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Thema: Angst vor endgültigen Entscheidungen

  1. #1
    Gast1376
    Gast

    Frage Angst vor endgültigen Entscheidungen

    Liebe Forumsgemeinde,

    ich würde mich sehr freuen, wenn ich hier Menschen finden könnte, die meine Sorgen verstehen und vielleicht sogar schon einmal ähnlich empfunden haben.

    Endgültige Entscheidungen in wichtigen Angelegenheiten verunsichern mich, lassen mich in Grübelzwänge verfallen und ich vermute, dass ich auch Anzeichen einer Depression zeige. Konkret geht es bei mir um berufliche Entscheidungen.

    Ich bin Mitte 30, lebe allein und habe keine Kinder. Der Beruf hat daher für mich eine sehr zentrale Bedeutung in meinem Leben, da ich die meiste Zeit mit der beruflichen Tätigkeit verbringe. Es ist mir sehr wichtig, einen Beruf auszuüben, der mir zusagt und in dem ich einen "Sinn" sehe. Ich habe studiert und bin seit ein paar Jahren als Freiberuflerin im eigenen Büro tätig. Ich glaube, dass mir dieser Beruf liegt. Es ist damit auch möglich, "gute Dinge", die für mich "sinnvoll" sind, zu tun.

    Dennoch: nun kommen starke Zweifel. Ich interessiere mich auch stark für andere Tätigkeiten. Diese setzen aber alle ein Hochschulstudium voraus. Ein Wechsel wäre also nur mit allergrößtem Krafteinsatz, erheblichen finanziellen Mitteln und unsicherer Zukunft (wer stellt jemanden ein, der mit über 40 mit einem Zweitstudium fertig ist?) verbunden. Und vor allem: dann würde ich ggf. meiner jetzigen Tätigkeit nachtrauern oder wieder etwas Neues für mich entdecken.

    Es macht mir Angst zu wissen, dass ich nicht alles studieren und ausprobieren kann. Und dass ich - selbst könnte ich mir alles ansehen -immer die Unsicherheit bliebe, ob ich WIRKLICH das Optimale für mich gefunden habe. Das Grübeln beeinflusst meine Arbeitsfähigkeit - v.a. da ich auch noch eine Promotion nebenberuflich beenden möchte und auch deshalb unter massiven Druck stehe.

    Manchmal vermute ich, dass ich diese "Fluchtgedanken" habe, weil der Existenzkampf als Selbständige so hoch ist und dann noch die massive Belastung durch die Dissertation hinzukommt. Dann auch die Tatsache, dass ich den ganzen Tag allein vor mich hin arbeite in meinem Büro.

    Mir fehlt aber der "Zugang" zu mir selbst. Ich kann nicht beurteilen, ob ich wirklich noch andere Dinge machen möchte, oder ob mir nur der Stress und die ständige berufliche Unsicherheit zusetzt.

    Fällt jemandem von Euch etwas dazu ein?

    Grüße,

    die Zweiflerin

  2. #2
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    Standard

    Ein Wechsel wäre also nur mit allergrößtem Krafteinsatz, erheblichen finanziellen Mitteln und unsicherer Zukunft verbunden.

    Ich würde beim jetzigen Job bleiben.

    Dürfen wir erfahren, was das für Tätigkeiten sind, für die Du Dich interessierst?

  3. #3
    Gast1376
    Gast

    Standard

    Hi,

    ich weiß, dass man "vernünftig" so entscheiden würde . Dies ändert aber nichts an meinem Zweifeln, am Grübeln und der Angst, etwas zu verpassen. Oder das am besten Passende nicht zu finden. Das lähmt mich so. Ich schlafe schlecht, bin antriebslos, igele mich ein, unternehme privat nichts mehr.

    Gleichzeitig aber wieder die Angst, auch dann wieder unsicher zu sein.

    Meine Interessen sind sehr weit gefächert. Bereits nach dem Abitur hatte ich so große Schwierigkeiten, mich für ein Studium zu entscheiden. Im Studium habe ich dann auch oft gezweifelt, was sehr, sehr viel Kraft gekostet hat. In meinem Job gibt es einen ernormen Konkurrenzkampf. Man muss voll da sein, um sich durchzusetzen. Ich kann mir Zweifel wirtschaftlich also gar nicht "leisten". Ich bin ein sehr engagierte, arbeitsfähiger Mensch. Diese lähmenden Zweifel und Gedankenkarussele machen mich sehr unglücklich.
    Geändert von Gast1376 (26.02.2008 um 18:54 Uhr)

  4. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Zweiflerin,

    in Deinem Fall wäre wahrscheinlich ein guter Coach zweckmässiger als ein Psychologe, oder nicht? Denn es geht wohl mehr darum Strategien zu entwickeln, um die Zufriedenheit im beruflichen wieder herzustellen, als um Therapie.

    Gut möglich, dass Du eine Generalistin bist. Aber die große Freiheit unserer Zeit "alles ist möglich und alles darf gemacht werden" ist leider auch oft ein lähmender Faktor, weil vor lauter Auswahl dann gar nix mehr richtig und mit Herzen gemacht wird. Und weil der Gedanke, alles machen zu müssen, was einen interessiert, vom wesentlichen ablenkt. Vll glaubst du auch nur etwas zu verpassen, weil Du Deine Unzufriedenheit nicht wirklich reflektieren willst und lenkst drum lieber den Fokus auf was neues?

    Vll überprüfst Du für Dich erst mal, was genau die anderen Interessensgebiete sind, ob Du wirklich keine andere Möglichkeit hast, Dein Interesse an diesen Bereichen anders zu befriedigen, als über die berufliche Schiene. Möglich wäre ja auch, den Sachen als Hobby nachzugehen u.ä.

    Wenn Du das eine oder andere trotzdem beruflich einbinden willst, informier Dich gründlich, ob dazu wirklich ein weiteres Studium nötig ist, oder ob es artverwandte Aufbaustudien oder Berufsfelder gibt, für die Du nicht von vorn anfangen müsstest.

    Außer diesen fachlichen Bereichen wird es sehr wichtig sein, Deine momentane berufliche Struktur abzuklären. Vll gibt es die Möglichkeit, dass Du Dir ein Standbein als Teilzeit-Angestellte schaffst, damit Du eine einigermaßen sichere wirtschaftliche Basis hast, und darüber hinaus dann in der freiberuflichen Tätigkeit wieder mehr Freude hast.

    Vll musst Du auch nur gucken, ob Du in Deinem jetzigen Beruf etwas verändern, ergänzern oder erneuern kannst, um wieder zufriedener zu sein. Aber das würd ich vll wirklich per Coaching klären, als allein im stillen Kämmerchen. Es sind doch einige Faktoren die da mit reinspielen und einige Richtungen, in die man denken kann.

    LG Gaby
    Geändert von Gast784 (26.02.2008 um 12:53 Uhr)

  5. #5
    Gast1376
    Gast

    Standard

    Liebe Gaby,

    ich danke Dir für Deinen Beitrag!

    Ja, Coach hört sich gut an! Ich zweifle vielleicht weniger an meinem Beruf, sondern an der Art der Ausführung. Ich habe mich im eigenen Büro von daheim aus selbständig gemacht. Ich bin den ganzen Tag allein, berate meist über Internet oder Telefon, oder Unterlagen werden mir zugeschickt. Ich komme wenig "raus", habe kaum Kontakt zu Kollegen. Ich fühle mich - hört sich vielleicht nun blöd an - nicht richtig berufstätig, weil ich immer nur für mich allein am Schreibtisch bin. Als Studentin war ich ständig unterwegs, nun bin ich fast nur für mich allein im Büro. Mir fehlt eine Entwicklung, ein Weiterkommen, Kontakte. Ich denke: will ich in 5 oder 10 Jahren auch noch allein hier im Büro sitzen?

    Vieleicht ist es auch die Angst vor der Einsamkeit, die dazu kommt. Nach bisher unglücklichen Beziehungen habe ich Angst davor, im Leben niemanden zu finden, der zu mir passt. Das mag die Stimmung auch drücken. Ich bin Mitte 30 und lerne niemanden kennen - was auch kein Wunder ist, da ich mich sehr zurückgezogen habe. lerne ich jemanden kennen, werde ich sehr verletzt.

    Alle meine Interessen könnte ich mehr oder weniger als Hobby verfolgen. Tue und tat ich auch schon. Aber das regt die Zweifel noch mehr an. Je mehr ich mich mit anderen Dingen beschäftige, umso mehr stelle ich meine Tätigkeit in Frage.

    Ich wäre gerne Tierärztin geworden. Hatte aber bereits als Kind Tierallergien und leichtes Astma beim Kontakt mit diversen Tierarten. Es war keine Frage, dass ich dies nicht studieren konnte. Ich verzichte auf alle Tiere und leide darunter sehr, da ich mir sehr ein Haustier wünsche. Der Verzicht ist für mich unglaublich hart. Auch habe ich Schwierigkeiten, Freunde und Bekannte, die Tiere haben, zu besuchen. Nun sitze ich oft da und denken, ich könnte ja Tierärztin für Reptilien und Fische werden - denn gegen die entstehen keine Allergien. Vielleicht eine Stelle im Zoo suchen. Dabei verdränge ich aber, dass ich mich bisher nur zu Tieren mit Fell hingezogen fühlte.

    Ich wünschte, ich hätte diese Gedanken nicht.

    Ich bin übrigens seit früher Jugend im Tier-, Natur- und Umweltschutz sehr aktiv und habe schon viel bewegt. Dies ist eine andere Art Tieren zu helfen. Tierarzt zu sein, ist ja nur eine Möglichkeit. Auch in meinem Beruf kann ich Organisationen sehr helfen - was ich auch tue. Aber eben nicht direkt am Tier, sondern indirekt, indem ich helfe, die Interessen der Tiere und der Natur zu vertreten. Eigentlich eine tolle Sache und ich werde da dringend gebraucht. Aber die Gedanken bleiben. Seufsz.
    Geändert von Gast1376 (26.02.2008 um 18:56 Uhr)

  6. #6
    Gast784
    Gast

    Standard

    da scheinen ja dann doch so verschiedene Lebensthemen ineinanderzugreifen...

    Das mit dem Büro verstehe ich gut, weil ich auch das letzte halbe jahr von daheim aus gearbeitet habe. Es fehlt da schon was. Andererseits verzichte ich auf diesen Kontakt gern, weil ich auch schon zu genüge das Bürogezicke und mobbingsachen erlebt habe...
    ich weiss ja nicht, ob Du die Möglichkeit hast, in Deinem Beruf eine Bürogemeinschaft zu machen oder zumindest mit anderen Freiberuflern z.B. an gemeinsamen Projekten zu arbeiten, oder so was. In den meisten Berufen müsste dieses Problem doch eigentlich mit ein bißchen Kreativität und unkonventionellem Denken zu lösen sein. Aber gerade für eine Umstrukturierung im Beruf kann ein Coach sehr hilfreich sein.

    Die privaten Beziehungen sind ja nun wiederum eine ganz eigene Baustelle. Kann es sein, dass Du einfach deswegen generell unzufrieden bist, weil du jetzt in nem Alter bist, wo man die biologische Uhr hört und vll auch endlich mal ankommen will mit Heim und Nest und solchen Sachen?

    Ich weiss nicht, ob Du nicht ein bißchen Deine anderen Träume verklärst. Beispiel Tierärztin: manche Einschränkungen nennst Du ja selber, aber wenn Du es geworden wärst, wärst Du vll nicht drumrum gekommen, Dich entsprechend in der Massentierhaltung zu betätigen. Denn vom Streichelvieh allein können die wahrscheinlich nicht so gut leben, nehme ich mal an. Also fast jeder Beruf hast so seine unschönen Seiten.

    Warum machst Du nicht so eine Art kleines Nebengewerbe z.B. Katzenpension oder professionelle Hundeausführerin? Gibts ja alles, mit steigender Tendenz.

  7. #7
    Gast1376
    Gast

    Standard

    Hi Gaby,

    ich habe schonmal Hunde in einem Verein ausgeführt

    Ja, Bürogemeinschaft wäre möglich. Ich überlege dies schon länger. Ist aber eine Kostenfrage. Bisher bin ich noch nicht ganz so gut im Geschäft, um die Anmietung eines externen Büros schultern zu können. Da beißt sich die Katze in den Schwanz: wäre ich nicht so viel in anderen Angelegenheiten unterwegs, so wäre ich wirtschaftlich schon weiter....

    Ja, Lebensbereiche überschneiden sich. Ich habe zwar nie einen Kinderwunsch gehabt, aber ich wünsche mir sehr eine zukunftsfähige Partnerschaft. Bis ich 30 wurde, sah ich das Thema locker. Hatte mit 29 einen Mann kennen gelernt, bei dem ich dacht, das ist er! Es begann wunderschön, bis er auffallende Verhaltensauffälligkeiten zeigte. Er gestand mir, seit über 3 Jahren wegen einer Borderline-Störung in Behandlung zu sein. Er wurde bösartig zu mir, erniedrigte mich in der Öffentlichkeit, sagte mir, dass er nichts für mich empfindet. Meine Hausärztin bezeichnete mich damals als traumatisiert, beobachtete mich streng, weil sie meinte, ich drohe in eine Depression abzurutschen. Diese Beziehung war ein Wendepunkt für mich. Von da an geriet ich nur noch an Männer, die mich belogen und betrogen. Es ist, als wäre mit diesem erkrankten Freund ein Schalter umgefallen, der mir nicht mehr erlaubt, in einer Beziehung glücklich und aufgehoben zu sein. Ich habe dann die Versuche irgendwann eingestellt. Seit diesem Borderline-Erkrankten habe ich das Gefühl, viel von meiner Lebensfreude eingebüßt zu haben. Ich komme nicht darüber hinweg, dass er zunächst so liebevoll und interessiert war und mich plötzlich seelisch misshandelte. Auch darüber sprach ich mit einem Psychologen, der aber nur meinte, dass jeder mal schlechte Erfahrungen macht. Mein Vertrauen an sich ging verloren - und die nachfolgenden Männer taten den Rest.

    Nach außen wirke ich übrigens angeblich als sehr selbstbewusst, zielstrebig und ausgeglichen. Ha, ha, ha.

    LG

    Zweiflerin
    Geändert von Gast1376 (26.02.2008 um 18:57 Uhr)

  8. #8
    Verleger Avatar von Natz
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    Hallo Zweiflerin!
    Auch eine Beziehung wieder aktiv zu führen, ist eine Entscheidung. Gerade wenn man sich in anderen Bereichen mit Entscheidungen fällen schwer tut, fällt es vll. auf diesem Sektor auch schwer. Auch da muss man sich entscheiden, raus zu gehen, jemanden kennenlernen und eben aktiv werden. Ich denke, ein Stück weit muss ein Wunsch, am Leben was zu verändern ja stark ausgeprägt sein, sonst nimmt man vieles mit Mitte 30 nicht mehr in Kauf. Es fehlt an Flexibilität, man hat einen gewissen Lebensstandard, den man vll nicht einfach wieder aufgeben möchte. Miete ect. will bezahlt sein und das ist als Student eben nicht so leicht.
    Jeder Beruf bringt Alltag mit sich und irgendwann wird da auch viel Routine, das ist beim anfänglich spannensten Job so.
    Ich glaube, Du bist schon zuviel auf Dich alleine gestellt. Hat man tagsüber Kollegen, tauscht man sich mit denen aus und ist dann auch mal froh, nach Feierabend Zeit für sich zu haben.
    Ich stelle mir das ziemlich eintönig vor, wenn ich nur von zuhause aus arbeiten würde. Klar kreist Du da viel mehr nur um Dich. Du hast nur einen Bereich, in dem Du Dich den ganzen Tag und Abend aufhälst.
    Würde Dir auch raten, zu versuchen, andere Menschen mit in Deinen beruflichen Alltag zu intergrieren, dann eröffnen sich wahrscheinlich auch privat wieder neue Dinge.
    Nur für sich alleine ist es oft schwer "den Hintern hoch zu bekommen."-

    LG,

    Natz
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

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