Hallo. Ich suche hier ein wenig Begleitung für die nächsten Wochen.
Ich habe sehr schlimme Versagungsängste, die mich leider in meiner Selbstverwirklichung völlig behindern. Ich bin 23 Jahre alt und studiere an einer Hochschule Chemie. Leider verwirkliche ich immerzu andere Menschen, nur mich selbst nicht. Ich bin zudem ein Mensch, der schwer nein sagen kann. Immer reiße ich mich in Stücke, die Bedürfnisse meiner Lieben zu erfüllen.
Innerlich bin ich immer aufgewühlt, hochemotional, gereizt, verletzlich. Zur Ruhe kann ich nicht kommen, immer richte ich mein Leben nach den Bedürnissen anderer aus. Nun habe ich mein Studium fast völlig an die Wand gefahren, ich habe noch eine allerletze Chance, es noch zu retten. Im Semester finde ich nicht die Zeit, den Stoff korrekt nachzuarbeiten, ich gehe arbeiten, um meine Eltern finanziell zu entlasten, ich habe immer hundert tausend Dinge im Kopf, nur mich selbst nicht.
Ich habe ein negativ geprägtes Bild von mir selbst, sehe immer nur meine Fehler, nie die guten Dinge an mir. Ich schäme mich für meine Bedürfnisse. Ich kann meine Bedürfnisse schwer einfodern oder selbst erfüllen. Immer habe ich Hunger. Immer versuche ich mein Inneres zu füttern, mit Befriedigung, immerzu bin ich am Essen. Dann gehe ich reumütig ins Fitnessstudio, um das schlimmste zu verhindern. Ich habe jetzt Kleidergröße 42 und verabscheue mich. In den Spiegel kann ich gar nicht mehr schauen. Meine langen, langen Haare (45cm) habe ich kurz abschneiden lassen (3cm), um mich damit irgendwie auszudrücken. Worum es mir dabei geht, verstehe ich allerdings selbst nicht. Meine Haare waren das allerschönste an mir, da ich da wirklich gesegnet war, mit dichtem, dicken und welligen haselnussbraunem Haar. Und in einem so destruktivem Akt habe ich alles absäbeln lassen. Nun wächst alles beinahe lockig und dick und dunkler als zuvor wieder nach. Ich hoffe, dass mein Inneres auch den Weg nach außen finden wird.
Am Dienstag bin ich erneut durch eine wichtige Prüfung gefallen. Zum ersten Mal habe ich fast gar nichts mehr gespürt. Ich bin mir eigentlich keine Träne mehr wert. Sonst war ich immer ein kleines Häuflein Elend, das im Bett kauernd tagelang vor sich hingeschluchzt hat, weil ich mit erneutem Versagen überhaupt nicht zu Rande komme (...du hast es schon wieder versaut, deine Eltern werden dich bemitleiden, verachten, wütend sein, aus dir wird nie etwas, du wirst es nicht schaffen, in ein Paar Jahren bist du arbeitslos und Sozialhilfeabhängig, du wirst deinen Partner verlieren und ganz alleine sein...)
Nun bin ich so festgefahren in meiner Situation, dass ich nicht mal mehr mein Selbstmitleid ertragen. Nein, auch meinen Selbsthass und meine Selbstzweifel nicht mehr. Ich habe nach dem ich in Erfahrung brachte, wieder durchgefallen zu sein, alle Unisachen ordentlich in meinen Schrank geräumt, den Tisch geputzt und mich schlafen gelegt und bin am nächsten Tag früh aufgestanden.
Ich muss aufhören zu jammern. Ich will anfangen zu leben.
Nächste Woche geht die Uni wieder los und ich habe mir ein paar Strategien zurecht gelegt. Ich wünsche mir sehr, dass alles klappt.


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Ich habe mal irgendwann in einem Anflug von Theatralik und Wahnsinn zu meinem Gegenüber gesagt: "Wenn ich mich nicht ganz und gar ergründen kann, dann will ich mich wenigstens ganz und gar zerstören!" (Hach ... ich sollte meine Theatralik wieder ausgraben - ja!) 
Ich hatte meine hübsche Teeschale vor den Augen.

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