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Thema: Bindungsangst als Folge von fehlender Vaterliebe

  1. #1
    Neuling
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    Standard Bindungsangst als Folge von fehlender Vaterliebe

    Hallo, ich bin 46 Jahre und habe mich heute hier angemeldet.
    Ich bin geschieden und habe einen 15jährigen Sohn.

    Seit Anfang des Jahres mache ich eine Therapie um meine Beziehungsangst
    zu verstehen und evtl. daran etwas zu ändern. Die Therapeutin fragte mich mal, welche nette Erinnerung ich an meine Kindheit habe!? Nach längerem Überlegen, konnte ich nur mit "gar keine" antworten.
    Mein Vater war brutal, herrisch und lieblos. Ich lernte nur, ich bin nichts, aus mir kann nichts werden, Ich bin nicht liebenswert. Als ich mit ca. 6 Jahren nachts ins Bett machte, wurde ich morgens verhauen, weil ich doch wohl nur zu faul wäre, aufzustehen. Ich wurde ständig stundenlang in den dunklen Keller gesperrt, weil ich halt ein trotziges Kind war. Ich kann mich nicht daran erinnern, mal ein liebes Wort oder eine Umarmung vom Schlafen gehen, bekommen zu haben. Ganz im Gegenteil...die Fingernägel mußte ich jeden Abend vorzeigen.
    Meine Mutter war total eingeschüchtert von meinem Vater. Er schüttete ihr in meinem Beisein mal bei Frühstück Kaffe über den Kopf. Sie war damals psychisch krank, andauern im Krankenhaus oder in der Kur.
    Mein Vater verließ uns für eine andere Frau. Das war Glück für uns alle.
    Meine Mutter hatte es nicht leicht mit mir und meiner Schwester, aber es ging uns allen besser.
    Als ich pubertierte merkte ich, der ein oder andere Junge interessiert sich für mich. Ich lernte, sehe ich gut aus und achte auf mich, komme ich an...ich war ja ausgehungert nach Aufmerksamkeit und Liebe.
    Ich bekam mehr Selbstwertgefühl. Mir ging es aber immer nur gut, solange ich jemanden erobern musste oder aber wenn ich in einer Beziehung nach Liebe suchen musste. Männer, die mich am langen Arm verhungern ließen, die meinte ich über alles zu lieben. Das ich schon damals unter Beziehungsangst litt, begreife ich leider erst heute.

    Man sagt ja, der Vater ist die erste Liebe eines Mädchen. Ich habe als Kind keine Liebe kennengelernt, keinerlei Anerkennung bekommen. Es hat meine Kinderseele so verletzt.
    Ich habe den Vater meines späteren Sohnes nach 3 Monaten, die wir uns kannten, geheiratet. Meine Mutter meinte damals nur, warum mußt Du einen Mann heiraten, der Deinem Vater so ähnlich ist.
    Nach ein paar Jahren bin ich mit schweren Depressionen und Angstzuständen aus dieser Beziehung rausgekommen.
    Habe mein Leben mit meinem Sohn ganz gut gemeistert. War immer fleißig, hab es allen gezeigt, dass ich es auch ohne jegliche Unterhaltszahlung alleine hinkriege. Und wem wollte ich mein ganzes Leben lang immer zeigen, dass ich es schaffe, aus mir was wird....ich denke, eigentlich meinem Vater.
    Er lebt übrigens noch, will aber keinerlei Kontakt.

    Männer gab es ein paar nach meiner Scheidung. Heute, nach vielem Grübeln, weiß ich, die Guten habe ich getreten, den Schlechten bin ich hinterhergerannt. Lieb waren mir auch immer die Partner, die weiter weg wohnten oder eigentlich gebunden waren. Die konnten mir nicht zu nahe kommen.

    Ich wünsche mir nichts mehr, als einen Partner an meiner Seite. Ich habe so viele Männer verletzt, weil ich sobald es ernst, eigentlich sicherer und vertraut wird, ich eiskalt, gefühllos und verletzend werde. Ich fand bisher tausend Gründe, warum ausgerechnet mit dem Partner, der doch eigentlich toll war, es nicht klappen kann. Oft habe ich eine Beziehung im Urlaub beendet. Weil mir einfach die Luft zum Atmen fehlte und ich weg musste. Die letzte Beziehung habe ich mit den Worten beendet...es geht nicht, weil ich Dich so liebe. Die Männern, denen wirklich was an mir lag, haben sich oft mehrmals auf mich eingelassen, weil ich sie ja nach einer Zeit dann total vermisst habe, aber letztendlich haben sie sich von mir zurückgezogen und ich habe dann gelitten wie ein Hund.

    ICH WILL DAS NICHT MEHR !!!! HILFE !!!!

    Ich habe schreckliche Angst davor, dass ich nie eine Beziehung hinkriege, obwohl ich mir nichts sehnlicher wünschte.
    Nächste Woche muss ich für 6 Wochen zur psychosomatischen Kur, weil ich schon wieder total unten, kraftlos bin. Ziehe mich von allem und allen zurück und habe auch Angstzustände...die nächste Depression, die mich begleiten, seit ich Kind bin.
    Danke fürs Lesen....

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Susely für den sinnvollen Beitrag:

    Erwin (15.12.2011)

  3. #2
    Schreibkraft Avatar von Maeggie
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    Hallo Susely,

    deine Geschichte erinnert mich ein bisschen an meine.

    Ich hatte zwar keinen gewalttätigen Vater, sondern meine Mutter war so drauf. Mein Vater hatte mich zwar akzeptiert, war aber eigentlich für mich nicht präsent und ich hatte damals auch viel Angst um ihn haben müssen. Er trank gern ...

    Ich habe auch Näheangst entwickelt, aber die äußerte sich bei mir so, dass ich mir Männer suchte, die Reißaus nahmen, sobald das Wort Beziehung verbal oder nonverbal im Raum stand.

    Lange Zeit war ich auch in Therapie und war auch entsprechend verzweifelt, weil ich immer dieselbe Sorte Mann anzog bzw. von ihnen angezogen wurde. Es dauert halt, bis die Therapie "greift". Du verstehst schon viel und begreifst die Zusammenhänge. Bis alles richtig verinnerlicht ist, das braucht seine Zeit. Bei mir wurde es von Jahr zu Jahr (oder Beziehung zu Beziehung) immer besser.

    Ich weiß nicht, ob du momentan einen Freund hast. Mir hat es z. B. geholfen, die Situationen, in denen ich weglaufen wollte (die gab es auch) in der Therapie zu besprechen und zu hinterfragen. So hat sich jedes Problem mit der Zeit in Luft aufgelöst.

    Hast du schon entsprechende Bücher zu dem Thema gelesen? Hat mir auch sehr geholfen ...

    Grüße
    Maeggie
    Ich hab keine Macken! Das sind Special-Effects!

  4. #3
    Neuling
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    Hallo Maeggie,

    danke Dir für Deine Anwort.
    Ich habe schon ganz ganz viel darüber gelesen. Das und auch meine Therapeutin haben mich auch zu den ganzen Erkenntnissen gebracht,
    die ich bis jetzt schon habe. Ich komme mir momentan so vor, als ob
    mein Leben einen totalen Wandel nimmt. Habe aber richtig Angst vor mir
    selber. Ich möchte keinem Mann mehr weh tun, der es gar nicht ver-
    dient hat. Momentan habe ich keine Beziehung, trauer aber einem Ex-Freund
    noch sehr nach, der aber immer noch ein offenes Ohr für mich hat und
    im Notfall für mich da ist. Er sagt, gefühlsmäßig könnte er genau da wieder
    anfangen, wo wir aufgehört haben. Aber sein Kopf sagt einfach "nein".

    Jetzt, wo ich so viel erkannt habe, an mir arbeite, hätte ich ihn gerne wieder
    an meiner Seite um das gemeinsam mit ihm durchzustehen. Noch keinem Mann hatte ich mich so geöffnet wie ihm, wie auch, wenn ich selbst nicht richtig wußte, was mit mir los ist.

    Ja, es ist ein langer Weg. Ich bin mittendrin. Das ist oft schmerzhaft, wenn man sich mit sich selbst beschäftigt. Und ich weine sehr viel, wenn es um meine Kindheit geht.

    Ich danke Dir, für die Hoffnung, die Du mir gibst. Denn wenn es auch lange dauert, ich möchte so gerne eine Beziehung mit Liebe, Nähe und allem was dazu gehört leben. Ich weiß nicht, ob ich evtl. irgendwann die Therapeutin mal wechseln werde. Sie ist zwar sehr nett, aber so wirklich versteht sie das Problem "Beziehungsangst" nicht. Wäre es da nicht besser jemanden zu haben, der darauf spezialisiert ist ?

    Danke Dir...für die lieben Worte

    Susely

  5. #4
    Schreibkraft Avatar von Maeggie
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    Hallo Susely,

    welche Art von Therapie machst du denn?

    Wenn deine Therapeutin wenig mit dem Thema anfangen kann, würde ich schon in Erwägung zu ziehen, zu wechseln. Richtige Spezialisten gibts da - glaube ich - nicht. Aber ich denke mal, jeder Therapeut hat so seine "Schwerpunkte". Ich hab damals aus ähnlichen Gründen auch gewechselt.

    Dass du über deine Kindheit trauern kannst, ist gut und wichtig.

    Ich möchte keinem Mann mehr weh tun, der es gar nicht verdient hat.

    Auch das ist eine Angst, die dich davor abhält, eine richtige Beziehung einzugehen. Aber bitte nicht falsch verstehen: Ich finde es völlig in Ordnung, dass du das so siehst und nicht weiter Herzen brichst.

    Kennst du all deine Ängste? Ich würde die Situationen, bei denen du deinen Ex-Freund verletzt hast, mit der Therapeutin durchsprechen. Vielleicht klärt sich da Einiges ...

    Viele Grüße
    Maeggie
    Ich hab keine Macken! Das sind Special-Effects!

  6. #5
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    Seit Anfang des Jahres mache ich eine Therapie um meine Beziehungsangst...
    Hallo Susely,

    es ist ja leider gar nicht so selten, was dir widerfahren ist.

    Was mich eher verwundert, wozu du so lange eine Therapie machst?

    Ich sehe das aus der Sicht des Behandlers und habe selbst ja auch Patienten, die ein relativ identisches Schicksal haben wie du.

    Unter normalen Umständen benötige ich dafür höchstens 5 Sitzungen, um das wieder ins Lot zu bringen.

    Ich denke, du solltest mal deine Therapeuten wechseln und dir einen EMDR-Therapeuten suchen. Dann gibt es schnell spürbare Erfolge.

  7. #6
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    Hallo Dieter,

    sehr interessant, was Du da so schreibst. Ja, ich denke, speziell die Kinder "von damals" habe oft solche oder ähnliche Erfahren gemacht, wie ich.
    Ich habe mich auch lange nicht damit auseinandergesetzt...bis ich älter wurde und darüber nachdachte, warum habe ich eigentlich ständig nicht langanhaltende Beziehungen!?

    Ja, ich habe auch schon darüber nachgedacht, meine Therapeutin zu wechseln. Sie ist total nett und es tut auch gut mit ihr zu reden. Aber, ob sie wirklich mein Problem versteht, weiß ich nicht. Sie sagt oft...da war halt noch nicht der Richtige. Und das stimmt nicht. Ich habe mich gegen die richtigen gewehrt.

    Was sind den bitte EMDR-Therapeuten? Und was machst Du oder sagst Du Deinen Patienten, dass so wenige Stunden einen Erfolg bringen?

    Kann ich selbst was daran tun, dass mich diese Enge und plötzliche Kälte gegenüber meinem Partner nicht mehr befällt?
    Kannst Du mich online therapieren ?

    @Maeggie

    Ich danke Dir für Deine aufmunternden Worte. Ich bin und bleibe erstmal Single. Habe so vieles falsch gemacht in Bezug auf Beziehungen. Mich immer viel zu schnell eingelassen, obwohl ich genau merkte, der ist an "mir persönlich" gar nicht interessiert. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, wenn ich viel mehr gegeben habe!? Und den Männern bin ich dann hinterhergerannt...wie doof kann man sein. Ich werde mehr Acht auf mich selbst geben, erste Warnungen beim Kennenlernen ernst nehmen und nichts mehr so schnell anfangen. Das sind schon mal Vorsätze für 2012

  8. #7
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    Was sind den bitte EMDR-Therapeuten? Und was machst Du oder sagst Du Deinen Patienten, dass so wenige Stunden einen Erfolg bringen?
    Hallo Susely,

    EMDR ist eine Behandlungsverfahren, das nach seiner Entdeckung weltweit (na gut, außer in Deutschland...) große Verbreitung gefunden hat. Es ist das bestuntersuchte Behandlungsverfahren der modernen Psychotherapie weltweit.

    Dem entsprechend ist es für ziemlich viele Behandlungsbereiche geeignet und zugelassen. Hier kannst du mehr über die Behandlungsbereiche erfahren: http://www.psychologieforum.de/emdr-...cht-13175.html

    Die Anzahl der benötigten Stunden wurde in klinischen Studien ermittelt und stellt Erfahrungswerte dar. Nach meiner Erfahrung geht es etwas schneller, wenn die Patienten vom Alltagsstress befreit sind und die Therapie in einer Urlaubssituation - ähnlich einer Kur oder REHA - wahrnehmen.

    Insofern kann ich den Patienten Richtwerte nennen, die nur selten überschritten werden.

    Ein paar Beispiele:

    Eine isolierte Angst (z.B. Phobie, Trauer, Panik) dauert selten mehr als drei Sitzungen.

    Komplexe Ängste wie Sozialphobien, Depressionen, BurnOut oder Suchterkrankungen benötigen normalerweise 5-10 Sitzungen.

    Schwere Posttraumatische Belastungsstörungen nach Katastrophen, als Gewalt- oder Verbrechensopfer, häuslicher Gewalt oder anderen traumatischen Ereignissen werden in 5-25 Sitzungen beseitigt.

    Mehr als 25 Sitzungen wurden in keinem bekannten Fall benötigt.

    Eine Sitzung ist bei mir eine volle Zeitstunde. Wer mehr Zeit benötigt bekommt sie auch. Niemand wird sich selbst überlassen und ich höre erst mit einer Sitzung auf, wenn der Patient mental stabilisiert ist. Krankenkassen-Vorgaben interessieren mich nicht.

    Ich habe auch schon Patientinnen gehabt, die schwerst traumatisiert als Opfer von Verbrechen (Vergewaltigung) 4-5 Stunden pro Tag wahrgenommen haben und nach 5 Tagen mit der Therapie fertig waren. Sie sind als völlig neue, befreite Menschen wieder nach Hause geflogen.

    Kann ich selbst was daran tun, dass mich diese Enge und plötzliche Kälte gegenüber meinem Partner nicht mehr befällt?
    Ich fürchte mal, dass du da nicht allein raus kommst. Die Ursachen deiner Reaktionen, mit denen du ja selbst nicht zufrieden bist, liegen lange zurück und müssen aufgearbeitet werden.

    Kannst Du mich online therapieren ?
    Sorry, das ist nicht möglich...

  9. #8
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    Hi Susely

    Ich merke, dass du dir schon viele Gedanken zum Thema gemacht hast. Die Charakteren deiner Eltern (liebloser Vater und schwache Mutter) hast du in deinen Beziehungen mit Männern perfekt verinnerlicht.

    Gut finde ich auch, dass du in Zukunft vorsichtiger wirst, wenn es um neue Bekanntschaften geht. Das finde ich gesund.

    Wieso rennst du immer neuen Beziehungen hinterher?

    Ich würde erst mal Pause machen mit Männern.

    Du solltest dich endlich um dich kümmern. Du bist die wichtigste Person in deinem Leben und kommst an erster Stelle. Gib dir selbst die vermisste Aufmerksamkeit und Liebe. Natürlich geht das nur mit Therapie. Natürlich sind das z.T. schmerzhafte Prozesse.

    Du solltest erst wieder eine Beziehung eingehen, wenn du gelernt hast, emotional auf eigenen Füssen zu stehen.

    Du bist auf dem Weg. Gehe den konsequent weiter.

    Wünsche dir viel Kraft dabei
    Martin
    Liebe Grüsse, Martin

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