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Thema: Bindungsphobie / Autismus / Manisch Depressiv

  1. #1
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    Standard Bindungsphobie / Autismus / Manisch Depressiv

    Hi,

    ich bin Jemand der sehr zur Selbstreflexion neigt, viel liest und stets bemüht ist sich zu bessern anstatt sich seinen Eigenheiten zu ergeben.

    Im Kindesalter hat man bei mir Autismus festgestellt, ich habe eine Sprachheilschule und Therapie besucht.

    Inzwischen fühle ich mich nicht mehr durch meinen Autismus beeinträchtigt, ich bin in der Lage Blickkontakt zu halten, ich kann Mimik und Gesten deuten und auch von ihnen Gebrauch machen. Menschen die mit mir Kontakt haben fühlen sich offensichtlich wohl. Auch spreche ich nicht mehr in einer monotonen Stimmlage. Musste ich mich Anfangs immer wieder daran errinern in die Augen meines Gegenübers zu blicken oder meine Antworten zu varieren geschieht inzwischen vieles aus dem Bauch heraus, aus einer natürlichen Intuition, so wie es wohl für gewöhnlich sein sollte.

    Es gibt allerdings Etwas das noch an mir an mir nagt. Ich bin mir sicher dass ich eine Bindungsphobie habe. Meine Mutter war manisch depressiv, hat mich alleine groß gezogen. Während ich selbst noch ein Kind war hat sie mir fast regelmäßig von ihren Todesgedanken erzählt und mich quasi als Psychiater missbraucht, aber auch ihre Manischen Phasen waren mitunter sehr anstrengend. Sie hat mich Antiautoritär erzogen, allerdings intensiv manipuliert und mich somit indirekt sehr kontrolliert.

    Meine bisherigen Beziehungen deuten auf eine Bindungsphobie hin. Ich war bisher einmal verliebt (Liebe auf den ersten Blick...), war ganz und gar nicht schüchtern, habe alles getan um ihre Gunst zu erlangen und hatte Erfolg. Doch gerade dann als sie mir entgegen kam und mir zusehends ihre Aufmerksamkeit schenkte habe ich Panik bekommen und mich völlig von ihr abgewandt, ohne wirklich zu verstehen weshalb. Sie hat mein Verhalten genauso wenig verstanden, ist in Tränen ausgebrochen und aus dem Klassenzimmer gerannt (Ich hab zu dem Zeitpunkt gar nicht verstanden das ich ihr bereits so viel bedeute). Danach war unsere Beziehung nicht mehr dieselbe.

    Meine zweite Beziehung endete ähnlich, nur mit dem Unterschied das ich nicht verliebt war. Das zweite Mädchen dem ich mich näherte war oberflächlich, materialistisch und sagte mehrmals das sie nicht viel von Gefühlen und Liebe halte. (Ich hielt das irgendwie passend). Von ihr abgewandt habe ich mich als sie anfing mich mit einem verliebten Blick anzusehen und ständig nach meiner Nähe trachtete.

    Es ist nicht fair wenn ich andere Menschen verletze weil ich Angst vor einer Beziehung habe. Ich weiß nicht so Recht wie ich weiter vorgehen soll, es ist schließlich nicht wie eine Angst vor der Dunkelheit oder vor Spinnen der man sich nur zu stellen braucht und die man mit rationalem Denken überwinden kann. (oder doch ?)

    Ich glaube es ist die Angst vor der Verantwortung die mit einer tieferen Beziehung einher geht, oder vielmehr die Angst davor das dieser Mensch Einfluss auf mich und meine Entscheidungen nehmen kann, selbst dann wenn dies nur indirekt geschieht indem ich Rücksicht auf diesen Menschen nehme. Ich mag den Gedanken nicht keinen Aktiven Einfluss auf eine Situation nehmen zu können. Vielleicht ist es (ironischerweise) auch die Angst diesen Menschen zu verletzen sobald dieser zu "abhängig" von mir wird, denn meist bekomme ich Panik sobald ich bemerke das ich diesem Menschen zu viel bedeute, jedoch keine wenn dieser Mensch mir viel bedeutet.

    Ich kann gar nicht so Recht sagen was es eigentlich ist, das macht es wohl so schwierig.

    Manchmal bin ich wegen Kleinigkeiten schnell gestresst und gereizt, obwohl es dafür keinen angebrachten Grund gibt. Um ein Beispiel zu nennen, wenn ich geweckt werde durch Jemanden der neben mir schläft, obwohl er es keinesfalls mit Absicht macht. Oder auch wenn er keine Manieren besitzt. (ich habe einen kleinen Tick was Manieren angeht...). Zwar kann ich mich jederzeit beherrschen, die Gefühle die ich in jenen Momenten besitze empfinde ich als nicht relativ (zu intensiv). Es ist eine Diskrepanz zwischen Denken und Fühlen die ich nicht wirklich zu ergründen vermag.

    Ich bin froh wenn mich Jemand in die richtige Richtung leiten kann. Mir vielleicht auch Texte zu diesem Thema empfehlen kann.

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Balthasar für den sinnvollen Beitrag:

    eintausend blau (12.01.2012)

  3. #2
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    Standard

    wo ist denn dein papa? (: ich bin einerseits entsetzt über das verhalten deiner mutter, kann jedoch andererseits ihr unüberlegtes und aus verzweiflung resultierendes handeln nachvollziehen. schließlich warst du ihr am nächsten.

    ich bin ebenfalls relativ beziehungsgestört, aber wenn ich eins gelernt habe, dann dass du über bindungsprobleme sprechen musst. das arme mädchen wusste gar nicht weshalb du dich von ihr abgewendet hast.

    es gibt im übrigen ziemlich viele bücher über bindungsangst. sie sind zwar nicht alle hilfreich aber teilweise ganz informativ. ansonsten kannst du dich immernoch nach einem psychologen umsehen, der gezielt deine angst behandelt.

  4. #3
    Neuling Avatar von eintausend blau
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    Frage Für Balthasar


    Balthasar! Du bist der Grund, weswegen ich mich hier nun anmelde.
    Denn es geht mir in vielen Punkten genau wie du dir. Du schreibst "ich bin Jemand der sehr zur Selbstreflexion neigt, viel liest und stets bemüht ist sich zu bessern anstatt sich seinen Eigenheiten zu ergeben.", passender hätte ich es von mir selbst nicht ausdrücken können.
    Aber ich schreibe nicht wiel wir unsähnlich sind, sondern weil wir wohl nach einer Lösung fr das gleiche Problem suchen.

    Nun bin ich als Kind nicht als autistisch diagnostiziert worden, aber ich bin definitiv ein Bindungspobiker. Leute, für die sterben würde (hyperbolisch gemeint natürlich) fange ich systematisch an in die Flucht zu schlagen sobald sie mir zu nahe, ohne "zu nah" genau definieren zu können, kommen.

    Es fühl sich elend an, Leute geradezu verabscheund zu behandeln, weil die anfangen, einen zu lieben. Und obwohl ich früher schon immer viel von jemandem geträumt habe, der immer bei mir ist mit dem ich es immer aushalte, gelingt es mir in der Praxis nie.
    Sobald sich ein Hauch von "Verbindlichkeit" erahnen lässt in egal welcher Art von Beziehung, ob freundschaftlich oder bei einer Liebesbezihung, ich kriege Panik und befinde mich in einem Meer aus Notlügen, mich aus den Erwartungen der anderen herauszu reden. Bishin zur völligen Abwendung. Die Hand in Hand geht mit einer Traurigkeit darüber, denn es ist nicht die Person persönlich sondern "etwas anderes". Und dagegen scheine ich verdammt schwach zu sein.

    So dachte ich jedenfalls immer. Ich denke Jahrelang schon darüber nach und probiere auch immer wieder, es hinzukriegen, und scheitere meistens. Mal geht es zwei Schritte vorwärts, mal drei zurück. Und so weiter. egal.

    Ich habe dann mal gedacht, dass es vielleicht gar keine Bindungsphobie gibt. Biologisch gesehen brauchen wir keine Bindungen, überleben tun wir Bindungsphobiker ja auch. Vermehren kann man sich auch, ohne "emotionale Bindungen" einzugehen. Nur, weil ein großer Teil der Bevölkerung eine Partnerschaft als das Schönste ansieht, heißt es ja doch vllt noch nicht, dass es das ist? Ich hab lange gedacht doch. Und es muss ein Komplex sein, der es mir anders erscheinen lässt. Und ich muss ihn abbauen.
    Aber würde es zu 80 Prozen Bindungsphobiker geben und die restlichen 20 Prozent wären in Partnerschaft, dann würde man"uns" als normal betrachten und den anderen vllt "Alleinsein-Phobie" vorwerfen oder beziehungsweise etwas umgekehrtes.
    Vllt brauchen wir keine emotionales Bindung. Vllt ist sie uns eigentlich egal. So wie der eine nunmal keine Äpfel mag, und der nächste mag keine Schokolade. Der andere isst jeden Tag Schokolade. Vllt lassen wir uns nur verwirren dadurch, dass es eben nun mal mehr von denen gibt, die Partnerschaften führen. So nach dem Motto: Was am häufigsten auftritt muss richtig sein. Muss es das? Hm. Ich weiß es ja auch nicht.

    Vllt ist dieser Gedanke nur das verzweifelte Produkt keiner besseren Lösungsfindung.
    Ich habe immer den Wunsch nach jemandem gehabt, bei dem ich es aushalte. Aber ich halte es verdammt nochmal einfach nicht aus. Ich kann mich selber nicht mehr verstehen (und damit nicht mehr leiden), wenn ich dann in so einer Situation bin. Aber irgendwie frage ich mich warum eigentlich? Vielleicht würde es mir in dem Punkt gut gehen wenn ich nicht sehen würde, was die anderen haben. Vielleicht existiert in uns kein Wunsch nach Partnerschaft, vllt existiert nur der Gedanke "normaler" zu sein. Weil die meisten es eben damit sind.
    Hmmmm.
    Hmhmhmhmhm.

    Ich weiß es nicht.
    Was meinst du dazu?

    Mit lieben Grüßen
    C.



    PS: es ist mir übrigens eine ausgesprochen große Ehre, mit dir als Autist zu kommunizieren. Ich habe lese viel über Autismus, von Autisten, ich finde das wahnsinnig spannend. Du bist der erste, der mir als einer über den Weg läuft.

    )

  5. #4
    Neuling Avatar von Sophie Kautny
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    Standard

    Lieber Balthasar, ich denke wie die anderen hier, dass Du dieses Problem mit vielen teilst. Ich habe auch jetzt, im hohen Alter von 43 Jahren noch manchmal damit zu kämpfen. Aber ich denke, Du bist noch sehr jung und wirst noch einige Chancen im Leben haben. Wichtig wäre, mit der jeweils betroffenen Person darüber zu sprechen. Du wirst sehen, wahrscheinlich hat sie ein ähnliches Problem (solche Leute ziehen sich oft gegenseitig an). Dann ist meistens das Eis gebrochen. Ich weiß, das ist nicht gerade angenehm, aber hinterher ist es besser, versprochen.
    Die Frage nach Deinem Vater ist mir auch gekommen. Der wäre ein guter Ansprechpartner für diese Fragen!
    Falls Du offen für alternative Heilmethoden bist, würde ich Dir eine Familienaufstellung emfpfehlen. Da könnte man sich die Bindungsängste mal genau anschauen und Dir Lösungsmöglichkeiten anbieten. Schau doch mal bei Wikipedia nach oder - kürzer - http://systemische-familienaufstellungen.info/28.html oder http://www.sorge-dich-nicht-liebe.de...ienaufstellung.
    Alles Gute wünscht Sophie

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