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Thema: Bald antehende Trauer eines lieben Menschen "planen"?

  1. #1
    Neuling Avatar von See-Sternchen
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    Frage Bald antehende Trauer eines lieben Menschen "planen"?

    Ich habe heute erfahren, dass die Schwester meiner "Schwiegermutter" keine Chance im Kampf gegen den Krebs, der bei ihr vor einer Woche diagnostiziert wurde hat. Die Ärzte geben ihr noch 6 Monate. Sie selbst hab ich nur ein paar mal auf Familienfeiern gesehen und daher keine wirklich enge Bindung zu ihr, aber meine Schwiegermama ist für mich wie meine zweite Mutter. Sie hat in der letzten Zeit so viele Sorgen wegen allen möglichen Schicksalsschlägen gehabt, dass es mir jetzt schon das Herz zerreißt, wenn ich an den unabwendbaren Tod ihrer Schwester denke. Es wird nicht das erste Geschwister sein, das sie viel zu früh verlieren muss. Sie kam als Zwilling auf die Welt, aber ihr Bruder verstarb kurz nach der Geburt. Ihre mittlere Schwester ist vor 4 Jahren an einer schweren Lungenkrankheit gestorben und jetzt muss sie sich auf den Tod ihrer großen Schwester (sie ist 49) "vorbereiten". Ihr Mann und ihre zwei Söhne, darunter eben auch mein "stoffeliger Lebensgefährte" werden in der kommenden Zeit keine große Stütze sein, da sie wahnsinnig "zurückhaltend" sind wenn es um Mitgefühl und Trostspenden geht.

    Kann mir jemand Wege aufzeigen, um ihr in dieser schweren Zeit eine wirkliche, emotionale Stütze sein zu können?

    Für mich ist es unerträglich geliebte Menschen leiden und trauern zu sehen... In Bezug auf die erkrankte Schwester kann ich den Tod von der "erlösenden Seite" sehen. Als mein Opa vor 4 Jahren sich nur noch quälte war ich in gewisser Weise froh, als er endlich erlöst war. Ich verspürte keine wirkliche Trauer, da ich wusste, dass er so nie leben wollte. Was mich dann getroffen hat, war die Trauer meiner zurückgeblieben Oma zu sehen.
    Ich habe Angst, dass mich auch die Trauer meine Schwiegermama so "lähmen" wird, dass ich ihr nicht die Stärke geben kann, die sie brauchen wird.

    Liebe Grüße
    See-Sternchen

  2. #2
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    Hallo,

    ich denke, das wichtigste ist, dass du gut auf dich aufpasst.
    Wenn du durch die Situation so gelähmt wirst, dass du kaum noch handlungsfähig bist, dann bist du niemandem eine Hilfe.

    Du schreibst:
    Kann mir jemand Wege aufzeigen, um ihr in dieser schweren Zeit eine wirkliche, emotionale Stütze sein zu können?
    Ich würde die Frage umformulieren:
    Kann mir jemand Wege aufzeigen, um mich selbst abgrenzen zu können und mich nicht zu sehr runterziehen zu lassen?


    Ich wünsche dir viel Kraft

    Jan

  3. #3
    Neuling Avatar von See-Sternchen
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    Hallo Jan...

    Zufälle gibt's... Deine Diskussion über die Ich-Botschaften war die Erste, die ich hier vorhin gelesen habe...

    Erstmal danke für deine Anregungen.

    Trauer ist für mich persönlich nichts Negatives oder "Gefährliches".
    Ich hab nur ein sehr ausgeprägtes Gespühr für die Gefühle Anderer.
    Insbesondere für die der Menschen, die mir am Herzen liegen.
    Auch das empfinde ich nicht als Etwas, das mich runterzieht sondern eher als Etwas, das mich nicht so handeln lässt, wie ich es in einer ähnlichen Situation bei einem Menschen der mir nicht so nahe steht tun würde.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich wie wichtig es ist, dass man in einer solchen Situation jemanden hat, der einen in den sonst so gehassten Alltag zurück holt.

    Was mir auch große Sorgen macht ist die Frage: Wie kann ich sie auf dem Weg, der ihr bis hin zum Tod ihrer Schwester bevorsteht begleiten und unterstützen?!?

    Sie gehört zu den Menschen, die sich verdammt schwer damit tun zu sagen: Heute geht es mir nicht gut! Ich bin traurig wegen...! etc.
    Klar merke ich, wenn sie etwas bedrückt. Dann kommt aber schon die nächste Hürde, die es zu überwinden gilt: Ich bin meist sehr direkt und frage einfach nach, was los ist. Durch den emotional eher "Gefriefach-mässigen" Männerhaushalt in dem sie lebt wird sie das aber nur als Floskel abtun, weil sie es nicht anderst gewohnt ist. Über Ängste und Gefühle redet man doch nicht... Mit ihr hinsitzen und einen obligatorischen Tee trinken würde darauf hinaus laufen, dass sie das Gefühl hat sich mir aufzudrängen und mich mit ihrem "Kram" zu belasten. Eine ähnliche Situation gab es schon einmal und da sagte sie wort wörtlich zu mir: Mädel, geh doch Shoppen oder mach irgendwas Schönes. Du sollst deine Zeit hier nicht mit bei mir Rumsitzen verschwenden.
    Oh man... Frauen!

    Rein intuitiv würde ich sagen, dass in der nächsten Zeit ein Mix aus Aufmerksamkeit, Präsenz, Unterstützung und Ablenkung wichtig für sie ist. Oder bin ich damit komplett auf dem Holzweg?

    Ach ja... Ist gemeinsam weinen in einer solchen Situation erlaubt, oder würde sie das ganz überfordern?
    Ich frage nur, weil ich mich kenne...

    Liebe Grüße, Corinne

  4. #4
    Schreibkraft
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    Für mich ist es unerträglich geliebte Menschen leiden und trauern zu sehen
    Trauer ist für mich persönlich nichts Negatives oder "Gefährliches"
    Diese zwei Sätze widersprechen sich für mich.
    Bist du sicher, dass du dich selbst nicht schützen musst?

    Zu deinen Fragen.
    Du kannst nur in dem Umfang etwas geben, wie das Gegenüber in der Lage ist, es anzunehmen. Wenn deine Schwiegermutter mit dem Sprechen über Gefühle nicht umgehen kann, dann wirst du das akzeptieren müssen. Manche Menschen brauchen das als Schutz.
    Ich würde versuchen, sie kommen zu lassen. Lass sie sich bei dir melden. Melde du dich regelmäßig, aber nicht zu häufig. Ich denke, es ist gut, wenn sie das Gefühl hat, dass jemand für sie da ist. Aber lass ihr ihren Raum. Sie ist nicht du. Du brauchst in einem solchen Fall eventuell viele Menschen um dich, mit denen du reden kannst. Ihr ist es dagegen unangenehm. Das würde ich versuchen zu respektieren...


    Gruß
    Jan


    PS: Ich denke, gegen das gemeinsame Weinen spricht nichts. Du bist nicht ihre Therapeutin, sondern eine Freundin. Da sehe ich kein Problem.

  5. #5
    Gast784
    Gast

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    hallo See-Sternchen,

    die Hospizbewegung bietet professionelle Trauerbegleitung an, nicht nur für die Schwerstkranken, sondern auch für deren Angehörige. Wo es kein Hospiz gibt, machen die das auch ambulant. Ansonsten gibts Trauergruppen, Trauercafès etc.

    Kirchengemeinden bieten auch Hilfen an. Aber bei den Hospizleuten weiss ich, dass die gut ausgebildet und neutral sind. Vll schaut ihr euch das mal an.

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    Jan1981 (15.01.2011)

  7. #6
    Neuling Avatar von See-Sternchen
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    Damit meinte ich meine persönliche Trauer, wenn ich jemanden verliere oder etwas Schlimmes geschehen ist. Den Umgang damit habe ich selbst in der Hand und weiß, wie ich damit umgehen muss, oder was ich dann brauche.
    Vor Gefühlen schützen stelle ich mir schwierig vor. Wäre ja schlimm, wenn das wirklich gehen würde...

    Mit dem Respektieren hast du Recht. Da ihr diese Verschlossenheit aber im Laufe der Jahre durch schlichtes Desinteresse auferlegt wurde habe ich mich eben gefragt, wie ich ihr vermitteln kann, dass ich es wirklich ernst meine, wenn ich mich nach ihrem Gemütszustand erkundige oder Ähnliches.
    Mehr als es ihr in einem ruhigen Moment zu sagen und es ihr zu zeigen fällt mir nicht ein. Ich werde sie auf keinen Fall drängen. Dabei hätte ich auch die Angst sie in Momenten, in denen sie nicht intensiv am Nachdenken ist, wieder an ihren Schmerz zu erinnern und das ist das Letzte was ich will.

    Ein kleines Beispiel:
    Mein Freund fragt mich auch, wie es mir geht oder was los ist. Da ich aber aus Erfahrung weiß, dass er mit einer kompletten Antwort total überfordert wäre bekommt er meist eine leicht verdauliche Version.
    Genau so macht sie es auch. Mit dem Unterschied, dass ich damit umgehen kann und weiß, dass ich meinen engen Freuden dann komplett mein Herz ausschütten kann. Und genau dieser zweite Anlaufpunkt fehlt ihr komplett.

    Liebe Grüße, Corinne

  8. #7
    Neuling Avatar von See-Sternchen
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    Hallo Gaby...

    Dankeschön für deinen Tipp...

    Daran habe ich auch schon gedacht. Da die Nachricht über die Schwere der Krankheit aber erst vor ein paar Stunden kam, muss ich mir erst einmal überlegen, wie ich dieses Thema am besten anspreche.

    Ich werde sie erst nächste Woche wiedersehen und habe deshalb zum Glück noch ein bisschen Bedenkzeit, denn am Telefon will ich das nicht machen.
    Vielleicht kann ich bis dahin auch schon ein paar Adressen ausfindig machen.

    Liebe Grüße, Corinne

  9. #8
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    Zitat Zitat von See-Sternchen Beitrag anzeigen
    Trauer ist für mich persönlich nichts Negatives oder "Gefährliches".
    Ich hab nur ein sehr ausgeprägtes Gespühr für die Gefühle Anderer.
    Mmm,hört sich jetzt für mich komisch an.
    Hinterfrage dich mal, ob du Trauer in dir selbst verdrängst.

    Zitat Zitat von See-Sternchen Beitrag anzeigen
    Aus eigener Erfahrung weiß ich wie wichtig es ist, dass man in einer solchen Situation jemanden hat, der einen in den sonst so gehassten Alltag zurück holt.

    Was mir auch große Sorgen macht ist die Frage: Wie kann ich sie auf dem Weg, der ihr bis hin zum Tod ihrer Schwester bevorsteht begleiten und unterstützen?!?

    Sie gehört zu den Menschen, die sich verdammt schwer damit tun zu sagen: Heute geht es mir nicht gut! Ich bin traurig wegen...! etc.
    Nicht jeder Mensch will sich anderen unbedingt mitteilen. Es gibt Menschen, die wollen in ihrem Kummer, Sorgen und Trauer für sich sein.

    Es mit sich alleine ausmachen.

    Lass sie einfach in Ruhe.

    Zitat Zitat von See-Sternchen Beitrag anzeigen
    Ich bin meist sehr direkt und frage einfach nach, was los ist.
    Direkt zu fragen ist okay. Aber wenn du keine Antwort bekommst, bzw. eine Abweiseung, dann solltest du das so akzeptieren.

    Es ist zwar gut möglich, dass du dich als perfekte Kummertante ansiehst, aber so müssen noch lange nicht die anderen empfinden.
    Kann sein, du bist gar nicht der richtige Ansprechpartner/tröster für die anderen.

    Zitat Zitat von See-Sternchen Beitrag anzeigen
    Mit ihr hinsitzen und einen obligatorischen Tee trinken würde darauf hinaus laufen, dass sie das Gefühl hat sich mir aufzudrängen und mich mit ihrem "Kram" zu belasten.
    Mir kommt es ein wenig so vor, als wenn du dich ganz schön aufdrängeln tust. Sie wird es wohl eher fühlen, dass du dich IHR aufgrängelst und nichts SIE sich dir.

    Es liest sich, so, als wenn du irgendwo gelesen hast, jeder Mensch muss sich den anderen immer mitteilen, ansonsten ist es (wie du auch schreibst) gefühlskalt.


    Zitat Zitat von See-Sternchen Beitrag anzeigen
    Eine ähnliche Situation gab es schon einmal und da sagte sie wort wörtlich zu mir: Mädel, geh doch Shoppen oder mach irgendwas Schönes. Du sollst deine Zeit hier nicht mit bei mir Rumsitzen verschwenden.
    Na da hast du doch die Antwort.

    Die Frau ist sogar noch diplomatisch.

    Ich hätte dir gesagt: " hier haste 10 Euro, geh ein Eis essen, ich will meine Ruhe haben, du gehst mir auf den Geist."

    Zitat Zitat von See-Sternchen Beitrag anzeigen
    Rein intuitiv würde ich sagen, dass in der nächsten Zeit ein Mix aus Aufmerksamkeit, Präsenz, Unterstützung und Ablenkung wichtig für sie ist. Oder bin ich damit komplett auf dem Holzweg?
    Ich empfinde du bist auf dem Holzweg.

    Und auch wenn sie jemand zum Reden brauch, ist es meist so, dass sie gleichaltrige Menschen dazu brauch.

    Viele junge Menschen denken zwar, sie können immer und überall eine Hilfe sein, aber so ist es nicht.

    Als ältere Frau(ich bin selbst 50 ) hat man schon ganz andere Lebenserfahrungen, und auch Gefühle, die man nicht unbedingt mit einem jungem Mädchen teilen will. Oder nur eher oberflächig.

    Daher kann sein, sie findet dich ganz süß und nett, aber nicht soooo nett, um sich dir soooo intensiv mitzuteilen.

    Sein Inneres schüttet man nicht so einfach aus.

    Man sucht sich die Leute selbst aus, wo man sich ausweinen will.

    Zitat Zitat von See-Sternchen Beitrag anzeigen
    Ach ja... Ist gemeinsam weinen in einer solchen Situation erlaubt, oder würde sie das ganz überfordern?
    So wie du dich oben beschreibst, (kein Problem mit Trauer.... )
    dürften deine Tränen nicht echt sein.

    Das wird sie auch merken und dich als alberne Göre hinstellen. (sie wirds nicht sagen, aber wohl so denken) Sie wird auch merken, dass du sie therapieren willst.

    Ein gemeinsames weinen ergibt sich, oder eben nicht. Sowas fühlt man, und kann man nicht nach einem Psychologielehrbuch machen.

    Es gibt einen Spruch:

    Glaube dem Leben, es lehrt besser als Redner und Buch.

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