Hallo Leute,
ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden:
grundsätzlich sehe ich meine derzeitige psychologische Lage in 2 miteinander verbundenen Problemen:
1) Meine seit geraumer Zeit bestehende, dauerhafte, aber in Intensität und Häufigkeit immer stärker zunehmende Störung, dass ich Angst habe, dass Gegenstände, die ich besitze, kaputt sein oder kaputt gehen könnten.
2) Die schmerzhafte gedankliche Welt, in der ich mich seit dem jüngsten Ereignis am Abend des 04.07.11 befinde.
Zu 1)
Beispiel
Ich entferne bei meinem neugekauften Pullover das Etikett mit einer Schere. Als ich ihn wieder zusammenlege, lege ich den rechten Ärmel des Pullovers auf die Schere.
Dieses Ereignis entfacht in mir starke Kopfschmerzen, Wut und Hass auf mich selbst, aber vor allem Angst, dass der Pullover nun beschädigt sein könnte.
In mir läuft dann ein Katastrophenszenario ab, dass der Pullover an dieser Stelle womöglich durch das Spitz zu laufende Ende der Schere beschädigt sein könnte, Fasern für mich nicht sichtbar verletzt sind und er demnach schleichend schrittweise kaputt gehen wird. Ich mache mir dann selbst Vorwürfe, dass all die Anstrengungen, welche in der Fertigung dieses Pullovers stecken und auch mein Geld das ich dafür bezahlt habe, sehr bald umsonst gewesen sein könnten. Ich höre dabei in meinem Kopf Stimmen, welche mich für Ungeschicktheit und Dummheit kritisieren. Dabei sehe ich mein derzeitiges Leben und meine finanzielle Unabhängigkeit gefährdet.
Sobald auch nur die Möglichkeit besteht, dass irgendein Gegenstand, welchen ich besitze und dessen Dasein für mich von Bedeutung ist (d.h. keine alten Sachen, die ich ohnehin nicht mehr benötige oder schätze), eventuell Schaden genommen habe könnte, machen sich bei mir im Kopf ungeheuer negative Gedanken breit. Es ist begleitet von Erröten und heftigem Kopfschmerz.
Es geht auch dann nicht weg, wenn ich an meinen Gegenständen gar keine Beschädigung feststelle (was in bislang allen Fällen mit den genannten Symptomen so war).
D.h. auch wenn ich keine Beschädigung finde, ist die Sache für mich noch längst nicht erledigt, da mich der Gedanke, was mit dem Gegenstand denn nun wohl ist, mich unglaublich quält. ich muss immer wieder daran denken, weil ich nun nicht mehr sicher gehen kann, dass mein Eigentum unbeschädigt ist. Es ist für mich ein unverzeihlicher Fehler, den ich schlichtweg nicht einordnen kann, nicht wahr haben möchte und der in meinem Leben scheinbar einfach nicht vorkommen darf.
Dabei bin ich mir im bewussten Denken absolut darüber im Klaren, dass wir Menschen Fehler machen und ich diesen Gegenstand jeder Zeit ersetzen könnte. Das ändert aber nichts an meinen Gedanken oder an meinem Verhalten.
Bei den Gegenständen anderer Leute habe ich – obwohl ich mit diesen auch gut umgehe- diese Symptome nicht, sodass ich damit „ganz normal und gesund “ umgehen kann.
Auch wenn anderen Menschen etwas kaputt geht, finde ich das, wenn ich mich in deren Lage hineinversetze, gar nicht so schlimm.
Die Häufigkeit meiner Symptome und vor allem die Intensität haben im letzten halben Jahr stark zugenommen. Nach einer gewissen Zeit, maximal ein Tag, waren die Symptome verschwunden.
Es gab einen Vorfall Ende Pfingsten mit einem Drucker, der mich ca. 2 Tage am Boden zerstörte, bei dem mich allerdings nur die Gedanken an den Drucker quälten, die Welt um mich herum aber in Ordnung und gesund war.
Am 04.07.11 passierte dann in einem Lokal ein Ereignis, das mit dem Pullover-Beispiel vergleichbar ist, nur geht es in diesem Fall um meine Jacke. Außerdem war die Kraft, die auf meine Jacke einwirkte sehr hoch und somit auch meine Vermutung/Befürchtung, dass etwas kaputt sein könnte wesentlich größer. Die Symptome waren die schlimmsten, die ich bis dato erlebt hatte.
Ich fand zwar keinerlei Anzeichen für eine Beschädigung, doch die bestehende, sehr große Möglichkeit, dass sie beschädigt sein könnte in Verbindung damit, dass dies überhaupt passiert ist, hat mich in den wirklich schrecklichen Zustand manövriert, indem ich nun bin:
Zu 2)
Beim Versuch der Verarbeitung dieses Ereignisses habe ich mich auf der Suche nach
a) der Frage, weshalb Dinge überhaupt kaputt gehen oder abnutzen
b) etwas, womit ich das Kaputtgehen/ Abnutzen von Dingen als etwas positives/ zur Welt dazugehörendes einordnen zu können,
in ein schreckliches Loch eingebuddelt. Das ist die Welt in der ich mich seither befinde.
Ich möchte vorerst betonen, dass ich mit der Störung aus 1) trotz stark zunehmender Tendenz bis vor dem 04.07.11 noch gut ging, ich damit Leben konnte und meine Welt sonst in Ordnung war. Doch jetzt hat sich seit dem Ereignis am 04.07.11 meine Welt komplett umgedreht:
Sobald ich nun von Menschen geschaffene Gegenstände sehe, welche alt aussehen oder die geringsten Gebrauchsspuren aufweisen, macht sich in mir sofort ein äußerst schmerzhaft stechender Kopfschmerz in Verbindung mit Magenschmerzen breit.
Ich gehe vor die Tür und sehe beschädigte Bordsteine, verblassten Lack an Autos oder angekratzte Haustüren und ich habe extrem starke Spannungsgefühle im Kopf und Magenschmerzen.
Kurzum: Bei beinahe allem was ich anschaue habe ich die beschriebenen Symptome.
Ich glaube an Gott. Wenn ich mir sage, dass Gott dies nur mit den Menschen geschehen lässt, um sie zu stärken, so tut mir das im Kopf genauso weh. Denn ich denke dabei unweigerlich an ein Minus bzw. Kosten, und zwar diese, die ich gerade durchlebe.
Oder eine andere Metapher:
„Ich werde mich zusammen mit meinem Willen und fremder Hilfe wieder aus diesem Loch befreien“
Dabei sehe ich mich, wie ich in einem tiefen Loch sitze und ein Traktor mich wieder herauszieht. Selbst dagegen streubt sich mein Unterbewusstsein mit starker Negativbewertung, weil das Herausziehen des Traktors ja wieder Abnutzung und Verbrauch verursacht.
Ich bin vollkommen verzweifelt und im Unterbewusstsein kommt nichts aus dem Repertoire des gesunden Menschenverstandes mehr an.
Nunmehr ist dieses Ereignis eine Woche her und ich leide seither auch an starker Antriebs- und Emotionslosigkeit.
Ich war ja mal in der Lage, mit all dem klarzukommen. Nur jetzt hat sich bei mir innerlich ein schreckliches Streuben gegen jegliche Art von Verlust/ Kosten/ Abnutzung entwickelt, was sich aus der unter 1) beschriebenen Störung entwickelt hat.
Das Paradoxe:
Ich bin weder ein sonderlich fauler noch materialistisch ausgerichteter Mensch.
Auch bei Gedankengängen, in denen ich mich für eine klare Sicht auf gewisse Dinge oder gutes Können lobe, kommt blitzartig eine Art Erinnerung an meine momentane Lage und der stechende Kopfschmerz setzt ein.
Es stellten sich bislang folgende Sätze als ein wenig hilfreich heraus, auf welche ich in Gesprächen mit meiner Familie gekommen bin:
1) Es sind nur unsere Bewertungsmuster
2) Keine Energie, keine Kraft, geht jemals verloren
(zeigt mir vllt dass nichts verloren geht?)
Diese sage ich im Kopf vor mich her und sie bringen mir im Unbewussten ein wenig emotionale Entspannung, wobei die Welt nach wie vor nur grau und inakzeptabel bleibt.
Beobachtungen:
Unter dem Einfluss von Alkohol und Energydrinks nehmen die Störungen ab und ich kann meinen gewöhnlichen Gedankengängen etwas schmerzloser nachgehen.
Ebenfalls während und eine gewisse Zeit nach dem Sporttreiben geht es mir zeitweilig etwas besser,
d.h. die Schmerzen sind nicht so stark.
Ablenkung beim Autofahren, im Zwiegespräch mit Freunden tut mir auch ein bisschen gut, indem es mich etwas ablenkt.
Alkohol und Energydrinks verringern die Häufigkeit und die Intensität der Schmerzen.
Wenn ich etwas ganz neues und unbenutztes -ohne Beschädigung oder Gebrauchsspuren- anschaue, entspanne ich mich.
Die Veränderlichkeit von Menschen oder das Chaos in der Natur sind kein Problem für mich.
Meine Frage an euch:
wo und wie kann mir nun wirklich weiterhelfen?
Als was würdet ihr mein Problem klassifizieren? Was könnte“ dahinterstecken“?
Habt ihr Ratschläge, wie ich es auch ohne professionelle Hilfe ein bisschen besser, schmerzfreier gestalten kann?
Gruß
Daniel


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