psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 6 von 6

Thema: Am 15.07. ist Zapfenstreich...

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    01.07.2010
    Beiträge
    2
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Am 15.07. ist Zapfenstreich...

    Hallo liebe Leute!
    Bin mir zwar nicht sicher, ob dies das passenste Unterforum ist, aber sei's drum...

    Ich hätte wohl schon vor Jahren hierher kommen sollen, die Idee kam mir jedoch erst jetzt, als ich am Scheideweg stehe zwischen Studium oder sonstwas, in einer "sinnlosen" Welt...

    Einleitend ein kurzer Leidens-Lebenslauf


    Vor mittlerweile knapp 5 Jahren wurde ich, als 12.Klässler, Single - ich habe die Fernbeziehung(!) selbst beendet, weil ich einfach nicht mit der Entfernung zurecht kam und den Zweifeln. Diese waren durchaus auch dadurch begründet, dass ich aufgrund meines Übergewichts nicht nur kaum Selbstvertrauen habe, sondern mich regelrecht schäme und mich auch selbst anwiedere, wenn ich mich z.B. im Spiegel sehe...

    Dies hat natürlich auch meine schulische Laufbahn beeinflusst - ich fühle mich in der Öffentlichkeit stets unwohl, es gibt nur ganz wenige Vertraute, bei denen ich auch mal kurzzeitig nicht das Gefühl habe, jeder sehe mich an und wäre ebenso angeekelt von mir, wie ich es bin...

    Dabei bin ich eigentlich sehr gesellig von meinem Auftreten, bin auch beliebt unter meinen Mitschülern (naja, am Samstag ist Abi-Feier, dann ist auch das vorbei [habe mein Abitur nun nachgeholt, nachdem ich es vor 4 Jahren abgebrochen hatte]) und trotzdem fühle ich mich unglaublich einsam. Habe auch seit längerem keinen Freund/ Freundin mehr, der ich mich wirklich anvertrauen könnte...

    Wenn ich darüber nachdenke, was mir am meisten fehlt oder was ich am meisten vermisse, dann sind die beiden Dinge, die mir sofort einfallen: jemanden, der mich in den Arm nimmt und ein schlanker eigener Körper.

    Ich würde gar sagen, dass ich vor seelischer Einsamkeit in einem Teufelskreis stecke, da dies meine sozialen Kontakte sicherlich auch erschwert, ich zugleich aber NICHT einsam oder depressiv wirke - klinisch bestätigt von der Uniklinik in Freiburg.

    Besonders auffällig ist meiner Eigenanalyse nach auch, dass ich mich manchmal total in ein Thema hineinsteigere, bzw. oft nur um anschließend wieder in eine totale Lustlosigkeit abzustürzen.

    Es kommt schon mal vor, dass ich eine Fantasy-Roman-Reihe mit 5 Bänden à 800 Seiten in einer Woche verschlinge, an einem Tag 15 Stunden Anime schaue, oder einen ganzen Tag Musik höre und mich dabei übers Gittarenspiel informiere - gelernt habe ich es nie.
    Und dann kommt wieder eine Phase, manchmal ein Abend, manchmal eine Woche, in der ich mich zu gar nichts aufraffen kann. Alles für sinnlos erachte. Wozu lebe ich überhaupt? (Verwechselt dies nicht mit Suizid-Gedanken, tatsächlich schätze ich das Leben, aber ob der falschen Gründe: Ich möchte mehr fremde Welten erkunden, sei es in Bild oder Schrift.). Mein Schaffen erscheint mir sinnlos in einer Welt, die man im Englischen als "rotten" bezeichnen könnte. Wenn ich an Geschehnisse denke wie z.B. die Totschläger in der U-Bahn, steigende (Jugend-)Kriminalität oder Umweltzerstörung, dann blutet mir das Herz. Was für einen Sinn macht es, sich in dieser Welt einer Aufgabe zu widmen? Einer Welt ohne Gerechtigkeit?

    Wozu noch die Mühe machen, Formeln zu lernen, wenn der Mathe-Lehrer einen eh nicht leiden kann und man bestensfalls zu einer mäßigen Zensur kommen kann?

    Neben meinem Selbstwert ist also auch die Sinnfrage für mich von großer Bedeutsamkeit.

    Vielleicht auch, weil ich mir bis zum 15.07. überlegen muss, was ich tun möchte - denn dann endet die Frist, sich an der Uni zu bewerben. Wofür? Das weis ich trotz stundenlanger Recherche nicht. Geld interessiert mich wenig. Ich möchte etwas tun, womit man etwas Erreichen, Verändern, Verbessern kann.

    Meine Hobbys und Fähigkeiten sind sehr begrenzt. Ich lese und schreibe gern (handschriftlich auch durchaus fehlerfrei) und bin unglaublich emotional (d.h. ich lese seit Jahren, als "Kerl" beispielsweise Cecilia Ahern oder Janet Evanovich etc. und muss bei jedem sentimentalen Quatsch heulen, z.B. während des Lion King Musicals, oder auch wenn bei einer Liebeskomödie am Ende endlich alles gut geht etc.).

    Ich habe keinen Glauben an mich, noch an diese Welt. Ist es nicht egal, was ich mache? Wo steckt der Sinn? Ein paar Romane lesen kann ich auch ohne akademische Bildung oder eine Ausbildung. Doch da kommt das nächste Problem: wenngleich ich emotional keinerlei Bindung zu meinen Eltern habe - aus diversen Gründen - so habe ich doch das Verantwortungsgefühl, ihnen nicht länger zur Last fallen zu wollen, nachdem ich jetzt mit 22 gerademal mein Abitur habe - mit 3,1 übrigens eines, was sich nicht unbedingt für geisteswissenschaftliche Studienfächer eignet (trotz 13 Pkt in Deutsch und 12 in Englisch).

    Ich denke, mein größtes Problem ist mein Minderwertigkeitskomplex - aber woher sollte denn Selbstbewusstein auch kommen, wenn man als emotionaler Mensch seit 5 Jahren einsam und ungeliebt ist und mit 22 Jahren nocht nichts im Leben erreicht hat? Wie kann ich Einsamkeit und Selbsthass überwinden? Wie kann ich als talentloser, beruflich gesehen Interessenloser (nunja, da wäre höchstens Journalismus, aber das sind Heute ja auch nur lächerliche Ja-Sager), weiterleben?

    Ich bitte um Ratschläge und Hilfe... seien sie auch noch so banal.


    Danke für eure Zeit...

  2. #2
    Bestseller Autor Avatar von glasheuler
    Registriert seit
    01.03.2009
    Beiträge
    1.510
    Danke
    95
    144 mal in 111 Beiträgen bedankt

    Standard Hi Lonsome,

    die Gefühlsschwankungen von denen Du berichtest sind jedem der Deinen
    Thread liest hinreichend bekannt. Auch hier gibt es, wie in jedem Lebensbereich, Unterschiede was deren Intensität anlangt.

    Wie Du Dich auch immer entscheidest, wenn Du den 15.07. als Anmeldetermin versemmelst wirst Du Dich dafür anschliessend geisseln.
    Warum ? Ich lese in Deinem Kommentar nur negatives, Du hast Geschick
    dafür entwickelt Dir nur die negativen Gesichtspunkte herrauszupicken und das positive aussen vor zu lassen. Das hört sich fast wie eine Alibifunktion an, eine Anmeldung könnte die Wende einläuten.


    Gruß
    glasi
    Das Wort "Glück" würde seine Bedeutung verlieren hätte es nicht
    den Widerpart in der Traurigkeit.
    C.G.Jung

  3. #3
    Neuling
    Registriert seit
    01.07.2010
    Beiträge
    2
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von glasheuler Beitrag anzeigen
    Wie Du Dich auch immer entscheidest, wenn Du den 15.07. als Anmeldetermin versemmelst wirst Du Dich dafür anschliessend geisseln.
    Hallo, glasi!

    Das weis ich durchaus... ich habe auch eine umfangreiche "Fehltagsstatistik" in den letzten Schuljahren, was wiederrum in Selbstvorwürfen mündete, durch die ich Nachts nicht schlafen konnte / Magenschmerzen etc. wodurch ich wieder nicht zur Schule ging (gleichzeitig war mir bewusst, dass ich mir diese Probleme selbst schaffe, woraufhin ich mich wieder selbst "geissle"...)

    Aber wie bereits geschrieben, trotz allem, habe ich keine Ahnung, was ich tun soll - weil ich nichts kann, was von Bedeutung wäre. Mich interessiert im klassischen Sinne auch nichts, womit sich realistisch betrachtet Geld verdienen lässt...

    Zugleich bin ich auch jetzt noch ein Kindskopf, der eher in die Schule (bzw. Uni) gehört, als in die "harte" Realität...
    Nur trotz aller Orientierungshilfen gibt es nichts.... Karriere und Ansehen interessieren mich nicht.

    Meine Eltern sind da auch keine Hilfe. Einerseits zu lasch, um mich zu bedrängen, andererseits zu uninteressiert um mich zu unterstützen. Solange ich "Anstand" wahre, also nicht anfange, Drogen zu nehmen oder dergleichen, ist in deren Ansicht wohl alles im Lot.


    Aber glasi, wenn du schon so treffend(?) mein Geschick für Pessimismus benennst, wie kann ich dies denn evtl. ändern?

    Denn tatsächlich fällt mir beim besten Willen nichts ein, was an mir positiv wäre. Wenn ichs versuche kommen automatisch die negativen "Antworten".

    Als Bsp:

    Ich werde jetzt natürlich gelobt mein Abi bestanden zu haben. Doch was ist das schon? Ich bin 22 - könnte mein Abi also schon lange haben. Ausserdem machen SEHR viele Menschen Abitur.
    Zudem wäre mit einem IQ von 125 ein weit besseres Abitur möglich als mein 3,1 Schnitt - also mein Abi ist sicherlich kein Grund, vor Selbstbewusstsein zu strotzen. Stattdessen sehe ich es eher als Kritikpunkt: Du bist nicht nur hässlich, nein, deine Intelligenz lässt du verkommen!

    Und auf Intelligenz stolz zu sein wäre selbstredent lächerlich, schließlich haben wir darauf kaum selbst Einfluss genommen, sondern höchstens die mir uns betrauten Pädagogen.

  4. #4
    Bestseller Autor Avatar von glasheuler
    Registriert seit
    01.03.2009
    Beiträge
    1.510
    Danke
    95
    144 mal in 111 Beiträgen bedankt

    Standard Hi Lonsome,

    in Deiner Antwort, für die ich mich bedanke, wimmelt es wieder nur
    von Reglementierungsversuchen Dir selbst gegenüber.

    Fangen wir mal beim Körpergewicht an... Natürlich ist es vielen verwehrt
    glasis Idealmasse (und Körpergewicht) zu haben. Es ist für Dich auch ein
    verdammter Teufelskreis: Du schaust in den Spiegel, siehst Deine unvorteilhafte äussere Erscheinung und gönnst Dir als Trostpflaster
    wohlmöglich kalorienreiches.

    Hier wäre die erste Möglichkeit in den Modus positiven Handels zu kommen: Beweise Standfestigkeit und tue es nicht ! Schreibe Dir jede
    Gewichtsveränderung auf, ein langer, entbehrungsreicher Weg liegt
    vor Dir, ab nur so gewinnst Du die Eintrittskarte für ein sinnvolles,
    selbstbewusstes Leben mit vielen positiven Akzenten.

    Fange damit an, und zwar heute noch !

    Liebe Grüße
    glasi
    Das Wort "Glück" würde seine Bedeutung verlieren hätte es nicht
    den Widerpart in der Traurigkeit.
    C.G.Jung

  5. #5
    Gast5064
    Gast

    Standard

    Hallo Lonesome,

    es gibt keinen Zapfenstreich. Das Leben ist ein Prozess. Es ist Entwicklung. Du wirst immer das tun, was zu tun Du Dich entschieden hast. Wenn Du in einem schlanken Körper leben willst – erschaff Dir einen. Ernähr Dich gesund und mach Sport. Wenn Dir gesunde Ernährung und Sport lästig sind, trag die Konsequenzen Deiner Entscheidung und bleib Dir selbst eine Last. Du bist der einzige in Deinem Leben, der sich selbst eine Last sein kann. Du selbst lebst mit Dir und trägst Dich herum. Ich sage das völlig wertneutral und möchte so verstanden werden. Übergewicht ist nichts "Schlimmes". Übergewicht ist "mehr Gewicht mit sich herumtragen, als für einen selbst gut ist". Und das weißt Du ja bereits. Denn Du willst es ja anders. Du formulierst es so: "… ein schlanker eigener Körper." Nur Du selbst kannst Dir einen solchen Körper gestalten. Bezeichnend finde ich Deine Formulierung "800 Seiten in einer Woche verschlingen". Das Schlingen scheint einen großen Stellenwert in Deinem Leben einzunehmen. Es könnte ein lohnender Prozess für Dich sein, Dich damit auseinanderzusetzen.

    Das Leben ist nicht "sinnlos". Das Leben hat jeweils den Sinn, den Du selbst ihm gibst. Entdecke Du Deinen eigenen Sinn für Dich. Dafür brauchst Du nur Dich selbst. Du bist für Deine Gedanken und für Dein Tun selbst verantwortlich. Übernimm diese Verantwortung. Dann wird das, was Dir Last war, zu Lust.

    Alles Gute,
    Tamara

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast5064 für den sinnvollen Beitrag:

    Krümel (02.07.2010)

  7. #6
    Schreibkraft Avatar von Krümel
    Registriert seit
    04.09.2007
    Ort
    überall und nirgendwo
    Beiträge
    212
    Danke
    61
    59 mal in 29 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Lonesome.

    Zitat Zitat von Lonesome Beitrag anzeigen
    Zugleich bin ich auch jetzt noch ein Kindskopf, der eher in die Schule (bzw. Uni) gehört, als in die "harte" Realität...
    Nur trotz aller Orientierungshilfen gibt es nichts.... Karriere und Ansehen interessieren mich nicht.
    Ich weiß ja nicht, inwiefern du in der letzten Zeit die Bildungsdebatte mitbekommen hast, aber als Kindskopf kommst du in Zeiten von Bachelor und Master nicht weit an der Uni Genauso wenig übrigens, wenn du nur "um des Studierens willen" ein Studium anfängst. Hinter einem Studium muss man - vielleicht nicht zu 100%, aber wenigstens zu 90% - stehen, sonst zieht man es nicht durch.

    Wenn du etwas hast, das dich interessiert kannst du natürlich erst herausfinden, ob es ein Fach für dich ist, wenn du dich (nach Fachstudienberatung!) ins 1. Semester stürzt und dann ist auch nichts schlimmes dran, wenn du am Ende des 1. Semesters feststellst, es ist doch nix für dich. Aber wenn du noch gar nichts weißt, dann mach doch lieber nochmal ein halbes Jahr oder ein Jahr Pause, reise ein bisschen oder jobbe, lern verschiedene Berufe kennen und zieh vielleicht auch gerne mal eine Ausbildung in betracht

    Und zu der hohen Intelligenz: Je älter ich werde ( ), desto mehr denke ich, dass dir bei dem Thema jeder Test ein anderes Ergebnis bringt und "hochintelligente" Menschen auch in der Schule versagen können. Und dann bin ich auch lieber durch die Fächer hindurch durchschnittlich begabt, als absolut einsitig hochbegabt...

    Und sonst kann ich mich Tamara nur anschließen: Leben ist, was DU draus machst!

    Lg
    Krümel
    Und will ich die Sterne dann finde ich selbst dorthin
    Ich wachse und lerne und bleibe doch wie ich bin
    Ich wehr mich bevor ich mich verlier
    Denn ich gehör nur mir!

    Elisabeth, "Ich gehör nur mir"

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!