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Thema: Angst alles zu verlieren / Angst Entscheidungen zu treffen

  1. #1
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    Standard Angst alles zu verlieren / Angst Entscheidungen zu treffen

    Hallo ihr Lieben,

    ich hatte vor gut 6 Jahren einen Schicksalsschlag zu verkraften, weil ich obdachlos wurde. Und seitdem kann ich diese Angst nicht mehr ablegen, dass mir das noch einmal passiert und hadere oft mit Entscheidungen. Ich war in meinem Umfeld damit immer ganz offen und es gab Menschen, die das dann zu meinem Nachteil versucht haben, auszunutzen. Jetzt geschah Folgendes:

    Der Grund, warum ich meine Wohnung verlor, war meine Naivität. Meine Eltern unterstützten nie ein Studium und als ich mich dazu entschloss, zu studieren, sagten sie von vorn herein, dass ich von ihnen keinerlei Hilfe zu erwarten hätte. Ich sei für das Studium schlechtweg zu alt. Damals war ich 24 Jahre alt. Ich klagte den elterlichen Anteil des BaföGs nicht ein und ließ mich auf meinen Patenonkel ein, der mir zusicherte, dass er für die Differenz aufkommt, die mir zum Leben fehlt. Er ermutigte mich immer, dass ich mein Potenzial ausnutzen solle. Ich vertraute ihm, gab meinen Job auf und mein Onkel übergab mir zum Anfang des Studiums 800 EUR. Und dann passierte etwas, womit ich nicht rechnete. Er vertröstete mich von Woche zu Woche. Aus Wochen wurden Monate. Von meiner Arbeit allein konnte ich nicht alles bezahlen. Und er war so glaubwürdig und es war immer irgendwie schlüssig erklärt, warum er gerade nicht konnte und es war leider immer absolut glaubhaft. Ich hatte das monatelang nicht infrage gestellt. Irgendwann trieb mich die Verzweiflung zu den unglaublichsten Dingen. Ich bettelte ihn an, dass er nicht zulassen soll, dass ich in ein Obdachlosenheim muss. Er solle mir einfach nur sagen, dass er das finanziell nicht tragen will und ich würde wieder arbeiten gehen. Ich klammerte mich an jeden Strohhalm. Als der Räumungsbescheid kam und der kam schneller als ich dachte, war er irgendwann nicht mehr zu erreichen. Dann brach ich mir insgesamt 3 Mal das Bein, als ich abends auf dem Weg zur Arbeit war. Das war mein absoluter Genickbruch und der Tiefpunkt meines Lebens. Dass meine Eltern mir nicht helfen würden, damit rechnete ich felsenfest. Meine Mutter kommentierte den Abschnitt meines Lebens nur mit folgenden Worten: selbst schuld. Und das war's. Seitdem habe ich keinerlei Kontakt mehr zu meiner Familie. Ich mache denen aber auch keine Vorwürfe. Für mein Leben bin ich selbst verantwortlich.

    Dann kam das Jahr 2015 und siehe da, mein Patenonkel stand auf der Matte. Ich befand mich zu dem Zeitpunkt erneut in einem Studium, verdiente oder verdiene jetzt aber so viel, dass ich komplett autark bin. Er bekam über Kontakte meine Telefonnummer heraus und wollte wieder Kontakt haben. Ich war mega skeptisch und hatte wieder dieses Gefühl des Unwohlseins. Anfangs war aber alles sehr entspannt. Irgendwann mit der Zeit tauchte wieder das gleiche Gelaber auf. Er würde mir helfen meine Schulden zu bezahlen, ich solle nur warten, bis er im Ausland war und alles erledigt hat, was er erledigen musste. Ich würde dieses Mal eine Eigentumswohnung bekommen. Er bezahlte sogar meinen Semesterbeitrag und einen Teil meiner Krankenversicherung. Ich war und bin ihm dafür immer noch dankbar, sagte aber auch, dass dies nicht der ausschlaggebende Punkt ist, warum ich zu ihm Kontakt halte. Er musste das nicht tun, ich habe es nicht verlangt. Er fing an mich finanziell zu unterstützen, als er sah, dass mein Freund sich auf die faule Haut legte und nicht seine Ausbildung beendete und mich alles bezahlen ließ. Ich ließ es mit mir machen. Aus Angst ihn zu verlieren und so räumte ich ihm eine gewisse Zeit ein, sich zu finden. Er kam genau wie ich aus schwierigen Verhältnissen und das schweißte zusammen. Wir hatten nur noch uns. Aber irgendwann konnte ich das nicht mehr tolerieren, war aber auch emotional hin- und hergerissen. Einerseits hoffte ich, dass er sich bessert und andererseits hatte ich ein Wohnungsangebot bekommen. Ich habe durch den Verlust meiner alten Wohnung einen Schufa-Eintrag, mit dem ich in meiner Stadt nie wieder eine eigene Wohnung bekomme. Das dauert noch Jahre. Und so hadere ich, das Angebot anzunehmen. Und ich weiß nicht, ob es die richtige Entscheidung war, den Vermietern zuzusagen. Ich sehne mich einerseits nach einem gesicherten Leben, möchte meinen Freund aber auch nicht verlieren. Der Vermieter wird natürlich auch nicht ewig auf mich warten.

    Und auf einmal fing mein Patenonkel an, mich zu manipulieren. Ich hatte zumindest das Gefühl. Ich solle mir das noch mal gut überlegen, ob ich wirklich gehen will. Dies würde ein langer und schwerer Weg sein. Die Monate zuvor predigte er mir immer, dass ich gehen soll und ob ich bescheuert sei, dass ich "diesen faulen Chaoten" weiterhin das Leben versüße. Es kam mir vor, wie ein doppelte Bindung. Das eine sagen, aber etwas ganz anderes meinen. Das hat mich völlig verzweifeln lassen. Aus dem Druck heraus machte ich ihm Druck und fragte, wann er wirklich zu mir kommt und ob er mich finanziell wirklich unterstützen möchte. Hintergrund meiner Frage war, ob ich dann ein Urlaubssemester einlege oder gar völlig aufhöre zu studieren. Weil für mich ist klar: Diese Wohnung kann ich nur halten, wenn ich mehr Geld verdiene. Und eine Wohnung / Zuhause ist mir momentan wichtiger. Es kam wieder der gleiche Müll. Er müsse erst ins Ausland, dann wurde sein Sohn krank, angeblich Leukämie. Dann bekam innerhalb weniger Tage auch noch seine Freundin einen Hörsturz. Er käme nur noch nach Hause, um sich zu waschen und wäre ansonsten nicht zu erreichen. Er verschob Woche um Woche seine Abmachungen. Ich wartete den ganzen April und Mai. Es erinnerte mich unweigerlich an das, was vor knapp 5 Jahren passierte. Ich schrieb ihm aus dem Affekt heraus eine SMS, dass ich keinen Kontakt mehr wünsche. Dass ich damit nicht klarkomme, wenn er Versprechen macht und sie dann nicht einhält. Es war mir einfach zu viel und ich glaube den ****** auch nicht. Wenn ich das glauben würde, warte ich wieder auf Godot.

    Ich erhielt eine Mail von ihm, die sich gewaschen hatte. Dass ich ein Psycho und ich völlig krank sei. Zudem sehr unverschämt und dass er mich durchschaut hätte. Er wollte mich testen, ob ich es wert sei, dass er in mich investiert und ich hätte diesen Test nicht bestanden. Ich sei sozusagen eine geldgeile Schlampe und ich solle mich nie wieder melden. Meine ganzen Mails seien einfach nur krank. Er drohte mir, dass ich es nie wieder wagen soll, mich zu melden und dass er es quasi bezweifelt, dass ich in meinem Leben so konsequent bin. Dabei war ich nicht die diejenige, die sich meldete. Er suchte den Kontakt zu mir auf. Ich war es einfach leid, mir diesen ganzen ****** noch einmal anzuhören und mich monatelang ködern zu lassen.

    Ich bin seit Tagen sehr verunsichert und weiß gar nicht mehr, welche Entscheidung ich treffen soll. Einerseits die Angst, das Angebot einer Wohnung verstreichen zu lassen und anderseits die Angst, dass mein Freund sich eventuell doch noch besinnt. Ihm habe ich von der Wohnung erzählt und er war geschockt. Ich setzte ihm jetzt eine Frist. Bis Ende nächster Woche muss er einen Job haben. Ansonsten ziehe ich aus. Die Frage ist, ob ich es wirklich tue.

  2. #2
    Schreiberling Avatar von Seidenschnabel
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    Hallo Hannah,

    es tut mir sehr leid, dass du so schlechte Erfahrungen mit deiner Familie machen musstest. Ich finde es schon heftig, dass deine Eltern dich in einer schweren Krise so völlig alleiin gelassen haben und ich kann verstehen, dass du den Kontakt zu ihnen abgebrochen hast.

    Was deinen Patenonkel angeht, so ist wohl eher er der Psycho. Normal ist so ein manipulatives Verhalten jedenfalls nicht. Was er damit bezweckt hat, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Ich würde mich definitiv zukünftig von diesem Menschen fernhalten, denn er tut dir in keinem Fall gut.

    Dass du momentan verunsichert bist und Angst hast, eine falsche Entscheidung zu treffen, kann ich nachvollziehen. Ich denke, du solltest dich in erster Linie auf dich selber verlassen und nicht auf Dinge, die eventuell passieren könnten oder auch nicht.

    Du wohnst also aktuell mit deinem Freund zusammen, der aber keinerlei finanzielle Verantwortung übernimmt, wenn ich das richtig verstehe? Ist das denn seine oder eure gemeinsame Wohnung? Und wie ist eure Beziehung denn ansonsten? Kannst du dich auf ihn verlassen, ist er für dich da, wenn du ihn brauchst?
    Liebe Grüße von Seidenschnabel

    Sei immer du selbst. Außer, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn.

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Seidenschnabel für den sinnvollen Beitrag:

    Hannah2014 (23.06.2016)

  4. #3
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    Hallo Seidenschnabel,

    vielen Dank für deine nette Antwort. Ja, wir wohnen zusammen in einem Haus, welches mein Freund geerbt hat. Seine Mutter starb leider viel zu früh. Auf das Haus laufen noch Annuitäten. Ich komme zur Hälfte dafür auf, trage aber ansonsten den größten Teil aller weiteren laufenden Kosten. Wir hatten Ende letzten Jahres abgemacht, dass er sich einen Job sucht, so lange, bis er sein Anerkennungsjahr anfängt, um seine Ausbildung zu beenden. Dies traf aber nie ein. Da sich das Amt nicht an der Vermögensmehrung (zu recht) beteiligt, ist seine Unterstützung vom Amt sehr sehr gering. Aber dies alles war bis dato kein Ansporn, sich für sein Zuhause einzusetzen. Er saß Stunde um Stunde vor dem PC, kümmerte sich um gar nichts mehr. Ich dagegen rotierte ohne Ende. Belegte weniger Kurse, um mehr arbeiten zu gehen. Einfach weil wir keine Zeit hatten, lange zu lamentieren. Wir haben beide keine Rücklagen. Ich arbeitete die gesamten Semesterferien durch, gleiches steht mir jetzt wieder bevor. Und er lebt in den Tag hinein. Zwischenmenschlich stimmt die Chemie, er ist sehr liebevoll. 4 Jahre lang war alles ok. Nach wie vor ist er da, wenn es mir schlecht geht und tröstet mich auch. Was ihn aus der Bahn warf, war der Umstand, dass sein Adoptiv-Vater ihn finanziell ruinierte. Er gab das Erbe, welches seine Mutter für das Haus anlegte, mit vollen Händen aus. Es kam heraus, dass er sämtliche Rücklagen verschleuderte und sich nicht an der Hausgemeinschaft beteiligte. Obwohl er Beamter ist und zudem ist er Bezieher einer lebenslang ausgezahlten Entschädigungszahlung. Sprich: er hatte es gar nicht nötig, seinen adoptierten Sohn zu be*******n. Er hatte Zugriff auf die Konten und mein Freund - genauso naiv und vertrauensselig wie ich - vertraute ihm und überprüfte ihn nicht. Sein Vater fing an, uns mit Rechtfertigungs-Schreiben zu bombardieren, mit Vorwürfen, Drohungen, letztendlich kamen sogar Anwaltsschreiben. Datiert auf den Tag meines Geburtstages. Die Schreiben hatten ein ähnliches Format wie mein Patenonkel gerade bei mir. Kolportierte uns im gesamten Umfeld.

    Das war und ist viel emotionaler Stress. Deswegen ließ ich ihn erstmal in Ruhe. Nur kann ich einfach nicht mehr. Er bewegt sich kein Stück mehr in Richtung Ausbildung oder Arbeit. Und nachdem ich jede Woche immer wieder darum bat, dass er sich um sein Leben kümmern muss, passierte nichts. Ich kam nach Hause, nichts war gemacht. Haushalt nicht gemacht, er war nicht einkaufen, er kümmerte sich nicht um die Rechnungen. Mir ist das alles über den Kopf gewachsen. Da kam mir das Angebot der Wohnung wie ein Hoffnungsschimmer. Aber so wirklich verlassen kann ich ihn nicht, weil er mir eben noch am Herzen liegt.

    Mein Patenonkel kann wahrscheinlich den Umstand nicht akzeptieren, dass Frauen eigene Entscheidungen treffen. In seiner Welt hat eine Frau nichts zu sagen. Das spiegelt sich auch ganz wundervoll in seiner eigenen Beziehung wieder. Es ist ein starkes Abhängigkeitsverhältnis vorhanden. Offiziell hat er kein Vermögen. Wenn die Frau ihn verlässt, hat sie nichts. Gegen einen Mann wie ihn lehnt man sich nicht auf, wenn man das Format einer Ameise hat.

  5. #4
    Schreiberling Avatar von Seidenschnabel
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    Zitat Zitat von Hannah2014 Beitrag anzeigen
    Mein Patenonkel kann wahrscheinlich den Umstand nicht akzeptieren, dass Frauen eigene Entscheidungen treffen. In seiner Welt hat eine Frau nichts zu sagen. Das spiegelt sich auch ganz wundervoll in seiner eigenen Beziehung wieder. Es ist ein starkes Abhängigkeitsverhältnis vorhanden. Offiziell hat er kein Vermögen. Wenn die Frau ihn verlässt, hat sie nichts. Gegen einen Mann wie ihn lehnt man sich nicht auf, wenn man das Format einer Ameise hat.
    Oh, so einer, na das sind mir ja die Liebsten... Von solchen Männern halte ich mich so fern es nur eben geht.

    Mag ja sein, dass dein Freund ein Lieber ist, aber offensichtlich ist er aufgrund eigener Probleme und mangelnder Bereitschaft, etwas zu ändern, momentan niemand, der dir wirklich gut tut und dich unterstützt. Er bräuchte wahrscheinlich selber Unterstützung. Du tust und machst und versuchst, euch beide durchzuziehen und reibst dich dabei völlig auf. Ich finde, in dem Falle ist ein gesunder Egoismus angebracht, du solltest schauen, dass es dir gutgeht, du dein Studium gut schaffst und dir ein Umfeld gestaltest, in dem du dich wohl und zuhause fühlst. Das heißt ja nicht, dass du dich von ihm trennen musst, aber ein Zusammenleben auf dieser Basis ist deiner seelischen Gesundheit und deinem Studium, welches ja wichtig für deine Zukunft ist, wohl eher nicht förderlich.
    Liebe Grüße von Seidenschnabel

    Sei immer du selbst. Außer, du kannst ein Einhorn sein, dann sei ein Einhorn.

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