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Thema: Beziehungssucht?

  1. #1
    Neuling
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    Standard Beziehungssucht?

    Hallo ihr Lieben!

    Das hier ist meine erstes Mal. Ich war zuvor nie in einem Forum angemeldet. Es lebe unser Zeitalter, mit all ihren Macken!!!
    Nun zu mir:
    Ich mache bereits seit 4 Jahren eine Psychoanalyse. Ich litt unter sehr starken psychosomatischen Beschwerden. Der Gang zur Therapie war also vorprogrammiert.
    Meine Kindheit? Kurz gesagt: Missbrauch, Vernachlässigung, Einsamkeit!
    Wie es mir heute geht? Trotzdem Gut! Ich will etwas ändern, kämpfe für Vernachlässigte! Mich hat die Bildung gerettet. Was ich zu Hause nicht bekam kompensierte ich, indem ich mich ergeizig weiterbildete.
    Nun ratet mal, was ich beruflich mache? Ich bin Lehrerin!
    Tja, das hört sich oberflächlich schön an, aber nun zu meinem Problem:
    In meinem Privatleben habe ich schon immer dazu geneigt, Menschen um mich herum zu sammeln, die mich tierisch enttäuschen. Ich leben ein Doppelleben, während ich stets versuche den Menschen zu helfen, sie zu stabilisieren, ihnen Hoffnung und Mut zu geben, befriedige ich meine eigenen Bedürfnisse gar nicht, ich lebe mit der Enttäuschung!
    Gerade meine Partnerwahl zeigt das ganz gravierend. Mein jetztiger Freund hat ein Suchtproblem, kriegt sein Leben nicht auf die Reihe, will von mir versorgt werden, als wäre ich seine Mutter. Er hat eine wirklich grausame Kindheit. Er ist super liebevoll. Nur leide ich an seine Perspektivlosigkeit. Natürlich habe ich mich gerde deswegen in ihn verliebt. Ich dachte, ich kann ihn mit meiner Liebe retten, dass wir gemeinsam aus unserer ****** Vergangenheit herauskommen. Er entwickelt sich zwar schon, aber ich merke, dass ich mir vielleicht nur was vormache. Ich fühle mich so alleine gelassen. In der Schule stecke ich all meine Energie darein, den z.T. verwahrlosten Kindern zu helfen, es gelingt mir auch sehr gut, weil sie sich verstanden fühlen. Wenn ich dann aber nach Hause komme, brauche ich Ruhe, Zuversicht und Entspannung. Zu Hause finde ich aber das gleiche Problem wieder.

    Meine Therapeutin sagt, ich sei Beziehungssüchtig. Was sagt ihr dazu?
    Ich danke euch im Vorraus, dass ihr mir lesend zugehört habt!

  2. #2
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Zaza,


    es klingt schon ein bißchen so, als hättest Du Dir zur Kompensation so ein Retter-Muster zugelegt.

    Du kannst sicher stolz sein, auf die Schritte, die Du schon geschafft hast. Du scheinst ja doch ein eigenes selbständiges Leben aufgebaut zu haben. Und vll hast Du auch tatsächlich schon so viel verarbeitet, dass Deine Erfahrungen nun eine Bereicherung für Menschen sind, die noch Hilfe brauchen. Bei Kindern ist das ganz wichtig.

    Aber bei erwachsenen Männern Warum kannst Du da diese Rolle nicht verlassen? Bist Du Dir selbst nicht mehr wert? Glaubst Du, Liebe ist nur dafür da, zu retten? Weil Du durch Mißbrauch usw. kein gesundes Liebesbild erfahren hast? Was ist Liebe für Dich? Jetzt mal ganz unabhängig von echten und lebenden Personen. Vll wärs mal interessant, darüber nachzudenken oder das eine oder andere Buch zu schmökern.

    Vll wäre eine Ergänzung (oder Wechsel) auf Verhaltenstherapie mal angesagt?
    Oder was schlägt Deine Therapeutin vor?

    LG Gaby

  3. #3
    Neuling
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    Standard Die Liebe verändert die Welt!

    Liebe Gaby,

    tatsächlich habe ich eine recht romantische, vielleicht sogar illusionäre Vorstellung von der Liebe. Ich spüre mich nur, wenn ich liebe! Aber ich war auch schon 3 Jahre solo. Habe auch mehrere Beziehungen beendet, weil ich der Meinung war, diese Männer haben meine Liebe nicht verdient. Mein jetztiger Freund aber bringt mir die gleiche Liebe entgegen. Sein Herz ist rein und ehrlich. Nur ist er halt der Deckel meines Aufopferungstopfes.
    Meine Therapeutin empfielt mir das 12 Schritte-Programm der Beziehungssüchtigen. ICh habe mich darüber informiert und totgelacht!! Kennst du dieses PRogramm. Es lehnt sich an die Anonymen Alkoholiker. Stichwort: Nur Gott kann dich retten. Ich lach mich tot. Welcher Gott denn? Wenn es ihn gibt, soll er sich doch bitte den Grausamkeiten der Welt hingeben und nicht mir! Bin etwas schockiert von meiner Therapeutin, sie weiß eigentlich, dass ich GOTTLOS bin. Ich weiß der Glaube versetzt Berge, aber die Religion ist nicht mein Ding!
    MEin PRoblem ist, dass ich so ambivalente Gefühle habe. Ich bin doch gerne Verantwortlich für alles! So viele MEnschen leben einfach ohne sich große Gedanken zu machen, warum muss ich immer den Drang nach Verbesserung haben. Der Mann ist doch liebevoll, warum also diese Gedanken!?
    Ich will alles Verbessern, damit ich meine eigenen Wunden heilen kann. Das ist aber nicht möglich, oder?
    LG ZAZA

  4. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    nee Du, ich kenn dieses 12-Punkte-Programm nicht, bin darüber aber auch nicht besonders traurig, nachdem, was Du da drüber schreibst

    Bei diesen unglücklichen Liebesthemen fällt mir immer die Innere-Kind-Arbeit ein. Sie war Teil meines therapeutischen Prosses in meiner Tanz-Therapie-Ausbildung. Sie wird aber auch in anderen Therapien angewandt. Ich glaube nämlich, dass diese Sehnsucht, die hinter diesen schief(ge)laufenen Beziehungen steckt, etwas damit zu tun hat, was wir nicht oder nicht genug als Kinder mitgekriegt haben und daher lernen müssen, dies uns selbst zu geben. So lange wir das nicht können, machen wir uns bedürftig und auf nicht erwachsene Art abhängig von anderen Menschen. Ich weiss aber nicht, ob für diese Arbeit Deine Therapeutin die richtige ist. Sie scheint ja nicht gerade Dinge in Deine Sprache übersetzen zu können (siehe Gott, oder hatte die ihren Gemeindedienst für die Zeugen Jehowas noch absolvieren müssen?)


    Dein Zitat: Ich will alles Verbessern, damit ich meine eigenen Wunden heilen kann.

    Grundsätzlich glaube ich, dass die Sache andersrum funktioniert: ich kann vieles verbessern, wenn ich meine eigenen Wunden geheilt habe oder zumindest damit im reinen bin. Was mir an Deiner Aussage widerstrebt ist folgendes: eigentlich "benutzst" Du ja praktisch andere Menschen, um Dir selbst zu helfen. Das ist auch eine Form von Mißbrauch. Hört sich jetzt brutaler an, als ich es meine. Aber drastische Formulierungen können ja manchmal anregen, etwas in einem anderen Licht zu sehen.

    LG Gaby
    Geändert von Gast784 (14.03.2008 um 13:57 Uhr)

  5. #5
    Verleger Avatar von Natz
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    Standard

    Hallo Zaza!
    Das Programm der AA´s mit Gott wäre auch nichts für mich aber willst Du den Rest Deines Lebens wirklich so verbringen? Was ist, wenn irgendwann mal kein Mann mehr da ist, den Du retten kannst und somit Dich-wie Du sagst-selbst nicht mehr spüren kannst? Ich würde an Deiner Stelle schon schauen, das ich eine Lösung finde.
    Du hast ja auch einen Beruf gewählt, der nicht so weit entfernt von Deiner privaten Situation ist. Deine Ambitionen in allen Ehren aber wenn man dabei sich selbst vergisst, ist das alles andere als gut.
    Auch die Aussage mit dem reinen Herzen Deines Freundes hört sich zwar wildromantisch an, das Suchtproblem und damit ein ganzer Schwanz an Problemen bleibt-ich denke, Du idealisierst da doch noch ziemlich.
    Ich kann Dir nur den Tip geben, weiter zu versuchen, zu Dir zu finden. Du musst auch lernen, ohne Männerrettung glücklich zu werden.
    Noch eine Frage: welcher Typ Mann hatte denn Deine Liebe nicht verdient?

    Grüße,
    Natz
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  6. #6
    Neuling
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    Ausrufezeichen Helfer-Syndrom?

    Hallo Zaza.
    Diese Problematik kommt mir reichlich bekannt vor.
    Ich bin Laie und mag falsch urteilen, aber du scheinst schon ein recht stark ausgeprägtes Helfer-Syndrom zu haben... (Menschen mit diesem Syndrom suchen sich übrigens häufig berufe im sozialen und pädagogischen Bereich )
    Ich war in der selben Situation wie du. Hatte einen Freund, der mindestens ansatzweise ein Suchtproblem hat, generell ein "Suchtmensch" ist, aber sehr liebevoll ist und mir ehrliche Liebe entgegenbrachte. Eigentlich hatte ich einig solcher Beziehungen. Häufig aus dem starken Wunsch heraus, zu helfen. Nun geht es aber nicht um mich sondern um dich ^^ (ich schweife manchmal ein wenig ab..)
    Ich denke, wichtig ist für dich, herauszufinden, warum du mit diesem Menschen zusammen bist. Tatsache ist, dass eine Beziehung auf "Mitleidsbasis" ( bitte nicht falsch verstehen..) nicht funktioniert. Du bist kein Therapeut und trägst schon so viel Verantwortung für dich und bemühst dich zusätzlich um die Kinder in der Schule.
    Lade dir nicht zu viel auf!
    Eine Beziehung sollte dich stützen, dich nicht belasten. Das soll kein Aufruf sein die Beziehung zu beenden. Aber du solltest mit deinem Freund reden, dass ihr etwas verändern könnt.
    Aufgrund deiner Vorgeschichte denke ich schon, dass dir viel Zuwendung gut tun wird und du daher sicherlich ein großes Verlangen hast, eine Beziehung zu führen um dich zu spüren, wie du sagst. Aber ich schätze, dass man das nicht als Sucht bezeichnen kann. Ich würde eher sagen, dass du dich einfach zu sehr für andere aufopferst.
    Nochmal: Ich bin Laie und mag total daneben liegen, aber wie auch andere dir schon geraten haben, denke ich,dass deine Therapeutin wohl nicht unbedingt die Richtige für dich ist, denn sonst wäre sie mehr auf dich eingegangen und hätte dir nicht so ein Buch empfohlen.

  7. #7
    Verleger Avatar von Natz
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    Standard

    Leider kommt nichts mehr von Zaza. Nur ein kurzzeitiger Schreibanfall?
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  8. #8
    Neuling
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    Standard Bin wieder da!

    Hallo ihr Lieben!

    Sorry, dass ich so lange nicht da war!
    Habe eine Woche voller Diskussionen hinter mir.
    Es hat mir sehr gut getan mich in diesem Forum anzumelden. Eure Beiträge gaben mir Kraft und hier bin ich nun.
    Mir ist klar geworden, dass mein Verhalten ziemlich destruktiv ist. Wenn ich ununterbrochen Verantwortung für das Leben meines Freundes übernehme, dann kann ich von ihm keine Selbständigkeit erwarten!!!!!
    Die Gespräche waren sehr gut, wir haben unsere Situation unter die Lupe genommen. Ich lasse ihn sein Leben leben und konzentriere mich auf mich.
    Ihm ist jetzt auch klar, dass ich mich nicht nur Mutti mäßig verhalte, sondern er auch eine Mutti haben will. Wir wollen jetzt beide an unserem Verhalten arbeiten. Eins steht fest, ich bin tatsächlich nicht bereit bis zu meinem Lebensende mich aufzuopfern.
    Das ist übrigens auch unüblich für Beziehungssüchtige, diese bleiben in ihrer Situation, unreflektiert und leidend. So viele Menschen haben Angst NICHT zu leiden. Früher war ich so. Jetzt sehne ich mich nur nach Glück! Meine Therapeutin ist immer wieder verwundert darüber, woher ich die Kraft herhole. Ihr habt echt recht, sie spricht nicht meine Sprache. Schade. Aber mein Bedürfniss nach Ausgeglichenheit verdanke ich der Therapie.
    Mal sehen, was kommt.
    Eins steht fest: Ich liebe meinen Freund, bei ihm kann ich so sein, wie ich bin. Ohne Spielchen, authentisch. Ich bin sehr sensibel und emotional, außerdem strebe ich immer eine Verbesserung an, viele Männer in meinem Leben sind damit nicht zurecht gekommen. Mein Freund ist zwar problematisch, aber er kann genauso tief empfinden. Sein Leben hat ihn gebrandmalt, er kennt den Schmerz und dankt der Liebe.

    Nietzsche: Die Hoffnung ist des Menschen Leid!!!

    Was meint ihr?
    LG
    ZAZA

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