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Thema: Das andere Gesicht des Zwangs

  1. #1
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    Standard Das andere Gesicht des Zwangs

    Hallo Leute,

    die folgende Frage stelle ich, weil ich es endlich einsehen muss, dass ich in diesem Fall gegen meinen Zwang verliere, welcher mich in manchen Situationen schlichtweg so sehr verunsichert, dass ich zum Kleinkind avanciere.
    Folgendes:
    Es ist eines der letzten Überbleibsel meiner im Prinzip besiegten Infektions-/Schmutz-Phobie.
    Ich habe mir in dieser Zeit den Zwang angewöhnt, dass während Handbewegungen an "problematischen" Orten wie z.B. der Toilette oder beim Vorbeilaufen an Mülltonnen bestimmte Gedanken NICHT aufkommen dürfen.
    Nun ist es so, dass sich beim Betreten der Toilette oder beim Vorbeilaufen an Mülltonnen schon eine Art innere Überwachungskamera bzgl. des Auftretens der Gedanken aufbaut. Und sie natürlich aufkommen. Im Prinzip bin ich mir sicher, dass das Unterdrücken der Gedanken nicht der richtige Weg ist, um in absehbarer Zeit den Kopf mal wieder frei zu bekommen.
    Nichts allzu neues, ich zitiere mal aus meinem Buch zum Thema Zwang:
    „Die Kontrolle über Gedanken ist nicht möglich, weil sich unser Denken assoziativ von einem Inhalt zum nächsten fortsetzt. Wir können bestenfalls feststellen, woran wir soeben gedacht haben, jedoch nicht voraussagen, woran wir als nächstes Denken werden. Dies hat auch etwas sehr entlastendes, denn wenn wir keine Kontrolle darüber haben, welche Gedanken uns durch den Kopf gehen, können wir uns dafür auch nicht verantwortlich oder schuldig machen (..)
    Je nach dem, wie der BEtroffene auf die Gedanken reagiert, werden sie sich in Luft auflösen oder ihn wieder bedrängen“
    Wunderbar, wäre ich ja raus aus dem Spiel!
    Aber Nichts dergleichen. Da meine verbotenen Gedanken, die zwar aus dem Zwang kommen, es aber laut Zwang zu unterdrücken gilt, ja aber irgendwie soo anders sind als in den klassischen Beispielen von unerwünschten (Zwangs-) Gedanken:
    Dort geht es eben bekanntermaßen eher um bildhafte Vorstellungen wie „Ich töte meine Kinder mit dem Brotmesser“ oder dem Versuch NICHT ans rosa Schweinchen zu denken.
    Und meine unerwünschten Gedanken sind eben Kontrollimpulse wie „War ich da mit der Hand irgendwo dran, war da Dreck, Blut, habe ich was berührt?“
    Es nervt mich einfach tierisch.
    Ich bin so verunsichert, dass ich diese Transferleistung, meine Gedanken genauso zu managen, einfach nicht mehr hinkriege.
    Somit stehe ich, weil ich ja andere unerwünschte (Zwangs-)Gedanken/-Impulse habe, weiterhin in der Schuld, ob ich nicht eine Methode finde, mit der ich meine Form der (ZWangs-)Gedanken "sofort"ein für alle Mal ausmerzen könnte. So als sei das Zulassen und Durchwinken der Gedanken viel zu schön und bequem.
    Die Sache wäre gegessen wenn ich wüßte, ob ich die normale Methode zum Loswerden von Zwangsgedanken 1:1 auf meine Probleme anwenden kann.
    Aber die aktuelle Unsicherheit reicht aus, dass wenn ich die Gedanken durchwinke, sich stets die Frage stellt, ob ich den Gedanken nicht doch hätte verhindern können und ob die verwendete Methode die verbotenen Gedanken tatsächlich in absehbarer Zeit löscht und ich den Kopf mal wieder frei bekomme.
    Es klappt also gar nichts mehr und es schaukelt sich immer mehr auf.
    Im Prinzip trifft mich das ganze an einer ganz empfindlichen Stelle. Ich habe heftige Perfektionsmuster in meiner Persönlichkeit, mache mir Vorwürfe, wenn ich nicht alles richtig mache, Informationen nicht voll ausschöpfe (ich nehme Gespräche mit Ärzten sogar heimlich mit Diktiergerät auf) und nicht die perfekte Methode für alles finde. Ich suche stets den theoretischen Hintergrund für alles, ohne zu schauen ob es mir gut tut oder nicht. Damit stehe ich mir häufig selbst im Weg.
    Der Zwang verlangt also nach einer Absolution auf neurologischer Ebene, ob wir mit der klassischen Methode auf dem richtigen Weg sind.
    Also im Sinne des Zwangs: Um mal wieder einen klaren Kopf zu bekommen, muss ich meine (verbotenen), situations-bzw. aktionsgebundenen Gedanken/Impulse alle zulassen, und ihnen keinerlei Beachtung schenken, so wie man das mit den üblichen, unerwünschten (Zwangs-)Gedanken auch tun sollte, ja? ?
    Ich hoffe ihr könnt mich ein Stück weit verstehen und nehmt meine obige Frage auch ernst. Auch wenn ich mir selbst ein wenig blöd dabei vorkomme, aber der Zwang ist heimtückisch und hat leider viele Gesichter.
    Wäre auch interessant wenn ihr mir ein paar Anregungen zu meinen Einstellungen und Vorgehensweisen geben würdet, was ich mal überdenken sollte etc. Danke für eure Hilfe!
    Gruß
    Yougikie
    Geändert von Yougikie (12.01.2012 um 17:36 Uhr)

  2. #2
    Roman Verfasser
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    Standard

    War ich da mit der Hand irgendwo dran, war da Dreck, Blut, habe ich was berührt?
    Warum nicht dort wo Deine Gedanken aufkommen, den Schmutz, den Dreck einfach anfassen. Ausmerzen die Gedanken geht ja nicht, das wäre ja im Zwang gedacht, es wegzubekommen. Du bekommst es ja nur weg indem Du es annimmst. Das würde in dem Fall vielleicht Anfassen von Schmutz bedeuten.

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