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Thema: asozial?

  1. #1
    Neuling
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    Standard asozial?

    Hallo!

    Ich habe mal eine Frage: Warum spricht man, wenn man über HartzIV-Empfänger bzw. Arbeitslose redet, von "sozial schwach"? Ich meine, müsste es nicht eigentlich "finanziell schwach" heißen?

    Es heißt ja nicht, dass Menschen, die aus den verschiedensten Gründen keinen Job finden oder ihren alten verloren haben, genau so sind, wie diejenigen, die man ständig im Fernsehen sieht: Die ihre Kinder anschreien, den ganzen Tag Chips-fressend vor der Glotze sitzen, 30kg Übergewicht haben und ihr Geld versaufen! Es gibt viel mehr Menschen, die sich wirklich bemühen, eine angemessene und würdige Arbeitsstelle zu erhalten! Die jedoch von Maßnahme zu Maßnahme geschickt werden und z.B. als ausgebildeter EDV-Dozent hunderte von PC-Grundlagenkurse machen müssen und so die Zeit verlieren, sich wirklich ernsthaft weiterzubilden!

    Ich verstehe es nicht. Für "sozial schwach", würde ich, um mich kürzer zu fassen, "asozial" sagen. Aber wie oben schon beschrieben, sind die meisten Sozialhilfeempränger nicht "asozial", sondern sie haben einfach nicht das Geld, sich die neuesten Klamotten oder nur Produkte aus der Werbung zu kaufen!
    Deshalb wäre für mich die Bezeichnung "finanziell schwach" eher angebracht!

    Sehr ihr es genau so oder verstehe ICH hier etwas komplett falsch?

    Liebe Grüße,
    Stay
    Geändert von Stay (06.02.2011 um 21:22 Uhr)

  2. #2
    Verleger Avatar von Waris
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    Hallo Stay,

    Finanziell schwach würde nicht ausreichen. Armut bedeutet nicht einfach nur, kein Geld zu haben. Es gibt noch mehr Faktoren. Arm an Kultur, arm an Bildung etc.pp. Ein Beispiel hast du selber schon beschrieben: Wenn man ALGII-Empfänger ist, hat man über kurz oder lang gar nicht mehr die Möglichkeit, sich so zu bilden, wie es andere tun. Das hängt zum einen daran, dass Bildung ansich oft schon Geld kostet(Bücher, Kurse, Nachhilfe etc.), zum andern hängt es daran, dass das Bedürfnis nach Bildung meist erst dann kommt, wenn die Grundbedürfnisse(siehe Maslows(?) Bedürfnispyramide) gestillt sind. Nicht jeder ALGII-Empfänger ist von Anfang an sozial schwach. Je länger man drin hängt, umso höher ist allerdings die Gefahr es zu werden. Wobei lange Arbeitslosigkeit (und damit meine ich nicht ein paar Monate, sondern Jahre) auch oft den Grund hat, dass irgendwo eine soziale Schwäche vorhanden ist.
    Wer hier in unserer Gesellschaft wenig Geld hat, rutscht automatisch in tiefere Schichten und steigt über kurz oder lang auch sozial ab. Daher der Begriff "sozial schwach".
    Asozial widerum bedeutet widerum, dass man kein soziales Bewusstsein hat, sowas wie Egoismus, kein Sinn für die Gesellschaft usw. Muss also nicht das gleiche sein, wie sozial schwach.

    LG Waris
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

    Ich bin frei und ich l(i)ebe es!!!

  3. #3
    Gast784
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    Ich sehe das sozial-schwach auch im Zusammenhang mit der Bedürfnis-Pyramide. Wenn Du im Hartz drin bist, dann verlierst Du immer mehr an Kraft, noch Dinge zu machen wie ehrenamtliches Engagement, Kontaktpflege etc. Nicht nur, weil Du aus finanziellen Gründen praktisch gar nicht mehr mithalten kannst, sondern auch, weil Du für die paar Kröten, die Deine Existenz sichern sollen, auch noch ziemlich viel Gerenne, Gegängelt werden und Kontrolle seitens der Behörden hast. Ich habe mich damals gefühlt wie in einem gläsernen Käfig. Ich hatte Träume, dass die (Behörden-)Hand durch die Hausmauer in die Wohnung reicht. Andererseits ist es auch weit schwerer aus dem System wieder heraus zu kommen, als reinzurutschen, was zusätzlich Kraft kostet.

    Dazu kommt die mehr oder weniger freiwiliige Isolation, teils aus Scham, teils weil es einfach weh tut, die Verlockungen der Zivilisation ständig zu sehen und das Gefühl davon abgehängt zu sein. Es gibt immer weniger öffentlich gesponserte Veranstaltungen, wo sich die Schichten vermischen könnten, da sie nix oder wenig kosten.

    Es braucht schon einen gewissen Wohlstand bzw das damit verbundene Sicherheits- und Geborgenheitsgefühl, um sozial zu sein in dem Sinne, dass man für andere Menschen und fürs Allgemeinwohl sich engagiert oder sich interessiert. Zumindest in unserer Kultur, weil die so strukturiert ist. Das mag in anderen Ländern, in denen Armut praktisch der "Normalzustand" ist, anders laufen. Und vll wird das auch bei uns irgendwann "Normalzustand", so dass sich die Menschen, weil sie arm sind, weder schämen noch argwöhnisch betrachtet werden und unter Schmarozerverdacht stehen. Vll entsteht dann auch wieder aus der Not heraus ein soziales Miteinander, wer weiss das schon. Bisher sind wir davon aber noch weit entfernt.
    Geändert von Gast784 (06.02.2011 um 17:40 Uhr)

  4. #4
    Neuling
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    Hey,
    danke schonmal für die Antworten!

    Was ich aber vielleicht noch anmerken sollte ist, dass ich genug arbeitslose Personen kenne (bei denen auch altersbedingt abzusehen ist, dass sie keinen richtigen Job mehr finden werden), die sich trotzdem pflegen (was ja nicht sofort bedeutet, das teuerste Parfum zu tragen oder zur Mani-/Pediküre zu gehen!), sich ehrenamtlich engagieren und dafür auch viel Anerkennung erhalten. Man sieht es ihnen nicht an, dass sie wenig Geld haben.
    Kurz gesagt, die sich einfach nicht aufgegeben haben, obwohl sie wissen, dass sie bis an ihr Lebensende vom Staat abhängig sein werden!

    Und wenn diese Personen auf das gleiche Level, wie solche, die ich im Anfangsbeitrag beschrieben habe, gesetzt werden, dann könnte ich einfach nur kotzen!
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    Liebe Grüße,
    Stay (:

  5. #5
    Gast784
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    Stay, ich könnte mir vorstellen, dass es da auch ziemliche regionale Unterschiede gibt.

    Ich lebe im reichen Süden im bügerlichen Schwobaländle. Da ist die Stimmung sicher anders, als z.B. in Berlin. Was ich da schon beeindruckend fand, war die Möglichkeit, als Hartzler kostenlos diese tollen Museen besuchen zu können. Bei unserem städtischen Popelmuseum gibts da vll grad mal nen Euro Ermäßigung. Die 5 oder 6 Euro Resteintritt tun nem Hartzler jedoch trotzdem weh. Nur mal so als Beispiel.

    Das Problembewusstsein, Traditionen und Möglichkeiten sind sicher von Region zu Region unterschiedlich.

    Aber ich glaube, das den meisten Leuten gar nicht bewusst ist, wie viele Menschen ganz normal arbeiten, aber mit Hartz aufstocken müssen, weil sie zu wenig verdienen. Bei mir war es lange so, weil ich teilzeit gearbeitet hab. Und da war ich eine von vielen. Aber darüber spricht bei uns kaum jemand.

  6. #6
    Verleger Avatar von Waris
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    Was hat denn Körperpflege mit sozial schwach zu tun? Ingeflegtheit fällt ja schon wieder mehr unter "asozial". diese Gruppe, von der du da redest, wenn die schon wissen, dass die für immer arbeitslos bleiben, dann müssten die ja theoretisch Rentner(oder Sozialhilfempfänger) sein. Denn als ALGII-ler müssen sie ja dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Als Rentner, Frührentner oder Sozialhilfempfänger hat man viel mehr Zeit und auch weniger Stress, um sich dann z.B. ehrenamtlich zu betätigen. Und man ist auch sozial noch mehr anerkannt.
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

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  7. #7
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    Ich glaube, ihr versteht nicht ganz, was ich meine. Für mich ist "sozial schwach" das Gleiche wie "asozial": Wer "sozial schwach"/"asozial" ist, interessiert sich nicht für Kultur, Gesellschaft, Politik usw., ist aggressiv, leidet unter einer Sucht und ist eben ungepflegt. (Was verschiedene Hintergründe hat, worum es mir jetzt aber nicht geht!)

    Deshalb ist es für mich mehr eine Beleidigung und Abweisung, den Menschen gegenüber, die aus meiner Sicht eher als "finanziell schwach" gelten sollten.

    Was die von mir beschriebene Gruppe angeht: Es sind keine Frührentner oder Sonstiges! Es geht einfach um das logische Denken: Klar stehen Menschen ab -sagen wir mal- 50, dem freien Arbeitsmarkt noch zur Verfügung! Aber es werden immer jüngere Mitarbeiter gesucht und eingestellt. Deshalb meine Äußerung, dass diese Personen wohl keinen Job mehr finden werden!

    Es geht mir einfach um den Begriff, der meines Erachtens entweder neu definiert oder komplett geändert werden sollte!
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    Liebe Grüße,
    Stay (:

  8. #8
    Gast784
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    Für mich ist "sozial schwach" das Gleiche wie "asozial":
    Für mich nicht. Das ergibt sich schon aus den Wortbedeutungen. Ein Mensch mit ner Rechtsschreibschwäche ist ja auch kein Analphabeth.

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