psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Brief an meine Lehrer, Mitschüler, Nachbarn

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    12.12.2011
    Beiträge
    48
    Danke
    3
    6 mal in 5 Beiträgen bedankt

    Standard Brief an meine Lehrer, Mitschüler, Nachbarn

    Um das Tagebuch meiner Kindheit abzuschliessen:
    Liebe Lehrer, Professoren, Mitschüler, Nachbarn:
    Gute Worte hab ich wenig denn kollektives Wegschauen ist in meinen Augen die schlimmere Tat als die des misshandelnden Elternteils:
    Liebe Lehrer und Professoren:
    Das mein Körper übersäht war mit blauen Flecken sah man nicht im Sport? Auch nicht die blauen Augen die ich oft hatte?? Nie habe ich was versteckt denn es war meine Art Hilfe zu rufen. Und doch, nie hat wer gefragt woher die denn seien.
    Kann man so blind sein? Nein, ihr wolltet nur nicht sehen.
    Liebe Mitschüler: Auch ihr wolltet ja nicht sehen. Nicht einmal als 5 von euch mich abholen wollten und ich mit einer klaffenden Kopfwunde blutend die Tür öffnete und sagte ich kann nicht mitkommen. ich hatte gehofft das 10min später die Polizei vor der Tür steht aber nein..als wäre nichts geschehen. Achja, meiner Mutter war ja nur die Flasche zerbrochen, auf meinem Kopf.
    Und dann als meine Mutter tod war:
    Ich war 13/14 und niemand , absolut niemand hat Hilfe angeboten. Ich habe die Beerdigung meiner Mutter organisiert als Minderjährige. Meinen Vater gepflegt der sprachunfähig und wie ein Kind war. Die Ärzte, oh nein, die haben auch nicht nachgedacht wie ein Kind das schaffen soll. Immerhin, die Ärzte haben nicht kritisiert. Liebe Nachbarn, die bodenlose Frechheit zu besitzen, mich auch noch zu kritisieren das ich meinen Vater vormittags allein lasse und die Schule besuche , war himmelschreiend. Kritisieren aber nicht helfen..jaja..so sind die Menschen.
    Ach, und dann liebe Professoren, sitzt ein Mädchen 6 Std. weinend in der Klasse und KEINER kümmert sich , fragt nach. An dem Tag mit 16 bin ich zu den Gleisen gegangen und wollte mich, wie der Bruder meines Vaters, dort unter den Zug werfen. War ich sowenig wert als Mensch das mir niemand die helfende Hand reichte? Einem Kind? Es war ein junger Student der mir auf den Gleisen nachlief und mich vor dem Zug wegriss. Es war mein 2. Selbstmordversuch . Beim 1. war ich zu dumm um alle Tabletten meiner Mutter gleichzeitig zu schlucken und wachte nach 2 Tagen wieder auf, beim 2. Versuch rettete mich ein junger Mann vor dem Zug. Ein Held , naja, wohl eher ein Mann mit Herz der nicht wegschaute. Er hat einige Zeit auf mich aufgepasst und mir geholfen. Leider konnte ich ihm nicht helfen, denn er war selbst in jungen Jahren schon Alkoholiker und genau damit konnte ich wieder nicht umgehen (bis heute nicht).
    Aber es war schön zu merken , auf 1000 blinde, taube, herzlose, egozentrische Menschen kommt 1 guter Mensch.
    Aber, liebe schweigende Gesellschaft , hätte ich damals meinen Selbstmord vollbracht, hättet ihr sicher am nächsten Tag allen Zeitungen gesagt "nein, wir haben GAR NICHTS gemerkt. Sie war ein stilles , braves Mädchen, sehr zurückgezogen, aber das sie Probleme hatte wussten wir nicht."
    Eine glatte LÜGE. Nichts war zu übersehen, gewusst habt ihr es alle, aber ihr WOLLTET es nicht wissen. Das kleine Wort wollte macht aber den Unterschied vom wirklich Ahnungslosen zum Mittäter.
    Auch Euch habe ich nie verziehen und werde es auch nie können.

  2. #2
    Neuling
    Registriert seit
    30.11.2011
    Ort
    wohne in Werne, nettes Städtchen zwischen Ruhrgebiet und Münsterland
    Beiträge
    69
    Danke
    3
    17 mal in 11 Beiträgen bedankt

    Standard

    Liebe Inmynextlife,

    dein Brief erschüttert mich und er macht mich kleinlaut.

    Bisher habe ich oft gedacht, dass mir schlimmes Unheil widerfahren sei, aber angesichts deiner Schilderungen habe ich mich geschämt. dass ich so undankbar war.

    Was Du berichtest, ist nahezu unfassbar. Es empört mich, dass da offenbar eine Menge Menschen zugesehen haben müssen, ohne dir beizustehen und zu helfen. Was Du berichtest aber bestärkt mich in einer Beobachtung, die ich auch machen musste. Wenn man nicht schreit, sondern geduldig erträgt, dann wird man nicht gehört.

    Das ist so in unserer Gesellschaft. Ich frage mich dann, wo die Frommen sind, die politisch engagierten Zeitgenossen,die sonst nach einer besseren Welt rufen.

    Was dir geschehen ist, lässt sich nicht wieder gut machen. Dennoch, und das ist mein ehrlicher Wunsch für dich, hoffe ich, dass Du deine Zukunft jetzt unbeschwert leben kannst.

    Du bist ganz gewiss eine starke Persönlichkeit. Jetzt verdienst Du aber dein Glück und deine Erfüllug. Das wünsche ich dir.

    Gruß

    Hans

  3. #3
    Neuling
    Registriert seit
    12.12.2011
    Beiträge
    48
    Danke
    3
    6 mal in 5 Beiträgen bedankt

    Standard

    Lieber Paperback,
    zuerst vielen Dank für Deine lieben Wünsche, wenngleich es leider anders gelaufen ist wie man in meinen weiteren Tagebuchbriefen lesen wird.
    Aber, es gibt keinen Grund kleinlaut zu werden. Unheil das einem widerfährt ist immer sehr schlimm für den Betroffenen und nicht messbar. Es gibt kein weniger Unheil oder mehr Unheil. Unheil, wenn es sich um menschliche Grausamkeit und Schicksalschläge handelt ist immer sehr schlimm für den Betroffenen.
    Kleinlaut sollten sich nur Menschen fühlen die anderen Schlechtes angetan haben und Menschen die unter Unheil verstehen sich nicht für eine Autofarbe beim Neukauf eines Autos zu entscheiden (ist mir mal passiert, das eine Freundin mich wütend beschimpfte weil ich keine Freundin wäre und böse. Was hatte ich getan? Ach ja, sie nicht gleich zurückgerufen als ich im Krankenhaus war als mein Vater verstarb. Oh, Verzeihung, dabei hatte sie mich so dringend gebraucht bei der Beratung einer Autofarbe?? ) .
    Ich wünsche auch Dir das , was immer Dir passiert ist, das Schicksal sich zum Guten wendet und Du glücklicheren Zeiten erlebst.
    Herzlichst , Lisa

Ähnliche Themen

  1. Ist mein Mitschüler ein Amokläufer?
    Von chrisi im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 29.03.2012, 12:27
  2. unliebsame Nachbarn
    Von Wiesel im Forum Mobbing
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 02.11.2010, 14:01
  3. Lehrer --> Psychotherapie?
    Von jimjones2007 im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 15
    Letzter Beitrag: 31.12.2008, 09:34
  4. Mobbing durch lehrer
    Von dezain im Forum Mobbing
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 02.12.2008, 12:53

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!