Hallo zusammen,
wie würdet ihr sagen, bekommt man die Angst vor Bewerbungsgesprächen oder generell "Angst vor Veränderungen" in den Griff? Ich habe nach meinem Studium bis heute auf eine feste Anstellung verzichtet und mich mit Nebenjobs über Wasser gehalten. Das Ganze aus Angst, in einem Gespräch zu versagen oder mein Leben von grundauf ändern zu müssen.
Wenn ich meinen Nebenjobs nachgehe, habe ich das Gefühl, die Situation unter Kontrolle zu haben - es ist ein geregeltes Leben ohne Neuerungen und Veränderungen. Die Arbeiten ähneln sich sehr und inzwischen bin ich routiniert in der Ausführung. Ich habe 2 Tage in der Woche frei und die übrigen Tage arbeite ich. Das Geld reicht gerade so für die Miete und fürs Leben aber es sind natürlich keine Sprünge drin. Für einen Urlaub muss ich beispielsweise lange sparen.
Nun erntet man natürlich Kommentare wie "Wann suchst du dir endlich etwas festes" oder "Hat sich bei dir in Sachen Bewebung schon etwas getan". Klar, sowohl meine Lebensgefährtin als auch meine Familie und Freunde wollen mich in einer festen Beschäftigung sehen und können mein "Lotterleben" nicht verstehen. Es wird wohl als Faulheit abgetan.
Es ist allerdings eine tiefsitzende Angst zu versagen bzw. Defizite aufgezeigt zu bekommen, die man eigentlich glaubt, nicht zu haben bzw. unter Kontrolle zu haben. Hinzu kommt die Angst vor Veränderungen und Kontrollverlust.
Derzeit nagen nur finanzielle Probleme an mir und natürlich kommen Minderwertigkeitskomplexe hoch, wenn man Freunde sieht, die in ihrem Job erfolgreich sind.
Nun habe ich mich zusammengerissen (gerade auch für meine Lebensgefährtin, die gerne mit mir zusammenziehen mag) und Bewerbungen geschrieben. Es kamen auch promt Einladungen zu Bewerbungsgesprächen ins Haus.
Meine Angst ist es nun, in diesen Gesprächen nicht überzeugen zu können und vor Augen gehalten zu bekommen, dass ich ungeeignet bin. Das würde mich mental in eine Depression stürzen und Minderwertigkeitskomplexe heraufbeschwören - dessen bin ich mir ziemlich sicher.
Andererseits habe ich aber auch die Angst, dass alles positiv ausgehen könnte und ich den Job bekomme. Dann würde meine heile, stressfreie Welt auseinandergerissen und ich würde möglicherweise dem neuen Stress nicht standhalten können, was mich wieder runterziehen würde.
Am Liebsten würde ich es schmeissen und mein Leben wie bisher leben...den kleinstmöglichen Wiederstand in Kauf nehmen und die Blicke und Vorwürfe akzeptieren und runterschlucken. Die Angst vor Veränderungen überwiegt also.
Ich sehe mich einerseits in einem spannenden Job, mit einem guten Gehalt...einem eigenen Wagen und in einer Wohnung, gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin. Andererseits sehe ich mich im Stress, viel unterwegs auf Dienstreisen und auf Podien bei Vorträgen...mit zitternden Händen und einer zitternden Stimme.
Nach aussen hin wirke ich selbstbewusst und führungsstark. Innerlich bin ich jedoch höchst unsicher und zweifelnd.
Welchen Weg soll ich einschlagen und wie kann ich im Bewerbungsgespräch überzeugen ohne meine Zweifel und Ängste zur Schau zu stellen? Wie bekomme ich diese Angst vor Veränderungen in den Griff...vor Neuem in meinem Leben?
Grüße!


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