psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 11

Thema: Bindungsangst . . . emotionale Achterbahnfahrt

  1. #1
    Neuling Avatar von Dragonheart
    Registriert seit
    23.04.2008
    Beiträge
    8
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Bindungsangst . . . emotionale Achterbahnfahrt

    Hallo Ihr Lieben,

    eine Herzensangelegenheit droht mir so langsam den Boden unter den Füßen wegzureissen . .
    Ich liebe einen Mann, der unter Bindungsängsten leidet und Probleme hat, Nähe zu zulassen.
    Er sagt, er liebe mich SO SEHR, dass er Angst hat, verletzt zu werden und das könne er nicht ertragen.
    Er hat eine schlimme Ehe und Scheidung hinter sich.
    Seine Exfrau hat ihn in drei Jahren Ehe 4 mal mit anderen betrogen und war letztlich von einem anderen schwanger.
    Das war ein "Trauma" für ihn, welches er bis heute nicht verarbeitet hat.
    Nach dem Rosenkrieg hat er sich direkt in eine neue Beziehung mit einer jüngeren Frau gestürzt.
    Er sagt, er liebe sie nicht, sie hätte ihn damals aber "trösten" können.
    Trennung von ihr kriegt er bislang nicht hin, weil dies bei ihm mit schlimmen Schuldgefühlen einhergeht.

    Ich bin eigentlich das, was man von außen als "starke Persönlichkeit" betrachten würde, aber im Moment zieht sich eine schwarze Wolke über die Sonne in meinem Herzen. Ich stecke - glaube ich - inzwischen in einer Depression.

    In der Therapie versuche ich meine Verhaltensmuster aus der Kindheit aufzudecken und umzulegen.
    Ein langer und schwieriger Prozess . . .
    Mein Vater war/ist Alkoholiker und in meiner Kindheit bekam ist ständige Ablehnung, Zurückweisung und Demütigung zu spüren.
    Dies ist die Wurzel meines Problems . . . einen Menschen zu lieben, der dieses Szenario im heutigen Erwachsenenalter (40) fortführt.
    Er läßt mich durch ständige Liebesbekenntnisse und fortwährender Kontaktsuche einfach nicht aus seinem Bann.

    Dieses ständige Hin- und Her zerrt sehr an meinen Gefühlen, dass ich arge Probleme habe, in meiner Mitte zu bleiben. Inzwischen sind es 1,5 Jahre.

    Wie bekomme ich mich daraus befreit ?
    Theoretisch ist mir klar, dass ich an meiner Kindheit ansetzen muß.
    Ich beschäftige mich viel mit den sogenannten "inneren Kind", aber ich komme da einfach nicht an mein Inneres dran.
    Möglicherweise tief verdrängt und gut verschlossen (???)
    Geändert von Dragonheart (16.05.2008 um 13:35 Uhr) Grund: Rechtschreibfehler

  2. #2
    Verleger Avatar von Waris
    Registriert seit
    12.01.2007
    Ort
    Köln
    Beiträge
    2.315
    Danke
    174
    277 mal in 164 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo,

    ich sehe es nicht so, dass du an deiner Kindheit ansetzen muss. Natürlich kann er gut und wichtig sein die Kindheit aufzuarbeiten. Aber man sollte auch ode erst recht im hier und jetzt leben und nur da kannst du dein Muster aufbrechen. Es nutzt dir nichts, wenn du weißt, warum du so bist, wenn du nichts daran änderst. Mal ein Denkschubser: Wenn der Mann dich sooo sehr liebt, warum trennt er sich dann nicht von der andern? Hat er der nicht auch mal gesagt, dass er sie liebt? Mag sein, dass er verletzt ist, aber warum trägt er das auf deinem Rücken aus? Hast du das verdient? Was ist denn nun der Grund, warum er keine Beziehung mit dir eingeht? Die andere, die Angst oder beides oder nichts von dem? Kann es sein, dass, wenn er ganz zu dir käme, du das gar nicht verkraften könntest? Ich würde ihm ein Ultimatum stellen und mich danach von ihm trennen. Das ist die einzige Möglichkeit. Wer oder was sollte dir sonst helfen?
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

    Ich bin frei und ich l(i)ebe es!!!

  3. #3
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Dragonheard,

    ich sehe das ähnlich wie Waris. Warum musst Du da in der Kindheit ansetzen? Vll kann man damit vieles erklären, und besser verstehen, aber was soll das lösen? Dein Problem ist hier und jetzt und da solltest Du es auch angehen.

    Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Egal, was der für Gründe hat, wenn er Dich nicht näher ranlässt, kannste noch so strampeln und betteln. Letztlich hilfst Du ihm dadurch nur, seinen eigenen Schmerz zu vermeiden, und damit zwar eine gewisse Bequemlichkeit aufrecht zu erhalten, aber sich nicht wirklich von seinen alten Geschichten lösen zu können/müssen, um was neues zu beginnen.

    Der Ausstieg ist sicherlich schwer. Es ist eine schmerzhafte Sache, sich einzugestehen, dass man viel umsonst in eine Beziehung investiert hat und eigentlich gegen eine Mauer rennt. Es kann helfen, sich klar zu machen, dass man dem Anderen damit nicht wirklich einen Gefallen tut, wenn man sich selbst schon nicht wichtig genug ist, um den Umkehrpunkt zu finden.

    Laß den Mann in seinen Beziehungsverstrickungen, die sind seine Aufgabe. Mach das nicht zu Deiner. Du verheizt Dich damit nur unnötig.


    lg Gaby

    PS: wenn Du wirklich therapeutisch etwas tun willst in Richtung alte Gefühle und inneres Kind, dann überleg mal in Richtung emotionale Körpertherapie. Es ist einfach ein Unterschied, über Gefühle zu reden, oder sie zu durchleben, damit sie gehen können. Wir haben nicht nur alles im Kopf abgespeichert, sondern auch in unseren Körperzellen.
    Geändert von Gast784 (16.05.2008 um 16:28 Uhr)

  4. #4
    Neuling Avatar von Dragonheart
    Registriert seit
    23.04.2008
    Beiträge
    8
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Dank Euch erstmal für Eure Antworten

    An meiner Kindheit muß ich ansetzen, weil ich mich beim nächsten Mann wiederholen werde . . . mir einen "auszusuchen" werde der wieder genau auf mein Verhaltensmuster passt (wie ich auf das seinige).

    Das hier und jetzt lebt sich nunmal in jedem mit seinem inneren Kind, und soange das m. E. nicht "ausgesönt" ist, wird sich an den Verhaltensmustern auch nichts ändern.
    Man zieht das "passende" an, unbewusst.

    gaby, genau wie Du schon sagst, möchte ich an ide Gefühle herankommen, die ich als Kind hatte. Ich habe sie so gut verdrängt, dass es mir bislang nicht gelungen ist, sie hervorzuholen und sie nochmal durchleben zu können.
    Ich habe 2 systemische Familienausfstelleungen gemacht, die mir Aufschluß über einige Verstrickungen gegeben haben.
    Das war zwar sehr hilfreich, aber ins Gefühl bin ich da leider nicht wirklich gekommen.
    Dies gelang mir zwar in einer Hypnosetherapie, aber auch nur teilweise.
    Zu tief ist das Erlebte vergraben

  5. #5
    Gast784
    Gast

    Standard

    hi Dragonheard,

    ich kann nur sagen, ich habe da gute Erfahrungen mit der Tanztherapie. Aber das war mein persönlicher Weg, muss jeder selber rausfinden.

    Du solltest vll nicht ganz so verbissen an die Gefühle rangehen. Wir haben einen Schutzmechanismus, es wird auch nur das freigesetzt, was wir verkraften können. Das ist ne super Einrichtung, die wir wertschätzen sollten. Klar kann man auch viel pushen, aber ob das gut ist, da gibts verschiedene Meinungen drüber. Mein Ding isses nicht wirklich. Denn das, was hoch kommt, muss ja auch aufgearbeitet werden. Sonst schaffts nur neue Probleme.

    Und es gibt auch keinen Punkt nach dem Motto: so jetzt habe ich es aufgearbeitet, ich habe fertisch, jetzt kann ich neu weitermachen. Es ist eher wie bei einer Zwiebel: wir arbeiten Schichten ab und finden dann neue vor. Oder man kann es auch wie bei einer Spirale sehen: wir kommen immer wieder an den Themen vorbei, aber haben jedesmal nen Blick von nem anderen Standpunkt aus drauf.

    Um ein Muster zu durchbrechen, ist die Aufarbeitung der Kindheit vll nur ein Teil des Prozesses, aber nicht absolute Voraussetzung. Bei Dir scheints jetzt wirklich in erster Linie darum zu gehen, Gefühle zu durchleben. Vll sinds nicht mal die alten von damals, sondern die ganz aktuellen, die sicherlich auch Teil Deiner Biografie sind. Drum wärs vll wirklich sinnvoll, Du machst parallel zu Deiner Gesprächsgeschichte noch was körperorientiertes. Kannst ja mal im Unterforum "Therapieformen" stöbern, da hab ich auch was über Tanztherapie.

    lg Gaby

  6. #6
    Neuling Avatar von Dragonheart
    Registriert seit
    23.04.2008
    Beiträge
    8
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Gaby,

    ja, mit dem Schutzmechanismus hast Du recht. Es ist wahrhaftig eine wichtige Einrichtung, an der ich wohl momentan festhänge.

    Vielleicht will und erwarte ich "zuviel" auf einmal von mir selbst
    Mir ist nämlich überhaupt nicht bewußt, was da alles vergraben und möglicherweise in die Abspaltung geraten ist.
    Eine leise Vorstellung davon bekam ich erst, als ich anfing, Bücher über Kindheitstraumas und negative Erziehungsmuster zu lesen.
    Angefangen mit "leichter Kost" und stückenweise immer tiefer die Materie durchgeforstet . . .
    Ich finde mich in allen Gefühls- und Verhaltensmustern 1:1 im heutigen Erwachsenenalter wieder, genauso wie meinen damaligen Platz im Familiensystem.

    Meine Prägungen führen mich in destruktive Beziehungsmuster und spiegeln das Verhältnis zwischen mir und meinem Vater, wie ein sich wiederholendes Theaterstück.
    Meines Erachtens mein "Kampf" um Zuneigung und Anerkennung. Ein "Kampf", den ich bei meinem Vater (bis heute) nie gewinnen konnte.
    Die Beziehung zu einem Bindungsängstler reflektiert den selben Modus der Ablehnung und Zurückweisung.
    (Wie hält man jemanden fest der nicht bleiben will und wie wird man jemanden los, der nicht gehen will)
    Das belastet emotional sehr, ja . . . aber diese Beziehung gibt mir andererseits auch die Chance, mich selbst in meiner Rolle zu sehen und zu erkennen, was ich an mir tun muß, um aus diesem Muster auszubrechen.

    Mein Thread steht demzufolge auch nicht für Selbstmitleid oder für die Frage, wie man sich in einer solchen Verbindung am besten selbst zu Grunde richtet.
    Mir geht es nicht darum, mit Selbstaufgabe und Manipulation zu versuchen einen anderen Menschen ändern zu wollen, damit er so "funktioniert" wie ich es brauche, sondern ich möchte versuchen, in diesem Prozess den Fokus auch mich selbst zu richten.

    Wer das Thema Bindungsphobie ein wenig kennt, dem sollte klar sein, dass sich hier keine "Standard-Wertevorstellungen" realisieren lassen, wie sie aus Waris Denkschubser hervorgehen: "Wenn er dich soooo liebt, weshalb trennt er sich nicht von der anderen ?"
    Das ist doch genau das Problem: Jemand der einem Bindungsphobiker emotional nicht "nahe" kommt, bedeutet keine Gefahr und lößt auch keine Panikattacken aus.
    Das Szenario der Vermeidung, Distanzierung und Ambivalenz startet erst bei einem Menschen, der sehr starke Gefühle in ihnen auslöst.
    Der Unterschied zwischen WOLLEN, aber nicht KÖNNEN . . .

    Herzlichen Grüße und allseits einen schönen Tag
    Dragonheart

  7. #7
    Gast784
    Gast

    Standard

    Guten Morgen, Dragonheart,

    ja Dein Ansatz, bei Dir selbst zu gucken, ist natürlich der einzig sinnvolle, denn nur Du kannst Deine Verhaltensmuster durchbrechen.

    Nach dem, was ich bisher von Dir weiss, habe ich den Eindruck, dass Du sehr lange Dich zurückgenommen und Deine eigenen Gefühle nicht gespürt oder mißachtet hast. So was entsteht natürlich aus der Sozialisation (Elternhaus) heraus, wir werden ja nicht so geboren. Aber "nachleben" und lernen kann man das eigentlich nur in der Gegenwart. Wie es dazu kam, hilft vll fürs Verständnis, aber verschafft einem noch nicht die Erfahrung.

    Vll gehts einfach nur darum, dass Du erst mal lernst, Deine Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen, ernstzunehmen und zu kommunzieren. Ein Bindungsunwilliger oder-wie-auch-immer ist dafür ein hartes Übungsfeld. Ob es deswegen auch ein gutes ist, bezweifle ich, ehrlich gesagt. Weil solche Menschen oft die Fähigkeit haben zu manipulieren. Und das kann einen dann noch mehr von sich entfernen.

    Das sind jetzt meine Gedanken dazu, aber vll musst Du einfach noch ne Weile Dich tiefer und theoretischer mit dem Störungsbild befassen, ehe Du ganz pragmatisch die Zügel für Deine Lebensqualität in die Hand nimmst.

    lg Gaby

  8. #8
    Neuling Avatar von Dragonheart
    Registriert seit
    23.04.2008
    Beiträge
    8
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Liebe Gaby,

    genauso ist es: Ich habe meine Gefühle und Bedürfnisse wohl irgendwann als Kleinkind abgeschaltet.
    Auch ein Schutzmechanismus der unbewusst - insbesondere im Kindesalter - abläuft um emotional zu "überleben" . . .

    Ja, ein Bindungsphobiker als Übungsfeld ist weissgott nicht gut.
    Das ist so ziemlich das härteste was man sich antun kann, aber die Dinge treten nunmal so ins Leben.
    Mir bleibt nichts anderes übrig, als diese "Aufgabe" anzunehmen und bei mir selbst anzusetzen.
    Ich hätte ihn gleich zu Anfang in die Wüste schicken können/sollen, als die Sache noch nicht so tiefgründig war, aber es gab keinerlei Anzeichen. Die "Beziehung" begann und entwickelte sich über Monate nahezu märchenhaft, bis zu dem Tag als seine Ängste ihn überwältigten. Da steckten wir beide schon zu tief drin.

    Natürlich habe ich die Hoffnung, dass er sich irgendwann öffnet, denn sein Leidensdruck "zwingt" auch ihn an sich zu arbeiten.

    Ja Gaby, diese Menschen sind Meister auf dem Gebiet der Manipulation und emotionaler Erpressung.
    Dieser Modus kommt einem tobenden Kleinkind gleich.
    Sie reissen einem Einbeinigen lieber die Krücke weg bevor sie selbst drohen umzukippen.
    Das zieht bei mir jedoch schon lange nicht mehr.
    Ich habe ziemlich früh geblickt, was mit ihm los ist und es gibt kaum ein Buch, welches ich nicht darüber gelesen habe.
    Ich wollte nicht nur ihn verstehen, sondern auch MICH, ich wollte wissen, welches Theaterstück wir da spielen und welche Rolle ICH in diesen Szenario besetze.
    Es hat mir geholfen, aus dem Kreislauf rauszukrakseln und SEIN Problem bei IHM zu lassen.
    Das geht nur mit sanfter Konsequenz und Grenzen setzen.
    Steigt man in die Ambivalenz mit ein wird das schnell zum Schleudertrauma und hilft keinem von beiden.

    Ich bin für ihn da, wenn er mich braucht, denn ich vergebe mir nichts, ihn stets wissen zu lassen, dass er trotz seiner Probleme einen Platz in meinem Herzen hat. Er hat die Wahl, wieviel und wielange er noch verlieren will, bevor bereit ist etwas zu gewinnen.
    Es mag sich straighat anhören, aber es ist SEINE Entscheidung, etwas an sich zu tun, oder weiter "Dreck zu fressen".

    Ein harter Prozess . . . er ist sehr schmerzhaft für mich, aber ich kann nicht zulassen, meine eigenen Bedürfnisse zu untergraben und mich Gegebenheiten anzupassen, die mich quälen und in denen ich mich verdrehen muß.
    Es kostet so verdammt viel Kraft

    Liebe Grüße Dragonheart

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Bindungsangst?
    Von napoleon im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 03.10.2007, 11:34

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!