Hallo liebe Leser,
ich bin neu hier und möchte direkt einmal einen langen Beitrag abschicken, weil ich gerne wissen will, ob ich evtl. ein psychisches Problem habe. Ich habe vor einiger Zeit ein Textdokument verfasst, in dem ich meinen Gedanken freien Schreibfluss gegeben habe. Was dabei herausgekommen ist könnt ihr in folgendem Text lesen. Wäre schön, wenn jemand, der sich auskennt, mir sagen könnte, ob ich einfach nur ein dummer Jugendlicher bin, oder ob ich evtl. wirklich ein Problem habe. Vielen Dank schonmal im voraus.
Hallo Leser,
ich habe absolut keine Ahnung, warum ich diesen „Brief“ oder was auch immer hier schreibe, vielleicht aus tiefster Verzweiflung, aus Langeweile oder um Aufmerksamkeit zu bekommen, ist mir eigentlich auch egal. Ich weiß noch nicht, ob dieser Text in irgendeinem Forum im Internet erscheint, im Müll landert oder vielleicht gar nicht erst zu Ende geschrieben wird.
Ich bin 18 Jahre alt, komme aus einem relativ guten Elternhaus der unteren Mittelschicht, genoss eine subjektiv gute Erziehung und mir fehlt es absolut an nichts. Alles Nötige besitze ich. Ich mache gerade mein Abitur, das relativ erfolgreich, auch wenn ich einmal sitzen geblieben bin, habe einen sehr guten Draht zu meiner Mutter, habe eine wundervolle Freundin, die ich über alles liebe, die wohl vier besten Freunde, die man sich nur wünschen kann und ausreichend Geld, um mit ihnen die „Zeit meines Lebens“ in meiner Freizeit zu verbringen.
Doch irgendwie fühle ich mich nicht wohl. Ich weiß absolut nicht wo dran das liegen könnte. Evtl. ist es jugendliche Dummheit oder Unreife, aber außer der Zeit mit meinen Freunden und meiner Freundin bleibt mir nichts, natürlich ist diese Zeit wunderbar und sehr wertvoll, aber der Alltag wirkt im Kontrast gegen Freizeit einfach nur ernüchternd. Man steht jeden morgen wie eine Marionette auf, geht zur Schule/Arbeit, kommt nach hause, geht schlafen und wartet bloß darauf, dass die fünf Tage bis zum Wochenende irgendwie vorübergehen. Täglich stelle ich mir die Frage, was wohl danach kommt. Als Jugendlicher hört man immer und immer wieder, dass die Schulzeit die beste Zeit im Leben war. Gelegentlich auch die Uni. Nun gut, die Masse an Leuten, die dieses behauptet wird wohl im Recht sein, doch wenn man jeden Tag mitbekommt, wie grausam die Welt da draußen ist, wo bleibt dann da der Wille des Überlebens. Versteh mich nicht falsch, an Selbstmord oder ähnliches denke ich hier nicht. Es geht mir nur darum, dass man täglich in allen Medien erfährt, was für einen Müll unsere Regierung da baut, wie dreckig es den Leuten in Afrika geht, wie aussichtslos der Fortgang der Erde ist. Überall hört man, dass unsere Welt ******* ist. Natürlich. Unsereins denkt sich, dass es doch völlig egal ist, ich lebe jetzt und kümmere mich einfach nicht darum. Aber wenn man mit ein bisschen Intelligenz „gesegnet bzw. bestraft“ wurde, und sich ein paar Gedanken macht, sieht man doch der Aussichtslosigkeit direkt ins Auge. Obwohl es mir gut geht, denke ich an Alles, was in naher oder ferner Zukunft auf uns wartet und je länger ich überlege, desto schwarzer wird es vor meinen Augen. Es kümmert auch keinen, ob der Einzelne darüber nachdenkt, du kümmerst dich ja auch nicht darum, falls du es geschafft hast bis hierhin zu lesen. Du denkst wahrscheinlich ich rede wirres Zeug. Tue ich vielleicht auch, ich weiß ja nicht einmal warum ich gerade meinen Gedanken freien Schreibfluss lasse. Man merkt auch, dass ich mit
mir selber manchmal nicht im klaren zu sein scheine. Ich kenne nur einige Leute, die genauso denken wie ich, vielleicht sogar viele. Aber die Gewissheit, dass mich ein Leben erwartet, in dem ich zwei Rentner finanzieren muss, ein Leben, in dem meine soziale Absicherung nicht mehr zu hundert Prozent gewährleistet ist, ein Leben, in dem zu großer Wahrscheinlichkeit die Chance auf einen miterlebten Krieg täglich wächst, ein Leben, dass die Gesellschaft mir zu neunundneunzig Prozent vorschreibt. Ich habe jetzt schon kaum freie Entscheidungen. Was mache ich denn nach dem Abitur? Ausbildung oder Studieren, immerhin kann man sich dort noch viele Dinge aussuchen. Nach dieser Entscheidung folgt ein Leben was mit Monotonie und Routine gefüllt ist. Diese engt sich ein oder weitet sich aus, je nachdem welche Berufswahl man ergriffen hat.
Natürlich gibt es auch sehr viele Menschen, denen es millionenfach schlimmer geht als mir, ich wäre arrogant und egoistisch wenn ich sagen würde, dass die ganze Welt zur Hölle gehen soll, nur weil ich nicht glücklich bin. Nur warum soll ich mich auf mein weiteres Leben freuen, wenn man überall hört, das es dazu bis auf kleine Lichtblicke keinen Grund zu gibt? Ich habe also ein Problem mit der Welt, weiß eigentlich auch gar nicht, was mich alles noch erwartet, aber ich finde es heftig, dass sich ein 18 Jähriger, dem es an nichts fehlt, der ganz gute Perspektiven hat, solche Fragen stellt. Ich habe keine Struktur in diesem Text, hoffe das stört dich nicht. Was sich hier zeigt, ist vielleicht auch nur, dass ich ein kleiner Junge bin, dessen Wunschdenken sich nicht erfüllt. Vielleicht über- oder unterschätze ich ja auch den Wert meiner Meinung, vielleicht ist ja da draußen jemand, den es interessiert.


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