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Thema: Bindungsangst zerstört alles?!

  1. #1
    Neuling
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    Standard Bindungsangst zerstört alles?!

    Hallo ihr Lieben,

    nun, ich würde euch gerne mal ein bisschen von meiner Beziehung und von deren Probleme erzählen und hoffe, dass ihr mit den ein oder andere Rat geben könnt.

    Erst mal zu den wichtigsten "Daten". Meine Freundin und ich sind nun seit zwei Jahren zusammen. Sie ist 24 Jahre alt, ich 22.

    Wichtig ist noch zu sagen, dass sie damals adoptiert wurde und das als Grundschulkind erfahren und total falsch verarbeitet hat. Seitdem leidet sie an Verlustängsten. Zudem leidet sie unter Depressionen, ist medikamentös eingestellt und war auch schon stationär, sowie ambulant in therapeutischer Behandlung.

    Das erste halbe, bis dreiviertel Jahr unserer Beziehung war wirklich toll. Natürlich ist es immer so, man ist frisch verliebt und alles ist noch super aufregend. Irgendwann verändert sich die Beziehung, was nicht unbedingt negativ sein muss. Es wird eben vertrauter, der Alltag kommt und man fühlt sich sehr miteinander verbunden. So war es bei uns beiden auch.

    Irgendwann fing es dann an, dass unser Sex immer weniger wurde bzw einseitig. Sie hat mich nicht mehr an sich heran gelassen und hat nur noch mich verwöhnt. Sie begründete es erst damit, dass sie von ihrem Job müde sei, dann hieß es, dass ihr Körper ihr nicht gefalle. Bis sie mir dann ehrlich gesagt hat, dass sie Schwierigkeiten hat, sich mir so zu öffnen und mich an sie heran zu lassen, aus Angst, irgendwann wieder verlassen zu werden.

    Ich habe ganz oft das Gefühl, dass sie die Nähe sucht und wenn diese dann da ist, sie sie nicht ertragen kann und wieder flüchtet.

    Das zeigt sich in ganz kleinen Situationen immer wieder. Sei es, dass sie bei mir immer sehr früh schlafen gehen und morgens lange schlafen will, wenn ich bei ihr bin. Ist sie alleine, sieht das oft ganz anders aus.
    Sie hält sich oft nich an Abmachungen, kommt zu spät und die ganzen körperlichen Zärtlichkeiten lassen zunehmend nach.

    Seit einigen Monaten streiten wir sehr oft und auch sehr stark. Die Situationen scheinen so festgefahren. Oftmals schicke ich sie dann nach Hause oder will von ihr gehen. Und aus ihrer Angst, dann alleine zu sein, lässt sie mich nicht gehen, hält mich fest oder stellt sich in die Tür, wenn ich sie rausschicken will.
    Sie fängt wieder an, sich zu schneiden und es fühlt sich an, als wenn alles den Bach runtergeht.

    Ich weiß wirklich nicht, was ich machen soll. Sie ist jetzt bei einer Therapeutin auf der Warteliste. Aber eben nur bei einer. Bei weiteren hat sie nicht mehr angerufen.
    Die Unzufriedenheit herrscht in mir. Mir fehlen die Zärtlichkeiten, das Gefühl, begehrt zu werden, die vollkommende Harmonie und das Gefühl, dass man sich gegenseitig stärkt und nicht immer und immer wieder aufwühlt.

    Seit zwei Tagen, haben wir wenig Kontakt. Das wollte ich so. Jetzt frage ich mich, was das überhaupt bringen soll? Die Probleme löst das ja auch nicht.

    Vielleicht wart ihr ja auch mal in so eine Situation oder habt ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Liebe Grüße

    Lea

  2. #2
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Lea,

    ich lass jetzt mal bewusst diese ganze Pathologisierung weg. Denn 2 Jahre gings ja, obwohl sie ihre Bürde mit der Adoption hat.

    Warum also nach 2 Jahren plötzlich Bindungsangst?

    ich hab ja nun schon ein paar Jahrzehnte auf den Buckel und kenne es selbst aus dem Alter so (als es das Wort Bindungsangst noch gar nicht gab), dass nach ca 1-2 Jahren eine Art Monotonie des Alltags anfängt zu nagen. Und da kommt es dann eben drauf an, was einen eigentlich verbindet und was jeder dafür tut, die Beziehung lebendig zu halten. Für letzteres ist es sehr bereichernd, wenn man sein eigenes Leben gut pflegt, also eigene soziale Kontakte, Zufriedenheit im Beruf, Hobbies etc.

    Die Unzufriedenheit herrscht in mir. Mir fehlen die Zärtlichkeiten, das Gefühl, begehrt zu werden, die vollkommende Harmonie und das Gefühl, dass man sich gegenseitig stärkt und nicht immer und immer wieder aufwühlt
    Es ist möglich, dass sie dich als zu fordernd oder zu drängend erlebt. Auch wenn Du das nicht offen machst, aber die Erwartungshaltung ist trotzdem ständig zu spüren und das törnt einfach ab. Frag Dich auch mal, was Du unter "vollkommener Harmonie" verstehst und warum DU das brauchst. Klingt auch nicht wirklich gesund. Und ist vor allem sehr unrealistisch, sry.

    Auch das Klammern in der Unsicherheit ist nicht immer gleich ein Störungssymptom. Möglich, dass sie selber nicht so genau weiss, was sie will, und sich nicht Zeit und Ruhe nehmen kann, um es herauszufinden. Denn da sind ja noch Deine Bedürfnisse und Begierden. Du könntest ja davon laufen, wenn sie sich mal etwas Zeit für sich selber nimmt.

    Tauscht euch drüber aus, wie es euch jeweils derzeit geht. Ihr könnt z.B. in regelmäßigen Zeitabständen (im Moment vll sogar jeden Tag) ein Rederitual einführen: jeder hat 5 Min Redezeit, wo er von sich erzählt, wie es ihm geht, was er für Gedanken, Gefühle hat usw. Und der andere darf nur zuhören und nicht unterbrechen. Danach ist Wechsel. jeder bleibt in seiner Zeit bei sich und redet über sich.

    Das ist einfach, aber wirksam. Ihr werdet merken, man nimmt sich gleich wieder anders wahr. Es gibt aber auch jede Menge anderer Kommunikationsrituale.

    Dann könnt ihr noch gucken, wie ihr eure Alltagsmonotonie mal wieder durchbrechen könnt z.B. andere Zeiten, in denen man sich sieht, vll auch mal weniger oft, damit man sich mal wieder ganz doll sehnen kann , gemeinsame Interessen entdecken und pflegen z.B. Tanzkurs, Kampfsport, zusammen an nem Batzen Ton rumschaben und gucken, was für ne Skulptur rauskommt usw. Muss ja nicht immer alles so bieder ernst sein.

    Viel Glück.
    Geändert von Gast784 (16.09.2011 um 13:27 Uhr)

  3. #3
    Schreiberling
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    Zitat Zitat von Cookie Beitrag anzeigen
    Sie fängt wieder an, sich zu schneiden und es fühlt sich an, als wenn alles den Bach runtergeht.
    Das Mädchen scheint wirklich sehr zu leiden, sonst würde sie sich nicht Ritzen. Auf Sex würde ich erst mal ganz verzichten - du weist nicht, ob die Adoption das Einzige war, was sie mitgemacht hat. Mit wieviel Jahren wurde sie denn von ihren leiblichen Eltern verlassen? Hat sie Geschwister?

  4. #4
    Neuling
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    Ich danke euch beiden erst einmal für eure Antworten, besonder dir, Gabiannarele.

    Vollkommende Harmonie... vielleicht etwas zu krass ausgedrückt, damit meine ich aber, dass nicht immer irgendeine Kleinigkeit zwischen uns steht und wir unsere gemeinsame Zeit einfach wieder richtig genießen können.


    @probdi:
    Sie wurde als Säugling von ihrer Mutter getrennt und kam dann sehr schnell zu ihren Adpotvieltern.
    Lange Zeit hatte sie ihre Selbstverletzung unter Kontrolle, jetzt bricht wieder alles auf.

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