber ich schaffe es nicht ohne ihn heimzugehen weil ich mir dann immer Sorgen mache. Ich gehe sogar mit auf Veranstaltungen auf die ich gar keine Lust habe, vor lauter Angst, dass er evtl. nicht mehr heimkommt.
    Ich muss dazu sagen, dass ich keineswegs eine Klette bin oder intolerant. Wenn er nüchtern ist, kann er überall alleine hin, nur wenn ich weiss das er sich betrinken wird, da hab ich Angst.
    Ich hab schon immer Bauchweh vor der nächsten Veranstaltung, hoffe immer schon dass es bald vorbei ist und wir wieder zuhause sind, obwohl ich sehr gerne mit dem Verein weggehe, aber immer die Angst, dass mein Mann sich total betrinkt, verdirbt mir den ganzen Spaß.
    Warum muss er sich immer wie ein Teenager betrinken bis zum Umfallen? Warum findet er nie ein Ende? Er muss immer zu den letzten gehören, wie ein Kind das nie genug kriegen kann.
    Oder bin ich das Problem? Die Spaßbremse wie er immer so schön sagt! Ich weiss gar nicht mehr was falsch und richtig ist, ich weiss nur, dass ich es einfach nicht schaffe nur an mich zu denken und ihn einfach machen lassen soll was er will.

    Uschi
    Genau in dem Moment, als die Raupe dachte, die Welt geht unter, wurde sie zum Schmetterling

  2. #2
    Verleger Avatar von Waris
    Registriert seit
    12.01.2007
    Ort
    Köln
    Beiträge
    2.315
    Danke
    174
    277 mal in 164 Beiträgen bedankt

    Standard

    Alkoholiker, eindeutig! Und du bist Co-abhängig. Und im Grunde weißt du das auch, bist gerade dabei, dir das einzugestehen.

    LG Waris
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

    Ich bin frei und ich l(i)ebe es!!!

  3. Die folgenden 6 Benutzer bedankten sich bei Waris für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (27.02.2011),Ibag (28.02.2011),raskowitz (27.02.2011),So Ham (27.02.2011),wolke (19.03.2011)

  4. #3
    Schreiberling
    Registriert seit
    08.02.2011
    Beiträge
    556
    Danke
    43
    91 mal in 77 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo,
    ich stimme @waris zu.
    Wenn ich du wäre würde ich mit ihm reden wenn er nüchtern ist.
    Du könntest ja schon mal schauen wo man sich beraten lassen kann in eurer stadt und ihm dann vorschlagen das ihr da mal zusammen hin geht.
    viel erfolg und kraft

  5. #4
    Schreibkraft
    Registriert seit
    15.01.2011
    Ort
    Kleinstadt mit Herz
    Beiträge
    219
    Danke
    13
    38 mal in 36 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo,

    Co-Abhängige können sich bei Alanon (Angehörigengruppe der anonymen Alkoholiker) beraten lassen, die haben da viel Erfahrung.

    Viel erfolg
    Ibag

  6. #5
    Neuling
    Registriert seit
    07.10.2007
    Beiträge
    45
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo,

    danke für Eure Antworten. Ja ich weiss eigentlich schon lange dass ich Co-abhängig bin, aber man denkt immer ein Alkoholiker, das ist doch einer, der morgens schon seinen Stoff braucht um überhaupt aufstehen zu können. Mein Mann trinkt tagsüber nichts, aber seine Feierabendbiere bzw. Weine und wie gesagt wenn wir weggehen wie z. B. an Fasnacht, dann hat er sich nicht im Griff.
    Mit ihm reden? Kann man vergessen, ich glaiube ich hab mir schon 20 Jahre lang den Mund fusselig geredet, d. h. er wird höchstens aggressiv, hat es noch nie eingesehen oder zugegeben. Er würde NIEMALS mit zu einer Beratungsstelle gehen weil er es nicht einsieht. Dazu muss ich sagen, dass es früher wirklich noch viel schlimmer war, da kam er schon angetrunken von der Arbeit heim.
    Ich weiss, dass es eigentlich nur 2 Möglichkeiten gibt, es akzeptieren und so wietermachen oder sich trennen. Darüber bin ich mir nach 20 Jahren einfach immer noch unschlüssig, zumal er ja nur ab und zu diese "Aussetzer" hat. Mich interessiert im MOment eigentlich mehr wie ich es schaffe, mich davon zu distanzieren, es mir nicht so zu Herzen zu nehmen und vorallem ihn einfach stehen zu lassen und heimzugehen wenn es mir zuviel mit ihm wird. Bisher hab ich es ja immer geschafft ihn zu überreden mitzukommen, aber dafür warte ich oft Stunden auf ihn bis er bereit ist zu gehen und wenn er früher gehen soll ist er gehässig und beschimpft mich. Es ist mir dann aber egal, hauptsache ich hab ihn zuhause und es kann nichts passieren. Wenn er dortbleiben würde, dann werde ich zuhause verrückt vor Sorge was er alles anstellen bzw. was ihm passieren könnte. (Ich hab diese Erfahrungen leider schon gemacht, er musste früher schon mit dem Krankenwagen in der Stadt abgeholt werden oder kam oft die ganze Nacht nicht heim).
    Die nächsten Fasnachtstage sind schon bald und anstatt mich zu freuen hab ich schon wieder "Magenschmerzen".
    Ich will aber auch eine schöne Zeit verbringen und versuchen ihn zu ignorieren und einfach zu schauen dass es mir gut geht, aber ich schaffs einfach nicht.

    Liebe Grüße
    Uschi
    Genau in dem Moment, als die Raupe dachte, die Welt geht unter, wurde sie zum Schmetterling

  7. #6
    Neuling Avatar von A_Nette
    Registriert seit
    07.03.2011
    Ort
    Der Osten Münchens
    Beiträge
    9
    Danke
    4
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Uschi.
    Dein letzter Beitrag ist schon ein Weilchen her...trotzdem, vielleicht liest du ja noch.
    In dieser Situation kannst du nur an dich denken.
    An deinen Mann kannst du nicht denken, das besorgt der Alk für ihn. Und Hilfe von aussen kommt ohnehin nicht zu ihm durch, solange er sich nicht entschieden hat - gegen den Alk.
    Vielleicht könnte es dir helfen, dir eine ganz pragmatische Liste zu machen.
    Die Beziehung tut dir gut weil... und schlecht weil....
    Es kann helfen, Situationen so zu betrachten und aufzudröseln, wie es dir wirklich geht....denn das Hinnehmen kann keine Lebensqualität sein...
    Ich wünsche dir in jedem Fall alles erdenklich Gute....und viel Kraft.
    Arma in armatos sumere iura sinunt.

  8. #7
    Neuling Avatar von Renaissance
    Registriert seit
    09.03.2011
    Beiträge
    17
    Danke
    0
    6 mal in 3 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von Uschi Beitrag anzeigen
    Warum muss er sich immer wie ein Teenager betrinken bis zum Umfallen? Warum findet er nie ein Ende? Er muss immer zu den letzten gehören, wie ein Kind das nie genug kriegen kann.
    So ist es halt, wenn man sein ganzes Leben lang nichts anderes macht als schaffe, schaffe, Häusle baue... Der gute Mann hat wohl einfach nichts, was ihm mehr Spannung bringt als einen über den Durst zu trinken.

  9. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Renaissance für den sinnvollen Beitrag:

    Geoff (14.09.2011)

  10. #8
    Neuling
    Registriert seit
    30.11.2009
    Beiträge
    68
    Danke
    6
    3 mal in 3 Beiträgen bedankt

    Standard es ist halt so!?

    liebe uschi und liebe ihr alle

    "es ist halt so" - basta.

    zur zeit durchlebe ich gerade "liebe sterben zu sehn". nachzulesen in meinem beitrag.

    grundsätzlich zur frage alkoholiker oder nicht folgendes:
    wer täglich alkohol trinkt IST alkoholiker. der eine etwas mehr, der andere weniger.
    alkoholiker sind und bleiben mitmenschen unserer gesellschaft. jedoch können sie, wie bei dir uschi, auf die nerven gehen. gerade wir mitmenschen, die um alkoholiker herum leben, haben es nicht gerade einfach. einerseits lieben wir unsere partner, andererseits hassen wir sie für ihr verhalten.

    wie können wir uns distanzieren oder gar schützen, damit wir nicht selber den bach runter gehn?

    therapie, hilfe anfordern? wo?
    und vielleicht sogar für uns selber, wenn der partner trinkt?

    und wo könnten wir selber gelassen hilfe leisten, diesem selber, der es verursacht? indem wir es akzeptieren oder uns trennen?

    wo liegt das gute gefühl der hilfeleistung und dem gefühl der eigenen empfindung?

    wer nicht mit einem "besoffenen" menschen zusammen leben muss, wird wohl kaum nachempfinden können, wie dramatisch die situation im ernst des lebens ist.

    fakt ist, das ein alkoholkranker mensch sich nicht helfen lassen wird. weil diese sucht über allem vernichtend und nicht therapierbar ist. grenzen gibt hier nur die eigene distanz zum alkohol.
    aber, wer einen partner hat, der trinkt, wird ihn nicht einfach im stich lassen. er macht sich eben sorgen, um diesen.
    dabei geht dieser mensch selber am alkoholverhalten des partners zu grunde.
    obwohl mancher vielleicht wünscht, mit gut zureden, könne einiges besser werden. vergesst es einfach.

    liebe uschi, du hast diesen mann geheiratet. hast ihm das ja-wort gegeben - in guten, wie in schlechten zeiten. du möchtest dich nicht von ihm trennen. das finde ich schön von dir. leider seit ihr aber schon längst getrennte leute. hier gibt es kein wenn und aber.

    hier geht es nur noch um dich selber, wie du damit umgehen kannst.

    mach es, wie die sonnenuhr, zähl die schönen stunden nur. mach dir keine sorgen, wenn du ihn am fest stehen lässt. der kommt schon irgendwie nach hause. du bist nicht seine mama, wo er sich nach seinem bubenstreich ausweinen kann. du bist nicht sein fels in der brandung. du bist nicht sein eigentum. du bist ein mensch, der erwarten kann, das der andere behutsam mit dem gegenüber umgehen kann.
    wenn dieser es nicht (mehr) kann, verspielt er die liebe, die du ihm schenkst.

    wer ein geschenk (die liebe) nicht mehr geben kann, weil er der sucht des alkohols verfallen ist, muss dieser die konsequenz der vereinsamung selber tragen. lass ihn machen, was er will.

    du, gräme dich nicht. geh abends mal auf einen spatziergang (obwohl du nicht gerne alleine gehst). und wenn du nach hause kommst, räume seine getrunkenen flaschen nicht weg. räume auch nicht anderes auf in der wohnung. lass es liegen.
    wenn er dann noch nicht erkennt, das du nicht sein "putzlappen" bist, dann frage ihn einfach mal, ob es ihm egal ist, das du ihn von herzen liebst.

    er wird dir bestimmt sagen, wie glücklich er im grunde mit dir ist. er wird aber weiter trinken. er hat dich verloren - und du ihn leider auch.

    es ist halt so.

    mach das beste daraus. wie ich. meine partnerin trinkt auch. ich werde sie bestimmt in einem jahr auf dem friedhof besuchen dürfen. egal, wie sehr ich mich bemühte, ist es ein verlorener kampf um liebe und besserung. alkohol gehört zu der legalen droge, die jeder erwachsene bekommen darf, ohne einschränkung.

    wenn dein mann sauer wird, das du ein glas wasser zum essen willst, dann werde du auch mal sauer, wenn er das glas wasser für sich selber hinstellt. sag ihm, er möge doch bitte "sein" glas bier selber vor sich hin stellen. und erst recht nicht abweisend reagieren, wenn du lieber ein glas wasser zum trinken haben möchtest.

    schliesslich darfst du es haben, wie du es gerne haben möchtest.

    und wenn er wieder mal betrunken ist, soll er halt weinen. und weint es ihm vor lauter wein, dann wein ihm keine träne nach.

    er wird (vielleicht) auch wieder einmal nüchtern. aber deine tränen, die du um ihm weinst, sind ihm einfach egal (er kann dies nicht erkennen).

    ER ist alkoholkrank. und du bist und bleibst seine frau.

    liebe grüsse

  11. Der folgende Benutzer bedankte sich bei oroblram für den sinnvollen Beitrag:

    mali (22.04.2011)

Ähnliche Themen

  1. Alkoholiker
    Von Hackstock2 im Forum Sucht
    Antworten: 15
    Letzter Beitrag: 21.02.2011, 22:17
  2. Weis nicht ob ich mich trennen soll oder nicht
    Von Bambi im Forum Neu bei Psychologieforum.de?
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 21.09.2010, 16:05
  3. Mein Onkel war Alkoholiker...
    Von BrokenSoul im Forum Sucht
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 02.04.2010, 12:28
  4. Weiss nicht mehr weiter... versteh mich selber nicht..
    Von Gast2971 im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 02.06.2009, 09:47
  5. Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 18.12.2008, 21:28

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!