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Thema: Depressivem Freund beistehen

  1. #1
    Neuling
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    Standard Depressivem Freund beistehen

    Ein sehr guter Freund von mir macht seit längerem Andeutungen, die - selbst für mich Laien - auf eine Depression hinweisen. Er versteckt sich täglich im Alltag hinter einer fröhlichen Maske, niemand würde vermuten, wie dunkel es in ihm ist. Nur ein oder zwei enge Freunde (dazu gehöre ich auch) wissen um seinen wahren Gemütszustand. Der ist: Er hat an nichts Freude, das Leben macht keinen Sinn und ist nur eine endlose Tretmühle, er weiß nicht, was noch kommen soll, er erwartet nichts mehr, er kann jeden verstehen, der sich aus dem Leben ausklinkt, er will einfach nicht mehr. Ich habe ihm gegenüber meine Angst um ihn geäußert bzgl. seiner gelegentlichen Suizid-Bemerkungen. Bisher antwortete er nur, er hätte dazu nicht den Mut, selbst wenn er es sich noch so wünschen und mit jedem unbeabsichtigt Sterbenden gerne tauschen würde.
    Ich fühle mich damit überfordert und merke, dass ich nicht die richtigen Antworten parat habe. Ich würde mir wünschen, dass er zu einem Arzt geht und habe dies auch schon geäußert, aber er sieht keinen Bedarf. Bzw. kann er nicht glauben, dass das, was er hat, eine Krankheit ist, die behandelt werden kann. Für ihn resultiert sein Zustand rein aus einer Verschwörung seiner Lebensumstände gegen ihn, das Thema Botenstoffe/Wirkung von Medikamenten scheint ihm zu einfach und nicht plausibel. Wie könnte ich ihm helfen, ohne ihn zu bevormunden?

  2. #2
    Neuling Avatar von Hakon
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    Zitat Zitat von Arianna Beitrag anzeigen
    Ein sehr guter Freund von mir macht seit längerem Andeutungen, die - selbst für mich Laien - auf eine Depression hinweisen. Er versteckt sich täglich im Alltag hinter einer fröhlichen Maske, niemand würde vermuten, wie dunkel es in ihm ist. Nur ein oder zwei enge Freunde (dazu gehöre ich auch) wissen um seinen wahren Gemütszustand. Der ist: Er hat an nichts Freude, das Leben macht keinen Sinn und ist nur eine endlose Tretmühle, er weiß nicht, was noch kommen soll, er erwartet nichts mehr, er kann jeden verstehen, der sich aus dem Leben ausklinkt, er will einfach nicht mehr. Ich habe ihm gegenüber meine Angst um ihn geäußert bzgl. seiner gelegentlichen Suizid-Bemerkungen. Bisher antwortete er nur, er hätte dazu nicht den Mut, selbst wenn er es sich noch so wünschen und mit jedem unbeabsichtigt Sterbenden gerne tauschen würde.
    Ich fühle mich damit überfordert und merke, dass ich nicht die richtigen Antworten parat habe. Ich würde mir wünschen, dass er zu einem Arzt geht und habe dies auch schon geäußert, aber er sieht keinen Bedarf. Bzw. kann er nicht glauben, dass das, was er hat, eine Krankheit ist, die behandelt werden kann. Für ihn resultiert sein Zustand rein aus einer Verschwörung seiner Lebensumstände gegen ihn, das Thema Botenstoffe/Wirkung von Medikamenten scheint ihm zu einfach und nicht plausibel. Wie könnte ich ihm helfen, ohne ihn zu bevormunden?
    Das dich das überfordert, ist gut zu verstehn. Es ist schwer jemandem zu helfen der seine Lebensfreude verloren hat. Im Gegenteil, grade ernst und liebgemeinte Hilfsversuche, bleiben oft ohne Erfolg.
    Besonders ist es schwer jemandem zu helfen, der gar keine Hilfe will. Und das bringt ehrlich gesagt auch nix, entweder er fühlt sich bevormundet, oder er macht sich vllt sogar noch Druck weil er gerne anders würde aber nicht kann.

    Was kann man also tun, ...ihn an bessere Zeiten erinnern vllt, ihn vllt mit anderen Betroffenen zusammenbringen.
    http://soundcloud.com/beatyhollow Meine Musik @Soundcloud.com ..::ENJOY IT::..

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Hakon für den sinnvollen Beitrag:

    Arianna (09.02.2012)

  4. #3
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    Liebe Arianna,

    das ist in der Tat eine schwierige Lage, in der er sich befindet. Es deutet fast alles auf eine Depression hin was Du gesagt hast, aber dazu gehören noch mehr Symptome. Was aber wichtiger ist- er hat ja Suizidgedanken und schlimmer kann es ja nicht kommen.

    Aber Du hast den Ernst der Lage gut erkannt.
    Nur ich möchte Dich nochmal kurz darauf hinweisen, dass es auch so etwas wie eine präsuzidale Entwicklung gibt- und die schreitet voran- bei dem einem schneller- bei dem anderem langsamer.

    Am Anfang steht meist erst ein passiver Todeswunsch- Die Betroffenen denken Sachen wie z.B. Was habe ich auf der Welt verloren- ich wünschte ich wäre nie geboren worden, ich wünschte-ein Blitz würde mich treffen, ein Auto überfahren, gerne tauschen.....
    Aber diese Entwicklung verläuft nach einem bestimmten Schema ab.
    Als nächstes können unkonkrete und danach konkretere Suizidgedanken auftreten spätestens jetzt sollte man handeln.
    Und um ehrlich zu sagen, wenn er bei mir in die Praxis kommen würde und würde derartige Gedanken äußern, und würde sich nicht von einer Therapie überzeugen lassen, ich müsste ihn dann gegen seinen Willen einliefern lassen.
    Aber die Frage ist ja, was Du nun tun kannst.
    Ich an Deiner Stelle würde auf jeden Fall, die Eltern benachrichtigen (d.h. wenn das in diesem Fall möglich ist).
    Die können ihn dann evtl. noch abfangen.
    Desweiteren gibt es einen Sozialpsychatrischen Notdienst, an den Du Dich wenden kannst, um Dir genauere Tipps zu holen. (Meist beim Gesundheitsamt).
    Oder hast Du einen bekannten Arzt/ Hausarzt- der mit den Eltern reden kann- ohne, das dein Freund etwas davon erfahren muss.

    Wenn es ganz schlimm kommen sollte- dann kann man auch eine Betreuung für ihn "beim Vormundschaftsgericht" anregen. Die werden dann von sich aus tätig. Oder im akutem Notfall die Polizei/ Ordnungsamt einschalten -Aber soweit soll ja es nicht kommen.

    Er sollte so wenig wie möglich alleine bleiben, schon aus diesem Grund wäre es sinnvoll die Eltern einzuweihen.
    Also ich wünsche Dir dazu viel Kraft- Du wirst einen Weg finden (müssen). Aber alleine und auf eigene Faust würde ich das nicht versuchen.
    Notfalls trommel alle eure Freunde zusammen und schleift ihn gemeinsam zum nächsten Arzt.
    Auch wenn es im ersten Moment aussieht, als sei es Verrat- Das ist es nicht!
    Du rettest wohlmöglich damit sein Leben und später, wenn es ihm wieder besser geht, wird er Dir dafür ewig dankbar sein.

    LG Irrlicht

  5. #4
    Neuling
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    Zitat Zitat von Irrlicht Beitrag anzeigen
    Liebe Arianna,

    aber dazu gehören noch mehr Symptome. Was aber wichtiger ist- er hat ja Suizidgedanken und schlimmer kann es ja nicht kommen.

    Am Anfang steht meist erst ein passiver Todeswunsch- Die Betroffenen denken Sachen wie z.B. Was habe ich auf der Welt verloren- ich wünschte ich wäre nie geboren worden, ich wünschte-ein Blitz würde mich treffen, ein Auto überfahren, gerne tauschen.....
    Ich an Deiner Stelle würde auf jeden Fall, die Eltern benachrichtigen (d.h. wenn das in diesem Fall möglich ist).
    Desweiteren gibt es einen Sozialpsychatrischen Notdienst, an den Du Dich wenden kannst, um Dir genauere Tipps zu holen. (Meist beim Gesundheitsamt).
    Danke für die ausführliche Antwort. Welche Symptome gehören denn noch dazu?
    Im Moment ist es so, wie du es beschreibst. Also Aussagen wie "ach, da ist schon wieder ein Kind gestorben, ich hätte kein Problem damit, an seiner Stelle zu sein, das wäre viel sinnvoller". Leider leben seine Eltern seit ein paar Jahren nicht mehr. Aber auch vorher hätte er bzw. ich vermutlich nicht auf sie zurück greifen können, da sie nicht wirklich für ihn da waren und der Kontakt schon seit längerem relativ zerrüttet war. Diese Erfahrung spielt sicher auch eine große Rolle in seinem Seelenleben. Das mit dem sozialpsychiatrischen Notdienst werde ich mal in Erfahrung bringen, das ist ein guter Hinweis. Ich weiß sonst nicht einmal, welchen Arzt man hier am besten aufsucht. Ich denke, therapiewillig wäre er grundsätzlich mittlerweile sogar schon. Als ich das kürzlich mal angesprochen habe, hieß es aber gleich, ach, die sind doch alle hoffnungslos überfüllt und haben erst in einem Jahr wieder Termine frei, was bringt das schon...und ich fürchte, er hat damit gar nicht so unrecht. Ich weiß nicht, ob man das etwas beschleunigen könnte.

  6. #5
    Neuling
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    Also wenn er eine ambulante Therapie möchte, dann stimmt es schon, das die Wartezeit relativ lange ist.
    Es ist aber auch so, das gerade eine depressieve Episode am besten erst mal stationär abgefangen wird.

    Dort kann er zur Ruhe kommen, dort wird er aufgebaut, dort gibt es Mensche die rund um die Uhr führ ihn da sind, dort bekommt er Medikamente, die er auch braucht.
    Also in so einem Fall wähe es das beste.
    Vor allem, weil er schon Suizidgedanken hat.

    Falls er sich aber bereit erklärt, sich helfen zu lassen, und verspricht, sich nicht umzubringen- dann kann man das auch notfalls ambulant machen.D.h die Med. zumindest mal verschreiben lassen.

    Er soll sich mal einen Termien bei einem Neurologen geben lassen. Da bekommt man in der Regel schneller einen Termien- den Termien kannst Du ja mit ihm zusammen ausmachen und wenn er sagt, er hat Suiziedgedanken- dann kann man ihn nicht warten lassen! Dann wird ihn jeder gute Arzt sofort in die Praxis holen.

    Die Neurologen können zwar keine Psychotherapie anbieten, aber wenn er so wie so gerade in einer akute Phase ist, dann ist es eh erst mal sinnvoll,ihn mit Medikamenten zu stabilisieren, bevor man psychotherapeutisch tätig werden kann.

    Das ist alles in einer Klinik am besten gegben.
    Evtl kannst Du ihn ja überreden.

    Was die Diagnostischen Leitlinien einer Depression angeht - findest Du hier- sorry -aber ist gerade etwas zu viel das alles zu schreiben.

    www.icd-code.de/icd/code/F32.-.html

    Hoffe das geht so in ordnung.

    Oder meintest Du die Symptome eines präsuzidalen Syndroms?

    LG Irrlicht
    Geändert von Irrlicht (09.02.2012 um 20:04 Uhr)

  7. #6
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    Hallo Ariana,

    habe eben deinen Beitrag gelesen. Wie geht es deinem Freund jetzt- 2 1/2 Monate später? Konntest du helfen?
    Ich bin in einer ähnlichen Lage wie du. Ich habe vor mehr als 2 Jahren einen Mann kennengelernt und am Anfang sah es ganz so aus, als würde sich eine Beziehung daraus entwickeln. Nach kurzer Zeit hat er mir dann gesagt, dass er nicht zu mehr als Freundschaft/Affaire in der Lage ist. Er glaubt, er sei beziehungsunfähig. Er hatte auch bisher nur flüchtige Bekanntschaften. Zu mehr war er nie bereit, die Nähe/Verpflichtung ist ihm einfach zu viel. Er bräuchte seine Ruhe und ist schon immer Einzelgänger gewesen. Nach 5 Monaten, in denen wir uns oft gesehen haben, hat er dann gesagt, dass er depressiv ist.
    In diesem Moment hat es so einiges erklärt...Aber irgendetwas ist zwischen uns, dass wir immernoch regelmäßig Kontakt haben. Für mich ist er bester Freund und Affaire, denn Sex hatten wir auch ab und zu. Ich liebe diesem Mann und will ihm einfach helfen. Ich kann auch damit leben, dass er keine Beziehung will. Aber wirklich helfen lässt er sich nicht. Vor ein paar Jahren, als er ne echt schlimme depressive Phase hatte während seines Studiums, war er auch bei einem Psychologen und hat verschiedene Medikamente "ausprobiert"- geholfen hätte keins. Irgendwie hat er gelernt damit umzugehen- sagt er. Wir haben zeitweise echt viel und lang gesprochen. Zur Zeit hat er bedingt durch seine Arbeit wieder eine depressive Phase und der Kontakt ist recht spärlich. Ich mach mir wirklich Sorgen. Zumal er bei der ersten heftigen Phase damals am liebsten von der Brücke gesprungen wäre(all das hat er mir erzählt, was doch beweisst, dass er Vertrauen zu mir hat).
    Aber als ich ihm das gesagt habe, dass ich Angst um ihn habe, hat er gemeint, das wäre nicht mein Problem. Ich sollte mich damit nicht belasten. Klar, er will mich nicht mit seinen Problemen beladen, aber ich möchte was für ihn tun. Nur das ist echt schwer. Ich möchte ihn ablenken, aber oft weisst er mich zurück. Also warte ich bis er sich meldet. Manchmal klingt es für mich, wie ein Hilferuf. Trotzdem weiss ich nicht, was ich sagen soll, ohne ihn dauernd auf das Thema anzusprechen.

    Ich könnte jetzt ewig weiter schreiben...möchte es aber erstmal dabei belassen.

    Würde mich über eine Antwort freuen.

  8. #7
    Neuling
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    ja, arianna, erzähl doch mal, wie es weiter ging...
    und solche formulierungen zu todeswünschen sind meiner meinung nach ausreichend für eine depression (ich bin kein therapeut oder arzt, aber aus eigener erfahrung kann ich dir sagen, selbst mit solchen formulierungen hält man sich eher noch zurück. ja, dann hat er auf jeden fall auch vertrauen.)

  9. #8
    Neuling Avatar von Sebastian1984
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    wenn er stark depressiv sit, sollte man ihn immer gut zureden und Ihm positive Gedanken zuwerfen.

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