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Thema: Angst vor dem ''richtigen Leben''

  1. #1
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    Standard Angst vor dem ''richtigen Leben''

    Hallo liebe Mitleser,

    Ich bin nun 26 Jahre alt und stehe an einem Scheideweg in meinem Leben. Grade in dieser Woche habe ich meine neue Ausbildung angefangen, die für mich persönlich der letzte Anker ist, um aus meinem Dasein noch Etwas Produktives zu machen. Zwar habe ich vor etwas 2 1/2 Jahren ein Studium angefangen, dieses aber aus Angst vor den Referaten und dem kompletten Versagen abgebrochen. Und dieser Teufelskreis holt mich nun wieder ein. Ich traue mir die einfachsten Dinge nicht mehr zu, bei dem Gedanken an den morgigen Tag in der Schule schnürrt sich mir die Kehle zu , seit neuestem finde ich wieder keine Ruhe in der Nacht und bin morgens nur wie Tod. Gedankenbilder verfolgen mich im Halbschlaf , so real , dass ich sie fast greifen kann. Mir wird unendlich mulmig , ich bin ultra nervös , wobei ich noch keinen Handgriff getätigt habe. Ich kenne dieses Gefühl nur allzugut, denn es hat mir in entscheidenden Phasen meines Lebens immer wieder zurückgeworfen. Einstellungstests , Klausuren , Prüfungen waren damals auch nur schwer zu absolvieren , heutezutage blockiere ich vollends , es ist so als würde ich neber mir stehen und mir beim ''Versagen'' zuschauen. Und das Versagen ist dann auch immer eingetreten . Irgendwann , keine Ahnung wann dies wirklich angefangen hat, bin ich in eine ''Schonhaltung'' eingetaucht und habe einfach gar nichts mehr gemacht, nichts für den Kopf und Praktisches erst recht nicht. Ich habe nie etwas zu Ende geführt geschweige denn gearbeitet, da ich mitlerweile der Überzeugung bin, dass ich selbst die kleinsten Hilfsarbeiten versaue . elbst meinen Führerschein habe ich nicht beenden können, weil ich extremste Angst hatte vor dem ''rauen'' Klima auf der Strasse und natürlich vor dem ''Sich-Totfahren''. Mein Selbstwertgefühl liegt am Boden , ob es jemals vorhanden war weiß ich nicht, vll übertrieben gespieltes. Mir schwant so unheimlich Böses bezüglich meiner Ausbildung , dass ich am liebsten Nachts heimlich still und leise verschwinden würde, am besten ganz weit weg. Meine Familie und meine Freundin setzen so viele Hoffnungen in diese Ausbildung, doch im tiefsten meines Herzens weiß ich, dass ich gnadenlos versagen werde. Meine Eltern werde ich hochgradig enttäuschen , meine Freundin nach Jahren wohl verlieren, weil wer möchte schon mit einem unselbstständigen Versager zusammensein, ich kann sie da verstehen. Ich höre sie schon reden , meine Mitschüler , und auch die Gedanken des Lehrers. ,, Was will der überhaupt hier, der hat doch 2 linke Hände, kann ja nichtmal richtig einen Knoten binden''. Dann fängt das Herz zu rasen an, ich werde nervös, puderrot im Gesicht, fange an zu schwitzen und stottere plötzlich und dann nimmt das ALtbekannte seinen Lauf. Es ist so beschämend , ich würde am liebsten im Erdboden versinken.

    Kennt das jemand ? Solche Versagensängste, dass man sich seiner selbst so schämt den Leuten , wenn du mit ihnen redest nicht mal ins Gesicht schauen kannst? Weil du dich als Minderwertig empfindest, schlechter als andere , abstoßend? Dich selber hasst aufgrund Äußerer Markel? Gepaart mit Schuldgefühlen gegenüber anderen, weil du ihnen immer wieder Hoffnungen gemacht hast und sie aus dem selben schei... Grund enttäuschen musst? Dich Verlustängste so sehr quälen, dass du nächtelang wach liegst und deien Träume nur voll davon sind?

  2. #2
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    Tantalos, das sind in der Tat Tantalusqualen. Was meinst Du, hat Dir Dein Rückgrat gebrochen?

    Ich war in HH an der UNI. Da waren sie alle: Die Schlauen, die Normalos; die Mutigen, die Ängstlichen; die "Häßlichen", die Schönen; die Armen, die Reichen; in den Übungsgruppen die Stillen, die Vorlauten; die Emsigen, die Faulen, die sich gerade so durchwurschelten konnten; diejenigen, die gerne an die Tafel rennen (Mathe) und eben die anderen, die das nicht wollen, nicht können oder sonstwas. Irgendwie haben sie alle den UNI-Alltag überstanden.

    An sich hätte jeder dort seine Gruppe finden können. Scheint Dir aber nicht geglückt zu sein. Ich kenne das so, dass der Übungsleiter den Leuten bei der Vorbereitung auf die anstehende Klausur doch sehr hilft... Ist man ängstlich, dann ist man in der Gruppe sicherlich nicht der Einzige. Also tut man sich iA mit anderen "Ängstlichen" zusammen.
    Geändert von Bertrand (05.10.2011 um 21:58 Uhr)

  3. #3
    Neuling
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    Standard Angst vor dem richtigen Leben

    Lieber tantalos 26,

    habe deinen bericht durch Zufall gelesen,war vorher nicht angemeldet in diesem forum.nach deinem beitrag habe ich mich jetzt auch hier angemeldet. ich wollte dir nur sagen das du nicht alleine auf dieser welt bist dem es so ergeht.ich mache das selbe durch.und das seit meiner kindheit.meine angstzustände bei bestimmten situationen,z.b.angst vorm arbeiten (hatte noch nie einen festen job),alleine leben,alleine was zustande zu bringen, angst die liebsten zu verlieren,angst vorm leben,alleine zu reisen,unter die menschen zu gehen,angst zu versagen usw.es wurde mit der zeit immer schlimmer.ich kann nicht mal alleine auf weite autofahrten gehen weil ich angst kriege im stau stecken zu bleiben.sogar fliegen ist eine qual für mich(was früher nie der Fall war)sogar ein krankenhausaufenthalt bringt mich in depressionen.wie gesagt mit der zeit wurde alles schlimmer.es ist wie ein Teufelskreis.es hat mich viel überwindung gekostet zum psychologen zu gehen.nach ein paar einzeltherapien wurde mir jetzt eine verhaltenstherapie in der tagesklinik empfohlen.und in 2 wochen fängt es an.und ich stehe jetzt wieder mit meinen ängsten da, ob ich das alles durchstehen kann und ob es überhaupt was bringt.und mir geht es jetzt sehr schlecht,als hätte sich die ganze welt über mich zusammengebrochen.meine gedanken sind nur daran, ob ich das jetzt schaffe oder nicht.VERSAGEN???es ist voll ein schei...gefühl.es ist auch ein schei..weg.aber eine andere alternative gibt es nicht.ich wünschte ich wäre tot,anstatt dieses leben zu führen.ich kann mir schon vorstellen,das ich mich mit dir sehr gut verstehen würde.da ich genauso in diesem verdammten teufelskreis bin.die gedanken was alles passieren kann macht einen noch mehr fertig.und am ende hängt alles wieder von dir ab und keiner kann dir helfen.

  4. #4
    Neuling
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    Irgendwie ist es gut zu wissen, dass es noch anderen so geht wie mir. Was du schreibst kann ich nur allzugut verstehen und nachempfinden .

    Bei mir hat sich ja auch nen bisschen was getan. Aktuell stehe ich am Anfang dieser ''Ausbildung'' und meine Befürchtungen haben sich bestätigt. Zwar bin ich mitlerweile ein Meister darin mein Seelenheil zu verbergen, aber in meinem tiefsten inneren weiß ich, dass es schon wieder nichts wird dort. Die selben Mechanismen wie immer greifen, ab und an erwische ich mich, wie ich im Unterricht fast ''neber '' mir stehe , absolut unwirklich das ganze und dort das Szenario meines Versagens immer und immer wieder durchspiele...

    Reden kann ich mit niemandem hier mehr, sie würden es nicht mehr verstehen bzw ihre Akzeptanz für meine ''Befindlichkeiten'' ist wohl nicht mehr vorhanden.

    An gut Schlafen und ''Erholen'' ist prinzipiell nicht zu denken , schon am Abend vorher grauts mir vor dem Morgen...

  5. #5
    Nachwuchs Autor
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    Tantanlos, beschäftigst Du Dich mehr mit Deinen Ängsten oder mit dem Lernen des anstehenden Stoffes? Wie schätzt Du Dich vom Kenntnisstand her ein?

    Ich hatte Dich nach der Möglichkeit gefragt, ob Du mit Gleichgesinnten eine Lerngruppe bilden könntest? Wie sieht's damit aus? Eine Option wäre natürlich auch ein Nachhilfelehrer, am besten ein höheres Semester. Der könnte Dir auch Tipps für das Überleben am Lernort geben.

    Ansonsten: Da bei Dir jetzt die Angst akut ist, helfen Dir momentan auch keine langen Psychogespräche mehr. Nimm den direkten Weg: Geh zum einem Hypnotherapeuten, der, was eigentlich selbstverständlich ist, auch Angststörungen mit im Programm hat. Kostenpunkt: ca. 60€. Ich selbst fange mit der 1. Sitzung am kommenden Mittwoch an.

    Dann schildere Deinem Hausarzt, dass Du zZ nicht mehr Einschlafen kannst, weil Dich Deine Ängst nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Lass Dir "Remestan forte" verschreiben, lass Dich nicht von ihm abspeisen. Verabrede mit ihm einen Termin in paar Monaten, dann wird neu entschieden. Ein Tranquilizer, der Dir wenigsten nachts etwas Ruhe gönnt, Angst lösend ist und Dir den nächsten Morgen wieder zum Freund machen kann. Ich habe "Remestan forte" während der Zeit in der Kllink 6 Monate genommen, danach wieder abgesetzt. Hat mich also nicht abhängig gemacht.

    Das sind leider keine Tipps aus dem Lehrbuch. 6 Monate war ich einer Klinik wg. einer Angststörung, dann war sie weg. Nach langer, langer Zeit geht es bei mir wieder los. Die Gründe für Ängst sind ja vielfältig. Bloß alle haben sie das gleiche ekelhafte Gefühl in der Magengegend.

    Bei Dir siehst es ja so aus: Der Grund für Deine Angst ist Dein Lernort. Den Grund kannst Du nicht beseitigen, da Du den Lernort nicht aufgeben willst, weil Du weitere Konsequenzen fürchtest. Daher muss die Angst an sich reduziert werden. Für mich wäre der Ort der Angstreduzierung die Hypnopraxis.
    Geändert von Bertrand (12.10.2011 um 20:50 Uhr)

  6. #6
    Schreibkraft Avatar von monkey
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    Hallo Tantanlos,

    mit Angsterkrankungen ist nicht zu spaßen. Schau, daß du die durch proffesionelle Hilfe los wirst, sonst wird das mit dem Leben nix mehr. Im schlimmsten Fall endet es in der Isolation und gehst auch nicht mehr vor die Haustüre. Ich kenne ähnliche Angstzustände und kann sagen, es gibt keinen Weg um die Angst,- nur durch die Angst. Und wenn du die Erfahrung gemacht hast, daß du es trotz der Angst überstanden hast (Ergebnis zweitrangig), dann wird es dir von mal zu mal leichter fallen, deine Angst zu überwinden. Nur davon laufen und sich schonen, macht es nur schlimmer und du kommst gar nicht voran.

    Wenn du jetzt die Chance hast deiner beruflichen Laufbahn noch eine Richtung zu geben, dann tu es. Du wirst es sonst einmal sehr bereuen. Denke nicht, daß diese Ängste etwas mit deinem Charakter zu tun haben,- es ist eine Krankheit und kann geheilt werden.

    Wünsche dir den Mut und die Kraft dein Leben zu leben.

    Grüße
    monkey


    Denn fürchten mußt du dich nur vor der Furcht selbst.

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