psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 20

Thema: Depression durch die Arbeit? Ich kann nicht mehr.

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    30.01.2012
    Beiträge
    7
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Depression durch die Arbeit? Ich kann nicht mehr.

    Hallo!

    Seit 2 Jahren befinde ich mich in einer Ausbildung und mit dieser Entscheidung habe ich meine persönliche Hölle gefunden. Aber jetzt muss ich diese durchziehen (mein Lebenslauf zwingt mich dazu "abgebrochenes Studium zuvor"). Es sind nur noch 12 Monate. Aber ich drehe bald durch.

    Lob gibt es nicht. Nur Kritik oder schweigen und Befehle. Der Chef gibt selber zu "Die Azubis müssen mehr ausgebeutet werden, das was wir tun ist nicht genug". Viele Überstunden, kein Ausgleich dafür. Ständige Rufbereitschaft. Schichtdienst. Teilweise schwere körperlich Arbeit. Ich lerne nichts mehr dort. In der Berufsschule müssen wir den 6. Tag auch reinkommen - unbezahlt. Wir haben auch eine extrem hohe Fluktation im Betrieb. Was keinen mehr verwundert.

    Wenn ich zur Arbeit gehe, verspüre ich nur noch grenzenlosen Hass und Wut. Dazu Verzweiflung, weil ich nicht mehr weiß wie ich das überstehe. Ich schauspielere dort jeden Tag. Wenn ich mich umziehe, setze ich mein "Arbeitslächeln" auf. Nach Feierabend erstirbt es wieder. Ich zähle jede Viertelstunde. Jeden Tag. Seit 2 Jahren. Die Tage an denen ich dort Spaß hatte, kann ich an einer Hand abzählen.

    Ich dachte, ich schaffe das alles. Dachte ich bin stark. Das war ich immer, jedes Problem konnte ich bisher alleine lösen. Ich hatte Freunde und Hobbys. Hobbys sind aber aufgrund des Schichtdienstes unmöglich geworden. In mir sind nur noch negative Gefühle aufgestaut: Wut, Hass, Angst, Verzweiflung. Ich hasse die Gegenwart und habe Angst vor der Zukunft. Früher habe ich fast nie geweint, seit den letzten 2 Jahren sehr oft. Manchmal geht es mir für einige Monate besser, aber dann sitze ich jeden Tag nach Feierabend rum und kann mich zu nichts mehr aufraffen, muss nur noch weinen. Ich habe keine Freude mehr an den Dingen, dir mir mal Spaß gemacht haben.

    Sämtliche Freundschaften habe ich in den Sand verlaufen lassen. Teilweise sogar bewusst. Ich habe nach Feierabend einfach nicht mehr die Kraft dazu. Was will man auch mit mir? Jeder weiß wie schlecht es mir geht. Niemand kann mir helfen. Niemand will mit jemanden befreundet sein, der nur am jammern ist (würde ich auch nicht wollen) - also lass ich es gleich sein. Dazu kommt auch der Neid auf andere. Es ist schwer sich das einzugestehen: Aber ich sehe wie alle um mich herum glücklich sind. Studieren etc. Nur ich? Ich fühle mich das erste Mal in meinem Leben als Versager. Auch Beziehungen gehe ich aus dem Weg. Es wäre sinnlos. Zu allem unglück habe ich mich jetzt auch noch verliebt. Aber ich vergesse ihn lieber. Ich bekommen ja mein eigenes Leben nicht in den Griff.

    Dazu kommt die Zukunftsangst: Ich weiß nicht, was ich studieren soll. Das belastet mich so unglaublich! Ich habe so große Angst, zum 3. Mal eine Fehlentscheidung zu treffen. Mittlerweile bin ich einfach wie gelähmt. Ich weiß bald selber nicht mehr, was mir überhaupt Spaß bringen würde. Ich habe die Kraft dazu nicht mehr. Welches Unternehmen will mich überhaupt noch mit einem 3. Berufswechsel im Lebenslauf? Wer kann mir überhaupt helfen? Sämtliche Verwandte schauen mich nur noch mitleidig an "Du musst das selber entscheiden". Und wenn ich nicht kann? Ich will so gerne studieren. Aber nicht für die Arbeitslosigkeit und nicht für so einen Job wie diesen jetzt. Ich habe alles durch: Sämtliche Beratungsbücher, Berufstests (kostenlos wie kostenpflichtig) nichts hilft.

    Ich kann nicht mehr!

  2. #2
    Neuling
    Registriert seit
    30.01.2012
    Beiträge
    9
    Danke
    0
    2 mal in 1 Beitrag bedankt

    Standard

    Es scheint, als ob nicht nur die belastende Situation ein Problem darstellt, sondern auch, die Angst vor der Zukunft, dem Versagen und der Hilflosigkeit.


    Lassen wir deinen Lebenslauf außen vor. Deine Gesundheit ZÄHLT. Du redest von dir selbst, als seiest du einst ein schönes Armband gewesen, das mehr und mehr ausgeleiert ist bzw. ausgeleiert wurde. Sieh dich nicht als Versager an, das bist du nicht. Vielleicht war ist nicht klug das Studium abbzubrechen, aber es ist nunmal passiert und dich darauf zu reduzieren, wäre primitiv und schwachsinnig. Deine Arbeit hat viel zu großen Einfluss auf dich und dein Privatleben, besonders deine Gefühle und die Wahrnehmung deiner Selbst. Du siehst dich - aufgrund der Schwäche (laut dir) dass du nicht mit der Arbeit klarkommst, dass du das Studium abgebrochen hast, dass du nur meckerst - genauso wie dein Chef dich sieht. Als einen Azubi der hart arbeiten muss und keinerlei Rechte hat, sondern sich unterwerfen muss. Das bist du nicht. Du hast verinnerlicht, was dir gelehrt wurde.
    Könntest du dir vorstellen, die Ausbildung abbzubrechen?
    Geändert von y0ucantfixaheart (30.01.2012 um 21:19 Uhr)

  3. #3
    Neuling
    Registriert seit
    30.01.2012
    Beiträge
    7
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Danke für deine Antwort. Du hast recht mit allem was du sagst. Eigentlich darf ich mich nicht als Versager fühlen. Ich wusste ja nicht, wie es dort zugeht und auch nicht wie mich diese Ausbildung praktisch "bricht" - ich hätte es nie zugelassen.

    Meckern tue ich auf der Arbeit nicht. Ich tue was man mir sagt. Wer mir sagt "lächel", dann tue ich das. Zu Hause erst kommt diese tiefe Verzweiflung wieder. Es geht übrigens allen Azubis so. Mir gegenüber verhält man sich nicht anderes.

    Nein, ehrlich gesagt kann ich es mir nicht vorstellen diese Ausbildung abzubrechen. Ich habe 2 Jahre geschafft. 2 Jahre bereits vergeudet. Es wäre umsonst gewesen. Dazu würde es meinen Lebenslauf erst recht zur Katastrophe machen - und damit noch größere Schuldgefühle verursachen. Außerdem: Mir fehlt die Alternative. Ich möchte 1000 % studieren, aber wenn ich nicht weiß was genau, bringt das Ende der Ausbildung auch nichts.

  4. #4
    Gesperrt
    Registriert seit
    30.01.2012
    Beiträge
    265
    Danke
    71
    25 mal in 17 Beiträgen bedankt

    Standard

    Ich habe mich mit 40 rauswerfen lassen und bin jetzt Harzt 4.

    Mir mangelt es an nichts Existenziellem aber ich bin raus der Tretmühle und spare mir die Magengeschwüre und den Herzinfarkt. Die können mich mal.

    Wenn ich ausgebeutet und gemobbt werde, gehe ich halt. Für einen Job ruiniere ich mir doch nicht die Gesundheit.

    Ein einfaches und stressfreies Leben habe ich jetzt

  5. #5
    Schreibkraft
    Registriert seit
    21.10.2011
    Beiträge
    106
    Danke
    42
    75 mal in 42 Beiträgen bedankt

    Standard Job oder Gesundheit?

    Zitat Zitat von Sagon Beitrag anzeigen
    Ich habe mich mit 40 rauswerfen lassen und bin jetzt Harzt 4.

    Mir mangelt es an nichts Existenziellem aber ich bin raus der Tretmühle und spare mir die Magengeschwüre und den Herzinfarkt. Die können mich mal.

    Wenn ich ausgebeutet und gemobbt werde, gehe ich halt. Für einen Job ruiniere ich mir doch nicht die Gesundheit.

    Ein einfaches und stressfreies Leben habe ich jetzt
    Ich verstehe Deine Entscheidung. Ich arbeite lange genug und habe vieles kennengelernt, auch die "unterste Schiene".

    Es gibt aber auch andere Erfahrungen als nur ausgebeutet und gemobbt zu werden: Wertschätzung, auf Augenhöhe behandelt und gut bezahlt zu werden... und eine sehr sinngebende Tätigkeit auszuüben.

    Es ist schade, dass Du das nicht so erfahren hast, ich denke, es liegt oft nicht an den Menschen selber... zur falschen Zeit am falschen Ort kann schon völlig ausreichen.

    Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich mich morgens am liebsten schon übergeben hätte vor Angst... und ich sah kaum einen schnellen Ausweg. Jeden Tag hatte ich das Gefühl, nicht einen einzigen mehr schaffen zu können... mein ganzes Privatleben war bereits in Mitleidenschaft gezogen: Ich hatte nichts mehr zu lachen und meine Familie hatte nur noch die "Reste": Das, was nach einem alptraumhaften Tag von mir noch übrig war...

    Doch ich habe es heile da raus geschaftt. Heute arbeite ich in einer Firma, die ich so mag, wie keine je zuvor: Der Chef behandelt jeden mit Respekt, er gibt einem das Gefühl, auf gleicher Höhe mit ihm zu stehen. Das Klima ist sehr gut... ich erhalte Anerkennung.
    Klar, kleine Reibereien gibt`auch bei uns und in der "heißen" Phase eines Projektes gibt`s auch schon mal die eine oder andere schlaflose Nacht. Auch habe ich besonders im Sommer keine 40-Stunden-Woche, oft auch mehr als 50 Stunden...

    ... aber es fühlt sich viel weniger wie Arbeit an. Eher wie eine gute Aufgabe, die auch Spaß macht. Zudem habe ich viele Freiheiten, kann mir meine Arbeit völlig eigenständig organisieren...

    Das wollte ich nur schreiben, weil ich solche Situationen auch kennen gelernt haben: Jeden Morgen... wird einem schon schlecht.

    Doch es geht auch anders. Bitte nicht aufgeben.

    LG
    Silent Voice

  6. #6
    Gesperrt
    Registriert seit
    30.01.2012
    Beiträge
    265
    Danke
    71
    25 mal in 17 Beiträgen bedankt

    Standard

    Sicher, wenn ich so etwa finden würde...........ginge ich auch wieder arbeiten.

  7. #7
    Lill
    Gast

    Standard

    Hallo Sagon,

    Sicher, wenn ich so etwa finden würde...........ginge ich auch wieder arbeiten.
    Suchst du denn sowas überhaupt, ich mein ernsthaft?? Weil - wenn nicht, finde ich deinen Beitrag davor (Hartz4 und glücklich dabei...) etwas zynisch und nicht sehr hilfreich.

    Shawnee, ich kann dir so gar nichts raten, es ist deine persönliche Grenze, die dir sagt, ob du das aushältst. Aber sicher wäre es ärgerlich, wenn die beiden ersten Jahre umsonst gewesen wären. Es stellt sich die Frage, wie du die verbleibende Zeit so gestalten kannst, dass du es besser aushältst und die Zeit auch noch schaffst.

    Hast du da irgendwelche Tricks und Tipps für den Alltag gefunden? Helfen dir vielleicht Entspannungsübungen?

  8. #8
    Gesperrt
    Registriert seit
    30.01.2012
    Beiträge
    265
    Danke
    71
    25 mal in 17 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von Lill Beitrag anzeigen
    Hallo Sagon,



    Suchst du denn sowas überhaupt, ich mein ernsthaft?? Weil - wenn nicht, finde ich deinen Beitrag davor (Hartz4 und glücklich dabei...) etwas zynisch und nicht sehr hilfreich.
    Nein, man hat mir als Dipl.-Betriebswirt nur Callcenter Jobs angeboten - das mache ich nicht.

Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Ich kann nicht mehr
    Von Red im Forum Depression
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 13.02.2012, 21:01
  2. Arbeit - weiß nicht mehr weiter
    Von renchtal im Forum Depression
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 23.06.2011, 22:21
  3. Ich kann nicht mehr :(
    Von Libertad im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 11.03.2011, 11:18
  4. Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 22.12.2010, 23:56
  5. Kann nach Arbeit nicht abschalten....
    Von sleepless im Forum Minderwertigkeitsgefühle
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 30.04.2010, 17:57

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!