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Thema: Alkoholismus beim Vater

  1. #1
    Neuling
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    Standard Alkoholismus beim Vater

    Hallo liebe Forumsmitglieder!

    Ich wende mich nun an das Forum weil ich mit meinem Vater nicht mehr weiter
    weiß.
    Grob was zu meiner Person: Ich bin 19 Jahre alt und Psychologiestudent im ersten Semester.
    Nun zum Problem:
    Mein Vater ist seit nunmehr 4 Jahren Alkoholiker mit meiner Meinung nach manigfältigen, einhergehenden psychischen Erkrankungen. Ich hol nun mal ein wenig aus, damit mein Problem nachzuvollziehend ist:
    Alles begann, als meine Mutter vor 4 Jahren einen Job in Baden-Würtemberg bekam und deshalb halbwöchig dort wohnt/arbeitet. Wohnen tun wir in Thüringen. Mein Vater begann, häufig zu trinken, was man gar nicht gewohnt war, da meine Eltern bisher eher Abstinenzlern glichen, die auf jeder "Feier" wenn man es so nennen kann, nichts oder wenig tranken. Ich litt wie der Rest der Familie anfangs sehr darunter (mitunter immer noch), da er sich, wenn er trinkt, drastisch verändert.
    Mein Vater hatte laut eigener Aussage eine sehr schwere Kindheit mit schlechtem Verhältnis zu seinen Eltern, insbesondere zu seinem Vater, woraufhin er natürlich bei mir "alles besser machen wollte". Klar, in der Pupertät hat man ja in der Regel ein eher gebrochenes Verhältnis zu seinen Eltern, so auch bei mir, jedoch war er immer auf der Suche nach Anerkennung und wollte Liebe/Zuneigung meinerseits schon fast penetrant erzwingen (kam jeden Tag, teilweise im Halbstundentakt zu mir ins Zimmer, und fragte mich einfach, wie es mir ging). Man kann sich natürlich vorstellen, dass das einem pupertierenden Kerl mächtig "auf den Sack" geht, wenn ein Elternteil so unglaublich penetrant ist. Desweiteren wollte er auch immer "kuscheln" und umarmt werden und das, obwohl ich doch schon längst aus dem Alter, wo man sowas noch mit seinen Eltern macht, raus war. Lange Rede kurzer Sinn, wie ihr euch vorstellen könnt, hab ich ihn in dieser Zeit natürlich abgeblockt. Seither redet er nur noch davon, dass "keiner ihn mag". Sein Hass bezieht sich dabei vor allem auf mich und meine Mutter, von der er der kranken Meinung ist, sie hätte uns Kinder (habe noch eine kleine Schwester, 17 Jahre) systematisch von ihm weggehalten und alles ist ihre Schuld. Nur als der Alkohol kam, wurde alles viel schlimmer.

    Anfangs habe ich nicht verstanden, warum er trinkt, war ja eigentlich immer alles halbwegs okay bei uns, nur dann sagte mir meine Mutter, dass er starke Depressionen hat. Ihm fehlt laut eigener Aussage einfach die "Liebe" wie er es nennt, nur versteht er nicht, dass man diese nicht erzwingen kann. Sein Job gibt ihm den Rest, er ist Rechtsanwalt mit stark sinkender Mandantenzahl und hat schon immer seinen Stress von der Arbeit in die Familie gebracht/ihn dort rausgelassen, was zu einem schlechten Familienklima geführt hat, über meine ganze Kindheit hinweg.

    Aufgrund seiner strikten Weigerung, sein Problem anzuerkennen und sich helfen zu lassen, ist es immer schlimmer geworden. Er trinkt jetzt immer gezielt wenn ich nach Hause komme, um seinen Frust an mir auszulassen. Er beschimpft mich und meine Mutter stark und redet mit einer ganz ganz bösen Stimme, ich kann das kaum beschreiben. Angegriffen hat er mich auch schon, desweiteren schlägt er Dinge in der Wohnung kaputt und verzieht sich in sein Büro/in den Keller (was sehr schrecklich klingt: er hat dort einen Raum mit nur einem Stuhl, in dem er in vollkommender Dunkelheit Stunden verbringt). Als ich noch zuhause gewohnt habe, habe ich ihn oft versucht dort rauszuholen, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das für ein Gefühl ist. Desweiteren droht er vor allem meiner Mutter häufig mit Selbstmord, was sie mir auch erzählt, weil ich darauf bestanden habe, alles zu wissen (war für meine Psyche im Endefekt keine gute Entscheidung).
    Da meine Schwester hier Abi macht und nicht weg will, da sie hier einen festen Freund hat, kann sie mit meiner Mutter auch nicht ausziehen. Da meine Mutter aber generell sehr zart beseitet ist, kann sie mit dem Problem nicht umgehen, meine Schwester redet sich immer ein, dass alles wieder besser wird.

    Ich selbst habe aber unglaublich darunter gelitten, letztes Jahr bin ich aufgrund dessen auch in tiefe Depressionen gefallen, da ich Angst hatte, mein Leben könnte gleiche Tendenzen annehmen wie seins, da ich zuhause ja auch wahnsinnig schlimme Dinge miterlebt habe. Von der Depression habe ich mich zwar weitestgehend erholt, jedoch lasse ich es generell sein, über mein Leben zu reflektieren, da es mich ängstigt, evtl. Parallelen zu dem meines Vaters zu finden. Da man mit niemandem über diese Probleme reden kann, habe ich auch vieles in mich reingefressen, desweiteren "musste" ich immer den toughen Kerl in der Familie spielen, da meine Mutter und meine Schwester es glaub nicht hätten sehen können, dass auch ich darunter zerbreche, gerade auch, weil ich der "große Bruder" bin.

    Womit ich nicht klar komme ist die Tatsache, dass sich nichts ändert, das alles nur schlimmer wird. Wenn er betrunken ist, entwickle ich auch sehr schnell Aggressionen und würde ihn am liebsten zusammenschlagen. Auch (und das schockiert mich selber) habe ich ihm schon häufig insgeheim den Tod gewünscht.
    Den Kontakt mit ihm habe ich abgebrochen, jedoch ruft er mich dennoch häufig an, ich geh dann in der Regel nicht dran, jedoch möchte meine Mutter dass ich rangehe, weil sie naiver Weise irgendwo noch was Gutes sieht in ihm.
    Über Weihnachten war ich zwangsläufig daheim, war alles okay, bis wir im Kino waren. Ich saß hinter ihm und habe meine Füße von hinten an seinen Sessel gelehnt. Da ich ein sehr unruhiger Mensch bin, was das Stillsitzen betrifft, habe ich die Fußposition häufig mal gewechselt. Wusste nicht dass ihn das stört, hätte er ein Wort gesagt, hätte ich es sofort gelassen.
    Auf jeden Fall komme ich heute ein wenig zu spät zum Mittagessen, er schon wieder total dicht am Tisch. Dann wirft er mir vor, ich wollte ihn gezielt pisaken im Kino, und er hätte jedem einen "in die Fresse geschlagen" nur mir nicht(spiegelt seine unbändige aggressive Art wieder, wenn er dicht ist). Naja, wir streiten uns halt wieder, er geht in den Keller, säuft weiter und fährt dann noch meinen Kumpel nach Hause, weil er diesen zufälligerweise im Treppenhaus trifft (besoffen!). Sowas ist mir unglaublich peinlich, doch ich hoffe insgeheim darauf, dass es auffliegt, ich würde es am liebsten ans Haus sprayen damit es jeder weiß.

    So hoffe ein paar haben es bis zum Ende durchgehalten, ich habe mir einfach mal die Seele vom Leib geschrieben, das tat mir jetzt gut

    Meine Fragen sind nun, ob jemand "Tipps" für mich hat, wie ich mit der Situation klar kommen kann, irgendwelche besänftigenden Worte würden schon gut tun, ich weiß oft nicht, wo mir der Kopf steht. Jedes Mal dem besoffenen, geisteskranken Vater in die Augen zu schauen ist wie wenn man es das erste mal tut. Ich habe keine Lust unter Langzeitschäden zu leiden, weil ich mir keinen qualifizierten Rat geholt habe, ich denke mal hier im Forum sind ein paar dabei, die mir da helfen können, vor allem in dem Aspekt, wie ich selbst mit mir umgehen soll, da die Vatersituation ja wohl nicht zu ändern ist.
    So, obwohl ich nun so viel geschrieben habe, habe ich immer noch das Gefühl, informationsmäßig nur an der Oberfläche gekratzt zu haben.

    Dennoch, nebst den ganzen Negativschlagzeilen, wünsch ich euch ein frohes Neues!

    Liebe Grüße, Momo

  2. #2
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Momo,

    es ist ja schon mal gut, dass Du so gut differenzieren kannst, und Dir keine Schuldgefühle machen lässt.

    Aber es klingt natürlich nicht gut, was Du da alles erzählst. Selbstmorddrohungen und Agressionen, sry, aber da könnte Deine Mutter zu ner psychologischen Beratungsstelle gehen und sich Rat holen bzw wenns wirklich bei euch brenzlig wird, den Notarzt anrufen, weil das sehr nach Selbst- und/oder Fremdgefährdung klingt. Und da kann man ihn einweisen lassen. Er wird zwar dann wahrscheinlich nach 3 Tagen wieder da sein. Aber ihr solltet wissen, dass ihr diese Möglichkeit habt und die im Notfall sofort umgesetzt wird.

    Auf ihn einwirken wird eher nix nützen, da es bisher ja trotzdem eher schlimmer, anstatt besser wurde. Selbst wenn ihr die Hintergründe beleuchten würdet, wie es dazu kommen konnte, würde das an der Situation nix ändern. Der Mann gehört in Behandlung und er wird das beim derzeitigen Status nicht einsehen. Womöglich ist er sogar psychotisch, wer kann das hier schon sagen

    Ihr müsst daher gut auf euren Selbstschutz achten und notfalls entsprechende Maßnahmen ergreifen.

    ich wünsch Dir einen guten Jahreswechsel und euch viel Kraft.

  3. #3
    Neuling
    Registriert seit
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    Standard

    Danke für deinen Rat, das mit dem Notarzt hab ich ned gewusst, geschweigedenn, dass man ihn einweisen lassen kann (wenn auch nur kurz). eventuell werde ich diese maßnahme mal ergreifen, wenn es wieder richtig schlimm ist, desweiteren lässt vielleicht nur ein solches hartes durchgreifen ihn die ernstigkeit der lage erkennen.

  4. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    vielleicht nur ein solches hartes durchgreifen ihn die ernstigkeit der lage erkennen
    In allererster Hinsicht geht es um euren Schutz und darum, dass er vor sich selbst geschützt wird.

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