Ich bin mittlerweile so dermaßen eingeschüchtert und verkrampft, daß ich Angst habe, mir damit alles zu verbauen. Ich weiß nicht woher das kommt, aber ich fühle mich permanent beobachtet. Bei allem was ich tue oder sage achte ich peinlich genau darauf nichts falsch zu machen. Es ist mir unheimlich wichtig bei allem und jedem einen guten Eindruck zu hinterlassen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, daß ich mich unnatürlich verhalte, alle Leute mich komisch finden und nicht wissen, wie sie mit mir umgehen sollen und ich mich mit allem was ich sage und tue nur blamiere. Es ist total lächerlich, das ist mir völlig bewußt. Aber ich kann es nicht abstellen. Ich achte auf jede kleine Bewegung, die ich mache, jeden Satz, den ich sage, jedes noch so banale Detail. Da wo viele Menschen sind fühle ich mich unwohl, möchte weg, sage mir in Gedanken: bleib ruhig, du bist hier eine unter vielen, dich beachtet doch keiner. So wichtig bist du nicht, daß alle Welt sich dafür interessiert wie du dich verhälst...
Es nützt einfach nichts. Ist das nicht verrückt? Angst unter Menschen zu haben? Das ist total schwachsinnig und es macht mich fertig. Ich fühle mich fehl am Platz, habe das Gefühl 100%ig funktionieren zu müssen, ständig kompetent, sympathisch, freundlich und natürlich sein zu müssen und gleichzeitig habe ich den Eindruck immer unnatürlicher und verkrampfter zu wirken. Wenn jemand mir gegenüber distanziert auftritt, dann glaube ich, daß es an mir liegt und frage mich was ich falsch mache. Ich weiß nie wie ich mich verhalten soll, fühle mich irgendwie wie ein Elefant im Porzellanladen, versuche krampfhaft witzig und gesprächig zu sein und schweige doch die meiste Zeit, weil mir nichts einfällt, was ich sagen könnte. Ich kann keinen Small Talk, mir fällt einfach nichts ein. Ich bin nervös und innerlich aufgewühlt und fühle mich erst richtig wohl, wenn ich meine Haustür hinter mir geschlossen habe, oder bei meinem Freund bin.
Konfrontationen gehe ich aus dem Weg. Ich ziehe lieber den Kürzeren als mich zu streiten und ärgere mich hinterher über mich selbst. Ich habe regelrecht Angst vor Streit. Wenn jemand in meiner Nähe laut wird, dann zucke ich zusammen und suche das Weite.
Dabei gibt es für all das keinen Grund. Besonders bei der Arbeit nicht. Ich habe so nette Kollegen, die sich wirklich gut um mich kümmern und mich in der Firma nicht alleine lassen. Ich kann zu jedem hingehen und Fragen stellen. Die ganze Arbeitsatmosphäre ist toll und ich fühle mich eigentlich total wohl da. Aber ich schaffe es nicht diese Versagensangst abzulegen. Wenn ich Fragen habe, dann habe ich das Gefühl meine Kollegen von der Arbeit abzuhalten, zu nerven, mich zu blamieren, dumme Fragen zu stellen. Die Angst fachlich nicht mithalten zu können.
Und in der Mittagspause, wenn wir einfach nur entspannt essen gehen könnten, gehts weiter: "Finden die mich nett? Ich komme doch bestimmt total unsicher und inkompetent rüber. Oder wirke ich arrogant? Jetzt sag endlich was intelligentes! Mir fällt nichts ein. Oh nein, das hätte ich jetzt besser nicht sagen sollen, oder anders formulieren. Wer weiß was der jetzt über mich denkt..."
Es ist ein Teufelskreis. Vom Kopf her weiß ich, daß ich mich da unheimlich hineinsteigere und das alles Blödsinn ist, aber ich weiß nicht was ich dagegen tun kann. Ich spüre einfach eine innere Beklemmung, möchte am liebsten unsichtbar sein und nicht auffallen und aus diesen unangenehmen Situationen so schnell wie möglich verschwinden. Mich nicht mehr beobachtet fühlen.
Es ist zum verzweifeln. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht was ich mir hier von euch an Antworten erhoffe. Ich würd nur unheimlich gerne wieder ganz normal und ohne innere Unruhe im Alltag zurecht kommen können. Früher hat das doch auch funktioniert. Vielleicht hat ja jemand einen Tipp für mich.


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