psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Seite 1 von 12 1234511 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 96

Thema: Denken und Fühlen

  1. #1
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
    Registriert seit
    28.11.2011
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    623
    Danke
    94
    117 mal in 90 Beiträgen bedankt

    Standard Denken und Fühlen

    Hallo Leute

    Ich weiss nicht warum, aber ich hab plötzlich das Bedürfnis, hier in einem gewissen beschränkten Rahmen von mir zu erzählen. Mich interessiert momentan in erster Linie meine Hier und Jetzt.

    Ich mache seit einem halben Jahr eine Therapie. Dabei hab ich mir bewusst einen Mann als Therapeuten ausgewählt, weil der Prozess sehr ehrlich ablaufen sollte. Das hat sich bis jetzt super bestätigt und war genau die richtige Entscheidung.

    Nachdem ich immer tiefer in mein Inneres vorgestossen bin, kam ich an ziemlich alte Verletzungen die schon während der Schwangerschaft passierten.

    Ich wurde schon sehr früh abgelehnt. Diesen Schmerz konnte ich in einer Sitzung erleben und seit diesem Ereignis vor ein paar Wochen bin ich z.T. immer noch wie gelähmt.

    Neu ist, dass mein Kopf mir nicht mehr weiterhelfen kann. Das war einfach zu hart und sowas lässt sich nicht mehr wegschieben und kompensieren.

    Zum ersten Mal im meinem Leben hab ich das Gefühl, dass mein Denken mir zu 100% nicht weiterhelfen kann. Das kann ich glatt vergessen. Ich habe mein ganzes Leben mit dem Kopf meine Mängel kompensieren können. Zum Überleben hat es gereicht aber nicht für mehr. Ich bin meinem Kopf trotzdem dankbar, dass ich soweit gekommen bin: Ich hab einen guten Beruf, leben noch in einer stabilen familiären Situation, verdiene gut und kann mein Leben soweit selber bestimmen.

    Seit dieser traumatischen Erfahrung beginnt sich meine Leben zu verändern und ich hab keine Kontrolle darüber.

    Es verändert sich in ein eine gute Richtung. Es macht mich aber auch sehr traurig, weil mein Überlebensmodell nicht mehr gilt.

    Alles was ich mir bis dato aufgebaut habe, stelle ich nun in Frage. Ich brauche dringend eine berufliche Veränderung. In meiner 20-jährigen Beziehung treten deutlich Ermüdungserscheinungen auf. Hobbies, die mir früher sehr viel gegeben haben, bedeuten mir kaum noch was. Früher hab ich vieles mit Humor genommen und heute bin ich sehr ernst und traurig geworden.

    Seite meiner traumatischen Erfahrung hab ich ständig feuchte Augen, als ob gleich die Tränen fliessen würden. Es passiert jedoch nicht, weil ich absolut genug habe von diesem unsäglichen Schmerz.

    Ich schliesse meine Schmerz in einem Raum ein und lerne daraus für die Zukunft. Ich muss dafür nicht meinen Kopf brauchen, dass passiert auf der Gefühlsebene

    Ich kann nicht mehr so weiter leben wie früher. Ich weiss nicht, wohin die Reise führt. Ich hab vage Vorstellungen von meiner Zukunft und finde das ok. Ich lass mich nicht mehr auf Machtkämpfe ein, weil das keine Bedeutung für mich hat. Ich bin permament traurig, wenn ich alleine bin und weil ich alleine bin. Es war eine sehr harte Lektion, die gesessen hat.

    Ich fühle mich so, als ob mich niemand selbstlos liebt. Ich habe während der Woche immer wieder ein paar sehr schöne Erlebnisse mit Menschen, was das Gefühl der Ungeliebtheit nicht kompensieren kann.

    Ich bin alleine und war es im Prinzip schon immer. Ich wollte es nicht wahrhaben und hab gekämpft, um nicht alleine zu sein. Genützt hat es nichts.

    Langsam beginnen ich micht damit abzufinden, dass ich bis zum Rest meines Lebens und darüber hinaus alleine sein werde. Das hat nix mit Beziehungen mit Menschen zu tun und ist ein Gefühl, was sehr tief in mir drin ist.

    Die tiefe Erfahrung dieses All-Ein-Seins machen mich stärker und nicht schwächer. Ich laufe nicht mehr davon, wenn es schwierig wird. Ich lasse Veränderung zu, auch wenn es weh tut. Ich bin eine Mensch geworden mit Höhen und noch mehr Tiefen.
    Geändert von martinspin (07.01.2012 um 20:38 Uhr)
    Liebe Grüsse, Martin

    I Psychologieforum.de

    Es gibt ein Leben vor dem Tod - Nutze es!

  2. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei martinspin für den sinnvollen Beitrag:

    Erwin (07.01.2012),Frei (08.04.2012)

  3. #2
    Roman Verfasser
    Registriert seit
    27.11.2011
    Ort
    Dresden
    Beiträge
    1.347
    Danke
    175
    311 mal in 244 Beiträgen bedankt

    Standard

    Ja, mein Lieber. Du klangst was Deinen Musikjob anging nicht sehr glücklich.

    Ja, es gibt keine selbstlose Liebe. Letztlich liebt der Mensch immer aus höchst eigennützigen Gründen, selbst die Liebe einer Mutter ist nicht gänzlich selbstlos, es dient auch ihrem eigenem Ich, z.B. die Bestätigung, eine tolle Mutter zu sein und sich toll um ihr Kind zu kümmern.

    Und ja, die Erfahrung, letztlich allein zu sein. Daß es niemanden gibt, der einen wirklich versteht und wirklich so angenommen hat wie man es eigentlich gebracht hätte. Das die Mutter einen nicht so angenommen hat wie man es eigentlich gewünscht hat. Das ist hart, das ist bitter, das kann wütend, rasend machen, das ist zutiefst traurig.

    Und man wird im Grunde immer allein sein, immer dieses frühe Unglück in sich tragen, trotz aller positiven äußeren Umstände, trotz toller, erfüllender Partnerschaft, Job. Deswegen ist es nützlich, diese Erfahrung zu machen, um zu erkennen, wie dieses frühe Erleben einen im Grunde beeinflusst.

    Naja, Dir müsste ich es im Grunde nicht sagen, Du weißt es eh selbst.

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Erwin für den sinnvollen Beitrag:

    martinspin (07.01.2012)

  5. #3
    Ste
    Gast

    Standard

    Hallo,

    vielleicht liest du auch mal das Buch von Andereas Altmann, dass ich hier schon erwähnt habe? Da gehts auch um krasse Ablehnung und schmerzvolles Alleinsein, auch um die Suche nach beruflichem Glück.

    Nun, du schreibst du hast immer alles mit dem Kopf gemacht und er hat dich weit gebracht, dennoch bist und bleibst du allein und alles macht nicht so richtig Sinn.

    Ich denke, dass das so ist, wenn man sein Leben nur mit dem Versand aufbaut und führt. Das hat Grenzen und die erfährst du jetzt wohl. Das muss nicht heissen, dass es falsch war, es so zu tun, wie du es getan hast, eine Wahl hattest du ja wohl ohnehin nicht, oder?

    Kann man nun umschalten auf emotional, frei und offen für alle? Sicherlich, aber führt das auch zu einem glücklichen Leben?

    Wär interessant welche Sternzeichen du bist, ich glaub daran, dass man als Mensch eine bestimmte Prägung in sich trägt, der man auch folgen muss, aber wie man das macht, das ist das was dann Erfolg oder Misserfolg ausmacht.

    Grüße

    Ste

  6. #4
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
    Registriert seit
    28.11.2011
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    623
    Danke
    94
    117 mal in 90 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hi Ste

    Zitat Zitat von Ste Beitrag anzeigen
    Nun, du schreibst du hast immer alles mit dem Kopf gemacht und er hat dich weit gebracht, dennoch bist und bleibst du allein und alles macht nicht so richtig Sinn.
    Ich hab mit dem Kopf überlebt. Immer wenn es schwierig wurde, hat mein Kopf Wege gefunden, zu kompensieren. In meinem Leben ging es schon immer auf und ab. Wenn ich unten war, hatte ich immer wieder Ideen, wie ich hoch komme. Ich hatte dabei Illusionen und irrationale Hoffnungen, dass das Leben irgendwann besser wird, was jedoch nie eingetroffen ist. Trotzdem hat es mir geholfen, zu überleben.

    Das Alleinsein macht schon Sinn, es ist bloss schwierig zu ertragen.


    Ich denke, dass das so ist, wenn man sein Leben nur mit dem Versand aufbaut und führt. Das hat Grenzen und die erfährst du jetzt wohl. Das muss nicht heissen, dass es falsch war, es so zu tun, wie du es getan hast, eine Wahl hattest du ja wohl ohnehin nicht, oder?
    Richtig, ich hatte keine andere Wahl. Aber auch jetzt habe ich keine andere Wahl. Es sind bloss andere Bedingungen. Wenn wir davon ausgehen, dass unsere Gefühle (bewusst oder verdrängt) verantwortlich sind, hab ich noch nie eine Wahl gehabt und der freie Wille bleibt eine Illusion

    Kann man nun umschalten auf emotional, frei und offen für alle? Sicherlich, aber führt das auch zu einem glücklichen Leben?
    Ich glaub, da verstehst du mich falsch. Ich schalte nicht um vom Kopf auf das Gefühl. Es kommen bloss gewisse Gefühlsanteile hinzu, die ich früher nicht gelebt habe. Der Kopf ist immer noch da, aber etwas weniger dominant, weil Illusionen weggefallen sind.

    Wär interessant welche Sternzeichen du bist, ich glaub daran, dass man als Mensch eine bestimmte Prägung in sich trägt, der man auch folgen muss, aber wie man das macht, das ist das was dann Erfolg oder Misserfolg ausmacht.
    Ich glaube nicht an Sternzeichen und die Prägung hat in der Kindheit begonnen. Es geht auch nicht darum, zwischen erfolgreich und erfolglos zu entscheiden oder einen Weg zu finden, erfolgreich mein Leben zu meistern.

    Es ist einfach so, wie es ist: Meine ungeschönte Realität jenseits von Illusionen und irrationalen Hoffnungen.
    Liebe Grüsse, Martin

    I Psychologieforum.de

    Es gibt ein Leben vor dem Tod - Nutze es!

  7. #5
    Ste
    Gast

    Standard

    Ich kann mich erinnern, dass mir in jungen Jahren oft vorgeworfen wurde, ich würde "alles mit dem Kopf machen". Tatsächlich war und bin ich ein rationaler Mensch, der gerne denkt und nachdenkt, gerne diskutiert und klärt, alles mit dem Verstand, klar.

    Innerlich war ich immer ein aufgewühlter Orkan, aber ich konnte seit jeher meine Gefühle schlecht zeigen. Ich entwickelte gegen das "seine Gefühle zeigen" auch eine Aversion, im Laufe der Jahre, grade weil man mich immer dazu drängen wollte und weil ich bei anderen so viel Gefühlsshow sah, aber oft so wenig Inhalt und Ehrlichkeit. Das störte mich ganz eklatant.

    Vielleicht hatte ich immer schon autistische Züge, möglich wärs. Ich bin Sternzeichen Steinbock und kann mich recht gut damit identifizieren, wobei ich kein Gläubiger in dieser Richtung bin. Aber ich befasse mich gerne mit jeglichem Wissen dieser Welt, hole mir vieles zusammen, vorurteilsfrei und interessiert. Grade weil ich ein gnadenloser Analytiker bin, hab ich es gerne, wenn auch etwas phantastisches Wissen mein Herz berührt. Ich bin im Geheimen auch Romantiker.

    Ich glaube, dass mein Versand alles ist, was ich letztlich habe, er hat mich aus Krisen geführt und überleben lassen. Da ich mir als Kind nicht ausgesucht habe, wer und wie ich bin und in welcher Welt ich aufwachse, konnte ich mir auch nicht aussuchen mit welchen Mitteln ich diese Kindheit überleben sollte. Ich hatte nur diesen Verstand, ich war Analytiker, nicht Charmeur.

    Auch in der Therapie wollte man mich weg vom Verstand und hin zur Wahrnehmung bringen, zum Ausdruck von Gefühl, zum Spürbewusstsein. Authentische Gebärden wollten sie von mir sehen und ich konnte und wollte sie nicht geben, ich wollte geschützt und kontrolliert auftreten, auch in der Krise. Toben und heulen wollte ich vor Fremden nicht.

    Im Grunde hab ich das Zeigen von Gefühlen und das Kommunizieren von Gefühlen eher bei Tieren und kleinen Kindern gelernt, weniger in Therapien. Noch heute finde ich, dass die Leute, die am meisten Gefühle zeigen, oftmals am wenigsten davon haben, während stille Wasser oft tief sind. Wer an mich rankommt, erlebt Stürme und Untiefen, aber ich lasse nicht jeden Passanten an mich ran, nur m zu testen, wie meine Wirkung
    heute so ist.

    Natürlich weiß ich, dass Charismatiker es viel besser und leichter haben und auch ich trage einen solchen in mir, aber der Steuermann an Bord bleibt doch der Anylytiker und vernunftbegabte, ich denke dass Überleben für mich anders nicht möglich wäre. Solange die anderen Anteile in mir nicht absterben und ihre Rechte wahrnehmen dürfen, finde ich das auch ok.

    Grüße

    Ste

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Ste für den sinnvollen Beitrag:

    doodle (14.01.2012)

  9. #6
    Lill
    Gast

    Standard

    editiert, da überflüssig ...
    Geändert von Lill (08.01.2012 um 15:15 Uhr)

  10. #7
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
    Registriert seit
    28.11.2011
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    623
    Danke
    94
    117 mal in 90 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hoi zäme

    Ich hab einfach keine Kontrolle über meine Gefühle und das ist gut so. Im Beruf bin ich nicht traurig. Dort läuft es "normal" ab. Die Stimmungen kommen erst, wenn ich alleine bin.

    Viele Leute denken, das Psychologen, Psychiater und Therapeuten einen in der Schüssel haben bzw. selber verrückt sind. Ich würde sagen, dass stimmt sogar. Wir Geplagten sind so quasi Gefühls-Spezialisten. Das erlaubt es, uns in andere hineinzufühlen und ihre Bedürfnisse zu erspüren. Natürlich bin ich auch verletzlicher wie andere. Wie ich mich schützen kann, hab ich z.T. schon gelernt und muss noch mehr lernen.

    Mich befriedigt es zutiefst, wenn ich anderen helfen kann, ihr Leben ein klein bisschen besser bewältigen zu können. Natürlich nimmt es einem nicht die Arbeit ab, bei sich selbst zu schauen und sich zu verändern.
    Liebe Grüsse, Martin

    I Psychologieforum.de

    Es gibt ein Leben vor dem Tod - Nutze es!

  11. #8
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
    Registriert seit
    28.11.2011
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    623
    Danke
    94
    117 mal in 90 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hoi zäme

    Hatte heute das Gefühl, dass ich lernen sollte, mehr auf mein Bauchgefühl zu hören.

    Das Bauchgefühl hat so diesen Touch von Macht und das ist schon mal gut. Ich hab sehr viele Jahre auf andere gehört und war fremdgesteuert. Ich bin diesen Leuten auch nicht böse, weil das ihre Art ist, mit ihren Defiziten umzugehen.

    Das Bauchgefühl hilft mir, mich klar abzugrenzen. Es spielt keine Rolle was war und was sein wird. Wenn wichtige Entscheidungen anstehen, höre ich auch auf mein Bauchgefühl. Das ist sowas wie das Gegenteil von Kopfentscheidungen.

    Vielleicht geht es letztlich darum, so eine Art Balance herzustellen zwischen diesen Teilaspekten.

    Der Bauch ist auf jeden Fall wichtiger wie der Kopf, weil solche Entscheidungen sich richtiger anfühlen.

    Mal schauen, wohin mich die Reise führt
    Liebe Grüsse, Martin

    I Psychologieforum.de

    Es gibt ein Leben vor dem Tod - Nutze es!

Seite 1 von 12 1234511 ... LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Das Gefühl nichts zu fühlen..
    Von DieMauer im Forum Depression
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 03.12.2011, 22:52
  2. Er ist nicht fähig zu fühlen
    Von Lawine im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 13.01.2011, 15:41
  3. Sich selbst fremd fühlen / Fremdkörper
    Von Lilie85 im Forum Ängste
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 09.01.2011, 04:23
  4. Sich zu etwas höherem bestimmt fühlen
    Von Auf der Suche im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 15.06.2010, 21:53

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!