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Thema: Depression durch Schlaf verstärkt oder nur Übergang?

  1. #1
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    Standard Depression durch Schlaf verstärkt oder nur Übergang?

    Hallo an Alle :-).

    Ich habe folgendes Problem:
    Wegen einer Zwangserkrankung (in der Zeit keine Depression) bekam ich vor vier Jahren Trevilor 75 mg verschrieben. Im letzten Jahr nahm ich sie nur noch in 37,5 mg Dosis. Gegen die Zwänge halfen sie nicht so richtig (waren dafür wohl zu niedrig dosiert), aber gegen die dahinter stehenden Ängste. Die Zwänge bekam ich durch Berufswechsel und Lebensumstellung gut in den Griff. Ich machte mich selbständig, es ging mir gut.
    Dann beschloss ich mit meiner Neurologin vor zweieinhalb Monaten, die ganz abzusetzen, direkt von 37,5 mg runter und nahm dann stattdessen hochdosiertes Johanniskraut. Ein paar Tage lang hatte ich Absetzerscheinungen, dann ging es ein paar Tage lang gut, dann fing es an mit Stimmungsschwankugen, Ängsten, innerer Unruhe. Da ich als Selbständige funktionieren muss, ging ich nach dreieinhalb Wochen Kampf wieder zur Neurologin, setzte das Johanniskraut ab, ließ mir wieder Trevilor verschreiben. Erst 37,5 mg, dann nach einer Woche 75 mg. Nach zwei bis drei Wochen sollte laut Neurologin damit alles wieder im Lot sein. War es aber nicht. Obwohl der Abstand zur letzten Einnahme noch nicht so groß war, hatte ich mit üblen Nebenwirkungen zu kämpfen, Ängste und Depressionen verstärkten sich enorm. Ich hatte üble affektive Zustände, konnte nichts mehr machen, als nervös in der Gegend rumlaufen und heulen. Schlafen oder den Tag irgendwie rumzukriegen war ohne Tavor nicht möglich.
    Nach einigen Tagen verzichtete ich tagsüber auf Tavor, nahm sie nur noch zur Nacht, weil ich das Gefühl hatte, dass sie tagsüber das depressive Gefühl noch verstärken würden. Ich ging in eine Klinik, weil ich dachte, es hier zuhause nicht mehr auszuhalten. Dort probierte man es zusätzlich mit drei niederpotenten Neuroleptika, die ich entweder gar nicht vertrug oder auf die ich paradox reagierte (bei einem mussten wir, als ich am WE zuhause war und nicht mehr vom Sofa kam, den Notruf wählen). Dort herrschte nun auch noch akuter Ärztemangel, so dass ich mich dort schlechter versorgt fühlte, als zuhause (ich war einen Tag dort draußen zusammengeklappt, man legte mich aufs Bett - ganz toll mit extremer innerer Unruhe - sagte, man würde den Arzt holen, aber es kam zwei Stunden lang kein Arzt - wie ich später erfuhr, wusste er nicht mal bescheid). Nach zehn Tagen bin ich auf eigenen Wunsch wieder nach Hause gegangen.

    Ich hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, weil sich in den Wochen nur geringfügig Besserung einstellte, als sich dann nach fünf Wochen Wiedereinnahme von Trevilor endlich die Stimmung stabilisierte. Ich hatte langsam die Tavor abends ausgeschlichen, das hat sicherlich auch etwas dazu beigetragen (denn nachdem ich nur noch eine Viertel Tavor nahm, verbesserte sich die Stimmung schlagartig). Erst einmal konnte ich überhaupt nicht schlafen (gut habe ich auch mit den Tavor nicht geschlafen, aber immerhin zwei oder drei Stunden pro Nacht), wachte nach einer halben Stunde mit Angst und Unrhuhe auf und morgens ab fünf Uhr wurde ich dann total unruhig, morgens nach dem Aufstehen war ich noch sehr unruhig und tagsüber wenig belastbar, mir war sehr übel (ich hatte acht Kilo abgenommen, weil ich kaum mehr essen konnte), aber es ging immerhin stimmungsmäßig schon wieder recht gut. Ich legte mir bestimmte Schlafenszeiten fest, stand immer um sechs Uhr auf und legte mich auch mittags in all der Zeit nicht hin.

    Seit fünf Tagen kann ich wieder normal essen, die Übelkeit ist weg. Vorvorletzte Nacht konnte ich zum ersten Mal wieder einigermaßen schlafen. Tagsüber ging es, bis auf Erschöpfung (ich hatte den Tag zuvor einige Ämtergänge erledigt und mich etwas überlastet) gut. Also ich war schon gut zwei Wochen in einer stabilen, guten Stimmungslage.
    Vorletzte Nacht schlief ich dann zum ersten Mal richtig gut. Morgens war ich nicht unruhig, es war toll. Am Vormittag dann, stellten sich dann üble Zwangsgedanken ein - total konfus und machten mir Angst. Ich konnte mich aber ganz gut ablenken. Bei einem Spaziergang dann, kamen sie wieder, zusammen mit einer leichten Depristimmung. Mittags fühlte ich mich total benommen und neben mir. So ging es gestern den ganzen Tag lang, leichte Depri, Gedankenkreisen, Ablenkung. Bis zum Abend, wo es mir, wie eigentlich immer abends, gut ging.
    Heute Nacht dann wieder gut geschlafen, bis halb fünf, wo ich total durchgeschwitzt aufwachte. Ich hing in einer der übelsten Depristimmungen, die ich in der ganzen Zeit mal gehabt hatte. Kam kaum aus dem Bett (was sonst nie ein Problem gewesen war, eher im Gegenteil), schob Panik. Bin dann ins Bad und hab mir kaltes Wasser über Arme und Gesicht laufen lassen.
    Wieder ins Bett, weil ich bleiern müde war und schaffte es auch, mich durch Achtsamkeitsübungen abzulenken. Dann fielen die Augen zu und ich nochmal für eine halbe Stunde in den Halbschlaf. Danach war die Stimmung besser. Nicht gut, aber auch nicht mehr ganz so dunkel. Aber die Angst saß und sitzt sehr tief. Habe inzwischen geduscht und versuche, mit dem Ganzen einigermaßen umzugehen.

    Kennt jemand von Euch solche Übergangsphasen? Kann es sein, dass sich mein Gehirn erst wieder an das Schlafen gewöhnen muss und deshalb mit Depressionen und Zwangsgedanken reagiert? Mir wurde vom Arzt gesagt, dass sich die Schlafstörungen geben, wenn sich die Depression löst. Das passte ja auch ins Schema, denn es wurde ja besser. Warum dann aber jetzt wieder diese Stimmungsschwankungen? Ich habe gerade einfach nur noch schreckliche Angst. Ich kenne Depressionen schon seit meiner Jugend, aber so schlimm war es nie (beziehungsweise bin ich früher auch ohne Medikamente klar gekommen), ich fühle mich irgendwie total fremdgesteuert. Wie gehe ich mit diesen Gefühlen und Ängsten um? Diese Zeit war für mich der absolute Supergau, weil sie auch so unerwartet nach vier Jahren richtig guter Zeit kam. Ich konnte schon wieder mal eine Stunde arbeiten in den vergangenen Tagen, aber jetzt habe ich Angst.
    Geändert von Merle (30.10.2011 um 06:22 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Merle,
    Erst mal willkommen!
    Ich habe mir Deinen Bericht durchgelesen. Nun möchte ich erst mal noch was besser verstehen:
    Da ich als Selbständige funktionieren muss...
    Da kommt mir der Gedanke an eine Maschine, Maschinen "funktionieren".
    Siehst Du Dich so?
    LG Sonnenkraut

  3. #3
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    @ Sonnenkraut: Jain ;-). Grundsätzlich kann ich mir schon zugestehen, auch mal nicht zu funktionieren. Damals mit der Zwangserkrankung war ich ein Jahr lang krank geschrieben und hatte kein Problem damit, allerdings befand ich mich da in einem Angestelltenverhältnis und hatte kein finazielles Desaster zu befürchten. Habe dann umgeschult auf meinen jetzigen Beruf und mich selbständig gemacht.
    Funktionieren muss ich insofern, als dass ich als Selbständige nichts verdiene, wenn ich nicht arbeiten kann. Da ich einige Vorerkrankungen habe, nimmt mich leider keine Zusatzversicherung, mit der ich lange Arbeitsunfähigkeiten oder Krankenhausaufenthalte finanziell abfangen könnte. Ich verdiene nun auch nicht so wirklich viel, dass ich einen sehr langen Zeitraum mit Ersparnissen überbrücken könnte. Insofern muss ich schon funktionieren, ja, wie wohl jeder selbständig arbeitende Mensch. Das ist leider der Nachteil der Selbständigkeit, die ich ansonsten sehr zu schätzen weiß, und durch die ich auch meine Zwänge auf ein sehr erträgliches Maß bringen konnte (früher fast 24 Stunden am Tag gezwängelt, heute vielleicht noch zehn Minuten). Ich arbeite von Zuhause aus am Computer, so dass es bei "normalen" Erkrankungen eigentlich nie zu längeren Ausfallzeiten gekommen ist - nur bei der Depression jetzt.

  4. #4
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    Ich kenne Depressionen schon seit meiner Jugend,
    Dabei fällt mir ein, nach der Situation in Deinem Elternhaus nachzufragen. Wie war damals die Stimmung (wenn ich denn danach fragen darf)?
    Gruß Sonnenkraut

  5. #5
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    @ Sonnenkraut: Das ist eine längere Geschichte. Meine Ma hatte psychische Probleme, die aber von uns Kindern ferngehalten wurden. Mein Pa ist ein sehr leistungsbezogener Mensch. Die ganzen Kindheitssachen und auch im Erwachsenenenalter auftretende Probleme wurde schon sehr ausgiebig in Therapien und auch einem zweimonatigen Klinikaufenthalt wegen der Zwangserkrankung aufgearbeitet. Ich kenne die Ursache vieler meiner Probleme recht gut und weiß normalerweise da auch recht gut mit umzugehen. Wie gesagt, frühere Depressionen konnte ich immer gut ohne Medikamente und mit therapeutischer Hilfe abfangen. Hatte auch immer meine Werkzeuge (vor allen Dingen Kreativität), damit umzugehen. Aber dieses Stimmungs Hin- und Her-, also diese Willkür bei dieser Depression, erschreckt mich sehr. Klar, ist schwierig, für einen Kontrolletti (Zwängler), wenn er etwas nicht unter Kontrolle hat ;-). Vor allen Dingen, dass es da so unterschiedliche Aussagen gibt, wie lange es dauern kann, bis alles beim alten ist. Wie gesagt, bis ich die Trevilor abgesetzt hatte, ging es mir gut. Der Job ist zwar teilweise sehr stressig, aber ich mache ihn gerne und konnte mir die Zeit auch gut und mit Pausen einteilen. Privat lief es auch die Monate davor gut.

  6. #6
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    Aha!
    Mein Pa ist ein sehr leistungsbezogener Mensch.
    und Du?
    Der Job ist zwar teilweise sehr stressig,..
    Könntest Du (wenn Du möchtest) bitte mal ein paar Deiner "Glaubenssätze" hinsichtlich Leistung aufschreiben?
    LG Sonnenkraut

  7. #7
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    Ja, auch ich bin leistungsbezogen, jedoch nicht um jeden Preis. Ich finde die Einstellung meines Vaters ganz furchtbar - trotzdem hat sie mich natürlich geprägt und ich setze mich häufig mehr unter Druck, als ich müsste. Ich denke schon, dass man etwas leisten sollte, wenn man es kann, aber man sollte auch seine Grenzen erkennen. Daran arbeite ich und ich habe auch schon ganz gut gelernt "Nein" zu sagen. Meinem einen Auftraggeber, der gerne mal drängelt, habe ich beispielsweise gleich, als ich jetzt beschlossen habe, langsam wieder anzufangen, meine momentanen Grenzen ganz klar mitgeteilt. Er respektiert sie - ansonsten hätte er sich einen anderen Mitarbeiter suchen müssen.
    Aus dieser Situation möchte ich nicht in erster Linie der Arbeit wegen herauskommen, auch wenn die natürlich eine große Rolle spielt (auch dabei, mich wieder "normal" zu fühlen). Finanziell habe ich für die Überbrückungszeit eine Übergangslösung gefunden, um mich da nicht zu sehr selber unter Druck zu setzen.
    Ich möchte aus der Depri heraus, nicht weil ich es MUSS, sondern weil ich es MÖCHTE. Ich liebe das Leben und würde es gerne wieder genießen können ohne die Angst "wann kommt das nächste unerwartete Stimmungstief".
    Ich möchte mich wieder mit Freunden verabreden können, ohne sagen zu müssen: Mal sehen, ob ich das an dem Tag KANN. Denn ich merke, dass ich dringend mehr unter Leute muss, das habe ich beispielsweise sehr vernachlässigt zugunsten der Arbeit.

    Das waren jetzt zwar keine Glaubenssätze, aber damit kannst Du bestimmt schon etwas anfangen :-).

  8. #8
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    Ich könnte grad mal wieder heulen. Gestern war ziemlich anstrengend - war bei einer Freundin, was zunächst ganz entspannend war, dann begann sie allerdings Psychosachen aus ihrer Vergangenheit zu erzählen, die mir eher weniger Mut gemacht haben (und das nach der Nacht mit dem Deprischub).
    Bin dann ziemlich geplättet nach Hause. Den restlichen Tag habe ich mich durchgeschleppt mit Spazieren gehen, ein bisschen arbeiten (was mich von den Horrorgeschichten ablenkte und in dem Moment gut tat), und am Abend saß ich dann mit üblen Kopfschmerzen und extrem müde auf dem Sofa. Sonst geht es mir abends immer gut und zumindest der Abend bedeutet ein bisschen Erholung, aber gestern war auch der quälend (zumal wegen der Zeitumstellung).
    Dann im Bett schlief ich von 23.15 Uhr bis eins, halb zwei und wachte mit Kopfweh auf - konnte trotz Entspannungsübungen/Musik absolut nicht mehr einschlafen. Denke auch, das kam noch mit wegen der Angst vor einem erneuten Deprischub, wenn ich schlafe. Jetzt sitze ich hier, zittere und kann echt bald nicht mehr. Eine Paracetamol mag ich auch nicht nehmen, weil ich seit dieser ganzen Ab- und Ansetzerei von Trevilor die meisten Medikamente nicht mehr vertrage. Versuche hier gerade ruhig zu bleiben und mich da nicht so reinzusteigern, aber das ist echt schwer. Ob eine Dosiserhöhung von Trevilor etwas bringen könnte? (Natürlich in Absprache mit dem Arzt). Ich war ja nun vorher noch nie über 75 mg, das letzte Jahr bin ich sogar mit 37,5 mg ausgekommen. Aber die Ärzte in der Klinik sagten damals, dass es nach dem Absetzen sein kann, dass die letzte Dosis nicht mehr richtig wirkt und man bei erneuter Einnahme höher dosieren müsste. Gibt es da bei Euch Erfahrungswerte?
    So allmählich bekomme ich nun auch vor den Nächten Angst - eigentlich hatte sich die Angst vor den Tagen schon gelegt, aber es ist so ein Auf und Ab.
    Geändert von Merle (31.10.2011 um 05:24 Uhr)

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