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Thema: Biografiearbeit

  1. #1
    Gast784
    Gast

    Standard Biografiearbeit

    Biografiearbeit kann Teil einer Therapie sein, aber auch einfach zur Selbstreflexion dienen. Es gibt verschiedene Ansätze, wird oft mit anderen kreativen Methoden kombiniert, ist altersunabhängig und man kann relativ kostengünstig über Volkshochschulen u.ä. reinschnuppern. Biografiearbeit wird in kleinen Gruppen und als Einzelarbeit angeboten.

    Hier eine Beschreibung:


    Im Leben sind wir immer wieder am suchen und stehen vor wichtigen Fragen und Entscheidungen. War das alles? Wo geht es hin? Was ist aus meinen Träumen (EntwicklungshelferIn, OpernsängerIn….zu werden) geworden? Wie komme ich aus meinem „Hamsterrad“? Wie kann mein Leben lebendiger und erfüllter sein? Wie komme ich zu meiner Kraft und kann sie sinnvoll für mich und die Welt einsetzen?...

    In diesen Lebensphasen braucht es ein „Innehalten“ und eine Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte. Mit der „Spurensuche“ können wir Antworten in uns selbst, in unserer Lebensgeschichte und in den Lebensgeschichten der Anderen finden. Es entsteht eine neue Verbindung zu unseren Quellen und unserer Kraft.


    Was bedeutet Biographiearbeit?

    Biographische Selbstreflexion oder Biographiearbeit stellt eine Möglichkeit zur Identitäts*findung dar. Biographiearbeit bezieht Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit ein. Verschiedene kreative und erfahrungsorientierte Übungen erlauben ein Eintauchen in die eigene Lebensgeschichte. Eigentlich „Gewusstes“ wird wieder präsent. Eigene Erinnerungen, Erfahrungen und Visionen werden mit der jetzigen Kompetenz und Persönlichkeitsreife entdeckt und reflektiert.
    In der Biographiearbeit wird versucht, mit Hilfe von biographischen Methoden auf spielerisch-künstlerische Art und Weise Ereignisse, Erfahrungen, Begegnungen, Erfolge, Misserfolge, Trennungen, Krankheiten usw. zu untersuchen und einen darin verborgenen inneren Zusammenhang aller Ereignisse zu finden.


    Biographiearbeit ermöglicht:

    Entdecken, Annehmen und Akzeptieren eigener Geschichte
    Sich „Selbst“ bewusst werden
    Wahrnehmen eigener Rollen in Beruf und Familie
    Verstehen eigener Konfliktmuster
    Dialog und Verbundenheit mit Anderen
    Achtsamkeit für kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede
    Orientierung bei wichtigen Entscheidungen
    Entdeckung ungelebter Lebensentwürfe und Visionen
    Entwicklung einer engagierten, vertrauensvollen Haltung zum Leben
    Kraft und Mut für die Gestaltung unseres Lebens


    Fragen, bei denen Biografiearbeit interessant sein könnte:

    Warum bin ich unzufrieden ?
    War das, was mir geschehen ist Zufall oder war es eine "Botschaft"?
    Wie kann ich mein bisheriges Leben besser verstehen lernen und somit auch meine Mitmenschen ?
    Was sind eigentlich meine Interessen?
    Wofür möchte ich mich am liebsten einsetzen?
    Was kann ich tun, um bestimmte Situationen meines Lebens überhaupt noch zu ertragen?
    Gab es bisher in meinem Leben einen schicksalhaften "roten Faden"?
    Gibt es ein Ziel in meinem Leben, eine "Lebensaufgabe" die ich erfüllen möchte?
    In welche Richtung möchte ich mich entwickeln?
    Was habe ich mir schon immer gewünscht ?
    Was wäre mir am liebsten, wenn ich alle äußeren Umstände und Bedingungen nicht beachten müsste?


    Und hier noch ein Link aus der anthroposophischen Biografiewelt (für nicht-spirituelle weniger geeignet ) http://www.pkgodzik.de/biographiearbeit.html

    Und dann noch was passend poetisches:

    Man muss Geduld haben

    Gegen das Ungelöste im Herzen

    Und versuchen die Fragen

    Selber lieb zu haben

    Wie verschlossene Stuben

    Und wie Bücher die in einer fremden Sprache

    Geschrieben sind.



    Es handelt sich darum

    Alles zu leben.

    Wenn man die Fragen lebt,

    lebt man vielleicht allmählich,

    ohne es zu merken,

    eines fremden Tages

    in die Antwort hinein.

    (Rainer Maria Rilke)

  2. #2
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    Du meinst, man zeigt sich selbst das Spiegelbild und denkt automatsich wieder selber mehr über sich nach, als an andere Dinge und fühlt sich im Nachhinein besser, wenn man eine eigene Biographie schreibt?

    Tut mir leid, habe ich mal versucht, hatte aber den gegenteiligen Effekt. Und das liegt nicht daran, dass ich mich selbst grundsätzlich nicht mag und mir nicht gern den symbolischen Spiegel vorhalte.

    Über viele Dinge von dem was du sagst, habe ich schonmal nachgedacht, ob es Zufall war oder ob ich eine Taube auf dem Dach hatte und den Spatzen nur loslassen musste um die Taube zu erreichen. Bei manchen Punkten davon kriegt man einfach Angst oder wird demotiviert weiterzuschreiben, das Dokument landet im Papierkorb.

    Ich verstehe den gemeinten Sinn dahinter aber das reicht nicht, um das zufriedenstellend über die Bühne zu bringen.

    Ich habe über meine Schulzeit geschrieben, was sie mir gebracht hat, wie ich mich in den 2 letzten Jahren verändert habe. Das werde ich irgendwann sicher gern nochmal lesen. Ich werde vielleicht über den letzten Sommer schreiben, aber nicht über mich selber, nicht in Form einer Biographie... da gibt es einfach Dinge, über die ich nicht gern schreiben würde, und das sind keine Niederlagen oder sonstige Tiefpunkte dieser Art, viel mehr sind das unabgeschlossene Kapitel, die weder Stolz noch Prestige mit sich bringen können, weil man sie durchlebt hat, sondern die einfach beschämend auf einen selbst wirken. Wo keine wirkliche Geschichte, da kein Schreiber, so einfach ist das. Wenn ich mal den Mount Everest erklimme, fangeich vielleicht an.
    Geändert von Time (15.11.2007 um 16:19 Uhr)

  3. #3
    Gast784
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Time Beitrag anzeigen
    ... aber nicht über mich selber, nicht in Form einer Biographie... da gibt es einfach Dinge, über die ich nicht gern schreiben würde, und das sind keine Niederlagen oder sonstige Tiefpunkte dieser Art, viel mehr sind das unabgeschlossene Kapitel, die weder Stolz noch Prestige mit sich bringen können, weil man sie durchlebt hat, sondern die einfach beschämend auf einen selbst wirken. Wo keine wirkliche Geschichte, da kein Schreiber, so einfach ist das. .

    ..und genau diese Geschichten kann man auf diese Art aufarbeiten (nicht nur auf diese, es gibt auch andere Möglichkeiten). Es geht hier nicht darum, interessante Geschichten zu schreiben, sondern seinen (Lebens-)themen nachzuspüren, unbequemes und unabgeschlossenes zu betrachten und da weiterzukommen usw. So wie sich das bei Dir anhört, wäre für Dich Biografiearbeit aber mindestens in einer Gruppe sinnvoller, wegen dem feed back; oder sogar in einem therapeutischen Rahmen, wegen der Aufarbeitung.
    Selbstreflexion im stillen Kämmerchen kann bei schmerzhaften Geschichten eher zu den alt bewährten Vermeidungsstrategien führen.

    Aber letztlich steht hinter all dem natürlich die einfache Frage: wie genau will man es denn eigentlich wissen?!

  4. #4
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    Und ich sehe, ich habe mich wieder zu sehr angesprochen gefühlt, auch wenn der Beitrag selbst nicht von irgendwoher kam... hier gehts nicht um mich. Trotzdem danke für die Rückantwort.

  5. #5
    Verleger Avatar von :knuddel:
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    Hallooo,

    irgendwie habe ich aus dem Bauch heraus Biographiearbeit gemacht. Habe mir alles von der Seele geschrieben und es meinen Freundinnen zum Lesen gegeben. Sie haben dann markante Stellen gefunden und Denkschubbser gegeben, wo ich festhänge in welchen Gedankengängen. Auch hier im Forum durch das Aufschreiben, was gerade so passiert mich bewegt oder in mir vorgeht, habe ich viel über mich und meine Muster erfahren und hatte endlich einen Haltepunkt zum Anpacken und Bearbeiten.

    Ich finde diese Methode genial. Zumindest für mich, weil ich viel offener bin im Schreiben als im Reden. Gesprochene Worte kommen nur bis zu meinem Panzer, geschriebene Worte erreichen meine Seele und ich kann sie Stück für Stück näher kommen lassen und vieles kaputtes reparieren.

    Ein neues Leben kann man nicht anfangen, aber täglich einen neuen Tag!!!!!!!!!!!!

  6. #6
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    Daumen hoch Tagebücher

    Zitat Zitat von Gast784 Beitrag anzeigen
    Selbstreflexion im stillen Kämmerchen kann bei schmerzhaften Geschichten eher zu den alt bewährten Vermeidungsstrategien führen.
    Ich werde oft als Mensch beschrieben, der eine ziemlich ausgeprägte Fähigkeit zur Selbstreflexion und Empathie hat. Mir ist das zwar weniger aufgefallen, aber ich merke manchmal, dass ich mir durchaus über andere Dinge Gedanken gemacht habe als meine Klassenkameraden oder Kommilitonen. In all den Jahren hatte ich immer das Gefühl, dass ich dadurch um einiges mehr abkann als diese. Mich verwundern viele Dinge nicht immer. Ich bilde mir ein, dass ich über ihre Entstehung und Lösung bescheid weiß. Trotzdem habe ich irgendwann eine Therapie angefangen. Der Therapeut ist etwas ratlos, glaube ich. Die meisten Analysen mache ich selbst. Mir fehlt es eigentlich nur an Mut, Dinge durchzuführen. Dafür ist dann der Therapeut "zuständig". ^^''

    Was mir sehr geholfen hat, ist das Schreiben. Diese Art von Selbstbeschäftigung führe ich schon seit Jahren durch. Ich schätze, ich habe es von meiner Mutter gelernt, die psychologisch so einiges draufhat... Sowohl Geschichten als Tagebuch/ Notizen. Besonders effektiv finde ich das Zurückblättern nach einigen Jahren. Wenn mir die Veränderungen dann deutlich werden, bin ich manchmal sogar fast stolz auf mich. Ein Tagebuch oder Notizheft kann mit allen Formen von Beobachtungen gefüllt sein. Manchmal lege ich eigene "Formeln" an oder schreibe meine aktuellen Ziele auf. Das hilft mir, den Kopf etwas frei zu bekommen und Dinge festzuhalten.
    Was mir dabei fehlt, ist lediglich die Aktion. Das Verstehen ist deutlich leichter.
    aufwachen, träumerle...!


  7. #7
    Schreiberling Avatar von Mariposa
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    Hallo Fernsehturm,

    mir selbst hilft Aufschreiben in schwierigen Sitationen in meinem Leben.
    Ich habe dann das Gefühl mir die Dinge von der Seele zu schreiben.
    Es hilft so sehr....
    Und nebenbei erkenne ich das was passiert ist, besser, ich entdecke Strukturen, sehe Zusammenhänge....
    Schreiben ist für mich sehr wichtig.
    Meine ganz private Therapie.
    LG von Mari
    Nimm dir Zeit für deine Freunde, sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde

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