Hallo liebe Forum-Mitglieder,
ich schreibe heute zum ersten Mal hier und weiß auch nicht so recht, ob sich jemand die Mühe macht, alles zu lesen. Ich würde mich jedoch freuen, wenn ich vielleicht neue Sichtweisen auf mein Problem bekommen könnte o.ä., da ich momentan wirklich ziemlich fertig bin.
Leider muss ich etwas ausholen, damit alles einen Sinn ergibt:
Mit 17 lernte ich meine erste große Liebe kennen. Wir waren 3 Jahre zusammen und hatten 2 Jahre davon auch eine gemeinsame Wohnung. Ich war wahnsinnig verliebt in ihn und tat alles für ihn. Leider etwas zu viel; er hat mich nicht gut behandelt und ich habe alles für ihn aufgegeben und viel innerlichen Schmerz erlebt in dieser Zeit.
Nach unserer Trennung lernte ich dann einen wahnsinnig lieben jungen Mann kennen, der mir alles gab, was ich in der vorangehenden Beziehung nie bekam. V.a. gab er mir seine aufrichtige Liebe und er hätte mir jederzeit die Sterne vom Himmel geholt. Auch wir waren 3 Jahre lang zusammen. Alles war "perfekt", NUR: Ich liebte ihn nicht! Ich hatte ihn sehr, sehr lieb und fühlte mich auch wohl und geborgen bei ihm, aber wirklich lieben tat ich ihn nie. Ich dachte halt immer, wenn ich erst mal alles verdaue, was so in den letzten Jahren schief gegangen ist, dann würde die Liebe schon kommen. Der Rest stimmte ja wirklich (d.h. wir passten an sich gut zusammen). Nach 1,5 Jahren habe ich ihm das auch gesagt und ihm damit sehr weh getan. Wir schoben meine fehlende Liebe auf den Schmerz, den ich zuvor erfahren habe. Unsere Beziehung lebte stets von Hoffung, alles würde besser werden. Zweifel war ein ständiger Begleiter von mir: Wie kann ich den Menschen aufgeben, der mich ehrlich und aufrichtig liebt? Andererseits hatte ich aber selbst das Gefühl der Liebe vermisst. Leider war ich mir immer sicher, dass ich eben nur einmal richtig lieben konnte und verfluchte dabei, dass meine Liebe auf so einen Idioten (also der Vorgänger) gefallen ist und es jetzt einfach nicht ging. Ich wünschte mir nichts mehr, als meinen Freund lieben zu können, wie er es tat. Und es tat mir weh, dass ich es einfach nicht konnte. Dummerweise war ich so nicht glücklich und bereitete mich fast 1 Jahr auf meine bisher schwerste Entscheidung vor: Ich ließ den Mann gehen, der mich liebte, um herauszufinden, ob ich wirklich nicht imstande bin, mich noch einmal richtig zu verlieben. Die Entscheidung tat mir sicher fast genauso weh wie ihm selbst, aber anders konnte ich nicht glücklich werden.
Das ganze ist jetzt 1 Jahr her. Nach einer kürzeren, für mich eher bedeutungslosen Beziehung lernte ich endlich DEN Mann kennen. Und es war sofort da: Kribbeln, Aufgeregtsein, ich konnte weder schlafen noch essen. Ich war 24 und verliebt wie ein junger Teenager! Welch ein Glück, ich konnte mich doch wieder verlieben!! Und noch besser: Wir kamen zusammen und bei mir entwickelte sich ungewöhnlich schnell eine ehrliche, aufrichtige Liebe für ihn. Das hab ich mir nie erträumen lassen, dass das wirklich wieder geht. Ich dachte vom ersten Moment an, dass ich ihn mal irgendwann heiraten werde. Wir sind noch nicht lange zusammen (3,5 Monate) und trotzdem bin ich mir sicher, dass ich mit ihm glücklich werden will. Endlich hat das ewige Hoffen, das quälende Zweifeln, die Suche ein Ende. Ich falle in seine Arme und bin da. Ich konnte mir selbst vorstellen, mit ihm irgendwann Kinder zu haben. Dazu muss man wissen, dass ich eigentlich immer kinderlos bleiben wollte und heiraten sowieso blöd fand. Jetzt weiß ich, woran das lag: ich hatte eben nie diese Sicherheit, dass ich jemanden ehrlich liebe. Ich hatte zu Beginn riesige Angst, diese großen Gefühle zuzulassen. Was ist, wenn ich wieder Schmerzen erfahre? Das letzte Mal als ich wirklich verliebt war, tat es mir eigentlich nur weh. Er sagte mir, bei ihm passiert mir nichts und ich habe ihn geglaubt… Die letzten Monate waren wirklich sehr schön und ich war unendlich glücklich!
Bis vorgestern… Wir saßen abends zusammen und haben über seine Ex-Freundin geredet. Dass er sich nie sicher war mit ihr und über dies und jenes Problem. Irgendwann, als wir schon längst wieder bei anderen Themen waren, fragte ich ihn, ob er denn bei uns sicher wäre. Und ich bekam keine Antwort darauf. Ab diesem Moment stürzte alles in mir zusammen. Ich musste schmerzlich erfahren, dass mich mein Freund nicht liebte, dass es bei ihm nicht „Bumm“ gemacht hatte wie bei mir, dass er keine Schmetterlinge im Bauch hat wie ich es habe. Natürlich, er hat mir sehr lieb und wünschte, er könnte mich so lieben, wie ich ihn liebe. Aber es ginge eben nicht. Also ist mir genau das gleiche wie bei der letzten ernsten Beziehung passiert – nur eben andersherum. Nun bin ich die liebende Person und er derjenige, der mir nicht das gleiche geben kann. Ich lag daraufhin fast 2 Tage komplett im Bett, weinte die ganze Zeit fürchterlich und spürte 24h am Tag Messerstiche in der Brust. Ich möchte euch nichts vorjammern, aber für mich ist das ein fast unerträglicher Schmerz, der einfach nicht enden will. „Vor Schreck“ bekam ich gleich noch etwas Fieber…
Ich habe die ganze Zeit geglaubt, er würde das gleiche empfinden. Ich dachte, ich wäre endlich angekommen und wir haben einander gefunden und wollen unser Leben miteinander verbringen. Ich liebe ihn über alles und für mich war er von Anfang an zweifellos der Richtige. Ich wollte mit ihm glücklich werden. Mit einmal sind all diese Träume geplatzt. Wie kann ich mein Leben mit jemanden verbringen, der mich nicht aufrichtig liebt? Unter diesen Umständen könnte ich doch sicher keine Kinder mit ihm in die Welt setzen (sowieso erst in ein paar Jahren, aber ich denke voraus – ich möchte keine „kurzen“ Beziehungen mehr, ich möchte den Mann fürs Leben). Jahrelang habe ich gehofft und gebetet, dass ich noch einmal richtig lieben kann. Nun ist es endlich geschehen und jetzt tut es trotzdem wieder so unwahrscheinlich doll weh! Ich denke nicht, dass ich noch einmal jemanden diese ehrliche Liebe aufbringen könnte, wenn sie doch 2x so endete.
Dummerweise haben wir bezüglich des Problems beide unsere eigenen negativen Erfahrungen gesammelt: Ich war jahrelang in der gleichen Situation und weiß, dass irgendwann die Sehnsucht nach dem starken Gefühl der Liebe und nach dem „Bumm“ so groß wurde, dass ich meinen damaligen Freund im Stich gelassen habe. Ich war so nie richtig glücklich. Er hingegen hat auch seine letzte Freundin (seine einzige lange Beziehung) nie richtig geliebt und das hat sich auch mit den Jahren nicht geändert. Leider ist in seiner Beziehung sehr viel schief gelaufen, was ihn ans Ende seiner Kräfte brachte und er sogar Phasen hatte, in dem er keinen Lebenswillen mehr hatte. Er hat die Hoffnung, wenn sich erst einmal das Chaos in seinem Kopf löst, dass er dann wieder mehr Gefühle für mich zulassen kann. Ja, das dachte ich damals auch: Es stimmt ja alles, der Rest wird ja schon kommen. Aber es kam nicht. Jetzt, wo ich die Liebe noch einmal erfahren durfte, bin ich der Meinung: Entweder es trifft einen richtig oder eben nicht. Mehr wird es sicherlich nicht.
Ich weiß nicht, ob ich es schaffe, mit dem Gedanken zu leben, dass er mich nicht richtig liebt. Wenn ich in seine Augen schaue, kribbelt es im Bauch. Wenn ich ihn küsse, könnte ich ihm gleichzeitig 1000x sagen, wie sehr ich ihn liebe. Nun weiß ich, dass es bei ihm nicht so ist (das hat er mir auch gesagt). Wie kann ich ihm so vertrauen? Was ist, wenn er in ein paar Jahren jemanden trifft, wo es doch „Bumm“ macht und er lässt mich allein? Was ist, wenn er wie ich damals die Sehnsucht nach dieser großen Lieb bekommt?
Er meint, er war bisher wirklich sehr glücklich mit mir, was ich ihm auch glaube. Wenn ich das Thema nicht aufgewärmt hätte, würde er sich gar nicht über seine Gefühle so viele Gedanken machen. Er wollte eben alles auf sich zukommen lassen. Gleichzeitig tut es ihm sehr leid, weil es mir so schlecht geht. Er meint, er hätte vielleicht nicht so schnell mit mir zusammen kommen sollen, sondern erst sein Wirrwarr im Kopf ordnen sollen. Aber er habe eben so gehandelt, wie er in den jeweiligen Momenten gefühlt hatte. Und er hatte mich eben schon von Beginn an sehr lieb. Bei der ganzen Sache wählt er fast die gleichen Worte wie ich damals in meiner alten Beziehung: Es tut ihm leid, er hätte mich sehr, sehr lieb, will mir nicht weh tun, mich nicht verlieren und wünschte sich, er könnte mich richtig lieben. Genau diese Sachen habe ich damals auch gesagt und gedacht und ich weiß, was daraus geworden ist. Dummerweise kann er mir nur wenig Sicherheit geben. Es wäre viel leichter für mich, wenn er mir Halt geben könnte mit Sätzen wie „wir werden das schon schaffen“ oder dass er mich so lieb hat, dass es ausreicht. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen und dann noch der meinigen ist er jedoch auch eher pessimistisch gestimmt. Er hat Angst, dass er mir mehr Leid als Glück zufügt. V.a. weil er die letzten Tage gesehen hat, wie sehr ich darunter leide.
Er hat übrigens noch nie in seinem Leben „Ich liebe dich“ gesagt. Mich hat das nicht soooo sehr gestört, dass es immer nur „ich hab dich lieb“ hieß, weil ich annahm, dass er mich liebte, aber es eben nicht sagen konnte, weil dieser Satz in seiner letzten Beziehung zu vielen Problemen führte. Ich ahnte ja nicht, dass er mich tatsächlich nicht liebt.


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren
Ich bin nicht abhängig von meinem Partner, wünsche mir aber sehnlichst gemeinsames Glück, an das ich glauben kann.


Lesezeichen