Sehr geehrte Community!
Ich bin neu hier im Forum. Ganz kurz zu meiner Person:
Ich bin männlich, werde in Kürze 30 Jahre alt und bin als gelernter Chemikant in einem Chemieunternehmen tätig und hatte vor 2 Jahren einen Meisterbrief "Industriemeister Fachrichtung Chemie" erworben.
Meine Ausbildung zum Chemikanten hatte ich in diesem Betrieb 1998 begonnen und bin seitdem auch durchgehend in meinem Ausbildungsbetrieb tätig.
Zu meiner Situation:
Ich bin mir nicht ganz sicher, in welcher Kategorie mein Problem anzusiedeln ist, aber es beinhaltet Charakteristiken, die Informationen zufolge sowohl im Burnout als auch im Boreout gelistet werden.
Bei meiner Tätigkeit, die ich am Arbeitsplatz ausübe, handelt es sich um die manuelle Bedienung und Steuerung von Produktionsprozessen und -anlagen.
Die Tätigkeit an meiner Anlage ist körperlich sehr arbeitsintensiv, während die geistigen Anfordungen dagegen minimal sind.
Obwohl ich auch mehrere Anlagen und Stationen im Betrieb (auch mit anderen Anforderungsprofilen) bedienen kann bzw. könnte, setzt mich mein Schichtführer seit Jahren nur an dieser einen Station ein.
Damit verbunden werde ich auch nur auf der Basis der Entgeldgruppe 4 (E4) entlohnt, wobei für Facharbeiter E6 eigentlich normal ist.
Dabei sei erwähnt, dass mein Schichtführer weder über Facharbeiterausbildung noch Meisterausbildung verfügt und darüber hinaus auch noch elementare Defizite in den betrieblichen und tätigkeitsbezogenen Kenntnissen wie auch im technischen Verständnis aufweist.
Zusätzlich zeigte er in der Vergangenheit mir (und auch anderen Kollegen) gegenüber schikanöse Verhaltensweisen, in meinem Fall insbesondere dann, wenn ich mal in anderen Bereichen eingesetzt werde.
Zusammengefasst: Mein "Meister" hat, zumindest für mein Empfinden, mein berufliches Fortkommen fast schon systematisch gestört.
Nach letzten Schikanen hatte ich sogar den Betriebsrat aufgesucht.
Meine psychische und emotionale Situation sieht so aus:
- Ich fühle mich bezüglich meines Berufes schon seit längerem total leer, wenn nicht gar depressiv.
- Ich gehe nur noch mit einem inneren Widerwillen, mit einem Druckgefühl zur Arbeit
- Obwohl ich mich körperlich quantitativ stark belastet fühle, empfinde ich gleichzeitig größte Langeweile, Desinteresse und bin schon bei Arbeitsantritt gedanklich schon beim Feierabend.
Geistige Herausforderungen bieten sich mir dort überhaupt gar nicht.
- Bei mir ist ebenfalls ein Identifikationsverlust bezüglich des Unternehmens und sogar bez. meiner Berufswahl eingetreten.
- Die Arbeitsatmosphäre und das Betriebsklima empfinde ich als desolat und der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit mit Kollegen lässt sehr oft sehr zu wünschen übrig.
- Da zur Ausführung meiner Tätigkeit mittlerweile Konzentration und geistige Anwesenheit nur geringfügig erforderlich ist, beschäftige ich mich bei der Arbeit "gedanklich" meist mit Dingen, die ich außerhalb der Arbeit gern tue.
Was ich bisher unternommen habe:
- Weiterbildungen per Fernstudium und Volkshochschulen
- Nebenberufliche Tätigkeit
- Psychotrainings mit Vorträgen, Seminaren, Hörbüchern
Was ich in absehbarer Zeit noch plane zu unternehmen:
- Berufsinformationen sammeln
- Berufsberatungen
- Beendigung meines festen, "sicheren" Arbeitsverhältnisses
Insbesondere der letzte Schritt beschäftigt mich manchmal auch mit sorgenvollen, zweifelnden Gedanken.
Das schlimmste ist allerdings zur Zeit fehlende Lebensfreude und meine als "gering" eingeschätzte Lebensqualität, die wahrscheinlich auch mit meinem beruflichen Frust einhergeht und sich auch im Privaten ein ziemlich leeres Liebesleben zeigt (führe auch ein fast durchgehendes Single-Leben).
Ich möchte meine Situation gerne in ein erfülltes Berufs- und Privatleben hingehend ändern.
Vielen Dank erstmal an alle, die sich die Mühe gemacht haben, meine Geschichte durchzulesen und ganz besonders an diejenigen, die mir ihre Antworten hinterlassen.
Welche Vorschläge, Ratschläge und Empfehlungen würdet Ihr mir in diesem Falle geben?
Danke schon mal im voraus!
Gruß F.


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