Hallo und guten Abend,

auch ich möchte mir gern mal auf diesem Wege meinen ganzen Frust von der Seele schreiben.
Ich bin Mutter von drei Kindern, Ehefrau eines Mannes, der im Moment so gar nichts auf die Reihe kriegt und somit im Grunde völlig Alleinverantwortlich für alles und jeden.

Bis Dezember letzten Jahres war unsere Welt eigentlich auch noch ganz in Ordnung, alles ging mehr oder weniger seinen Gang, bis mein Mann, wie jedes Jahr saisonbedingt gekündigt (er arbeitet auf dem Bau) wurde und normaler weise wird er im März, spätestens April wieder eingestellt, diese Prozedur durchleben wir nun schon seit 12 Jahren und die paar Monate konnten wir mit dem Arbeitslosengeld und meinem Minijob ganz gut überbrücken.
Dieses Jahr wurde er aber nicht wieder eingestellt, da sein Arbeitgeber sich mit seinen Bauherrn überworfen hatte und somit keine neuen Aufträge erhielt…
Tja und nun läuft die Frist ab und ab September werden wir wohl oder übel Hartz IV
beziehen.
Wir haben dies auch schon früher mal bezogen, wie ich noch nicht arbeiten gehen konnte, daher weiß ich was mich erwartet und ich kann euch verraten, ich hab darauf überhaupt keinen Bock, denn das ist Menschenverachtend was dort in den Ämter passiert und es macht mir echt Bauchschmerzen.
Vor allem weil es schon jetzt im Vorfeld Ärger mit den Sachbearbeitern gibt.
Z.B. will meine zukünftige Sachbearbeiterin mir die Leistung kürzen, weil ich schon jetzt zum Termin gebeten werde, den ich leider aus arbeitstechnischen Gründen nicht wahrnehmen kann, aber dies wäre kein wichtiger Grund, denn mein Arbeitgeber wäre ja verpflichtet mich für diesen Termin freizustellen, unglaublich, dabei beziehen wir ja noch gar keine Leistung, lediglich den Antrag habe ich schon gestellt, damit es später nicht zu finanziellen Engpässen kommen kann. Aber dies nur am Rande…

Mein Mann ist 49, kein Führerschein und meiner Meinung nach in einem tiefen Loch, was er natürlich nicht wahrhaben will, denn von der Psychologie hält er noch weniger als von Ärzten.
Eigentlich will ich gar nicht von meinem Mann schreiben, aber muss wohl sein, damit ihr vielleicht ansatzweise versteht, worum es mir geht.

Ich habe zweieinhalb Jahre als Kassiererin auf 400 Euro Basis gearbeitet.
Der Betrieb ist nicht tariflich organisiert und der Chef ist der Meinung, deshalb kann er sich alles erlauben.
Leider bin ich keine ausgebildete Verkäuferin, was aber nicht bedeutet ich wäre ohne Ausbildung, es ist nur, durch diese lange Kinderpause, meine Älteste ist jetzt 13, obwohl ihr erstes Jahr habe ich noch Vollzeit gearbeitet, hab ich den Anschluss in meinem Lehrberuf verpasst und das Arbeitsamt, wollte mir damals keine Fortbildung bezahlen, da diese zu teuer war. Umschulen konnte ich auch nicht, weil ich ja gelernt bin und meinen Beruf noch ausüben könnte, wenn es denn Bedarf geben würde… Also hoffnungslos und so muss ich mich als Minijobber halt durchschlagen.
Man hat auch Zeit für die Familie und man verdient sich ein bisschen was dazu… aber die Erfüllung? Nein ist das weiß Gott nicht, denn den Kindern was bieten kann ich nicht, das Geld ist oft knapp und reicht gerade so aus, wie bei den Meisten halt.

Also in meinem alten Betrieb habe ich 80 Stunden im Monat gearbeitet, es gab keinen bezahlten Urlaub, Feiertage wurden natürlich auch nicht bezahlt und Krankheitstage erst recht nicht. Pausen wurden unterbrochen, weil für die Aushilfen kein Ersatzkassierer vorhanden war. Natürlich wurde erwartet, dass man die gleichen Aufgaben erfüllte wie z.b. ein Vollzeitbeschäftigter.
So und nun habe ich seit dem 01.07. tatsächlich einen neuen Job, in einer echt tollen Filialkette, die sich wirklich um ihre Mitarbeiter bemühen und es hört sich alles so unbeschreiblich gut an.
Ich arbeite jetzt nur noch 50 Stunden fürs gleiche Geld, bezahlter Urlaub sogar anteilmäßig Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Personalrabatt, drei Tage Urlaub im Monat, selbst die Feiertage werden bezahlt. Es gab Begrüßungsgeschenke und die Kollegen sind alle total entspannt und freundlich.
Den Arbeitsvertrag habe ich noch am Probearbeitstag unterschrieben.
Eigentlich müsste ich vor Freude platzen, aber wie ihr vielleicht ahnt, hat die ganze Geschichte einen totalen Haken, ich mein vielleicht ist es ja gar kein Haken und ich mache mir unnötig Sorgen, aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, das mein Traum bald ausgeträumt sein wird.
Nachdem ich die Begrüßungstüte Zuhause geöffnet hatte und die Papiere durchsah, fand ich auch eine Liste mit Papieren, die ich noch nachreichen muss.
Sozialversicherungsausweis oder Lohnsteuerkarte, Zeugnisse von früheren Arbeitgebern,
polizeiliches Führungszeugnis, tja bis dahin alles kein Problem, aber sie wünschen auch eine Schufa-Auskunft… und die ist bei mir leider so gar nicht in Ordnung.
Ich könnte euch jetzt lang und breit erklären warum dies so ist, aber ich denke das ist völlig unrelevant. Fakt ist halt, meine Auskunft ist Negativ und nicht nur das, nein ich habe zudem vor drei Jahren noch die eidesstattliche Versicherung abgegeben.
Meinen alten Arbeitgeber hatte das nicht interessiert, der hatte nicht einmal danach gefragt,
aber jetzt mache ich mir große Sorgen, dass ich meinen Job gleich wieder verliere.
Meine neue Filialleiterin ist gerade drei Wochen im Urlaub, so dass ich ihr das noch nicht sagen konnte und so arbeite ich dort zwar total gerne, aber kann im Grunde an nichts anderes Denken, als das ich bald wieder aufhören muss.
Ich versuche natürlich meinen neuen Kolleginnen gegenüber nichts anmerken zu lassen, bin aber schon relativ reserviert, denn ich mag noch keinen Kontakt aufbauen, wozu auch?

Und bei meinem Glück bekomme ich dann im September gleich ne Sperrzeit, weil ich meinen vorherigen Job ja selbst gekündigt habe…

Danke fürs zulesen