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Thema: Bruder Verloren

  1. #1
    GSP
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    Standard Bruder Verloren

    Hallo Zusammen,

    gestern hat mich eine schreckliche Nachricht erreicht, die Kriminalpolizei ist zu mir gekommen und hat mich Benachrichtigt das mein Bruder gestern Morgen tod auf der Straße aufgefunden wurde, wahrscheinlich eine überdosis Heroin.

    Mein Bruder hatte seid Jahren Probleme mit Drogen, ich und meine Familie haben ihm versucht zu helfen wo es nur geht, ihn versucht zu einer Therapie zu überreden, allerdings wollte er sich nie helfen lassen. Dennoch hatten wir sehr oft Kontakt zueinander, er war 1-2-3 mal die Woche bei uns zu Besuch, meistens Nüchtern, hat sich mit uns normal Unterhalten, immer gesagt, dass er alles im Griff habe und alles in Ordnung sei. Wir wussten natürlich, dass bei ihm nicht alles in Ordnung ist, jedes Gespräch über seine Probleme hat er immer schnell abgewiesen.

    Ich hatte irgendwie gewusst, dass der Tag irgendwann mal kommen wird, er hat Drogen genommen seidem er 13-14 war, es hat mit Alkohol und Cannabis angefangen, bis er später bei den härteren Sachen gelandet ist.

    Nun ist leider gestern der Tag gekommen, er wurde am 27.8. also vor paar Tagen genau 27 Jahre alt.

    Ich war gestern natürlich erstmal sehr geschockt, konnte es garnicht glauben, die Nacht konnte ich kaum schlafen. Nur irgendwie, kann ich nicht wirklich trauern, meine Eltern sind natürlich am Boden zerstört, ich versuche ihnen beizustehen so gut es geht. Ich habe heute viel mit meinem gutem Freund geschrieben und drüber geredet. Ich bin zum Entschluss gekommen, dass wohl seine Zeit gekommen ist, das klingt für mich selber total assozial und irgendwie fühle ich mich jetzt total schlecht so zu denken, ich würde viel lieber richtig trauern. Mir tut es sehr weh, wenn ich meine Eltern sehe, wie sie sich Vorwürfe machen und diese " Warum " Fragen stellen...mehr weh als der Tod von meinem Bruder. Meiner Meinung nach führt das leider zu nichts, wenn ich mir überlege wieviele Lebewesen jede Sekunde sterben, scheint es wohl zum Leben dazu zu gehören und total normal zu sein. Es ist natürlich schade, dass er auf so eine tragische Art und Weise gestorben ist, andererseits denke ich, dass es vielleicht besser ist, da er sich sonst noch ein paar Jahre gequält hätte und es dann wahrscheinlich in ein paar Jahren passiert wäre. Er wollte sich nie helfen lassen, er wollte nie mit den Drogen aufhören, er hatte eigentlich garkeine Hobbys, keine Arbeit, ich habe jeden Tag gesehen wie er sich gequält hat, ihm hat das Leben auch keinen Spaß gemacht, da bin ich mir sicher.

    Meine Eltern haben so oft versucht mit ihm zu reden, ich auch, allerdings wollte er sich einfach nie was sagen lassen, auch nicht von seinem Hausarzt oder von seinen besten Freunden, er war immer ein Sturrkopf. Einmal konnten wir ihn zu einer Entgiftung überreden, allerdings ist er gleich nach 3 Tagen dort abgehauen.

    An dem Tag wo er gestorben ist, war er noch bei uns zu Besuch, hat noch Witze gemacht, wir haben gelacht, gegessen, er wollte dann eigentlich nach Hause gehen, hat gesagt bis Morgen, er melde sich...wie sonst eigentlich auch immer. So wie es aussieht, hat er mit seinen Freunden getrunken, seinen Geburtstag nachgefeiert, ist dann betrunken auf dem Weg nach Hause gegen 5 Morgens an einem Platz wo sich Heroinabhängige treffen vorbeigelaufen, hat sich da etwas besorgt und betrunken überdosiert und dort eingeschlafen und erstickt.

    Mich würde interessieren, ob es normal ist, dass ich es im Moment einfach so hinnehme, meine Eltern z.B Fragen sich ganze Zeit " Warum ist er noch zu seinen Freunden und nicht nach Hause " " Warum hat er nicht einfach an dem Abend bei uns übernachtet " usw. Ich persöhnlich denke, das führt doch zu nichts? Man wird nie erfahren, warum er da noch hin ist, vielleicht war er einfach Betrunken und hat die Gefahr total unterschätzt, zur falschen Zeit am falschen Ort, ich denke einen großen Hintergrund dahinter zu suchen, ist total sinnlos.

    Wenn ich sterbe, möchte ich nicht, dass meine Eltern weinen oder mir nachtrauern, auch wenn sie das natürlich tun werden, ist es falsch, wenn ich versuche nach vorne zu schauen und die ganzen Fragen und Vorwürfe zu Unterlassen? Ich fühle mich irgendwie total assozial deswegen, aber das Leben muss doch weiter gehen, er wäre sicherlich froh wenn ich so schnell wie möglich nach vorne schaue und mich deswegen nicht kaputt mache...

    Ich möchte ihn nicht vergessen im Gegenteil, ich bin froh, dass ich einen Bruder hatte, auch wenn er etwas anders war als die anderen und viele Probleme hatte. Ich bin selber im moment 21, wollte in 6 Wochen studieren gehen, ich weiß jetzt nicht ob ich einfach mit meinem Leben weiter machen soll, oder eine Auszeit nehmen soll und das Studium eventuell verschieben.

    Ich hoffe ihr versteht was ich meine!


    Viele Grüße

  2. #2
    Neuling
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    Standard

    Hey GSP,

    zunächst mal mein Beileid. Mein Vater ist auch vor ein paar Jahren gestorben, und ich konnte am Anfang auch nicht richtig trauern, ich habe mich im Gegenteil mehrere Wochen lang total betäubt und emotionslos gefühlt. Es reagiert eben jeder anders auf so eine Nachricht. Es kann sein, dass die richtige Trauer noch kommt, oder vielleicht kannst du auch einfach besser mit dem Tod umgehen als andere Menschen oder die Trauer ist dadurch abgeschwächt, dass du ja gewissermaßen schon länger mit seinem Tod gerechnet hast, so wie der Abschied für Angehörige eines Menschen, der erst nach langer Krankheit starb, ja auch einfacher ist als z.B. wenn derjenige plötzlich durch einen Unfall oder Mord starb.

    Bei mir ist es z.B. so, dass ich auch heute noch richtig traurig darüber werden kann, aber im Gegensatz zu meiner Mutter, die z.B. immer traurig wird wenn sie vor dem Grab steht oder es sein Todestag ist, fühle ich in solchen Situationen oft gar nichts und werde stattdessen eher traurig, wenn ich z.B. einen alten Film aus meiner Kindheit sehe und darüber nachdenke, dass ich den früher immer mit meinem Vater geguckt habe oder so etwas. Die Trauer kommt eben nicht auf Kommando, sondern erst dann, wenn man akut spürt, dass derjenige fehlt.

    Ich denke du wirst schon noch traurig sein, denn es dauert eine Weile, um den Tod richtig zu begreifen und zu verstehen, dass der Betroffene eben nicht wiederkommt, und dann wird dir dein Bruder bestimmt irgendwann fehlen. Aber sei doch froh darüber, dass du anscheinend gut damit umgehen kannst.

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Sanctus für den sinnvollen Beitrag:

    GSP (01.09.2011)

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