
Zitat von
Suppenhuhn
Egal, was einem als Kind zugefügt oder vorenthalten worden ist: wo Täter da sind, gibt es auch Opfer - in diesem Fall also bist das du. So eine Erkenntnis ist schmerzhaft, sie führt zu denselben Gefühlen, die man als Kind empfunden und unter denen man gelitten hat, so wie du es auch beschrieben hast. Eine notwendige Erkenntnis aber auch, denn sie hilft dir zu erkennen, daß du damals nicht verantwortlich und auch nicht in irgend einer Form schuldhaft warst, es gar nicht sein konntest als Kind. Für mich habe ich das so übersetzt: das Erkennen, daß ich als Kind Opfer geworden bin, ließ mich begreifen, daß ich keine Chance gehabt hatte, irgend etwas an meiner Situation zu ändern oder das Verhalten meiner "Täter" irgendwie zu beeinflussen. Fand ich sehr schmerzhaft, denn damit mußte ich auch erkennen, daß meine Versuche - auch als Erwachsene noch - doch noch Verständnis, Zuwendung oder Akzeptanz zu bekommen, ganz aussichtslos waren. Ich bin als junge Frau noch gelegentlich ins Kinderdorf gefahren und hoffte jedesmal wieder, durch mein mittlerweile "erwachsenes Auftreten", vielleicht endlich doch noch ein Zeichen von Anerkennung zu bekommen, und war jedes Mal bitter enttäuscht, wenn das ausblieb und mir erneut durch Bemerkungen oder Relativierungen vermittelt wurde, daß ich nichts wert sei.
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