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Thema: Aussichtslosigkeit

  1. #1
    Neuling
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    Standard Aussichtslosigkeit

    Hallo liebe Leser,

    ich bin neu hier und möchte direkt einmal einen langen Beitrag abschicken, weil ich gerne wissen will, ob ich evtl. ein psychisches Problem habe. Ich habe vor einiger Zeit ein Textdokument verfasst, in dem ich meinen Gedanken freien Schreibfluss gegeben habe. Was dabei herausgekommen ist könnt ihr in folgendem Text lesen. Wäre schön, wenn jemand, der sich auskennt, mir sagen könnte, ob ich einfach nur ein dummer Jugendlicher bin, oder ob ich evtl. wirklich ein Problem habe. Vielen Dank schonmal im voraus.

    Hallo Leser,

    ich habe absolut keine Ahnung, warum ich diesen „Brief“ oder was auch immer hier schreibe, vielleicht aus tiefster Verzweiflung, aus Langeweile oder um Aufmerksamkeit zu bekommen, ist mir eigentlich auch egal. Ich weiß noch nicht, ob dieser Text in irgendeinem Forum im Internet erscheint, im Müll landert oder vielleicht gar nicht erst zu Ende geschrieben wird.
    Ich bin 18 Jahre alt, komme aus einem relativ guten Elternhaus der unteren Mittelschicht, genoss eine subjektiv gute Erziehung und mir fehlt es absolut an nichts. Alles Nötige besitze ich. Ich mache gerade mein Abitur, das relativ erfolgreich, auch wenn ich einmal sitzen geblieben bin, habe einen sehr guten Draht zu meiner Mutter, habe eine wundervolle Freundin, die ich über alles liebe, die wohl vier besten Freunde, die man sich nur wünschen kann und ausreichend Geld, um mit ihnen die „Zeit meines Lebens“ in meiner Freizeit zu verbringen.
    Doch irgendwie fühle ich mich nicht wohl. Ich weiß absolut nicht wo dran das liegen könnte. Evtl. ist es jugendliche Dummheit oder Unreife, aber außer der Zeit mit meinen Freunden und meiner Freundin bleibt mir nichts, natürlich ist diese Zeit wunderbar und sehr wertvoll, aber der Alltag wirkt im Kontrast gegen Freizeit einfach nur ernüchternd. Man steht jeden morgen wie eine Marionette auf, geht zur Schule/Arbeit, kommt nach hause, geht schlafen und wartet bloß darauf, dass die fünf Tage bis zum Wochenende irgendwie vorübergehen. Täglich stelle ich mir die Frage, was wohl danach kommt. Als Jugendlicher hört man immer und immer wieder, dass die Schulzeit die beste Zeit im Leben war. Gelegentlich auch die Uni. Nun gut, die Masse an Leuten, die dieses behauptet wird wohl im Recht sein, doch wenn man jeden Tag mitbekommt, wie grausam die Welt da draußen ist, wo bleibt dann da der Wille des Überlebens. Versteh mich nicht falsch, an Selbstmord oder ähnliches denke ich hier nicht. Es geht mir nur darum, dass man täglich in allen Medien erfährt, was für einen Müll unsere Regierung da baut, wie dreckig es den Leuten in Afrika geht, wie aussichtslos der Fortgang der Erde ist. Überall hört man, dass unsere Welt ******* ist. Natürlich. Unsereins denkt sich, dass es doch völlig egal ist, ich lebe jetzt und kümmere mich einfach nicht darum. Aber wenn man mit ein bisschen Intelligenz „gesegnet bzw. bestraft“ wurde, und sich ein paar Gedanken macht, sieht man doch der Aussichtslosigkeit direkt ins Auge. Obwohl es mir gut geht, denke ich an Alles, was in naher oder ferner Zukunft auf uns wartet und je länger ich überlege, desto schwarzer wird es vor meinen Augen. Es kümmert auch keinen, ob der Einzelne darüber nachdenkt, du kümmerst dich ja auch nicht darum, falls du es geschafft hast bis hierhin zu lesen. Du denkst wahrscheinlich ich rede wirres Zeug. Tue ich vielleicht auch, ich weiß ja nicht einmal warum ich gerade meinen Gedanken freien Schreibfluss lasse. Man merkt auch, dass ich mit
    mir selber manchmal nicht im klaren zu sein scheine. Ich kenne nur einige Leute, die genauso denken wie ich, vielleicht sogar viele. Aber die Gewissheit, dass mich ein Leben erwartet, in dem ich zwei Rentner finanzieren muss, ein Leben, in dem meine soziale Absicherung nicht mehr zu hundert Prozent gewährleistet ist, ein Leben, in dem zu großer Wahrscheinlichkeit die Chance auf einen miterlebten Krieg täglich wächst, ein Leben, dass die Gesellschaft mir zu neunundneunzig Prozent vorschreibt. Ich habe jetzt schon kaum freie Entscheidungen. Was mache ich denn nach dem Abitur? Ausbildung oder Studieren, immerhin kann man sich dort noch viele Dinge aussuchen. Nach dieser Entscheidung folgt ein Leben was mit Monotonie und Routine gefüllt ist. Diese engt sich ein oder weitet sich aus, je nachdem welche Berufswahl man ergriffen hat.
    Natürlich gibt es auch sehr viele Menschen, denen es millionenfach schlimmer geht als mir, ich wäre arrogant und egoistisch wenn ich sagen würde, dass die ganze Welt zur Hölle gehen soll, nur weil ich nicht glücklich bin. Nur warum soll ich mich auf mein weiteres Leben freuen, wenn man überall hört, das es dazu bis auf kleine Lichtblicke keinen Grund zu gibt? Ich habe also ein Problem mit der Welt, weiß eigentlich auch gar nicht, was mich alles noch erwartet, aber ich finde es heftig, dass sich ein 18 Jähriger, dem es an nichts fehlt, der ganz gute Perspektiven hat, solche Fragen stellt. Ich habe keine Struktur in diesem Text, hoffe das stört dich nicht. Was sich hier zeigt, ist vielleicht auch nur, dass ich ein kleiner Junge bin, dessen Wunschdenken sich nicht erfüllt. Vielleicht über- oder unterschätze ich ja auch den Wert meiner Meinung, vielleicht ist ja da draußen jemand, den es interessiert.
    Geändert von Cookie122 (23.11.2011 um 22:13 Uhr)

  2. #2
    Verleger Avatar von Physalis
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    Hallo Cookie,

    es ist nicht selten, dass gerade die Menschen, deren Bedürfnisse gemäß der sog. Bedürfnispyramide fast komplett erfüllt sind, trübe Gedanken bekommen.

    Du bist satt und sitzt warm. Geld hast Du ausreichend.

    Mir scheint, der Mensch ist nicht dafür gemacht, nicht täglich ums Überleben kämpfen zu müssen. Unser Gehirn kommt mit Übersättigung wohl nicht gut klar.

    Glaub mir, sobald ein echtes Problem auf Dich zukommt, sind Deine aktuellen Gedanken weg. Krankheit, Tod im nahen Umfeld, Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Trennungsschmerz, all das kann dazu führen, dass es schlagartig aufhört. Ich wünsche Dir aber, dass Du auch ohne traumatische Erlebnisse die Kurve kriegst. Wie wäre es mit einer Fastenkur? Das meine ich ehrlich. Mal wieder Hunger spüren.

    Gruß,

    Physalis

  3. #3
    Lill
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    Hallo Cookie,
    ich finde es gar nicht unnormal, dass du dir solche Gedanken machst. Ich glaube, viele Menschen in deinem Alter tun das. Vielleicht ist es, weil gerade auch ein neuer Lebensabschnitt beginnt und du von deinem Schülersein nun in Zukunft mehr Verantwortung erhälst, und vielleicht macht dir das auch Angst?

    Ich finde nicht ohne Grund ist es so, dass viele deienr Altersgenossen nun anfangen, sich auch für Politik zu interessieren, sich Demonstrationen anschließen oder die Ungerechtigkeit der Welt plötzlich deutlicher wird. Ein bißchen rebellion gegen das establishment gehört eben auch dazu.

    Die Zukunft steht im Moment vor der Tür, du weisst nicht, wie es weitergeht, willst du studieren? Oder eine Ausbildung machen? Welcher Beruf? Welche Werte sind dir wichtig? Vielleicht kriegst du jetzt eine Ahnung, dass der Alltag eines Berufsttätigen nicht immer so toll ist und die Schonfrist eines Schülers sich dem Ende neigt, aber ich meine, dass es Vielen so geht in deiner Klasse. Rede doch mal mit den anderen darüber. Oder such dir ein Ehrenamt, irgendwas, wo du mithelfen kannst, diese Welt etwas besser zu machen, und wenn es auch nur im kleinen ist. Kriege wirst du allein nicht verhindern können, aber demonstrieren kannst du, dich informieren, die engagieren und so aktiv etwas tun.

    Klar ist die Zukunft auch wirtschaftlich nicht sicher, das ist sie bei Älteren auch nicht. Und wenn du zukünftig 2 Rentner ernähren musst, denk dran, dass dich bisher 18 Jahre lang und länger auch zwei Erwachsene ernährt haben. Diesen Hinweiß konnte ich mir nicht verkneifen, verzeih! ;-)

    Das Leben ist ein Geben und Nehmen, und hast du mehr als andere, dann sei glücklich und überlege, ob du irgend jemandem etwas zurückgeben kannst. Dann macht es auch "Sinn", auf jeden Fall sind solche Gedanken aber wichtig und richtig und der Brief ist sicher nicht für den Müll gewesen.
    Geändert von Lill (24.11.2011 um 12:20 Uhr)

  4. #4
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    @ Physalis: Bei dieser simplen Beschreibung des menschlichen Individuums, erscheint es mir fast banal, dass ich an sowas alles denken muss. Danke, du wirst wohl Recht haben.

    @ Lill: Ich arbeite im Rahmen eines ehrenamtliches Sportprogramms mit Kindern, die geistig behindert sind. Das mit dem Geben und Nehmen, werde ich mir durch den Kopf gehen lassen, dankeschön.

  5. #5
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    Wieder eine Bestätigung meiner Theorie
    Du wirst wohl oder übel deinen Weg finden müssen. Es gibt leider sehr wenig Möglichkeiten, wie du etwas an dem Elend ändern kannst. Mein Tipp, informiere dich über Wirtschaft und Politik, sei empört und empöre andere Menschen mit diesem Wissen.
    Ich finde es auch immer wieder traurig, dass man von vielen Menschen, lang vor unserer Zeit, hört und noch immer lesen kann, die damals schon ein besseres Verständnis von Gerechtigkeit hatten als heute irgendwer. Ich, als jemand, der an das gute im Menschen glaubt, kann sich nicht einfach damit befriedigen, dass die Welt eben schlecht ist. Sie könnte besser sein.
    So um den Faden nicht zu verlieren.
    Entweder du versuchst etwas zu ändern. Werd Lehrer oder versuche sonst irgendwie die Menschen aufzuklären. Werfe Eier an Scientology Kirchen

    Oder du findest dein ganz persönliches Glück, Kinder, eine Familie, oder was man sich sonst als kleiner Mensch einmal gewünscht hat.

    Und wenn du dich manchmal immernoch fragst, warum man das überhaupt aushalten sollte... stell dir vor, die Unwissenden wären gänzlich allein. Warum solltest gerade du, der das ganze irgendwo verstanden hat, aufgeben?




    Ach und so ganz am Rande. Schule war eine Qual, Studieren ist großartig, wenn man das gefunden hat, was passt.

  6. #6
    Neuling
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    Zitat Zitat von Physalis Beitrag anzeigen
    Hallo Cookie,

    es ist nicht selten, dass gerade die Menschen, deren Bedürfnisse gemäß der sog. Bedürfnispyramide fast komplett erfüllt sind, trübe Gedanken bekommen.

    Du bist satt und sitzt warm. Geld hast Du ausreichend.

    Glaub mir, sobald ein echtes Problem auf Dich zukommt, sind Deine aktuellen Gedanken weg. Krankheit, Tod im nahen Umfeld, Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Trennungsschmerz, all das kann dazu führen, dass es schlagartig aufhört.
    Kann ich so nicht wirklich bestätigen...^^

    Ich zb. kenne mehrere verschiedene Leute die: arbeitslos, finanzielle Probleme haben, gerichtliche Probleme haben, chronisch krank, drogen und medikamentenabhängig sind und Probleme in der Liebe, aus zerrüteten Familien kommen, üble Depressionen haben und noch Weiteres... teilweise von so ziemlich Allem betroffen werden was man sich theoretisch denken kann, aber trotzdem keinen Deut "besser" denken!

    Ich denke ob man sich viele Gedanken macht oder nicht hängt wohl von mehreren verschiedenen Faktoren ab, aber ganz bestimmt nicht davon!

    Ich würde sogar sagen, dass es eher andersrum ist, das die Leute denen wenig fehlt (Bedürfnispyramide) sich auch am Wenigsten Gedanken machen...(im Normalfall) ??

  7. #7
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    Zitat Zitat von Physalis Beitrag anzeigen
    Hallo Cookie,

    es ist nicht selten, dass gerade die Menschen, deren Bedürfnisse gemäß der sog. Bedürfnispyramide fast komplett erfüllt sind, trübe Gedanken bekommen.

    Du bist satt und sitzt warm. Geld hast Du ausreichend.

    Glaub mir, sobald ein echtes Problem auf Dich zukommt, sind Deine aktuellen Gedanken weg. Krankheit, Tod im nahen Umfeld, Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme, Trennungsschmerz, all das kann dazu führen, dass es schlagartig aufhört.
    Kann ich so absolut nicht bestätigen!

    Ich zb. kenne mehrere verschiedene Leute die: arbeitslos, finanzielle Probleme haben, gerichtliche Probleme haben, chronisch krank, drogen und medikamentenabhängig sind und Probleme in der Liebe, aus zerrüteten Familien kommen, üble Depressionen haben und noch Weiteres... teilweise von so ziemlich Allem betroffen werden was man sich theoretisch denken kann, aber trotzdem keinen Deut "besser" denken!

    Ich denke ob man sich viele Gedanken macht oder nicht hängt wohl von mehreren verschiedenen Faktoren ab, aber ganz bestimmt nicht davon!

    Ich würde sogar sagen, dass es eher andersrum ist, das die Leute denen wenig fehlt (Bedürfnispyramide) sich auch am Wenigsten Gedanken machen...(im Normalfall) ??

  8. #8
    Nico
    Gast

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    hey cookie

    zuerst möchte ich dir gratulieren: du hast die rote pille genommen ;-)

    und dann mein beileid: die welt ist wirklich so schlecht wie du sie siehst!

    das liegt einerseits daran dass dir das von den medien so suggeriert wird und andererseits, dass es schlicht nicht viele gute nachrichten gibt zur zeit. die welt befindet sich im umbruch, die revolution steht vor der türe und das alte system (das hat wohl mitlerweile jeder hauptschüler kappiert) ist hinfällig. die politische elite versucht ihr konstrukt aufrechtzuerhalten und die volksentwaffnung und polizeistaat gesetze zwingen das volk zu verstummen (sie versuchen es zumindest ;-)

    ich habe dieses problem seit langem und habe selber meine liebe mühe damit!

    zwei dinge die mir enorm geholfen haben: 1. versuche deine aufmerksamkeit auf die positiven dinge zu lenken. es klingt banal, ist aber echt schwer. aber wenn du ein fühliger mensch bist wird auch bei dir etwas kleines positives etwas grosses negatives aufheben. mit dieser erkenntniss kannst du "in deinem kopf" ein bisschen gegensteuern!

    2. es klingt als hättest du eine tolle beziehung zu deiner mutter und deiner familie. versuch da anzuknüpfen, ich denke das hätte mir halt geben können, kam leider nicht in diesen genuss

    vieleicht spürst du auch dass das alles hier so nicht weiter gehen kann, dass ein umbruch ansteht und nichts mehr sicher ist (ist ja auch kein geheimnis)

    ein grund mehr wachsam und stark zu bleiben, in den kommenden turbulenten zeiten kann deine familie und du nur profitieren von jemandem, der es hat kommen sehen...

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