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Thema: Das Millieu hat mich zerstört

  1. #1
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    Standard Das Millieu hat mich zerstört

    Schön, dass es ein solches Forum gibt. Grüße an alle!

    Ich weiß gar nicht, wie ich am besten anfangen soll. Die ganze Angelegenheit ist sehr umfangreicht und ich hoffe ich kann hier einen guten Rat bekommen, zwecks Behandlung, Hilfe usw.

    Ich bin 20 Jahre alt und lebe in Frankfurt/M. Kurz bevor ich 18 wurde zeigte mir mein eigner Vater das erste Bordell. Ich war damals natürlich stark beeindruckt. Mein Vater und ich besuchten immer öfters gemeinsam diverse Clubs. Der Geldbedarf wurde immer größer. Ich wollte finanziell mit meinem Vater mithalten. Nach nur 2 Monaten nach meinem 18. Geburtstag besuchte ich solche Clubs schon alleine. Ich bekam erste nähere Kontakte zu Prostituierten, ließ mich um den Finger wickeln und war einigen Frauen völlig verfallen. Ich wollte mich finanziell nie blamieren. Jedoch hatte ich während meiner Ausbildung kein Stargehalt. Also suchte ich Wege irgendwie an Geld zu kommen. Ich knüpfte über diese Clubs Verbindungen zu einer berühmt berüchtigten Rockergrupierung. Diese Jungs hatten einige Geschäfte für mich, sodass ich meine Frauen aushalten konnte. Ich erfuhr immer mehr Hintergründe, Verfahren über Einschleusung der Frauen, das Leben der Frauen, den ganzen Ablauf eben. Die Situationen der Frauen in diesen Clubs machen mich sehr traurig. Ich hatte stets Mitleid und wollte helfen, die meisten wollten jedoch nur Geld Geld Geld. Von geschätzten 100 kennengerlernten Frauen, gab es 2 die es nicht nur auf mein Geld abgesehen haben. Das Ganze wurde/wird immer extremer, z.B. musste ich einer Dame 6000€ bezahlen, da es einen Unfall gab und ich mit 19 noch kein Vater werden möchte. Dies ist nur ein Beispiel von vielen furchtbar traurigen berührenden Momenten für mich. Das ganze Leben der Lifestyle haben mich fasziniert. Jeden Tag Party, Frauen, Drogen usw. Die Geschäfte wurden noch intensiver. Ich könnte ein ganzes Buch über meine vergangenen 3 Jahre schreiben über den Absturz eines braven lieben jungen Mannes, welcher mit 18 Jahren und der erlangten Freiheit zu einem körperlichen und seelischen Wrack geworden ist.

    Das heutige Resultat ist:

    Ich fühle mich wie 40. Ich fühle mich in meinem eigenen Körper nicht mehr wohl. Ich komme mit dem Erlebten nicht klar. Ständig habe ich Bilder und Momente vor Augen, die mich sehr traurig stimmen. Ich kann außerhalb von Clubs nicht mehr lachen. Ich denke Tag und Nacht nur daran, wie ich Geld beschaffen kann. Ich nehme Drogen (aber noch nicht süchtig, eher selten), viel Alkohol, wenig Schlaf, sehr viele Zigaretten. 6 Strafanzeigen wegen diverse Delikte. Meine Familie habe ich zerstört bzw. ist nicht mehr das Alte. Ich habe gar keinen Faden mehr in meinem Leben.

    Ich möchte/muss irgendwie einen Schlussstrich ziehen können, ansonsten lande ich irgendwann in der Gosse oder im Knast! Am liebsten würde ich diese ganzen Clubs in die Hölle jagen. Wer kann mir die vergangenen 3 Jahre aus meinem Kopf löschen? Wer kann mir wieder Umgang mit Geld beibringen?

    Ich weiß nicht mehr ein noch aus. Ich freue mich auf euren Rat. Es in an der Zeit für mich, aus diesem Sumpf heraus zukommen, sonst kann ich nie mehr normal leben.

  2. #2
    Verleger Avatar von Natz
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    Hallo Speedplane,
    löschen geht leider nicht-sonst hätten wir ja alle die Option, normaler Mensch oder Kriegstraumatisierter. Du musst Dir Hilfe holen, dass ist klar.
    Was ich echt gruslig finde: wie kommt Dein Vater dazu, Dich in so einen Sumpf zu bringen???? Sorry, da fällt mir nur eins ein: vernatwortungsloses Riesenarsch, wenn das Schimpfwort überhaupt reicht.
    Mir fällt auf, dass Du offensichtlich einen ziemlichen Suchtcharakter hast: Frauen, Geld, Drogen..immer mehr. Die Frage ist, wo willst Du anfangen? Auf jeden Fall wäre eine Suchtberatungsstelle schon mal ein Anfang-die Frage ist, welche..Ich weiß nicht, ob es jetzt einfach mit: "geh in Therapie" getan ist, weil ja doch erhebliche Probleme aus dieser Zeit resultieren.
    Die Frage ist, ob Du erst mal einen Entzug machen musst. Ich finde, eine Klinik wäre das sinnvollste. Da wird Dir geholfen-auch, wie es hinterher weiter gehen soll. Alleine wirst Du da nicht rauskommen. Klingt jetzt beängstigend-ist es aber nicht. Wenn Du bereit bist, Dir Hilfe zu suchen, schaffst Du den Absprung.
    Was machst Du denn jetzt momentan? Arbeit, Schule, Studium?
    Geändert von Natz (02.08.2010 um 19:51 Uhr)
    LG, Natz




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  3. #3
    Gast784
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    Hallo Speedplane,

    geh doch mal zu einer psychologischen Beratungsstelle. Die wissen eher, was es für Einrichtungen gibt. Da bei Dir auch soziale Defizite entstanden sind durch das schlechte Vorbild Deines Vaters, wäre es vll nicht schlecht, wenn es eine Einrichtung gäbe, in der junge Erwachsene wie Du noch lernen könnten, wie Alltagsleben funktioniert. Ich weiss es nicht, ob es das gibt.

    Meine Familie habe ich zerstört bzw. ist nicht mehr das Alte.
    Hast Du nicht. Ich habe meine Zweifel, dass die jemals wirklich intakt war, bei den seltsamen Erziehungsmethoden Deines Vaters. Ist er eigentlich auch in dieser Sucht drin? Jedenfalls hat er wohl massive soziale Defizite. Und gibt es auch eine Mutter? Ist sicher kein Vergnügen neben einem solchen Mann.

    Nein, Du hast nix zerstört, aber Du musst jetzt die Unfähigkeit Deiner Eltern ausbaden.

    Aber Du kannst es schaffen, scheu Dich nicht davor, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

  4. #4
    Neuling
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    Hallo ihr Zwei! Danke für eure Antworten. Ich muss noch einiges ergänzen. Wie ich schon erwähnt habe, ist die ganze Sache so umfangreich, dass ich es kaum auf einen Schlag alles klar darlegen kann.

    Also meine Eltern sind seid 1999 getrennt. Ich lebte mit meiner Mutter nach der Scheidung in Bremen. In Bremen war die Welt in Ordnung. Alle Leute fanden mich super nett. Eben der freundliche junge Mann von nebenan. Als ich kurz bevor ich 18 wurde das Gymnasium abbrach und mit einem Realschulabschluss da stand, war meine einzige gute Chance je etwas zu erreichen, eine Ausbildung in der Firma meines Vaters zu beginnen. So zog ich mit meiner Mutter nach Frankfurt. Das Verhältnis zwischen meinem Vater und meiner Mutter ist noch intakt. Es ist nicht so, dass Sie sich mit dem ***** nicht mehr anschauen. 9 Monate ging es gut und ich brach die Ausbildung ab, da ich innerhalb der Firma auch Mist machte und keinen Kopf mehr hatte irgendetwas zu lernen. Zwischendurch machte ich dann gar nix mehr außer illegale Geschäfte. Aktuell muss ich meinen Zivildienst leisten, noch bis 31.12. Aber auch hier bin ich durch unzählige Krankmeldungen schon sehr unbeliebt.

    Ich wohnte dann noch ca. 1 Jahr mit meiner Mutter zusammen, dann wohnte ich allein. In Frankfurt hatte ich keine Freunde. Ich wunderte mich immer...mein Vater sagte oftmals abends wenn ich etwas mit ihm machen wollte, er hätte keine Zeit. Tut ihm leid. Irgendwann sagte er dann, naja komm halt mal mit. Und wir fuhren in einen Club. Alles nahm seinen Lauf. Mein Vater ist nicht süchtig, er kann das Ganze sehr gut steuern, mit Drogen hat er gar nix am Hut. Jedoch müsst ihr auch bedenken, dass mein Vater 63 ist und ich 20. Ich bin bei den Frauen natürlich wesentlich beliebter und mit meinen jungen Jahren auch viel anfälliger für sämtliche Suchten. Heute bereut es mein Vater, dass er mir jemals diese Clubs gezeigt hat!

    Ich denke, süchtig nach einer Droge bin ich noch nicht, weil ich gerade jetzt einen Schlussstrich ziehe. Dieses Forum ist meine erste Anlaufstelle! Ich muss jetzt sehr stark sein. In meinem Handy habe ich sämtliche Kontakte. Sobald ich SMS/Anrufe von Frauen oder Kollegen erhalte, habe ich das Gefühl mein Kopf spaltet sich in zwei. Aber ich darf nicht mehr in Kontakt mit diesen Leuten treten. Auf der einen Seite sind/waren es meine besten Freunde und gerade die Frauen sind natürlich auch teilweise Gefühle mit im Spiel. Andererseits machen mich diese Leute aber auch unbewusst kaputt. Auf jeden Fall fällt es unheimlich schwer, es ist so schwer in Worte zu fassen...seid ich die Sache anpacke und rauswill, geht es mir geistig und körperlich so schlecht wie noch nie!

  5. #5
    Verleger Avatar von Natz
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    Aber Hilfe im RL brauchst du auf jeden Fall! Ich finde es gut, dass Du hier mit schon mal anfängst aber wir können Dir auch nur ans Herz legen, Dich an eine Beratungsstelle zu wenden oder eben doch an eine Klinik.
    Das Dein Vater Dich da hingeschleppt hat finde ich nach wie vor das Letzte. Er hat als Vater die Pflicht, Dich zu beschützen und die nicht in zwielichtige Etabissements zu schleppen und gerade sein Alter sollte ja eher für Erfahrung sprechen aber egal, es geht hier um Dich. Es ist wie beim Alki: man kann alle Flaschen in den Ausguss schütten, die Gier danach bleibt trotzdem. Deshalb wirst Du mit dem Nummernlöschen nicht wirklich was ändern. Es geht darum, die Hintergründe und Ursachen zu beleuchten, wieso es so kam und wie Du da jetzt wieder rauskommst.
    LG, Natz




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