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Thema: Das Absurde der Angst

  1. #1
    Gast5147
    Gast

    Standard Das Absurde der Angst

    Hallo!

    Ich wollte das eigentlich schon früher schreiben, ich wusste nur nicht wie.
    Ich weiß auch jetzt noch nicht recht wie, aber ... es wird schon gehen.

    Letztens war ich im Urlaub. Was sich an sich schon seltsam anhört An sich wollte ich mir das nämlich gar nicht zugestehen, denn meine Angststörung meldete sich zu Wort und da ich mich selbst oft nicht leiden kann aufgrund dieser ganzen Störungen, wollte ich mich selbst bestrafen und nicht fahren.
    Aber ich habe mir gesagt: Du hast ein Recht darauf! Du hast ein Recht auf Entspannung.
    Und wahrscheinlich war die anfängliche Idee der Selbstgeißelung auch nur wieder die Angst vor der Angst, denn, das musste ich mir eingestehen:
    Als ich beschloss, doch zu fahren, musste ich notgedrungen auch meine Angst zulassen.

    Ich möchte ehrlich sein: Ich dachte, ich müsse sterben als ich morgens um fünf Uhr in den Wagen stieg. Aber: Ich habe da diese tollen Techniken: Autogenes Training, positive Gedanken, lachen, Witze ausdenken, seltsame Sätze im Kopf wiederholen, mich entspannen etc.

    Autofahrt überlebt. (Ich hatte vorher schon überlegt, mein Testament nochmal zu begutachten, habe ich dann aber doch nicht) Dann kam die Fähre und ich war entspannt, ruhig; ich sah das Meer und alles war gut; ich spürte den Wind und alles war richtig.
    Und dann habe ich gedacht: Das Absurde an der Angst ist doch, dass sie in Situationen kommt, die "früher" kein Problem darstellten. Als hätte ich als Kind oder Jugendliche Angst vor der Autofahrt gehabt, als hätte ich Angst vor der menschlichen Überfüllung auf der Fähre gedacht - niemals ... warum? Weil ich nie daran gedacht habe, es könne etwas passieren.

    Und da erscheint das zweite Absurde: Angst kommt nur durch Denken.
    Ich habe mir vorher schon überlegt, was ich tue, wenn ich Panik bekomme. Aber die Panik kam gar nicht. Warum? Sie hätte kommen können: Ich habe ihr gesagt: Dann komm, ich wehre mich nicht dagegen. Aber dann wollte sie nicht mehr.

    Ich denke, ich könnte stolz auf mich sein. Ich bin zusammen mit Menschen auf einem Schiff auf eine Insel gefahren, ich lag dort mit anderen Menschen am Strand, ich bin dort einkaufen gegangen, habe sogar in einem Restaurant gegessen (das ist eine ziemliche Überwindung, da Essen-Bestellen daran bindet, auch dort an dem Ort zu bleiben, bis das Essen aufgegessen ist ).

    Seitdem ich zurück bin geht es mir einerseits besser, andererseits bin ich hier wieder meinen Problemen näher - wer flüchtet nicht gerne? Dort war ich fern von den Menschen, die ich schon lange nicht mehr ertrage; nun sind sie wieder da, ich muss damit umgehen und ich werde damit umgehen.
    Vorgestern hielt ich sogar "Small-Talk" mit einem Kassierer im Supermarkt - DAS ist sehr ungewöhnlich, aber auch lustig, vielleicht werde ich das hin und wieder mal machen.

    Gestern ... habe ich begriffen, dass ich mich darüber aufrege, was ich selbst verursache: Es macht mich aggressiv, wenn ich merke, dass Leute mich falsch einschätzen. Warum? Es sollte mich nicht scheren, in vielen Fällen ist es sogar besser. Aber anstatt darüber zu lachen, keinen Wert darauf zu legen, erscheine ich ja sogar selbst so, wie mich andere sehen sollen. Das ist doch Schwachsinn.
    Einerseits will ich, dass man mich richtig einschätzt, andererseits lege ich Wert darauf, dass die Menschen es eben NICHT tun.
    Höchstwahrscheinlich, weil ich mir selbst keine Schwäche zugestehe. Es ist paradox.

    Ja, das wars eigentlich.
    Das muss kein Diskussions-Thread werden, ich wollte das nur loswerden, ganz egoistisch
    Merci

    LG

  2. #2
    Lib
    Lib ist offline
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    Standard

    Hi Madness,
    Du machst das sehr gut, finde ich.
    Und die Leute, die Du nicht ertragen kannst sind für etwas gut. Sie zeigen Dir die Stellen, an denen es eng für Dich wird. Von daher sind sie zwar anstrengend, aber auf ihre Art so wichtig wie die Menschen, die gut tun...

    Und die Menschen, die Dich falsch einschätzen: Das kenne ich auch - das Gefühl, nicht "gesehen" zu werden...
    Bei mir ist das dann aber so, dass ich (bei den Leuten, die potentiell wichtig für mich sind) eher auf mich sauer bin, dass ich nicht die Ausstrahlung und das Auftreten habe, so zu wirken, wie ich mich innen fühle.
    Und es gibt eine große Zahl Menschen, bei denen ist mir schlicht egal, wie sie mich einschätzen, weil sie mich nicht interessieren.

    Und dann ist es so: Zum Selbstschutz braucht man oft noch eine Maske oder eine Rolle. Diese kann man nur ganz langsam und nach und nach aufgeben und manchmal hält man dieses Schutzschild mehr vor sich, als man es eigentlich noch bräuchte. Vielleicht ist das etwas, was Deine Agressivität erklärt...

    Auf jeden Fall: Du bist zu recht stolz auf Dich und bist sehr mutig!

    LG
    Lib

    Es gibt zwei Wege aus der Dunkelheit:
    Entweder Du machst Licht, dort wo Du bist,
    oder Du gehst in die Sonne.


  3. #3
    Gast5559
    Gast

    Standard

    Oh, dieses gespalten Sein kenne ich sehr gut! Und wie Du die Angst mittlerweile zulassen und "mitten hindurch" gehen kann, finde ich sehr gut.

    Das wollte ich auch nur mal gesagt haben.

    Nein, im Ernst: Es ist doch wichtig, über solche Erfolge und Teilerfolge zu reflektieren, Fortschritte zu bemerken und ggf. auch hier darüber zu schreiben.

  4. #4
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Standard

    Hallo "Verrückte"

    Schön, dass Du es losgeworden bist - hier und nicht wieder nur im stillen Kämmerlein
    Es ist auch schön, dass da jetzt mal Mad geschrieben hat - und nicht nur MtB alleine

    Ansonsten: Lib hat da schon (fast) alles geschrieben - ich erlaube mir daher also, jetzt "faul" zu sein und mich nur "anzuschließen"


    lg

  5. #5
    Gast5147
    Gast

    Standard

    Hallo ,

    zu Lib:

    "Und die Leute, die Du nicht ertragen kannst sind für etwas gut. Sie zeigen Dir die Stellen, an denen es eng für Dich wird. Von daher sind sie zwar anstrengend, aber auf ihre Art so wichtig wie die Menschen, die gut tun..."

    - Ich denke, das hört sich schlüssig an, ja! Wenn ich darüber nachdenke, wäre es mir auch eigentlich zuwider, stets nur Friede, Freude, Eierkuchen zu haben, egal in welchem Bereich. Du hast Recht, auch jene Menschen erfüllen ihren Zweck. Und selbst wenn es nur jener Zweck ist, dass sie mir zeigen, mit welchen Menschen ich kann und mit welchen nicht.

    "Zum Selbstschutz braucht man oft noch eine Maske oder eine Rolle."

    - Da muss ich etwas einwenden. Denn, das "Noch" stört mich ein wenig. Ich meine damit nicht, dass der Mensch vollkommen in eine Maskerade verfallen sollte, ich bin nur ziemlich sicher, dass es gut ist, wenn man nicht all zu unmaskeriert herumläuft. Meine Maske ist mir in vielen Fällen schon wichtig und diese lege ich auch hin und wieder bewusst an den Tag. Nicht als Täuschung, sondern als Selbstschutz.

    Vielen Dank, Lib, für die netten Worte
    Ebenso danke ich Sweetmama: Da werde ich schon fast ein wenig verlegen.

    Und zu Darkstar: MtE hat ja auch Rechte Heute ist MtE-Tag
    Dankeschön an euch alle!

    LG

    P.S.: Noch eine gute Nachricht: Ich habe heute innerhalb von zehn Minuten einen neuen Job gefunden. Da, denke ich, kann ich mich auch drüber freuen

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