Hallo liebe Forum-Members,
ich bins, der neue.
Nach lachsem Anfang nun zum Problem, denn dafür habe ich mich ja (leider) überhaupt registriert. Es geht weniger um mich, als vielmehr meine Freundin.
Ich weiß gar nicht, ob ich alles erzählen soll. Sie hat eine Angststörung und Depressionen - so weit, so "normal". Auch "normal" für dieses Krankheitsbild sind Zwänge. So lange es "kein Fleisch essen" oder "keine gelben Sachen essen" war, war für mich alles okay. Das waren nette Macken. Da auch ich meine psychologischen Schnitzer habe, harmonierten wir super. In diese Harmonie habe ich mich auch seinerzeit verliebt.
Mit ihren depressiven Attacken kam ich gut zurecht. Eine tröstende Schutlter, ein Aufbauen, lieb sein.. was es braucht um solche Phasen zu überstehen. Mein Beschützernistinkt und meine Zuneigung konnten das gut kompensieren.
Vor gut einem Jahr begann der Irrsinn (nicht im psychologischen Sinne!).
Sie hatte Stress auf Arbeit. Sch... Kollegen, Sch... Chef, Sch... Job. Das nimmt Depressive mehr mit als "normale". Sie bekam Schlafstörungen und dafür Amitryptilin - 75mg. Erst einmal harmlos.
Irgendwann, als es nicht mehr ging die Kündigung, Arbeitslosigkeit. Nun nahm sie die Amis nicht mehr allein Abends zum Einschlafen, sondern Mittags.
Ich kenne sie vom Abend unter "Drogeneinfluss", da ist sie etwas duselig und müde. Sie muss Mittags deutlich mehr genommen haben, denn sie war total "high".
Ich kam also von der Arbeit und fand ein lallendes Häuflein Elend vor. Ich versuchte mich mütterlich um sie zu kümmern und in nüchternen Momenten redeten wir darüber. Sie erkannte ihr "Problem" und versrpach zum Arzt zu gehen. Sie ging zum Psychologen, was im Ersten Moment für mich der richtige Schritt war und kam nach Hause.
Nun bekam sie noch ein Medikament - Paroxytin. Und sie soll ruhig abends mehr Amitryptilin nehmen - ruhig 100mg. Ich dachte mir - Hallo?
Stark war der Verdacht, dass sie die Sache mit "Medikament + Alkohol" wohl verschwiegen hatte.
Es ging also so weiter - und eskalierte.
Mittlerweile steigerte sich das ganze über fast ein halbes Jahr.
Sie rief mich im Büro an, ihr "ginge es nicht so gut" und sagte mir - Gott sei Dank - wo sie ist. Ich packte meine Sachen und floh aus dem Büro - und fand sie (reines Glück!). Hysterisch schreiend, weinend, schwankend und ständig zu Boden fallend auf einer belebten Straße. Wir leben in einer Stadt, in der das den Menschen reichlich egal zu sein scheint. Ich rief den Krankenwagen. Auch wenn es nicht schön ist, war es doch "gut", dass sie stets und ständig beteuerte, sie wolle sich umbringen.
Nach Ruhigstellung und Ausnüchterung ging es in die Psychiatrische Abteilung, wo sie weiterhin ihren Selbstmordgedanken freien lauf ließ (denn sie war nach wie vor "high"). Eigentlich ein klarer Einweisungsgrund für die Geschlossene. Erst einmal ging der sehr freundliche Arzt jedoch den einfachen weg und verpasste ihr ein normales Zimmer - jenseits der Geschlossenen.
Ich brachte ihr Sachen und glaubte sie in guten Händen.
Zum ersten Mal seit Woche sah ich Licht am Ende des Tunnels.
Am nächsten Tag rief sie mich an. Sie würde nachmittags entlassen - auf persönlichen Wunsch.
Das war für mich der absolute Tiefpunkt.
Sie gab sich geläutert und schwor zum Arzt zu gehen - Sie ging auch. Zu einem anderen Psychologen. Er gab ihr (ihr ratet es bereits) 2 neue Medikamente - Paroxytin wurde abgesetzt zugunsten von "Velazipam" und ... habsch vergessen. Auch ein Teufelszeug und die Wirkung mit Alkohol ähnlich verheerend.
Woher ich das weiß? Nun sie nimmt es noch jeden Nachmittag. Sie hat einen neuen Job, der mir auch die Hoffnung gab, dass dieser sie vielleicht wieder aufbaut. Leider nein, denn sie entwickelte das Ritual nachmittags in den Supermarkt einzurücken und Alkohol zu kaufen, zu trinken und Tabletten drauf.
Momentan mache ich alles, was zum "überleben" nötig ist. Einkäufe, Haushalt, Rechnungen, Seelsorge - alles.
Viele sagen zu mir, ich würde derzeit zwei Leben leben. Das st für mich aber nicht das Problem. Das Problem ist, dass es überhaupt nichts zu nützen scheint.
Seit einem Jahr ist sie sehr vergesslich, stets von irrationaler Angst verfolgt, säuft, schluckt Tabletten (bekommt diese auch noch verschrieben!), sie pflegt ihr soziales Umfeld nicht mehr (Freunde/Bekannte) und kapselt sich immer weiter ab. Sie hat das Rauchen begonnen und ignoriert jegliches Unverständnis für ihr Verhalten seitens Freunden und Familie. Sie räumt nicht mehr auf oder macht irgend etwas sauber (früher lief das immer sehr partnerschaftlich, jetzt mache ich es alleine, was nach 10 Stunden Arbeit nicht das erste ist...). Sie kümmert sich, im Gegnesatz zu früher, um nichts mehr. Sie verwarlost also auf jeder eredenklichen Ebene.
Abends erzählt sie mir immer von ihrer großen Angst, dass es auf Arbeit jemand mitbekommen haben könnte. Dass die Sache Einfluss auf die Qualität ihrer Arbeit hat, ist zweifelsfrei.
Ich für meinen Teil bin an dem Punkt alles versucht zu haben. Guter Zuspruch und Unterstützung ("Wir machen das gemeinsam!"), strafendes ("Ich find es Sch... wenn Du hart bist!"), drohendes ("Ich mach das nicht mehr lange mit - weil ich am Ende meiner Kräfte bin!"), knallhartes ("Du zerstörst nicht nur Dich!"), unterstützendes ("Wie kann ich Dir helfen? Was können wir gemeinsam tun?"), analytisches ("Ist Dir klar, was gestern abend wieder war? ... Was denkst Du, wenn Du soetwas machst? Geht es Dir da in dem Augenblick wirklich so schlecht? Würde es Dir helfen, wenn Du mich einfach anrufst?").... alle alternativen.
Es fehlt nur noch eine: Ein offener Brief direkt an ihren aktuellen Psychologen. Hat ihr Vater bereits getan - wobei ich denke, dass er sich über das Ausmaß der Dinge noch nicht ganz klar ist. Doch eben das empfinde ich als sehr tiefen Eingriff und habe es noch nicht "gewagt".
Oder die Variante: Alle Tabletten entfernen. Aber ich glaube, das endet in der Katastrophe.
Fakt ist: Ich weiß nicht wie lange ihr Körper den chemischen Cocktail noch aushält. Ich selbst habe aber auch Angst, was passiert, wenn ich es nicht mehr aushalte. Es ist wie ein Tanz auf dem Vulkan. Es muss irgendwann schief gehen.
Ich habe keine Lust mehr mit ihr Essen zu gehen - denn da gibt es Alkohol. Ich habe auch kein Vertrauen mehr zu ihr - denn zu oft hat sie Besserung gelobt und es nicht geschafft. Es graut mir vor dem Nachhausekommen.
Aktuell denke ich über Trennung nach, würde mir jedoch niemals verzeihen, nicht alles versucht zu haben. Die Auswirkungen einer Trennung - nicht alleine auf sie - will ich gar nicht abschätzen. Im Moment jedoch werden zwei Menschen zerstört.
Ideen?
Launchy


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