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Thema: Angst vor dem Tod

  1. #1
    Neuling
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    Standard Angst vor dem Tod

    Hallo,

    ich weiß, dass es dieses Thema schon deöfteren gab, aber ich will es einfach niederschreiben. Vielleicht gibt ja jemand eine Hilfestellung.

    Ich habe Angst vor dem Tod. Ich stelle mir den Tod so vor, dass danach nichts mehr kommt. Ich stelle mir vor, er ist so, wie vor dem Leben. Ein nichts. Unbeschreibbar und unvorstellbar. Das löst extreme Angstgefühle in der Magengegend aus. Vor allem, wenn ich mal ein Glas Wein getrunken habe, wird es zum Höllenritt.

    Ich bin nicht religiös, glaube dementsprechend auch nicht an etwaige Theorien der Kirchen. Ich denke, biologisch werden meine Zellen weiterleben. Der Kreislauf des Lebens. Aber das Ich, das denkende Wesen ist für immer weg. Wie vor der Geburt. Nicht. Ganz schreckliche Vorstellung.

    Gehts euch ähnlich?

  2. #2
    Gast4461
    Gast

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    ich weiss genau was dich grad bewegt. ich hatte jahrelang todesangst vor dem tod. seitdem ich ein kleines kind war. vor allem wegen dieser unbegreiflichkeit, und unabänderlichkeit. mir ist immer noch mulmig zumute wenn ich daran denke dass ich eines tages nicht mehr sein werde, aber es versetzt mich nicht mehr in todesangst. was mir hilft ist es zu wissen, wenn ich tot bin kann ich mir über diese sachen eh keine gedanken mehr machen. der tod ist der zustand des ewigen friedens, denn du wirst auch keine angst mehr haben können. es macht einfach gar keinen sinn sich deswegen verrückt zu machen.

  3. #3
    Neuling Avatar von einzelkind
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    ich finde das ist ein sehr wichtiges thema.
    ich habe in letzter zeit viel über das leben nach dem tod denken müssen und ich bin kpmplett verwirrt.
    manchmal kam mir vieles sinnlos vor und ich drnke es ist viel "besser" gläubig zu sein, da man dadurch vieles im leben( und das nächste "leben") positiver sieht.
    aber ich habe nie wirklich was mit religion zu tun gehabt also vermute ich das nur.

    wie stellt ihr euch das leben nach dem tod vor?
    sind psychologen immer atheisten?

  4. #4
    Verleger Avatar von Physalis
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    Mittlerweile habe ich diese Angst auch - früher überhaupt nicht.
    Aber je älter ich werde, umso mehr beschäftigt mich das Thema, sicher auch deshalb, weil der Tod ganz natürlich immer näher rückt.

    Ich bin nicht gläubig und glaube nicht, dass es in irgendeiner Form weiter geht.

    Mich erschreckt dabei, dass mir die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt und ich das Gefühl habe, sie nicht optimal zu nutzen. Ich vermute, dass ich die Gedanken nicht hätte, würde ich mein Leben als "genau richtig gelebt" empfinden. Denn dann könnte ich sagen, okay, ich kann dann gehen, denn ich habe meine Zeit gut genutzt. Doch ich habe das Gefühl, privat nicht viel erreicht zu haben und beruflich meine Fähigkeiten durch Grübeln zu behindern. Natürlich sitzt mir dann meine zerrinnende Lebenszeit irgendwie im Nacken und ich habe Angst. Denn zu sterben und zu wissen, man ist vielleicht jahrelang auf der Stelle getreten, hat die wertvolle Zeit nicht ausgeschöpft ist schlimm. Daher wohl meine Angst.

    Vor Jahren las ich einmal alle Bücher von James von Praagh, der vorgibt, mit Verstorbenen Kontakt aufnehmen zu können. Die Bücher sind faszinierend und geben so viel Hoffnung und Trost. Aber nach einiger Zeit verpuffte bei mir die Wirkung.

    Wer an ein Leben nach dem Tod glaubt, hat es einfacher. Überhaupt können Gläubige Kraft aus einer Quelle schöpfen, die anderen verwehrt ist. Gut, es gibt auch andere Kraftquellen, z.B. intakte Familienverhältnisse, eine tiefgehende Freundschaft, eine gut funktionierende Partnerschaft. Menschen aber, die keine oder kaum Angehörige haben, deren Freundschaften nie so tief wurden, oder wo die Freunde weggezogen sind (Familiengründung, Beruf...) und die ihr Leben als Single verbringen laufen Gefahr, keinen Halt zu finden, wenn sie zudem auch nicht glauben.
    Wo soll der Halt dann her kommen? Immer und nur aus sich selbst heraus? Na ja, schön wäre es...aber das ist wohl doch eher eine theoretische Vorstellung.
    Geändert von Physalis (04.04.2011 um 07:26 Uhr)

  5. #5
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    Hallo Mensch3.0,


    genau diese Angst hatte ich kurz bevor ich Mutter wurde, kurz bevor wir ein Kind adoptiert haben.
    Mit dem Beginn meines "Mutterwerdens" habe ich ganz aktiv angefangen, mich auch mit der Sterblichkeit auseinanderzusetzen, ganz besonders mit meiner eigenen.

    Es war eine sehr angstvolle Zeit für mich.

    Als ich dann Mama wurde, habe ich diese Angst erst mal verdrängt - war auch nicht gerade schwer, wenn man (s)ein Kind im Arm hält.

    Die Jahre sind vergangen und im Jahr 2004 haben wir erfahren, dass der gerade mal 21jährige Cousin meines Mannes sterben wird. Er hatte Krebs und wir wussten, dass es hoffnungslos ist. Zu spät erkannt, keine Chance mehr...nichts mehr möglich.

    Dieser Cousin stand meinem Mann und mir sehr, sehr nahe.
    Wir haben sein Sterben aktiv mit begleitet, zu dem Zeitpunkt mit zwei kleinen Kindern an der Hand, aber es war uns wichtig, ihn in der Endphase seines Lebens ein Stück weit mit zu begleiten.

    Zeitgleich hat uns diese Begleitung gezwungen, uns mit unserer eigenen Sterblichkeit nochmal auseinanderzusetzen.
    Wir haben auch die Kinder aktiv mit in die Sterbebegleitung einbezogen - mit Hilfe einer Sozialpädagogin und eines Psychologen, für die ich noch heute unendlich dankbar bin.

    Als der Cousin starb, durften wir an seinem Totenbett Abschied nehmen. Es war für mich das erste Mal, dass ich einen toten Menschen gesehen und berührt habe.
    Es war kein schöner Anblick, aber ich habe trotz allem irgendwie gefühlt, dass es ok ist so wie es ist.

    In dem Moment habe ich viel Frieden gespürt, wobei ich auch offen dazu sage, dass ich wenige Minuten später...nachdem ich mich zu den anderen Angehörigen gesetzt hatte....fast das Bewußtsein verloren hätte und mich der Vater des Verstorbenen erst mal mit einer Tasse Kaffee "aufgefangen" hat.


    Für mich war das Erlebte der Auslöser, mich nochmal aktiv mit meinem Glauben auseinanderzusetzen.
    Ich bin praktisch kulturell im christlichen Glauben aufgewachsen und respektiere nach wie vor den christlichen Glauben, wertschätze meine christlichen Mitmenschen sehr und bin auch mit einem katholischen Pater befreundet, was mir viel bedeutet.

    Trotzdem war das Erleben des Sterbens für mich der entscheidende Punkt, mich aktiv dem Glauben zuzuwenden, den ich schon "immer" im Herzen gespürt habe, dass er für mich (!) richtig ist.

    Die Betonung liegt auf "für mich".
    Seitdem ich "meinen" Glauben lebe und praktziere, verliert sich diese Angst nach und nach, ich sehe meiner eigenen Sterblichkeit mit viel mehr Gelassenheit entgegen.


    Damit will ich aber nicht sagen, dass die Philosophie, die ich glaube, ein Rezept gegen Angst vor dem Tod ist.
    Ich greife das Thema "Religion" aus dem Grund hier mit auf, weil ich der festen Überzeugung bin, dass jeder Glaube hilfreich sein kann (kann....nicht "muss").


    Vor drei Jahren haben mein Mann und ich unsere eigene Bestattung geregelt. Wir sind in ein Bestattungsunternehmen und haben hinterlegt, wie wir bestattet werden möchten (hatte bei mir auch den Grund, dass Geistliche "meines" Glaubens hier nicht mal eben "um die Ecke" zu finden sind und ich schon auch gerne eine religiöse Bestattung hätte ;-) ) - wir haben uns für Verbrennung und Seebestattung entschieden.

    Wenn ich "weg" bin, bin ich "weg".

    Erst haben wir uns schon leicht "deplaziert" gefühlt, als wir zum Bestatter sind, aber irgendwie war es dann auch ganz witzig, das lief alles ganz locker.


    Ich ermutige gerne, sich mit dem Thema aktiv auseinanderzusetzen, es be-trifft nämlich jeden von uns.
    Gerade die aktive Auseinandersetzung damit hat mir sehr geholfen, wobei ich schon auch einen sehr starken Glauben habe, den ich aber nicht als "Heilsbringer für alle" sehe, sondern als meinen ;-).


    Ich habe schon Christen ermutigt, ihren Glauben zu leben, ich habe schon eine Muslima "zurück" in die Moschee gebracht, ich hatte unbeschreiblich erfüllende Gespräche mit einer Jüdin, die ich aufrichtig bewundere, wie sie ihren Glauben lebt...

    Und ich finde es gut, dass dieses Thema hier aufgekommen ist!
    Viele Grüße

    "Klee"



  6. #6
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    Gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.

    Ich war früher so ein lebensfrohes Kind. Je älter ich werde (24 aktuell), desto schlimmer scheinen die Gedanken und psychischen Laster zu werden. Ich bin gestern noch im Auto rumgefahren und habe nachgedacht. Im Prinzip kann man der Unwissenheit nicht ausweichen. Man weiss nicht, was der Tod bedeutet. Wieso also soll ich wissen, dass ich davor Angst haben muss.

    Angst ist eine Reaktion des Körpers um zu kämpfen oder zu flüchten. Gegen den Tod kann man aber nicht kämpfen oder flüchten. Deshalb ist die Angst unnütz. Im Prinzip begründet die Angst auch darauf, sein Leben nicht richtig gelebt zu haben – so jedenfalls die Befürchtung.

    Nun sitze ich hier, müsste eigentlich an meiner Bachelorarbeit schreiben. Sollte eigentlich einen Artikel verfassen für meinen Nebenjob als Redakteur. Wollte eigentlich etwas gesünder essen, aber stopfe grad Süßkram hinein. Mein Kopf fühlt sich an wie in einer Schraubzwinge - totaler Druck. Ich habe Angst, Unwohlsein und eine miserable Gedankenqualität.

    Dabei möchte ich einfach nur sein wie damals. Unbeschwert, einfach, entspannt, zufrieden und glücklich.

  7. #7
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    Hallo Mensch 3.0,

    Du bist garantiert nicht alleine - die Angst vor dem Tod steuert ja "zwangsläufig" unseren Überlebens"trieb".

    Ich war, als ich genau diese Krise hatte, übrigens auch so ca. Mitte 20.
    Hilfreich für mich war/ist letztendlich, die eigene Sterblichkeit anzunehmen und zu akzeptieren.

    Ein einfacher und kurzer Satz, den ich da schreibe.....aber ein langer, langer und teilweise auch schmerzhafter Weg bis zur Akzeptanz.

    Ich wünsche Dir viel Kraft, dass Du ihn bis zur Akzeptanz gehen kannst (wichtig finde ich aber auch, dass man sich selbst Zeit gibt).

    Einen m.E. wichtigen Schritt hast Du ja schon gemacht:
    Du benennst die Angst.

    Es gibt viele Menschen, die ihre Angst bzw. ihre Ängste unterdrücken, weil "Angst" ja auch ein tabubesetztes Thema ist.

    Angst zu erkennen und zu benennen kann der erste Schritt sein, zu akzeptieren dass sie "da" ist und mit der Akzeptanz kann man an der Auflösung arbeiten.

    Was die Auflösung betrifft: da muss praktisch jeder seinen indivuduellen Weg finden.
    Der kann in der Religion begründet sein, muss aber nicht.
    Viele Grüße

    "Klee"



  8. #8
    Moderator Avatar von phel
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    Die Angst vor dem Tod beschäftigt die Mehrheit der Menschen, zumindest irgendwann. Das ist auch ganz normal. Aber wieso?

    Wenn wir schlafen, dann ist es erst unangenehm, wenn der Wecker klingelt, oder wir von einer anderen Quelle geweckt werden.

    Im Tod verwirklicht sich der Mensch erst, er ist und er war. Unabhängig von religiösen und philosophischen Anschauung, so ist der Tod doch der Anfang vom Ende. Das Leben hat einen Sinn, und so hat es der Tod auch - wie wird sich erst zeigen, aber nicht für uns. Der Tod ist die Motivation, uns selbst zu verwirklichen. Aber ist das negativ? Tod bedeutet Ruhe, und das ist nichts wovor man sich fürchten muss.

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