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Thema: Bericht über meinen Krankenhausaufenthalt

  1. #1
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    Standard Bericht über meinen Krankenhausaufenthalt

    Hallo,

    vorab: Entschuldigt meine Abwesenheit, sodass ich bei einigen anderen Threads nicht mehr dazu gekommen bin, zu antworten, da ich im Krankenhaus war. Ich möchte mit diesem Post kurz meine Erlebnisse schildern, die sich an alle richten, die darüber und im Lesen interessiert sind, vor allem aber an jene, die einen Aufenthalt vor sich oder einen solchen geplant haben.

    Ich ließ mich wegen Depressionen u. a. am Donnerstag letzter Woche einweisen, ging in dieser Woche auch schon wieder nach Hause. Das war nicht unbedingt lang für einen Depressiven, dennoch tat mir der Aufenthalt in der Zeit sehr gut! Der Grund, warum ich so früh schon ging, ist der, dass ich zum einen inzwischen einen Therapeuten für Anfang Mai gefunden habe und zum anderen denke (nach langer Zeit), dass eine Psychotherapie parallel zur Alltagsbeschäftigung sinnvoller als ein stationärer Aufenthalt ist. Das Krankenhaus gilt noch recht als Neubau, daher auch modern.

    Ich wurde stationär eingewiesen, bekam mein Zimmer, welches ich mit einem anderen, viel älteren Patienten (da ich mit meinen 19 Jahren schon in die Erwachsenenpsychiatrie musste), sowie die gesamte Station selbst vorgestellt. Es handelte sich um eine Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Eine freundliche Frau gab mir zunächst die Gelegenheit, mich mit dem Zimmer vertraut zu machen, meine Sachen (Klamotten, Sachen für's Badezimmer und Wertsachen) zu ordnen und dann befragte sie mich, was genau mich hergeführt hat - sprich, was meine Beschwerden sind. Dann gab sie mir eine Visitenkarte der Station, erklärte mir kurz die Stationsregeln (bezüglich: Weckzeit, Essenszeiten, keine Sitzordnung, Medikamente, Teambesprechung, körperliche Kontrollen, Schließzeit, Ausgang, Fernsehen, Laptops, Nachtruhe, Besuchszeiten, Wertsachen, Wäsche, Telefon, Rauchen, Therapien, Entlassung, Autofahren, Alkohol, Drogen, Dienstzimmer), gab mir daraufhin dann auch die Liste der Regeln, stellte mir den Wochenplan vor und gab mir noch einen sogenannten Therapiepass. Der Therapiepass ist ein tabellarischer Nachweis, dass man alle Therapien und sonstige für mich pflichtige Ereignisse besucht hat - wobei es natürlich besser ist, diese mehr als Chance statt Pflicht anzusehen! Dann überreichte sie mir noch eine Auswahlliste von Menüs für das Mittagessen für die nächsten zwei Wochen. Für jeden Tag - inklusive für Wochenenden - gab es vier verschiedene Menüs: entweder Vollkost, Leichtkost, Vegetarisches oder Dessert. Was genau es dabei gab, wurde natürlich aufgelistet. Die Auswahl sah vielversprechend aus, man braucht einfach nur ein Kreuz für einen Tag zu machen und die Zettel abgeben, schon bekommt man für die darauffolgenden zwei Wochen immer das in den Speisesaal, was man bestellt hat, auf ein Tablett geliefert.

    Jeder erhielt vom gesamten Angebot natürlich einen individuellen Wochenplan. Ich bekam neben Frühstück, Mittag und Abendbrot: Gymnastik/Spaziergang, Morgenrunde, Kulturnachmittag, Plenum, Wochenendbesprechung, Ergotherapie, Pflegegespräch, Chefarztvisite, Gruppenvisite und Einzelvisite. Nachdem mich die Frau ins Geschehen eingeweiht hat, stellte sich auch schon meine Therapeutin vor und ich durfte auch gleich schon ein Erstgespräch mit ihr allein führen. Das Gespräch dauerte vielleicht zwanzig Minuten. Dort stellte ich meinen Krankheitsverlauf und meine jetzigen Beschwerden vor, meine Vermutungen, was der Grund sein könnte und was ich als Ziel gesetzt habe im Sinne davon, was genau ich überhaupt im Krankenhaus will.

    Im Anschluss darauf lernte ich alle meine Mitpatienten der Station kennen. Ich habe sie an der Anzahl nicht gezählt, aber es waren ungefähr zwanzig Leute, vielleicht auch der eine oder andere mehr. Ich konnte mich relativ gut in die Gruppe integrieren. Anfangs war ich zwar ruhig, suchte in meinem zurückhaltenden Verhalten aber eher den Kontakt auf und konnte mich letzten Endes doch erfolgreich einleben.

    Man darf sich eine Klinik nicht unbedingt so vorstellen, als wären alle verrückte oder schräge Leute. Jene wären dann schlimmstenfalls in der geschlossenen Station, wo Türen abgeriegelt sind und man nur reinkommen darf, wenn man vorher klingelt! Bei uns aber durfte man rein- und rausgehen. Dafür gab es ein sogenanntes Ausgangsbuch, das heißt, man sagt jemandem vom Personal Bescheid, dass man aus diesem oder jenem Grund (zum Beispiel Besuch, kurz frische Luft schnappen gehen, Cafeteria, Zeitung kaufen usw.) für eine bestimmte Zeit die Station verlassen will. Genehmigt es das Personal, trägt man Datum, Namen, Ausgangsuhrzeit, voraussichtliche Eingangsuhrzeit und Ausgangsgrund in eine Liste ein. Sobald man wiederkommt, trägt man zusätzlich die tatsächliche Eingangsuhrzeit ein und unterschreibt. Bei uns waren alle freundlich! In meinem Alter gab es noch vier weitere, der Rest bestand aber überwiegend aus Müttern im Alter dreißig bis fünfzig, eine alte Frau, einige etwas alte und jüngere Männer. Der Großteil, soweit ich zu hören bekam, waren wegen Depressionen dort. Was man nicht tun darf, ist, mit anderen Leuten über die Krankheit von jemanden zu sprechen, sondern nur von sich selbst! Ich möchte euch nun kurz den Wochenplan (Montag bis Freitag) im Einzelnen vorstellen. Dies gilt natürlich für das Krankenhaus, in dem ich war, kann also von Krankenhaus zu Krankenhaus variieren!

    Wer eine Schlafmütze ist, wird dies hier nicht so gern hören wollen: Weckzeit ist immer 7:00 Uhr durch das Personal! Danach das Bett ordentlich machen. Um 7:30 wird dann gefrühstückt. Normalerweise gibt es immer Brötchen mit Schokolade, Marmelade, Würste, Käse usw. als Angebot, bei Bedarf auch Cornflakes. Gegessen wird immer im gemeinschaftlichen Speisesaal, wobei "Speisesaal" sich unbequem anhört. Eigentlich ist die ganze Station sehr gemütlich, der Speisesaal ist wie eine Stube mit eingebauter Küche, inklusive Couch natürlich! Das Essen wird zwar alles vom Personal angeboten, aber Tisch decken und abdecken muss man immer selbst! Dafür gibt es dann das:

    Pflegegespräch einmal pro Woche (laut Plan fast zwei Stunden, wobei es praktisch keine fünfzehn Minuten dauerte). Dort bespricht die gesamte Gruppe unter Führung eines Patientensprechers, der regelmäßig neu gewählt wird, wer wann was in Sachen Pflege macht, also für das Essen decken, Tische wischen, evtl. abzuwaschen (wenn Geschirrspüler schon läuft) usw..

    Dreimal pro Woche gibt es ärztliche Besprechungen. Einmal in Form einer Einzelvisite, das heißt, man darf maximal 45 Minuten mit dem Therapeuten oder der Therapeutin sprechen, einmal in Form einer Chefarztvisite, das heißt, es kommt der Chef- oder Oberarzt der Krankenhausabteilung mit dem Therapeuten zu Besuch, sodass man dann die Gelegenheit hat, sich ihm gegenüber zu äußern (laut Plan für zwei Stunden), und einmal in Form einer Gruppenvisite, das heißt, die ganze Stationsgesellschaft wird in einigen kleineren Gruppen aufgeteilt (ich war mit sechs anderen in einer Gruppe) und von je einem Therapeuten betreut, wo jeder kurz das äußert, was er loswerden möchte und erzählt, was er so am Wochenende gemacht hat (laut Plan für eine Stunde). Diese Therapiestunden werden noch von der

    Ergotherapie unterstützt, die es an vier Tagen in der Woche gibt. Die Stationsgruppe wurde in drei Gruppen aufgeteilt, sodass eine in die Ergotherapie A, eine andere in B und eine weitere in C gelangte. Für alle, die nicht wissen, was eine Ergotherapie ist: Es handelt sich um eine Therapie, die sich auf die menschlichen Aktivitäten konzentriert, überwiegend im Basteln, Bauen, Werken (zum Beispiel Holz), Zeichnen und Malen. Jemand, der psychische Störungen hat, sollte nicht auf Ergotherapie verzichten, da dies ein wichtiger Bestandteil ist, sich auf kleine Aktivitäten zu beschränken und sich so zu konzentrieren. Auch dadurch kann man vom Alltagsstress weg und das nicht ohne Erfolg! Eine Ergotherapieeinheit dauert eine Stunde.

    Zudem gibt es noch eine einstündige Depressionsgruppe für Schwerdepressive, zweimal die Woche.

    Einmal die Woche wird für eine halbe Stunde nach dem Abendbrot das Plenum (Vollversammlung) durchgeführt.

    Zweimal die Woche gibt es für je 45 Minuten Entspannungsmöglichkeiten.

    TEIL 2 FOLGT UNTEN!

  2. #2
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    Standard

    Einmal die Woche gibt es noch für zweiandhalb Stunden einen sogenannten Kulturnachmittag, der nach Vorschlägen der Patienten durchgeführt wird, das heißt, die Gruppe unternimmt etwas Freizeitmäßiges nach eigenen Ideen. Als ich dabei war, waren wir zum Beispiel im super Wetter grillen gegangen! Das heißt aber nicht zugleich, dass ein Ausflug zum Strand stattfindet, sondern es gibt einen kleinen, gartenähnlichen Hof, der zum Krankenhaus gehört und von ihm eingeschlossen wird.

    Dreimal die Woche gibt es um 8:00 Uhr, also kurz nach dem Frühstück, eine kurze Morgenrunde, wo Allgemeines besprochen werden kann. Dann folgt um 8:30 Uhr, jeden Tag, ein kurzer Spaziergang mit oder ohne Gymnastik.

    Mittagessen gibt es immer um 12:00 Uhr. Zu essen bekam man, was man ausgewählt hat. Der Hauptspeise waren auf einem Tablett immer etwas Kleines beigefügt, zum Beispiel mal Kekse, mal eine Packung Salat oder Götterspeise, mal ein Apfel oder ein Kirschjoghurt, Karamelljoghurt usw.. Darauf, dass das Essen aber nicht so sehr wie im Restaurant oder wie zuhause bei Mama schmeckt, sollte man aber schon eingestellt sein. Das eine oder andere mochte ich zwar nicht, aber den Großteil fand ich trotzdem noch köstlich. Daher Daumen hoch an die Krankenhausköche!

    Abendbrot findet um 18:00 Uhr statt. Normalerweise gibt es wie beim Frühstück wieder Brot oder Brötchen.

    Besuch war bei uns werktags von 16:00 Uhr bis 20:00 Uhr, an Wochenenden von 10:00 bis 20:00 Uhr erlaubt. Die Besucher dürfen aber nicht mit ins Patientenzimmer genommen werden. Auch keine anderen Patienten außer der Mitpatient (Pate) und man selbst dürfen ins eigene Zimmer kommen.

    Handys sind generell untersagt. Stattdessen gab es ein für alle zugängliches Patiententelefon, das heißt, man kann in der Station angerufen werden, aber nicht selbst anrufen.

    In jedem Zimmer gibt es ein Badezimmer mit Dusche. Es gibt auch Lautsprecher für Radio. Bei mir lief immer das Radio. Wäsche müssen aber im gemeinsamen Waschraum gewaschen werden (Waschmaschine).

    An den Wochenenden herrscht Selbstbedienung! Das bedeutet vor allem, dass man bis höchstens gegen neun Uhr schlafen darf und - abgesehen vom Mittagessen - sich das Essen selbst machen muss. Die Zimmer wurden meistens von Putzfrauen gepflegt, wenn Frühstück war.

    Medikamente darf man in der Regel nicht von zuhause mitnehmen. Die werden eingesammelt und bei Entlassung wieder hergegeben, stattdessen gibt es immer bei Bedarfszeit krankenhauseigene Medikamente.



    Auch wenn ich nicht lange dort war, nicht einmal eine volle Woche, hat mir der Aufenthalt dort gut getan. Auch das überaus freundliche Personal, das Therapeutenteam, welches die Meinung des Patienten an höchster Stelle setzt und die anderen, sympathischen Patienten der Gruppe haben es mir wirklich leicht gemacht, vom Alltagsstress wegzukommen, sodass ich mich endlich länger selbst beobachten konnte und - nur durch die Zeit, die mir zur Verfügung stand sowie den Gesprächen mit meiner Therapeutin, den Patienten und meiner Familie, die mich besuchen kam, und der vielen Eigenbeobachtung und Bestätigung - für mich einen wichtigen Schritt machte, denn ich kann mir nun sehr gut vorstellen, was eine zentrale Rolle für meine Probleme spielt.

    Wer Genaueres wissen möchte, vor allem, was das Leben im Krankenhaus betrifft, der kann ruhig posten oder mir per PN eine Nachricht zukommen lassen.

  3. #3
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    hört sich nicht schlecht an, doch im muss jeden morgen um 9 medikamente einnehmen gegen SDU und medikamente gegen Depression will ich überhaupt nicht mehr einnehmen

  4. #4
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    Standard SDU = Soziale-Demokratische-Union - schon wieder ein neue Partei?

    Zitat Zitat von Hexe Lilith Beitrag anzeigen
    hört sich nicht schlecht an, doch im muss jeden morgen um 9 medikamente einnehmen gegen SDU und medikamente gegen Depression will ich überhaupt nicht mehr einnehmen
    Plötzlich reden hier alle vom SDU, ohne dies zu erklären. Ich finde man sollte nicht irgendwelche ungeläufigen Abkürzungen benutzen, ohne sie zu erklären!

    Laut http://de.wikipedia.org/wiki/SDU handelt es sich wirklich um eine Partei, aber ich verstehe den Zusammenhang dann hier nicht!
    Geändert von Rainer-JGS (19.06.2011 um 01:43 Uhr)

  5. #5
    Gast784
    Gast

    Standard

    SDU = Schilddrüsenunterfunktion.

    Und "alle" heisst Hexe Lilith.

    man kann auch ganz normal nachfragen, Rainer. Hat Lilith neulich auch gemacht und ne ganz normale Antwort gekriegt.

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    Hexe Lilith (19.06.2011)

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