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Thema: Borderline-Kommunikation

  1. #1
    Sandsturm
    Gast

    Standard Borderline-Kommunikation

    Manuela Rösel

    Typische Borderline-Verhaltensweisen in der abgrenzenden bzw. kritischen Kommunikation

    Für Partner von Borderline-Persönlichkeiten ist es oft schwer, sich angemessen zu artikulieren und so ihrem Bedürfnis nach Abgrenzung oder Kritik zu entsprechen. Die meisten Partner sind zu Beginn ihrer Beziehung noch in der Lage sich zu erklären, verlieren aber mit der Zeit ihre Fähigkeit, sich vertrauensvoll zu öffnen und auszudrücken. Das liegt zum großen Teil an einigen typischen, symptomatischen Verhaltensweisen ihres Partners in der Auseinandersetzung, die tief verunsichern und ängstigen können.

    Partner verlassen derartige Auseinandersetzungen oft mit dem Eindruck, dass ihnen das Wort im Munde herumgedreht wurde und sie selbst mit ihrem Anliegen anmaßend, verantwortungslos und völlig fehlerhaft sind. Zumeist gehen sie aus einem Gespräch, in dem sie oft nur für die einfachsten Klärungen oder Bedürfnisse sorgen wollten, mit tiefen Schuld- und Schamgefühlen heraus, sind völlig desorientiert und hilflos. Jede derartige Konfrontation hinterlässt ein tiefes Gefühl der Unzulänglichkeit, wobei sich im Laufe der Beziehung dann eine generelle Angst vor jeder Auseinandersetzung entwickelt. Das daraus resultierende ängstliche Auftreten signalisiert dann eine deutliche Empfänglichkeit für Verunsicherungen, was letztendlich immer tiefer in ähnliche destruktive Kommunikationsabläufe führt. Warum sollte eine erfolgreiche Methode sich durchzusetzen auch aufgegeben werden.

    In der verantwortungsabweisenden Borderline-Kommunikation werden Gefühle wie Wut, Ohnmacht, Irritation und Hilflosigkeit oft auf den Partner übertragen. Die kleinste Kritik oder minimalste Abgrenzung kann, wie sich aus der mangelnden Objektkonstanz heraus ergibt als Angriff und Bedrohug verstanden werden. Aus der übergroßen Angst heraus nicht richtig
    funktionieren und in der Konsequenz verlassen zu werden, resultieren die dann oft massiven und nicht nachvollziehbaren Reaktionen der Borderline Persönlichkeit. In ihrem Bemühen das vermeintlich gefährliche Territorit der Auseinandersetzung schuld-frei zu verlassen und so ihren Ängsten entgehen, weist jede Individualität ihres Partners als „übergriffig Anmaßung" zurück.

    Eine gesunde Beziehung braucht aber gerade die Fähigkeit der Partner, sich aus einer Eigenständigkeit heraus auf den anderen einzulassen. Eine erfüllende zwischenmenschliche Bindung kann nur dann entstehen, wenn die individuellen Merkmale des Partners nicht als
    Bedrohung.

    Zu den typischsten verantwortungsabweisenden Verhaltensweisen zählen:

    1. Die Flucht: Das Gespräch wird abgebrochen. Der Betroffene verlässt den Raum, schickt seinen Gesprächspartner weg oder verweigert sich durch schweigen.
    2. Der Angriff: Es erfolgt ein Gegenangriff, wobei auf eine vermeintliche Schuld des Partners an einer anderen, vom Thema losgelösten Situativ hingewiesen wird.
    3. Die Zeitverschiebung: Es werden als Konflikt wahrgenommer Situationen aus „grauen Vorzeiten" reaktiviert.
    4. Die Überschüttung: Eine Vielzahl an Vorwürfen, die sich auf sämtlich als disharmonisch empfundene Beziehungsmomente beziehen, wird über den Kommunikationspartner ausgeschüttet. Darunter befindet sich auch häufig eine Vielzahl an Frustrationen," die sich aus nicht erfüllte Erwartungen ergeben haben, die allerdings nie formuliert wurden (Du hast jederzeit zu erraten, was ich brauche).
    5. Die Konfliktverlagerung: Es wird ein anderer Konflikt aktiviert und mit Wertungen und Interpretationen so besetzt, dass der Partner in eine Verteidigungs- bzw. Stellungnahmeposition gedrängt wird.
    6. Das Lächerlichmachen des Auslösers: Die Bedürfnisse des Partners, die hinter der Abgrenzung oder Kritik stehen, werden ignoriert, wobei da Auslöser, als zentraler Aufhänger der Situation, abgewertet und klein gemacht wird. Die Belange des Partners werden dabei heruntergespielt und lächerlich gemacht.
    7. Die Herabsetzung: Kann sich unmittelbar an das Lächerlichmachen anschließen. Hier wird der Partner direkt verbal oder körpersprachlich beleidigt, beschimpft und herabgesetzt. Das sichert dem Betroffenen den Endruck „über" dem anderen zu stehen, im „Recht" und rantwortungsfrei zu sein.
    8. Der körperliche Übergriff: Hier wird versucht, die Situation durch körperliche Überlegenheit unter Kontrolle zu bekommen. Emotionale Konflikte werden auf eine körperliche Ebene verlegt, wobei die Anspannung durch nach außen gerichtete Aggressivität ausagiert wird und der Partner in eine körperliche Verteidigung (Einlassen auf diese Ebene) genötigt wird. Dabei spielt genauso der körperliche Übergriff des Betroffenen auf den Partner, wie auch der provozierte „Übergriff" durch den Partner hinein. Z. B. das bewusste Fallenlassen oder Stürzen der oder des Betroffenen mit der Suggestion an den Partner ... das hast du mir angetan.
    9. Der sachbezogene Übergriff: Hier werden Gegenstände attackiert oder zerstört, vorwiegend Dinge, die dem Partner wertvoll sind.
    10. Das Implizieren von Schuldgefühlen: Dem Partner wird suggeriert, dass er kein Recht auf die formulierte Kritik oder Abgrenzung hat, da er in einem Schuldverhältnis zum Betroffenen steht. Hier wird jede Gefälligkeit oder Hilfe die irgendwann einmal gewährt wurde benutzt, um Undankbarkeit und Scham zu implizieren. Die hintergründige aber nicht ausgesprochene Aussage ist ... du stehst in meiner Schuld, wie kannst du es wagen ... Emotionale Erpressung und das Heraufbeschwören von Konsequenzen des Leidens für den Betroffenen, werden hier gnadenlos dem Partner angelastet. Frei nach der Botschaft: Wenn du an deinem Anliegen festhältst, werden ich oder andere darunter leiden - und du bist schuld!
    11. Die Bedrohung: Es werden konkrete Bestrafungen formuliert, wenn der sich Abgrenzende nicht bereit ist, auf seine Bedürfnisse zu verzichten. Hier findet sich ebenfalls Emotionale Erpressung in Reinkultur wieder. Es wird genötigt, bestraft und gedroht, um einzuschüchtern und zu ängstigen und den Partner so gefügig zu machen.
    12. Das Senden von Schlüsselreizen/Triggern: Der Betroffene nutzt wissentlich die ihm von seinem Partner anvertrauten emotionalen Schwachpunkte, um stark emotionale und unkontrollierte, erschrockene Reaktionen zu forcieren. Er vermittelt Botschaften und Aussagen, die in ihrem Inhalt den Partner an erlebte traumatische Erlebnisse erinnern und ihn dadurch emotional aufwühlen. Aus den daraus resultierenden Reaktionen bezieht er sich dann in seiner Argumentation, um sich seiner Verantwortung für die aktuelle Situation zu entziehen und diese dem ja so „unkontrollierten und hysterischen" Partner zuzuweisen.
    13. Das Selbsttriggern: Hier triggert sich der Betroffene selbst, indem durch, z. B. für ihn schmerzhafte Schlüsselwörter, Situationen wiederbelebt, die es ihm erlauben, sich emotional aufzuputschen und einer Opferposition zu sehen. Dabei vermischen sich eigene traumatische Erfahrungen mit dem aktuellen Geschehen und „berechtigen" zu der Annahme, verfolgt, attackiert und bedroht zu werden, was dann natürlich entsprechende Gegenmaßnahmen rechtfertigt.

    Besonders im letzten Punkt spielt die symptomatische Wahrnehmungsverzerrung eine große Rolle. Obwohl sie auch in alle anderen Methoden mit einfließt, entwickelt sich aus der Vermischung des einen traumatisch Erlebten und der aktuellen Konfrontation eine unglaublich intensive emotionale Reaktion, die mit der Realität des Augenblicks oft in keinem Zusammenhang steht. Für den Partner völlig unverständlich, erlebt dieser nicht nachvollziehbare Reaktionen, die für ihn in keinem Zusammenhang zum eigentlichen Ursprung stehen.

    Kennzeichnend aber für alle oben beschriebenen Verhaltensweisen der Verantwortungsübertragung, ist das Heraufbeschwören von Situationen, die vom eigentlichen Thema wegführen und gleichzeitig belegen sollen, dass der Empfänger der Kritik oder Abgrenzung, keinerlei Verantwortung an der aktuellen Konfliktsituation trägt. Zugleich wird durch massiven, emotionalen Druck der Beweis angetreten, dass schon immer und jedes Mal der Partner „schuldig" war und ist und, wie es zukünftig auch immer wieder angeführt werden wird, auch bleibt.

  2. #2
    Sandsturm
    Gast

    Standard

    Um die so theoretisch aufgezeigten verantwortungsabweisenden Verhaltensweisen lebendig und nachvollziehbar werden zu lassen, möchte ich sie noch einmal an einem konkreten Beispiel erläutern.

    Ein Beispiel:
    Stefanie ist seit 2 Jahren in einer Beziehung mit Bernd. Bernd ist Borderline diagnostiziert und zurzeit ohne therapeutische Begleitung. Stefanie hatte vor einigen Jahren selbst eine Psychotherapie in Anspruch genommen, weil sie nicht verkraftet hat, dass ihr Vater sich das Leben genommen hat. Bisher haben Bernd und Stefanie in zwei verschiedenen Städten gelebt, erst vor einigen Wochen sind sie im Wohnort von Bernd zusammengezogen. Diese Entscheidung fiel Stefanie schwer, da sie sich so beruflich wie auch privat, ihrem neuen Wohnort erst wieder etablieren muss. Da sie sich einen neu Freundeskreis aufbauen möchte, besucht sie gern Ausstellungen oder Veranstaltungen, die ihren Interessen entsprechen. Trotz ihrer Bitten ist Bernd aber nicht bereit sie zu begleiten, weshalb Stefanie nun allein gehen möchte. Sie nutzt für ihr Gespräch einen ruhigen Moment und fragt zunächst ... "Am Samstagabend treffen sich einige meiner Kollegen in der Galerie am Stadtpark. Da wird eine neue Ausstellung eröffnet und wir erhoffen uns Inspirationen für unser neues Projekt. Ich würde mich freuen, wenn du mich begleiten würdest." Bernd antwortet ... „ne lass mal, den ganzen Kunstkram kann ich eh nicht ab, außerdem kommt da ein toller Film, der wäre auch was für dich, also bleib mal lieber hier." Stefanie ist enttäuscht, diesmal möchte sie aber gehen, auch wenn er nicht mitkommt.

    Gut Bernd, es ist o.k., wenn du daran keinen Spaß hast, ich wäre gern mit dir gegangen. Ich möchte aber gern mal wieder einen Abend in Gesellschaft verbringen und mich mit anderen über die Galerie austauschen können und deshalb werde ich, wenn du nicht mitkommen möchtest, auch allein gehen."

    1. Die Flucht: Bernd wirft wütend die Fernsehzeitung auf den Tisch und verlässt mit den Worten „na vielen Dank, da kann ich ja sehen, wie viel dir an mir und unserer Beziehung liegt` den Raum
    2. Der Angriff: Bernd reagiert mit: „Na klasse, du denkst eben nur an dich und deinen Spaß. Dass ich dich hier vielleicht brauchen könnte, merkst du gar nicht. Du lässt mich eben immer im Stich, genau wie letzte Woche Montag, als du zu spät nach Hause gekommen bist. Und wer weiß, was da so läuft bei dir, vielleicht willst mich ja loswerden und ich war eben nur das Sprungbrett, um hier Fuß zu fassen ... "
    3. Die Zeitverschiebung: Bernd erinnert Stefanie an einen Konflikt der 11/2 Jahre zurückliegt. „Das hast du damals schon genauso gemacht, als du damals laufend in diesen Volksschulkurs gegangen bist. Ohne Rücksicht auf Verluste. Diese blöde Prüfung war dir wohl wichtiger als unsere Beziehung..."
    4. Die Überschüttung: Bernd überschüttet Stefanie mit Vorwürfen. „Nie hast du Zeit für mich, ich bin dir doch total egal. Vorgestern hast du sogar vergessen, mir die Sachen aus der Reinigung mitzubringen. Laufend telefonierst du mit irgendwelchen Leuten. Vorletztes Wochenende hab ich mich so auf ein gemeinsames Essen gefreut und dann hast du diesen Arbeitseinsatz mitgemacht ... "
    5. Die Konfliktverlagerung: Bernd erinnert Stefanie an die Auseinandersetzung letzte Woche, als es um das Haushaltsbudget ging. „Vielleicht solltest du erst mal nachrechnen, ob wir uns solche unnötigen Ausgaben leisten können. Erst letzte Woche hast du mir erzählt, dass wir für die Autoreparatur kürzer treten müssen und jetzt wirfst du das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster ... "
    6. Das Lächerlichmachen des Auslösers: Bernd ignoriert Stefanies Bedürfnis nach Kontakt und Austausch mit anderen. „Tu doch nicht so, als ob du irgendwas von Kunst verstehst. Da stehst du dann also bei den ganz großen Kunstkennern und ihr zelebriert euren großen Kunstverstand. Dabei geht es ja eh nur um kostenlose Häppchen ..."
    7. Die Herabsetzung: „Du bist doch viel zu blöd für so was, als ob du davon Ahnung hast. Wer will sich da denn schon mit dir austauschen. Du kannst ja noch nicht mal richtig eine Tür streichen, wenn du schon für diese Malerei zu bescheuert bist, was willst du denn da ... ?
    8. Der körperliche Übergriff: Bernd greift Stefanie an den Oberarmen und stößt sie auf die Couch. Als sie wieder aufstehen will, drückt er sie zurück und hält sie fest. Beim Versuch sich frei zu machen, versucht Stefanie Bernd wegzudrängen, wobei er sich dann nach hinten lässt, sich am Tisch stößt und schmerzhaft aufschreit.
    9. Der sachbezogene Übergriff: Bernd wirft sein gefülltes Bierglas gegen eines von Stefanies Lieblingsbilder und zerreißt von ihr angefertigte Skizzen und Entwürfe.
    10. Das Implizieren von Schuldgefühlen: Bernd erinnert Stefanie an die ihm gewährte Hilfe: ,,Vielleicht erinnerst du dich mal daran, dass ich dir geholfen habe ein Umzugsunternehmen zu finden, damit du überhaupt hier her ziehen kannst. Als du letztes Jahr krank warst, hab ich dich laufend in die Klinik gefahren und mich um deinen Kater gekümmert. Ich hab extra deinetwegen Urlaub genommen und jetzt das ..."
    11. Die Bedrohung: Bernd bedroht Stefanie: „Wenn du nicht zu Hause bleibst, wirst du schon sehen, was du davon hast. Du brauchst dann gar nicht erst wiederkommen und kannst dir gleich eine eigene Wohnung suchen ... "
    12. Das Senden von Schlüsselreizen/Triggern: Bernd berührt Stefanies wundesten Punkt: „Kein Wunder, dass dein Vater sich umgebracht hat, bei so einer Tochter blieb ihm wahrscheinlich nichts anderes übrig..."
    13. Das Selbsttriggern: Bernd zunächst zu Stefanie und dann immer einen Monolog mit sich selbst verfallend: „Du bist genau wie die anderen, die mich immer wieder fallengelassen haben. Ich war immer der letzte Dreck, nach mir konnte ja jeder treten. Ich mach mich krumm und für mich ist nie einer da. Guck nicht so als ob ich ein Ungeheuer bin. Denkst wohl ich habe nicht mehr alle Tassen im Schrank. Wäre dir wohl am liebsten wenn ich in die Klapsmühle gehe, dann wärst du mich endlich los ..."

    Vielfach fließen die einzelnen Methoden ineinander und verweben sich zu einem dichten Netz, welches sich über sein Opfer legt und lähmt. Die Konfrontation mit den vermischten, oft sehr Angriffen, verwirrt massiv und verleitet dazu, Stellung zu beziehen, sich zu rechtfertigen und sich zu verteidigen, was die Situation allerdings anheizt und nur allzu häufig eskalieren lässt. Letztendlich erstickt der gescheiterte Versuch einer Abgrenzung oder Kritik in dem Schlusssatz "sieh nur was du angerichtet hast, wie ich jetzt deinetwegen leiden muss, nur weil du...."
    Jeder weitere Versuch einer „Auflehnung" wird so schon präventiv damit geimpft, dass derartige Versuche nicht nur unberechtigt sind, sondern noch für andere schreckliche Konsequenzen haben.
    Eine unglaublich effektive Methode sich der eigenen Verantwortung zu entziehen, sie dem anderen anzulasten und gleichzeitig dafür zu sorgen, künftig von derartigen "Anprüchen" verschont zu bleiben.

    Stefanie ist nach diesem Bombardement jedenfalls völlig verwirrt und hat Bezug zur Ausgangssituation, nämlich ihrem einfachen Wunsch nach Kontakt und Austausch, verloren.

    Möglichkeiten gibt es nun, sich bewusster und damit auch handlungsfähiger in einer derartigen Interaktion zu behaupten?

  3. #3
    Schreiberling
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    Standard

    Betrachtungen auf der Inhaltsebene bringen meist nicht viel, auf der Beziehungsebene passen die beiden gut zusammen:

    Zitat Zitat von Sandsturm Beitrag anzeigen
    Stefanie ist nach diesem Bombardement jedenfalls völlig verwirrt und hat Bezug zur Ausgangssituation, nämlich ihrem einfachen Wunsch nach Kontakt und Austausch, verloren.
    Stefanie hat Kontakt und Austausch bekommen, sie hat sich mit Bernd genau den Partner gesucht, der in ihr Kommunikationsschema passt. Sonst wäre sie ja mit jemand anderem zusammen.
    Vermutlich werden die beiden sich erstmal zurückziehen, damit haben aber beide ihr Ziel erreicht, nämlich Ruhe vorm anderen zu haben.

    Nicht nur die Füchse beobachten, sondern auch die Karnickel !!

  4. #4
    Sandsturm
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von amonda Beitrag anzeigen
    Betrachtungen auf der Inhaltsebene bringen meist nicht viel, auf der Beziehungsebene passen die beiden gut zusammen:



    Stefanie hat Kontakt und Austausch bekommen, sie hat sich mit Bernd genau den Partner gesucht, der in ihr Kommunikationsschema passt. Sonst wäre sie ja mit jemand anderem zusammen.
    Vermutlich werden die beiden sich erstmal zurückziehen, damit haben aber beide ihr Ziel erreicht, nämlich Ruhe vorm anderen zu haben.

    Nicht nur die Füchse beobachten, sondern auch die Karnickel !!
    Jaja, wieder alles verdrehen.

  5. #5
    mad
    Gast

    Standard

    Guten Tag Sandsturm,

    "Zu den typischsten verantwortungsabweisenden Verhaltensweisen zählen:"
    (und dann folgen die 13 Punkte)


    Wenn ich mir so die 13 Punkte durchlese, muss ich feststellen, dass diese Art der (Du nennst es) "Borderline-Kommunikation" bei ziemlich vielen Menschen zutrifft.

    Ich möchte da allgemein mal etwas zu sagen:

    1. Ist es nicht möglich, dass eine Fixierung auf ein "Krankheitsbild" jenes noch intensivieren kann?

    2. Ist es vielleicht außerdem möglich, dass Dinge, die angeblich in ein "Krankheitsbild" gepresst werden, bei weniger Schubladerisierung sich neutralisieren lassen? Oder anders: Dass ohne Schubladerisierung und der Wertung in das Abnormale eine Vernünftigkeit ins Spiel käme? Denn, nehme ich mal an, ich hätte einen Partner, der eine Borderlineerkrankung hätte: Gäbe ich ihm das Gefühl, ich sähe seine Kommunikation nur als Symptom (ja! DAS hört sich wirklich abstrus an!) an, degradierte ich ihn dann nicht, machte ich nicht aus ihm einen Clown (oder einen Idioten!), der ja nur ... krank ist?

    3. Es macht verdächtig ... wenn jemand nur auf die Art der Kommunikation eines anderen schaut, ob nicht vielleicht der Beobachter selbst irgendwie ... Probleme hat. Ist es nicht anstrengend? Ja ... MACHST Du (denn, Sandsturm, es geht ja um Dein Geschriebenes) es Dir vllt. anstrengend?

    4. Immer (!) dieses Wort "typisch" - Ach, er ist depressiv: Typisch, dass er sich so verhält; ach, sie ist eine Frau: Typisch, dass sie so zickig ist; und jener hat keine Beziehung: Typisch, diese Unausgeglichenheit.

    Und den fünften Punkt lasse ich aus, der gehört hier nicht hin (Eröffne ich vllt. mal einen Thread dazu ...).

    Mad

    P.S.: Ich las gerade ein paar Zeilen Deiner Beiträge, Sandsturm. Sicher, dass Du nicht mal über DEINE Probleme reden willst? Faszinierend, wie leichtfertig und naiv Du mit "Diagnosen" und Kommentaren um Dich wirfst.
    Geändert von mad (25.10.2011 um 10:49 Uhr) Grund: Richtiger Smiley an falscher Stelle

  6. #6
    Sandsturm
    Gast

    Standard

    Genau, leichtfertig und naiv und ich denke auch nicht ueber mich nach und habe auch Null Erfahrungen. Ich mache das einfach so aus Spass, um andere in Schubladen zu stecken.
    Weisste, ich habe meine Meinung und ich werde mich weder degradieren lassen noch werde ich mich rechtfertigen, denn ich habe ziemlich oft Recht, sonst haette ich nicht schon vielen helfen und die Augen oeffnen koennen. Aber das konnte ich auch nur bei den Gesunden, die auch nachdenken konnten ohne angreifen zu muessen.

  7. #7
    Neuling
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    Standard Borderline

    Hallo, Sandsturm!

    Das, was Du da schreibst, trifft ziemlich genau auf meine Erfahrung in meiner Kindheit mit meinen Eltern (mehr mit meiner Mutter) zu, allerdings in noch krasserer Form. Danke dafür!

    Die Punkte, die Du angeführt hast, treffen m. E. auf alle unsicheren Bindungspartner zu. Also egal, ob Borderline oder nicht. Bei BL gibt es aber noch zusätzlich psychotische Ausfälle der gewalttätigen Art, bei der auch Knochen zubruch gehen. Und in der Öffentlichkeit sind sie charmant und beliebt und verstellen sich, dass keiner glauben mag, dass sie privat ganz anders sind. Wenn man dann etwas über die BL-Person erzählt, was sie mit einem tut, wenn "die Kameras aus sind", wirkt man unglaubwürdig und bleibt (zumindest als abhängiges Kind) schutzlos ausgeliefert. Außerdem können BL-Persönlichkeiten das Blaue vom Himmel runterlügen (was Du ja auch angeführt hast).
    Ich war z. B. mal mit einem zusammen (hat nur 4 Monate gehalten), der so drauf war - er hat mich innerhalb kürzester Zeit gebrochen. Und im Nachhinein hat er bei seinen mir nicht bekannten Kollegen (!) Geschichten über mich erzählt, die so verdreht waren, dass ich als totaler Idiot dastand, obwohl ER das gemacht/gesagt hat! Aber er hat es dargestellt, als wäre ich das gewesen. Jahre später ist mir das von einem Kollegen, den ich per Zufall kennengelernt hatte, zugetragen worden, aber ich konnte meinen Exfreund mangels Beweisen nicht anzeigen. Leider.

    Warum Erwachsene sich längerfristig auf solche BL-Persönlichkeiten einlassen, kann ich nur damit erklären, dass sie selbst unsichere Bindungspartner oder abhängig (finanziell? Bürgschaft?) sind. Siehe Bindungstheorie nach Freud (=> wikipedia).
    Geändert von Hanseplast (25.10.2011 um 12:55 Uhr)

  8. #8
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    Standard

    Hallo Sandsturm,

    vorab habe ich mal ein paar Fragen an dich.


    Warst du mal in einer Beziehung mit einem an Borderline erkrankten Menschen? Bist du m oder w?

    Wenn ja: Was war der ausschlaggebene Grund für dich, dass du so sehr gegen diese Erkrankung witterst und pausenlos pauschalisierst?
    Wenn nein: Was ist deine persönliche Intension?

    Als ich deinen Text gelesen habe, dachte ich erstmal - krass das passt ja haargenau zu einer Person (X), die ich kenne, die macht es nämlich genau so. Aber ob die nun deshalb borderline ist, mag ich dennoch zu bezweifeln. (?) also ich weiß es nicht genau. Sie verletzt sich auch nicht selbst oder so.

    Zu den Symptomen von Bordline werden gezählt:

    Bemühungen, Verlassenwerden zu vermeiden
    instabile, aber intensive zwischenmenschliche Beziehungen
    Impulsivität in mind. zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen
    wiederkehrende suizidale Handlungen oder Selbstverletzung
    affektive Instabilität
    chronische Gefühle von Leere
    Schwierigkeiten, Wut zu kontrollieren
    Identitätsstörung
    Dissoziative Symptome oder paranoide Vorstellungen

    Quelle: http://www.schoen-kliniken.de/ptp/me...rline/symptom/

    Von diesen Symtomen müssen min. 5 in einem Zeitraum von 4 Jahren erfüllt gewesen sein.
    Gut, jetzt würde ich eben aus meiner Laienhaftigkeit sagen, Symtom a und b und c und d passen. Für mich daraus resultierendes: kein Borderline, obwohl deine Beschreibungen in deinem Post haargenau passen. Diese beschriebenen Gefühle, die du da beschreibst kenne ich gut - und der Umgang mit solchen Menschen (Borderline oder kein Borderline) ist sehr schwierig und auch dieses suggieren von Schuldgefühlen ist echt hart. Da braucht man schon eine harte Schale um sich so etwas nicht reinzuziehen. Zumal mir bei den Symtomen auch aufgefallen ist, dass manche auch einen sehr "subjektiven" Spielraum haben. Das bedeudet, dass man als Betroffene/Betroffener schon eher geneigt ist, bei manchen schneller mit "ja" zu beantworten. Ich stelle es mir schwierig vor, als Laie, der keine Ahnung hat - aber jemande kennt, der "so" ist, zu sagen, dass das und das auf das zutrifft, gerade weil man subjektiv dabei gefangen ist. ;-)

    Aber was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass diese Problematik, und deine Wut, wenn du mit "solchen" Menschen (wie oben beschrieben) auskommen musst, groß ist, kann ich durchaus nachvollziehen, wenn du es so empfindest. Ich kenne solche Leute, wie du sie o.g. beschreibst - Jedoch kann man das doch bestimmt nicht auf alle Borderliner verallgemeinern? D.h. nur weil Symtom b -> zu b passt doch noch längst nicht a zu d und b zu c. Was mir in dieser Angelegenheit geholfen hat, war, dass ich mir gesagt habe, dass diese Probleme mit mir nichts zu tun haben - immer wieder, immer wieder, immer wieder. Und vieles schirmt auch nicht ab und geht direkt ins UB. Und wenn es nicht anders geht - Abstand halten, Abstand halten, Abstand halten.


    lg
    Geändert von honeymoon (25.10.2011 um 13:10 Uhr)

    Das Glück - Kein Reiter wird's erjagen, es ist nicht dort und ist nicht hier.
    Lern überwinden, lern entsagen, und ungeahnt erblüht es dir.

    Theodor Fontane

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