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Thema: Angst vor einem neuen Job

  1. #1
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    Standard Angst vor einem neuen Job

    Ich weiß nicht, ob ich im richtigen Forum poste, aber ich denke, hier passt es noch am besten rein. ich muss diese Dinge einfach mal loswerden...

    Mein Grundproblem ist: ich hasse meinen Job. Und trotzdem schaffe ich es nicht, mir einen anderen zu suchen.

    Mein berufliches Selbstbewusstsein ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Im Grunde besteht mein Arbeitstag komplett aus Selbstvorwürfen. Ich kann mich an den Dingen, die ich schaffe, nicht mehr erfreuen, ich kann nur noch ängstlich darüber nachdenken, was ich wohl wieder übersehen oder falsch gemacht habe. Meistens laufen bei uns mehrere Projekte gleichzeitig, ich muss hier mal eben dringend was ändern und dort was einfügen und in diesem Durcheinander, das ich für mich einfach nicht zu ordnen vermag, passieren mir ständig Fehler. Dinge sind verbuggt, funktionieren nicht richtig, ich vergesse zwischen den 5 aktuellen Projekten das 6. das auch dringend und wichtig wäre. Und das Schlimmste ist, ich nehme mir meine eigenen Fehler und meine Unfähigkeit, die Arbeit zu strukturieren, unglaublich übel. Ich mache mir selbst Vorwürfe, ich nehme es mir völlig zu Herzen wenn Kunden oder der Chef meckern, ich fühle mich schlecht, ich habe Nachts Alpträume. Ich kann nach der Arbeit nicht mehr abschalten, überlege ständig, was ich vergessen oder falsch gemacht habe. Ich nehme mir jedes Mal vor, künftig bessere, fehlerfreie Arbeit abzuliefern, aber meistens schaffe ich es nicht, irgendein Bug schleicht sich immer ein. Und wenns doch mal gelingt, dann bin ich zu langsam und mir wird vorgeworfen, dass ich mehr koste als die Firma einbringt und wieder fühle ich mich schlecht.

    Um 17 Uhr ist Feierabend und wenn es irgendwie geht, verlasse ich dann auch fluchtartig die Arbeit, will nur noch weg von dort und nach Hause. Meistens kommen dann am nächsten Tag die Vorwürfe, weil ich ja noch dies oder jenes hätte fertigstellen müssen/sollen oder sich nach Feierabend rausgestellt hat, dass sich bei dne letzten Änderungen ein Fehler eingeschlichen hat. Jedes Mal nehme ich mir vor, zukünftig sicherzustellen, dass ich auch um 17 Uhr soweit alles fertig habe und gehen "darf", und dann ist es wieder 17 Uhr und in meinem Kopf brüllt es nur noch: "RAUS HIER RAUS HIER RAUS HIER!"

    Freunde sagen mir, die Lösung kann nur sein, mir einen anderen Job zu suchen. Das ist leider gar nicht so einfach, für mich ist es verdammt schwer. Alles, was mit Job zu tun hat, ist für mich total mit Angst behaftet. Es sind echt total irrationale Ängste, aber ich werde sie einfach nicht los. Ich habe vor kurzem den ersten und einzigen Versuch unternommen, mich woanders zu bewerben. Ich habe eine Bewerbung abgeschickt und danach 5 Tage enormste Panikzustände ausgestanden. Ich starrte wie eine Irre auf das Telefon und hatte wirklich *Angst*, diese Firma könnte sich melden. Total irrational, aber ich konnte es nicht abschütteln. Meine Gedanken kreisten nur noch darum und auf einmal erschienen mir die einfachsten Dinge unmöglich. "Was, wenn sie anrufen während ich grad nicht beim Handy bin? Dann muss ich zurückrufen... das kann ich nicht!" oder plötzlich erschien mir die Aussicht, vielleicht zu einem Bewerbungsgespräch geladen zu werden wie ein kleiner Weltuntergang. Und das ging so weiter... "was, wenn sie mich einstellen wollen? dann *muss* ich die Stelle annehmen... da ist alles neu, ich will da nicht hin!" oder "da werde ich dann auch wieder alles falsch machen und dann wird der chef mich anschreien" und so weiter und so fort. Also größtenteils wirklich absurde Gedanken, aber ich konnte sie nicht loswerden. Ich konnte nicht schlafen, ich hatte Magenschmerzen, ich hatte PANIK. Ich wurde dann tatsächlich zum Bewerbungsgespräch eingeladen, ich ging sogar hin (mit Vorstellungsgesprächen an sich habe ich nämlich lustigerweise kein Problem), habe die Stelle aber nicht bekommen (worüber ich total erleichtert war...).

    Und diese Angst, wieder in so einen Panikzustand zu verfallen, hält mich davon ab, mich weiter zu bewerben. Weil ich weiß, dass ich dann leiden werde wie ein Hund, bis mich ein potentieller Arbeitgeber anruft, weil ich leiden werde, wenn sich tatsächlich eine Möglichkeit ergeben sollte, weil ich alles Neue fürchte wie nichts anderes. Ich weiß, damit sich was ändert müsste ich diese Ängste durchstehen, aber ich finde einfach nicht die Kraft dafür. Es geht einfach nicht, ich habe ja kaum noch die Kraft, morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Und selbst wenn ich mich überwinde und die erste Panik aushalte, schaffe ich es nicht, einem Arbeitgeber zu vermitteln, dass ich das bin was er sucht, wenn ich mich doch selber für absolut schlecht und faul und dumm halte. Selbst wenn die irrationale Panik nicht wäre, wäre da immer noch der Gedanke: "Ich bin zu langsam, ich mache zu viele Fehler, kein Arbeitgeber wird mich über die Probezeit hinaus beschäftigen und dann geht das alles von vorne los".

    Die Angst, die Sorgen und die Panik begleiten mich inzwischen auf Schritt und Tritt. Ich habe Magenschmerzen, ich kann nichts mehr essen, wann immer es geht betrinke ich mich, so lange, bis die Sorgen weg sind und ich einen Moment lang so unglaublich erleichtert bin. Das kann auf Dauer nicht die Lösung sein.


    Ich weiß, das war ein langer Text... aber ich bin mit den Nerven am Ende. Vielleicht hat jemand einen guten Rat für mich. Es hat auf jeden Fall gut getan, das alles mal aufzuschreiben.

  2. #2
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    Hallo, - einen guten Rat - ich weiß nicht, ob das so möglich ist. Letzten Endes kannst nur Du selbst wissen, was gut ist für Dich und im Grunde weißt Du es auch, Du stehst Dir nur mit Deiner Angst im Weg, die sich immer weiter auszubreiten scheint. Ich weiß nicht, wodurch es angefangen hat, dass Du nur noch überfordert bist. Hast Du da selbst einen Anhaltspunkt? Es ist vielleicht nicht ganz unwichtig herauszufinden, warum bei Dir alles so schwierig geworden ist und wo genau die Überforderung ist. Ist sie wirklich auf Arbeit oder klappt es noch irgendwo anders nicht so richtig? Eins bedingt gern das Andere. Deine Angst beruht auf Stress. Dadurch wird alles größer und schlimmer.

    Natürlich kannst Du in einem Vorstellungsgespräch niemanden von Dir überzeugen, wenn Du selbst nicht mal ein bisschen überzeugt bist oder sogar vom Gegenteil. Auf der anderen Seite ist ja genau das das, was Dir hilft, in Deiner derzeitigen Lage zu bleiben. Du willst... und Du willst nicht. Es geht nicht hin und nicht her und nicht vor und nicht zurück. Das, was Du hast, willst Du eigentlich nicht mehr, aber hier spürst Du eine gewisse Sicherheit, die Dir im Grunde aber schadet und etwas Neues, von dem Du erwartest, dass es etwas Besseres bringt, ist noch nicht kontrollierbar und man weiß ja auch nicht, was kommt. Theoretisch könntest Du in Deinem Job bleiben, wenn Du herausbekommst, woran genau es da hapert und warum und ob man was dran ändern kann. Was würdest Du brauchen, damit es entweder in Deinem jetzigen Job für Dich wieder machbar wird oder was würdest Du brauchen, um den Sprung in einen neuen Job zu wagen, zu schaffen. Mit Angst wird das alles schwieriger als für Menschen, die da offen sind. Andererseits wird sich eventuell die Angst noch verstärken, ausbreiten. Du musst Dich mit der Angst auseinander setzen. Wie Du schon sagst, Du musst da durch, wenn Du was Neues willst. Aber wie viel Sicherheit spürst Du, wenn Du an etwas Neues denkst. Und wie viel Sicherheit spürst Du, wenn Du an Deinen derzeitigen Job denkst? Was könnte Deine Angst verringern? Wo bestehen die größten Chancen für Dich, Dich wieder wohler zu fühlen, den Arbeitstag besser zu überstehen? Viele Fragen, ich weiß. Ich weiß aber nicht, ob Du sie Dir schon mal gestellt hast. Momentan kümmerst Du Dich um Bewerbungen, die für Dich aber nur eine Alibifunktion haben. Du kannst Dir sagen, ich hab es versucht, es hat nicht geklappt und kannst weiter Dir sagen, Du musst Dich eben in Deinem alten Job durchkämpfen, auch wenn Du es kaum noch aushältst. Aber Du hältst es eben noch aus. Deshalb kannst Du Dir auch leisten, Dir selbst im Weg zu stehen. Was willst Du wirklich und zu welchem Preis. Leicht wird nichts, so wie es aussieht und so, wie es Dir schon geht.

    Liebe Grüße, waiting
    Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt.

    Khalil Gibran

  3. #3
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    Erstmal danke für Deine Antwort. Ein paar der Fragen, die du stellst, habe ich mir ncoh nicht selbst gestellt und haben mich zum Nachdenken angeregt.

    Ich hab ne Menge Probleme und nicht alle beziehen sich auf die Arbeit, insofern ist es natürlich schwierig zu sagen, wo wirklich der Ursprung liegt. Ich hatte jedenfalls immer schon ein schwieriges Verhältnis zur Arbeit. Auf meinen ersten Ferienjob hab ich mich noch gefreut, ich war neugierig darauf, wie das so wird. Es stellte sich als grauenvolles Erlebnis heraus, ich hörte 4 Wochen nur, was ich alles falsch mache und nicht kann. Mein Vater hat mich damals aber gezwungen, den Job durchzuziehen. Seitdem hab ich bei jedem neuen Job unglaubliche Panikattacken, mein Selbstbewusstsein war eh schon angeknackst und hat sich danach dann nie mehr wirklich erholt (ich weiß, ich bin ein unglaublich empfindlicher Mensch, andere stecken sowas weg und gut is).

    Ich hatte dann nach dem Studium noch 2 andere Stellen. Vorher schob ich jedesmal Panik, kam aber dort dann relativ gut klar. Dann habe ich den aktuellen Job angenommen und halte ihn inzwischen seit über 3 Jahren aus. Anfangs gings noch, aber vor ca. 2 Jahren hat sich einer der Chefs ausgeklinkt und jetzt gibts nur noch einen Chef, mit dem ich nicht klarkomme. Ich mag ihn persönlich nicht, komme aber vor allem mit seiner Art nicht zurecht. In jedem Gespräch mit ihm habe ich das Gefühl, unzulänglich zu sein. Er wird ungeduldig, er meckert mich an, und ich nehms mir unglaublich zu Herzen.

    Was ich brauchen würde, um in meinem jetzigen Job klarzukommen wäre die Fähigkeit, das alles an mir abprallen zu lassen. Aber das krieg ich halt nicht hin, wie schon gesagt bin ich da ziemlich empfindlich und mache aus allem ein Drama. Insofern denke ich, ich sollte mir ein dickeres Fell zulegen, nur wie? Wie?

    Grundsätzlich denke ich, es wäre auf jeden Fall besser für mich, den Job zu wechseln. Meine persönliche Abneigung gegen meinen Chef, die wirklich unglaublich schlechte Bezahlung (bei Lohnverhandlungen stelle ich mich natürlich nie sehr geschickt an, da ich mir selber nicht sehr viel zutraue und daher meiner Arbeit auch nicht viel *Wert* beimesse) und mein Wunsch, eigentlich von hier wegzuziehen, sind für mich relativ gute Argumente, mir was neues zu suchen. Aber da ist mir dann wie gesagt die Angst vor allem Neuen im Weg.

    Es stimmt, Bewerbungen die ich, wenn überhaupt, abschicke, sind eher alibimäßig. Ich dachte mal, wenn es so schlimm wird, werde ich mich schon überwinden. Aber momentan IST es so schlimm, dass es kaum schlimmer werden kann, und ich schaffe es trotzdem nicht.

    Was ich mir so sehr wünsche ist, diese Angst loszuwerden. Wieder zuversichtlich und eher mit Vorfreude als Panik einen neuen Job angehen zu können. Denn sonst wird das Problem, selbst wenn ich mich jetzt überwinde, irgendwann wieder auftauchen. Dann sitze ich vielleicht im nächsten schlimmen Job fest oder finde vielleicht keine neue Arbeit, wenn ich mal meinen Job verliere, aus lauter Angst vor dem Neuen.
    Geändert von Elenya (11.07.2010 um 19:55 Uhr)

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