psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 5 von 5

Thema: Depressionen besiegen oder lernen damit zu leben?!

  1. #1
    Neuling Avatar von Skorpion311
    Registriert seit
    11.09.2011
    Beiträge
    28
    Danke
    9
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard Depressionen besiegen oder lernen damit zu leben?!

    Hallo zusammen,

    zur Zeit bin ich in einer schwierigen Lage. Wenn ich über mich hier berichten würde, könnte ich ganze Themen füllen. Daher versuche ich das Ganze möglich kurz & knapp zu halten - in Form von Stichpunkten.

    - ich bin 24 Jahre alt
    - seit Anfang des Jahres 2010 habe ich mit Depressionen zu kämpfen

    - meine Eltern waren beide mit Depressionen behaftet und auch in stationärer Behandlung
    - mein Vater ist vor 10 Jahren an einem Krebsleiden verstorben
    - meine Mutter war danach lange Zeit depressiv, jedoch nicht (mehr) in stationärer Behandlung
    - ich habe meinen Hauptschulabschluss gemacht und danach auf einer weiterführenden Schule meine mittlere Reife nachgeholt
    - 2005 habe ich eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen und 2008 erfolgreich abgeschlossen
    - danach startete ich ins Berufsleben
    - Ende des Jahres 2009 ging es meiner Mutter wieder besser

    Mein persönliches Ziel war es mir was aufzubauen und im Leben etwas zu erreichen. Deshalb habe ich im August 2009 ein berufsbegleitendes Studium zum Betriebswirt begonnen. Ich hatte neben dem Job also noch 2-3x unter der Woche 3h und ab und an mal Samstags Unterricht. Zu der Zeit war ich - wie sich jeder vorstellen kann - voll ausgelastet. Ende 2009 / Anfang 2010 bekam ich während dem Job, in der Abendschule oder beim Autofahren ab und an "Panikattacken". Natürlich habe ich die nicht so erkannt... vielmehr habe ich das auf die Belastungen und Übermüdung geschoben. Bei diesen Attacken war mir schwindelig, ich bekam Schweißausbrüche und das Gefühl, dass ich jeden Moment in Ohnmacht falle.

    Im April 2010, an einem Montag, habe ich während der Arbeit gemerkt, dass ich mich nicht mehr konzentrieren konnte und mir wieder schwindelig war. Deshalb bin ich zum Hausarzt. Beim Hausarzt bin ich dann in Tränen ausgebrochen. Es folgte die Überweisung zu einem Neurologen/Psychiater und eine Krankschreibung von 12 Wochen. Das Studium habe ich (nach insgesamt 9 Monaten) abgebrochen. Seit dieser Zeit nehme ich Medikamente und bin in ambulanter psychologischer Therapie. Als es mir wieder besser ging begann ich wieder zu Arbeiten - alles lief ohne Probleme. Nur merkte ich mit der Zeit, dass es mir mal schlechter, mal besser ging... man könnte sagen es war ein Gefühl von "Hochs" und "Tiefs".

    In diesem Jahr gabs jedoch schon 2 starke "Tiefs". Ich war einmal 5 Wochen krank geschrieben und bin seit einer Woche erneut krank geschrieben. Da dieser Zustand weder für mich noch für meinen Arbeitgeber aktzeptabel ist und ich auch dementsprechend besorgt um meinen Job bin, wurde nach Absprache mit meinen Arzt eine stationäre Behandlung in einer Psychosomatischen Klinik eingeleitet - die Behandlung wird dort voraussichtlich in 3-4 Wochen beginnen.

    Ich habe eigentlich keine Erwartungen wenn ich dort hingehe, da ich auch damals bei meinen Eltern keine Besserung verspürt habe. Deshalb mache ich mir momentan sehr viele Gedanken über meinen weiteren Lebensweg... Mir fehlt leider die Zuversicht und auch die Hoffnung.

    Was mich interessiert ist, ob jemand evtl. in einer ähnlichen Situation war und im Laufe der Zeit gelernt hat sich damit zu arrangieren oder die Depressionen zu besiegen.

    Gruß,
    Skorpion311
    In einer irrsinnigen Welt zu versuchen vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich. (Voltaire, franz. Autor)

  2. #2
    Moderator Avatar von Tänzerin
    Registriert seit
    20.03.2010
    Beiträge
    442
    Danke
    149
    175 mal in 107 Beiträgen bedankt

    Standard

    Das ist auf jeden Fall möglich, um dich zu ermutigen - man kann auf jeden Fall lernen, mit Depressionen zu leben. Mit dem besiegen habe ich keine Erfahrung, das soll wohl auch gehen, daran glaube ich aber (noch?) nicht

    Ein Klinikaufenthalt scheitert aus meiner Erfahrung oft aus zwei Gründen: entweder, die Therapie passt nicht zum Patienten oder ist einfach schlecht, oder der Patient ist nicht in der Lage, sich stark genug auf die Therapie einzulassen.
    Grund 1 wird schon oft genug vorkommen, aber er wird, glaube ich, zu oft als Tarnung für Grund 2 herangezogen.

    Ich habe bei meinem Klinikaufenthalt gemerkt, dass, selbst wenn den Leuten vermeintlich klar ist, dass sie selbst arbeiten müssen, es ganz tief in ihnen nicht dazu gereicht hat, wirklich zu realisieren, was es heißt, in einer Therapie an sich zu arbeiten.
    Meine Einzeltherapeutin hat am Ende meines Aufenthalts gesagt, dass sie froh war, so eine Patientin gehabt zu haben, weil bei mir immer so viel passiert ist - das bestätigt im Umkehrschluss die Beobachtung, dass ganz viele Patienten eher vor sich hindümpeln und warten, dass etwas passiert. Mit ihnen.
    Aber eigentlich geht es darum, Chancen zu nutzen, auszuprobieren, sich zu überwinden, immer und immer wieder. In der kleinen Situation das Potential zum Lernen zu erkennen und keine Angst vor der eigenen Courage haben.

    Warum ich das erzähle: Ich glaube, je mehr dir das klar ist, dass du ganz viel in der Hand hast, ob deine Therapie erfolgreich wird, desto besser wirst du bei deinem stationären Aufenthalt arbeiten können und umso erfolgreicher wird sie sein.

    Wichtig ist aber auch, dass dir klar ist, dass deine Probleme nicht aus der Welt sind, wenn du die Klinik wieder verlässt; das wäre aus meiner Sicht utopisch. Ich habe vor allem ganz viele Erfahrungen mitgenommen, die ich gegen meine Ängste setzen kann und ganz viele Strategien ausprobiert, was ich bei einer depressiven Phase machen kann bzw. wie ich ihr entgegenwirken kann. Ich habe sehr viel über mich gelernt und kann den Alltag, trotz Rückfällen, auf jeden Fall viel besser handhaben.

    Ich wünsche dir ganz, ganz viel Erfolg
    nur diese vier worte: wenn wir uns küssen

  3. Die folgenden 4 Benutzer bedankten sich bei Tänzerin für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (14.09.2011),Skorpion311 (13.09.2011),Tifereth (13.09.2011)

  4. #3
    Neuling Avatar von Skorpion311
    Registriert seit
    11.09.2011
    Beiträge
    28
    Danke
    9
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    Hallo Tänzerin,

    wie ich dir schon kurz nach deiner Antwort per PN geschrieben hab, teile ich deine Ansicht voll und ganz!

    Zitat Zitat von Tänzerin Beitrag anzeigen
    Warum ich das erzähle: Ich glaube, je mehr dir das klar ist, dass du ganz viel in der Hand hast, ob deine Therapie erfolgreich wird, desto besser wirst du bei deinem stationären Aufenthalt arbeiten können und umso erfolgreicher wird sie sein.
    In ca. 1,5 Wochen beginnt die Behandlung. Momentan habe ich Angst davor, micht nicht genug darauf einlassen zu können. Normalerweise bin ich der Typ, der immer motiviert ist, immer das Positive sieht und auch weiß wofür es sich zu kämpfen lohnt. Die letzten Tage kamen mir so vor als wenn mein Leben an mir vorbeizieht. Ich bin mir voll im Klaren darüber, dass ich - und nur ich - an der Situation was ändern kann und keines falls durch ein bestimmtes Mittelchen oder durch eine bestimmte Behandlung sich das Blatt zum Guten wendet.

    Diese Ohnmacht sich selbst gegenüber ist grauenhaft. Ich hatte/habe doch noch so viele Pläne, Wünsche oder Dinge die ich sehen wollte...

    Ich weiß momentan nicht wie ich meine Einstellung zu mir wieder finden kann...

    Gibt es irgendjemanden, der genau das kennt? Der einen Nutzten daraus ziehen konnte? Der gelernt hat das zu überwinden und dadurch weitergekommen ist?

    Gruß,
    Skorpion
    In einer irrsinnigen Welt zu versuchen vernünftig sein zu wollen, ist schon wieder ein Irrsinn für sich. (Voltaire, franz. Autor)

  5. #4
    Schreibkraft Avatar von monkey
    Registriert seit
    28.11.2010
    Beiträge
    171
    Danke
    21
    59 mal in 48 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Skorpion,

    nunja, besiegt habe ich die Depressionen leider auch noch nicht, hatte immer Schwierigkeiten es anzunehmen und ernst zu nehmen. Also habe ich versucht das Beste draus zu machen. Da es meistens depressive Episoden waren, konnte ich in der Zwischenzeit auch immer schöne Dinge erleben oder beruflich etwas Neues anfangen. Hat so seine Vorteile gehabt, war aber manchmal auch zusätzlich belastend.

    Ich denke, ich habe schon einiges aufgrund dieser Krankheit gelernt. Vieles z.b. um mich vor einem weiteren Absturz zu schützen. Klappt weitestgehenst, manchmal ist es aber stärker, bzw die Umstände begünstigen es.

    Diese Hoch und Tiefs kenne ich, auch bevor ich Tabletten genommen habe. Und muß sagen, erst durch die Tiefs weiß ich was es bedeutet wenn es mir gut geht und bin dann sehr dankbar. Das ist auch ein Gefühl, welches mich ständig begleitet, Dankbarkeit. Und wenn es mir mies geht, Demut.

    Weißt du, ich sehe es irgendwie als einen Weg. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg. Dieser ist sehr lehrreich und bringt dich mit Menschen und Geschichten zusammen, die dir einiges mehr vom Leben zeigen als du sonst erfahren würdest.

    An einer Krankheit wächst der Mensch, wenn er sich ihr nicht ergibt.

    Viele Grüße
    monkey

  6. #5
    Moderator Avatar von Tänzerin
    Registriert seit
    20.03.2010
    Beiträge
    442
    Danke
    149
    175 mal in 107 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von Skorpion311 Beitrag anzeigen
    Diese Ohnmacht sich selbst gegenüber ist grauenhaft. Ich hatte/habe doch noch so viele Pläne, Wünsche oder Dinge die ich sehen wollte...

    Ich weiß momentan nicht wie ich meine Einstellung zu mir wieder finden kann...

    Gibt es irgendjemanden, der genau das kennt? Der einen Nutzten daraus ziehen konnte? Der gelernt hat das zu überwinden und dadurch weitergekommen ist?
    Hallo Skorpion,
    auf der anderen Seite ist natürlich auch eines wichtig: Ruhe bewahren. Du wirst kaum in einem Aufenthalt alle deine Probleme bewältigen können. Ich bin äußerst aktiv und offen durch meine Therapie gegangen, aber dennoch überrascht mich so die ein oder andere Erkenntnis im Alltag, die mich noch näher an mich selbst heranführt.
    Das ist auch gar nicht das Ziel. Sei einfach offen für die Angebote, nutze sie, und wenn du merkst, dass du Schwierigkeiten damit hast, sprich genau darüber.
    Die Oberärztin dort sagte in meiner dritten oder vierten Woche zu mir: "Machen Sie mal Pause. Lassen Sie sich betüddeln." Sie sagte das, weil ich so aufgewühlt war, so viele Themen gleichzeitig in meinem Kopf und meinen Gefühlen rumgeisterten, dass ich keines bearbeiten konnte.
    Du hast nun noch nicht angefangen, kannst deswegen nicht Pause machen, aber du kannst es dir ruhig gönnen, das alles auf dich zukommen zu lassen. Ich denke mal, dass es eine Einführungsphase geben wird, in der kannst du dir alles in Ruhe anschauen und dich mit den Gegebenheiten vertraut machen.

    Es wäre sehr schade, wenn du dich selbst blockierst, weil du dich einem zu hohen Druck aussetzt. Du wirkst auf mich durchaus engagiert genug, dass du dir erstmal noch etwas Ruhe gönnen kannst.

    Und vielleicht beruhigt dich ja das: Wenn du wirklich während der Behandlung zweifelst, ob du intensiv genug arbeitest, dann kannst du dort einfach die Therapeuten um eine entsprechende Rückmeldung bitten.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall schon mal alles Gute!
    nur diese vier worte: wenn wir uns küssen

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Tänzerin für den sinnvollen Beitrag:

    Skorpion311 (14.10.2011)

Ähnliche Themen

  1. Mein Leben...Ein Mix aus ZGs,Depressionen,Ängste usw.
    Von HopeXX im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 20.05.2012, 19:22
  2. Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 26.10.2011, 13:06
  3. Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 09.09.2011, 10:20
  4. Neuerscheinung: "Leben lieben lernen"
    Von Vulpecula im Forum Bücherecke
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 07.02.2008, 16:07
  5. Perfektionismus besiegen !
    Von Trina im Forum Zwänge
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 16.07.2007, 09:50

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!