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Thema: Angst um die Mutter

  1. #1
    Neuling
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    Standard Angst um die Mutter

    Hallo,

    ich weiss nicht ob meine Problematik hier hingehört, ich habe ja schon mehrfach über meine Probleme hier im Forum geschrieben, aber im Moment mache ich mir große Sorgen um meine Mutter.
    Ich will versuchen meine Vorgeschichte kurz zu fassen:
    Als ich 17 Jahre alt war starb mein Vater, meine Mutter lernte gleich einen neuen Partner kennen und war so sehr auf ihn fixiert (was ich nicht verurteile, denn ich denke, er hat ihr geholfen, den Verlust zu überwinden), dass sie für mich kaum Zeit hatte und ich mit 19 Jahren meinen Heimatort in Bayern verliess.
    Seither (das ist jetzt fast 30 Jahre her) plagt mich immer noch ein großes Heimweh wie ich ja schon in anderen Kapiteln hier geschrieben habe. Meine Familie (Partner, Kinder), Arbeit und Haus usw. sind aber hier und ich habe es bis heute nicht geschafft wieder zurückzukehren, weil ich auch nicht weiss ob es wirklich der richtige Weg wäre.
    Aber darum geht es jetzt gar nicht.
    Vor knapp 2 Jahren ist der langjährige Partner meiner Mutter verstorben und sie, die bisher immer ein positiver Mensch war, ein großes Vorbild für mich und in jeder Hinsicht stark, baut immer mehr ab. Sie kann nicht alleine in ihrer Wohnung sein, flüchtet sich in Männerbekanntschaften, versucht wieder einen Partner zu finden, aber der richtige ist nicht dabei. Für mich ist es einfach nur eine Flucht vor dem Alleinsein. Sie war jahrelang abhängig (gefühlsmässig) von ihrem Lebensgefährten, machte alles wie er es wollte und jetzt wo sie endlich "frei" ist, sucht sie wieder einen Mann, den sie versorgen kann und dem sie sich anpassen kann. Aber auch das verurteile ich nicht, sie ist es so gewohnt und wahrscheinlich so erzogen worden.

    Was mir zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass ich zu weit von ihr entfernt wohne um sie regelmässig zu besuchen. Sie sagt auch immer sie will es nicht dass ich sie so oft besuche, aber ich denke sie sagt es nur weil sie mich nicht belästigen will und denkt sie stört unser Fanmilienleben. Wenn sie alleine ist, dann fällt sie in ein tiefes Loch, muss immer raus aus der Wohnung in ihre geliebten Berge und sich ablenken. Dabei hatte sie letztes Jahr einen so schweren Unfall (sie ist gestürzt und hatte einen Schädelburch, wäre fast daran gestorben), aber sie hält es einfach nicht zuhause aus. Sie ist immer unruhig und unterwegs und ich mache mir hier die größten Sorgen denn schliesslich ist sie ja nicht mehr die Jüngste. Am Telefon sagt sie dann immer, dass sie so froh ist meine Stimme zu hören und dass es ihr seelisch schlecht geht und bedankt sich hundertmal für meinen Anruf.

    Ich weiss nicht wie es weitergehen soll, denn sie wird ja immer älter und es gibt niemanden der sich um sie kümmert. Sie würde auf keinen Fall zu mir ziehen, den sie ist so sehr mit den Bergen und ihrer Heimat verwurzelt.
    Ich bin in einer Zwickmühle und denke mir so oft, wäre ich nur damals nie von zuhause weggegangen. jahrelang hatten wir wenig Kontakt, was ich immer sehr vermisst hatte und jetzt wo wir endlich wieder den Kontakt hergestellt haben lebt sie vielleicht nicht mehr lange. Die ganzen Jahre habe ich verstreichen lassen und sie so selten gesehen, soll ich nicht jetzt die wenigen Jahre, die sie vielleicht noch lebt zu ihr ziehen?

    Aber ich bin ja nicht alleine. Meine Tochter (16) braucht mich auch noch, fängt im Herbst hier eine neue schulische Ausbildung an. Mit meinem Partner läuft es mal gut mal schlecht (wie ich auch schon öfters geschrieben habe), er wäre nicht der Hinderungsgrund. Ich trage mich ja schon lange mit dem Gedanken nach Bayern zurückzukehren, aber ich kann meine Tochter keinesfalls jetzt im Stich lassen, sie muss erst ihre Ausbildung fertig machen.

    Aber meine Mutter braucht mich doch auch und wenn sie mal nicht mehr ist, dann mach ich mir vielleicht Vorwürfe.

    Ich rufe sie mehrmals in der Woche an und sie erzählt mir dann immer wie sehr sie mich vermisst und wie gut es ihr tut wenn ich mit ihr telefoniere.
    Wie soll es denn nur werden wenn sie immer mehr abbaut, wer soll sich dann um sie kümmern?
    Ich bin in einem sehr großen inneren Zwiespalt deswegen und weiss nicht wie ich ihr helfen kann. Nach jedem Anruf muss ich heulen weil ich nicht weiss wie ich das alles bewältigen soll.

    uschi
    Genau in dem Moment, als die Raupe dachte, die Welt geht unter, wurde sie zum Schmetterling

  2. #2
    Gast1006
    Gast

    Standard

    Hallo Uschi,

    sehe zu das du deiner Mutter zu anderen lebenserfüllenden Aktivitäten führen kannst ! Denn als Kind kümmert man sich gerne um die Eltern, man ist aber kein Lebenspartner oder Freizeitersatz !

    Ansonsten muss du deine eigenen Prioritäten setzen um nicht zerrissen zu werden.

  3. #3
    Neuling
    Registriert seit
    26.04.2011
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    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    Liebe Uschi!
    Ich kann mich grad sehr gut in dich reinversetzen. Auch ich war 17, als mein Vater gestorben ist und auch meine Mutter hat kurze Zeit danach wieder geheiratet. Auch sie ist sehr auf ihren Mann fixiert, ich laufe eigentlich nur so "nebenher". Wir wohnen nicht sehr weit auseinander, doch auch wir sehen uns nicht oft.

    Sie meldet sich dann, wenn es bei IHR etwas Neues gibt, wenn SIE Probleme hat oder wenn SIE etwas braucht.

    Habe ich mal Probleme, ist sie überfordert. Das wirkt sich darin aus, dass sie mir nicht wirklich zuhört (während ich von einem echtem Problem erzähle, unterbricht sie mich, um zu fragen, ob mir die Semmeln vom neuen Bäcker schmecken...).

    Vor ein paar Jahren ist meine Mutter an Krebs erkrankt. Da musste ich dann Tag und Nacht für sie da sein. Sie selbst hat eigentlich nicht viel für sich getan (z. B. Ernährung, Bewegung, mal für sich was Gutes tun,...), ihre Aussage war: Jetzt baut ihr mich mal wieder auf.

    Ich bin natürlich für sie da, helfe ihr auch, wenn ich kann, muss aber auch sagen, dass sie in einem gewissen Maße auch für sich selbst verantwortlich ist. Wie der Kümmerer schon sagt, unterstützen ja, aber es muss auch selbst ein Beitrag von ihr kommen.

    Zähle ihr auf, welche Möglichkeiten sie hat. Selbsthilfegruppen, Frauencliquen, wenn sie gerne in den Bergen ist, der Alpenverein, Sportvereine, ... Es gibt so vieles. Sicherlich schadet auch professionelle Hilfe nicht, um sie bei der Abschiednahme ihres Mannes nachträglich zu begleiten. Biete ihr vielleicht auch an, den ersten Schritt mit ihr zu gehen, d. h. sucht euch gemeinsam Sachen aus, die für sie in Frage kämen.

    Aber wie gesagt, SIE muss selbst etwas tun. Und DU musst kein schlechtes Gewissen haben. Deine Mama ist erwachsen und selbständig. Sie kann und muss sich selbst mobilisieren. Es ist wichtig für sie, dass sie selbst für sich etwas macht. Das wird für sie ein Erfolgserlebnis sein, dass ihr wieder weiter hilft. Freu dich mit ihr über Erfolge oder wenn sie Kontakte knüpft.

    Mehr kannst du nicht tun. Denn DU bist das Kind!!

    Auf der anderen Seite aber selbst die Mutter deiner Tochter. Die ist noch nicht erwachsen, sie musst du noch begleiten und anleiten. Das ist deine Aufgabe, so wie es deine Mutter gemacht hat, als du 16 gewesen bist, richtig?

    Du musst dir keine Vorwürfe machen, wenn sie mal nicht mehr ist. Schließlich machst du dir ja Gedanken um sie!! Aber ich glaube auch, dass du ihr nicht helfen kannst, solange sie es nicht zulässt.

    Ich mag meine Mutter auch, ich habe auch Angst, sollte ihr Mann mal vor ihr gehen denn ich glaube, da wird sie sich auch an mich klammern. Genau aus diesem Grund habe ich mich schon etwas zurückgenommen. Hab sie auch in ihrer Alleinsein-Zeit in der Gegend rumkutschiert, weil sie sich nicht zutraut, allein mit dem Auto von A nach B zu fahren. Oder alleine Zugfahren??? Um Himmels willen......

    Ich mach das nun nicht mehr. Sie soll alleine fahren. Und siehe da: es klappt, sie macht es (weil ihr nix anderes übrig bleibt) und von da an ist es für sie schon viel leichter, mal selber eine Hürde zu nehmen.

    Das wird ein Lernprozess für dich, aber auch für sie. Ich bin mir sicher, ihr zwei packt das. Ist mit viel Geduld verbunden, aber machbar. Und denke dran, du handelst weder egoistisch noch hart noch sonstwas. Du hilfst ihr nur auf die Sprünge, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Notfalls mit einem professionellen Begleiter.

    Ich drück dir fest die Daumen!!!

  4. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Uschi,

    vll liegt das Hauptproblem ja gerade darin, dass sich Deine Themen mit den ihren immer mehr vermischen. Denn die Gebrechlichkeit Deiner Mutter könnte Dir ein Motor sein, endlich den Schritt zu tun, über den Du seit Jahren nachdenkst - zurück nach Bayern gehen.

    Abgesehen davon sind die Fragen bezüglich Deiner Mutter leider sehr häufig in unserer Generation

    Dabei gäbe es so viel zu tun für die "Alten". Zumindest im städtischen Bereich gibt es viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Wir haben hier z.B. ein tolles Projekt von "Schülercoaching". Es gibt also noch Aufgaben! Und auch unzählige Freizeitmöglichkeiten. Es sind ja nicht gerade wenige, denen es so geht, wie Deiner Mutter.

    Wenn sie Unterstützung im Haushalt braucht, etc, kann sie bei organisierten Nachbarschaftshilfen nachfragen.
    Geändert von Gast784 (29.04.2011 um 06:39 Uhr)

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