psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 9

Thema: Der falsche Beruf

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    24.07.2007
    Beiträge
    11
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Frage Der falsche Beruf

    Liebe Forumsteilnehmer,

    seit einem halben Jahr nun mache ich eine Gesprächstherapie – Auslöser dafür mir einen Therapieplatz zu suchen waren ursprünglich viele Probleme in meiner Partnerschaft, die sich schon gesundheitlich bei mir auswirkten. Inzwischen haben sich viele verschiedene Themen, Fragen und Erkenntnisse entwickelt, mit denen ich mich im Rahmen der Therapie beschäftige und die sich längst nicht mehr nur auf das Thema Partnerschaft beschränken.
    Leider ist meine Therapie für ein paar Wochen unterbrochen, gerade zu einem Zeitpunkt, zu dem sich bei mir große Schwierigkeiten auf der Arbeit anbahnen, die nicht mehr nur mit ein bisschen „zusammenreißen“ oder „mir selbst in den Hintern treten“ zu bewältigen sind. Ich möchte kurz schildern, worum es geht und hier im Forum fragen, ob es Teilnehmer gibt, die eine solche Krise überwunden haben oder ob es Anregungen und Ideen dazu gibt, wie damit umzugehen ist.
    Also in Kürze: ich arbeite nicht in meinem Traumjob, ich verdiene aber gutes Geld und bin nun seit 13 Jahren immer in der gleichen Firma tätig (ich bin übrigens 37 und weiblich). Ich war nach meiner handwerklichen Ausbildung kurz arbeitslos, bin dann in meinen jetzigen kaufmännischen Job ausbildungsfremd eingestiegen und habe mich nach und nach eingearbeitet, weitergebildet und mir so einen festen und gut bezahlten Job gesichert. Es gab damals mehrere Gründe für mich diese Arbeit anzunehmen obwohl ich bis dahin jede Art von Bürotätigkeit grundsätzlich abgelehnt habe: mein erstes selbstverdientes Geld, mein erstes Auto, ich fand auch Bestätigung und ganz wichtig und heute ein mittelschweres Problem für mich: ich habe den Job durch Unterstützung meiner Eltern gefunden und ich habe damals geglaubt, den Erwartungen meines Umfelds entsprechen zu müssen, indem ich allen zeige, was ich kann und dass ich mich jeder Aufgabe stelle und ich empfand eine gewisse Verpflichtung aus Dankbarkeit für die Hilfe meiner Eltern. Jeder hat mir gesagt: Mensch, Du bist doch intelligent und pfiffig, Du kannst das.
    Ich habe mich dadurch angespornt gefühlt und im Verlaufe der Jahre in dieser Firma habe ich auch tatsächlich die Bestätigung für die Aussagen der anderen gefunden. Ich habe jede Aufgabe gemeistert, mich in verschiedenen Abteilungen bewährt und mich immer gut in die Firma integriert. Was hier wie ein Loblied auf mich selbst klingt, ist leider auch der ganze Haken an der Sache: indem ich mich durch die Bestätigung motiviert gefühlt habe, habe ich überhaupt nicht gemerkt, dass ich mich fest an einen Job gebunden habe, der mich völlig unglücklich macht. Ja, ich habe oft das Gefühl gehabt „super, Du hast wieder eine Aufgabe erledigt und bist den Anforderungen gerecht geworden“ – noch nie, aber, niemals in den ganzen 13 Jahren bin ich zufrieden nach Hause gegangen. Noch nie habe ich Spaß empfunden, noch nie Befriedigung, noch nie Selbstbestätigung. Immer nur war das Gefühl da „schön, alle anderen werden zufrieden mit mir sein, also ist es gut so wie es ist“.
    Durch die Therapie habe ich gelernt ein bisschen besser acht zu geben, was ich fühle und in mich hineinzuhorchen. Schon vor einigen Monaten habe ich entdeckt, welch riesiger Druck jeden Morgen auf mir lastet, wenn ich zur Arbeit gehe, wie mein Herz schwer wird, mein Magen kribbelt und welch unbeschreibliche Langeweile mich packt, während ich meine Aufgaben schön korrekt erledige. Ich habe diese Gefühle bisher einfach nicht beachtet oder auch geglaubt dass das normal ist.
    Ich habe dann beschlossen mehr auf mein Gefühl zu hören, mich neu zu orientieren, aber so lange weiter meinen Aufgaben gewissenhaft nachzugehen, bis meine Ideen reif genug sind, um in die Tat umgesetzt zu werden.
    Jetzt, einige Monate später, wird die Belastung auf der Arbeit unerträglich. Mit Stress hat das nichts zu tun – im Gegenteil. Ich bin unmotiviert und gelangweilt und dafür schäme ich mich sehr. Wenn ich vor meinem Bildschirm sitze und zum hundertsten Mal schweifen meine Gedanken ab, dann habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich kann niemals still sitzen, renne herum oder zappele auf meinem Stuhl. Komme ich abends nach Hause, bin ich unglücklich und unzufrieden und das führt zu Herzrhythmusstörungen, Magenschmerzen und ständiger Müdigkeit. Morgens muss ich mich zwingen aufzustehen und wieder hinzugehen.
    Ich bin sehr verzweifelt und fühle mich hilflos, denn ich weiß nicht, wie ich aus diesem Gefühl wieder herauskommen soll. Dafür, meiner Partnerschaft mal wieder ein paar Gedanken zu widmen, ist im Augenblick gar kein Platz.
    Natürlich, ich bin ja auf das Geld angewiesen, was ich dort verdiene, das ist noch mein täglicher Ansporn. Und dann ist da noch eine gewissen Angst: ich kann doch nicht jedes Mal weglaufen, wenn’s schwierig wird! Wie soll ich da je lernen Probleme zu meistern, wenn ich sie durch Flucht löse?

    Ich weiß nicht, ob ich das nun wirklich nachvollziehbar geschildert habe. Meine Gedanken und Gefühle kreisen nur noch um dieses Thema zur Zeit, denn inzwischen habe ich glasklar für mich erkannt, dass meine beruflichen Aufgaben völlig entgegen meinem Naturell, meinem Gewissen und auch meinen Interessen steht. Ich fühle mich von Tag zu Tag kraftloser und erschöpfter – kein Wochenende bringt mir mehr Erholung. In den letzten Wochen habe ich sowohl Panikattacken als auch Schwächeanfälle erlebt, die eine ganz neue Erfahrung für mich sind und natürlich weitere Ängste auslösen.
    Meine Hemmungen aber, von diesem Job abzulassen sind so groß, dass ich es nicht mal schaffe an die Ideen heranzukommen, die mich beruflich stärker motivieren und mir persönlich besser entsprechen. Sie sind da, ich weiß das, aber es scheint so als wenn ich mir selbst nicht erlaube sie zu finden. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie ich da herankommen soll und ich habe keine Ahnung, wie lange es so weitergehen kann.
    Wie schon erwähnt: leider kann ich zur Zeit auch nicht in der Therapie nach einer Lösung suchen.

    Danke fürs Lesen und viele Grüße, beeboo

  2. #2
    Verleger Avatar von Waris
    Registriert seit
    12.01.2007
    Ort
    Köln
    Beiträge
    2.315
    Danke
    174
    277 mal in 164 Beiträgen bedankt

    Standard

    Beebo, ich kann dich sehr gut verstehen, mir geht es genauso wie dir. Nur, dass ich es gerade mal 2 Jahre ausgehalten habe. Und genau das ist der Punkt: Aushalten. Man soll einen Beruf nicht aushalten. Man verbringt in einem Vollzeitjob 8-9Std. Das ist fast das halbe Leben. Da sollte man doch schon einen Beruf haben, der einem Spaß macht, der einen ausfüllt, sonst ist es vergeudetete Lebenszeit. Das hat überhaupt nichts mit Weglaufen zu tun, sondern mit Problemlösung. Ich weiß von mir selber, dass man nur schwer oder gar nicht aus so einer Situation rauskommt, wenn keine Besserung in Sicht ist. Für mich gibts da nur eine Lösung: werde dir klar darüber, was du machen willst und dann mach es! Setze die nötigen Hebel dafür in Bewegung. Hast du eine Ausbildung in dem Beruf, der dir gefallen würde? Wenn ja, super. Wenn nicht, versuch einen Querseinstieg. Mit 37 ist es dafür noch nicht zu spät. Andernfalls wird es dich kapputt machen. Körperlich und auch psychisch.

  3. #3
    Gast784
    Gast

    Standard

    Liebe Beeboo, ich habe ähnliches mit Ende 20 durchgemacht, und meinen Beruf dann total gewechselt, was auch gut war. Aber da ich damit nicht genug verdiente, bin ich heute auch wieder ausgelaugt und demotiviert und frage mich, ob es vielleicht doch nicht das Richtige war. Trotzdem war es ein notwendiger Schritt auf meinem Weg.

    Ich verstehe daher gut, dass Dir die finanzielle Sicherheit so wichtig ist und einen Sprung ins kalte Wasser schwer macht. Trotzdem klingt es so, als würdest Du jetzt von Deinem Körper/Psyche dazu gezwungen werden, endlich etwas zu machen. Vielleicht kannst Du eine Tätigkeit, die Dich interessiert und befriedigt, über den Freizeitweg angehen. Hobby, zweites Standbein, Volkshochschulkurse geben usw. Du bist in der glücklichen Lage, das finanzielle Standbein schon zu haben, und nebenei ein inhaltliches aufbauen zu können. Vielleicht kannst Du dafür auch Deine Berufskontakte nutzen?

    Bei mir war der Übergang Büroberuf zu Tanztherapie auch ein Prozess, der über mehrere Jahre ging. Wenn der Beruf einen nicht befriedigt, ist es ganz gut, sich die Befriedigung in der Freizeit zu holen. Und wenn das mit dem Hintergedanken geschieht, nicht zu kompensieren, sondern vielleicht was Neues zu entwickeln, umso besser

    Zum Finden der Interessen und Strukturierung eines solchen Weges gibt es ja jede Menge Bücher oder Du machst ein Coaching zu dem Thema, ergänzend zu der Therapie, in der Du bearbeiten kannst, wie es Dir mit dem Umbruch geht. Hast Du schon eine Idee, was Du gern machen würdest?

  4. #4
    Neuling
    Registriert seit
    24.07.2007
    Beiträge
    11
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Danke, Ihr macht mir Mut! Ja, im Grunde genommen habe ich mir schon längst überlegt, dass ich es genauso machen möchte, wie Ihr das auch beschreibt. Nebenberuflich, erstmal ein Standbein schaffen ... ich bin nur so völlig vereinnahmt von meiner Sorge und meinem Stress, dass ich nicht die Kraft finde es umzusetzen. Ich quäle mich morgens aus dem Bett und wenn ich abends nach der Arbeit nach Hause komme, falle ich schon wieder erschöpft aufs Sofa. Noch vor 1-2 Jahren bin ich morgens vor der Arbeit joggen gegangen und abends zum Sport oder habe Fahrradtouren gemacht, war unterwegs und aktiv. Was nur ist passiert, was mich so gravierend runterzieht? Es war doch nur eine Erkenntnis, einmal die Augen richtig aufgemacht und erkannt, dass ich mich nicht recht wohl fühle und das bringt alles außer Kontrolle? Eine Krise in diesem Ausmaß, wegen eines kleinen Gedankens ... ich fasse es kaum.

    Ideen, die gibt es übrigens schon, nur ich traue mich nicht mir richtig darüber klar zu werden. Wißt ihr, ich gehe schon seit ich noch ganz klein war gerne mit Tieren um, ich liebe Tiere. Dann interessiere ich mich auch ganz besonders für Yoga und würde gerne anderen etwas von meiner Begeisterung für die Übungen und die Lebensweise vermitteln. Gelernt habe ich übrigens Fotografin und damals bin ich mit Begeisterung stundenlang mit meiner Kamera umhergezogen und habe im Moor "wilde Tiere" fotografiert.
    DAS BIN ICH - und was mache ich stattdessen? Controlling - Statistiken - Daten planen und vergleichen - das ist es einfach nicht.

    Wie ihr seht, sind all meine Wünsche und Ideen solche, mit denen ich meine jetzt wirklich sichere finanzielle Situation nicht erhalten kann. Ebenfalls alles Ideen, mit denen ich auf großes Unverständnis stoße in meinem Umfeld, weil das alles nicht so "solide" und sicher ist wie das was ich jetzt mache. Wäre ich doch nur nicht so abhängig davon, was andere sagen. Seit einem halben Jahr nun, denke ich, grüble ich, überlege ich, erforsche meine Gefühle - ich komme einfach nicht auf den Trick, wie man nur auf sich selbst hört und nicht ständig denkt: "was erwarten meine Eltern von mir, was erwartet mein Partner von mir, was erwarten meine Freunde von mir".
    Was "ich" erwarte ist überhaupt nicht in meinem Repertoire, komischerweise. Und genau deshalb ist es mir auch unmöglich herauszufinden, was denn nun wirklich mehr als nur eine "Schwärmerei" und ein "Hobby" ist, sondern zu einem Beruf taugt. Ich habe zu viel Angst dabei und dieser Angst komme ich einfach nicht so recht auf die Spur, ich finde die echte Ursache nicht und so kann ich sie nicht überwinden.
    Meine Therpeutin hat das einen "Glaubenssatz" genannt, der sich irgendwann in früher Kindheit geprägt hat und der eigentlich neu gebildet werden müsste, .... aber ich hab dafür halt mal keinen Schalter an mir

    Wißt Ihr was ich meine?

    Liebe Grüße, beeboo

  5. #5
    Gast784
    Gast

    Standard

    @Beeboo
    Was "ich" erwarte ist überhaupt nicht in meinem Repertoire, komischerweise. Und genau deshalb ist es mir auch unmöglich herauszufinden, was denn nun wirklich mehr als nur eine "Schwärmerei" und ein "Hobby" ist, sondern zu einem Beruf taugt. Ich habe zu viel Angst dabei und dieser Angst komme ich einfach nicht so recht auf die Spur, ich finde die echte Ursache nicht und so kann ich sie nicht überwinden.


    Vielleicht erwartest Du jetzt ein bißchen zuviel von Dir, nachdem Du so lange Deine eigenen Erwartungen ignoriert hast (musstest?)

    Die Priorität wird wohl schon darin bestehen, dass Du Deine Bedürfnisse wieder spürst, anerkennst und entsprechend in die Welt gibst. Das muss Dich aber nicht daran hindern, einfach Deinem Interesse zu folgen. Geh zur Entspannung fotografien. Das ist doch prima, sich ein-Bild-machen von Deiner Umwelt, während sich Deine Seele ein-Bild-macht von Deiner Innenwelt.
    Und wenn dabei gute Tierfotos rauskommen, kannst Du ja schauen, ob die vll ein Kalenderverlag haben will, oder Wiskas oder ich-weiß-nicht-was. Ich kenn mich in der Branche nicht aus. Aber es könnte ja irgendwo ein Türchen aufgehen. Und wenn nicht, kannst Du auf schöne, Dich nährende Moment zurückblicken. Geh mit dem, was Dir Kraft gibt

    Viel Spaß dabei
    LG Gaby

  6. #6
    Roman Verfasser Avatar von Corelli-Crystal
    Registriert seit
    16.01.2007
    Ort
    Beiträge
    1.140
    Danke
    5
    10 mal in 8 Beiträgen bedankt

    Standard

    Ich finde die Idee mit den Tierfotos von Gabi ganz toll, eine super Idee

    Ich surfe häufig auf der Seite von National Geographics, eine schöne Seite auf der ganz viele, ausergewöhnliche Tier- und Naturphotos gezeigt werden. Teilweise kann man sich die sogar als Bildschirmschoner herunterladen.

    Wäre das nicht auch eine Idee für Dich Beeboo? Du könntest Deine schönsten Tieraufnahmen beispielsweise auf einer Homepage ausstellen.
    So werden vielleicht andere auf die Qualität Deiner Foto´s aufmerksam...

    Auf diese Weise könnte dann auch " ein Türchen aufgehen" wie Gabi es so schön passend beschrieben hat

    Vor allem könntest Du beim Fotografieren die wichtige und dringend benötigte Entspannung finden. Dann hättest Du einen idealen Ausgleich und empfindest den Job als "Controller und Statistiker" nicht mehr ganz so schlimm.

    Liebe Grüsse
    Corelli

    Es ist Unsinn, sagt die Vernunft
    Es ist Unglück, sagt die Berechnung
    Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst
    Es ist aussichtslos,sagt die Einsicht
    Es ist lächerlich, sagt der Stolz
    Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht
    Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung

    Es ist was es ist, sagt die Liebe

    Erich Fried

  7. #7
    Neuling
    Registriert seit
    24.07.2007
    Beiträge
    11
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Danke, Euer Zuspruch tut wirklich gut. Ich könnte jetzt gleich loslaufen und meine Kameras auspacken ... wenn ... ja wenn ... ich weiß nicht was mich hemmt oder womit ich mich selbst immerzu bremse. Ich schätze, ich bin noch viel zu weit am Anfang damit mich irgendwie selbst richtig einzuordnen, denn ich habe ja außer meinem Beruf, mit dem ich mich so unglücklich fühle außerdem eine nicht ganz einfache Beziehung, die ja der ursprüngliche Grund für mich war eine Therapie zu machen. Nachdem ich 12 Jahre lang allein gelebt habe, versinke ich jetzt seit 2 Jahren in Haus- und Gartenarbeit in einem Ausmaß, das ich gar nicht gewohnt bin. Alle 14 Tage haben wir die Kinder meines Partners am Wochenende bei uns und was zu Beginn wie eine tolle Herausforderung für mich aussah, hat mein Leben vollständig reduziert auf Wäsche machen, putzen, kochen, mir Gedanken über meinen Partner und seine Kinder zu machen. Ich finde keinen Weg mehr da heraus. Und deshalb ist natürlich diese Sache mit meiner Arbeit doppelt schwer - ich habe das Gefühl von einem Zwang tagsüber in den nächsten abends zu geraten. Dabei weiß ich doch, dass ich es selbst in der Hand habe .... nur wie? Umdenken ist so leicht gesagt, aber so schwer getan - "Mensch" ist doch echt kompliziert.
    Ich möcht mal wieder einen Lachanfall kriegen, so wie früher - lachen bis die Tränen rollen ...
    Aber wißt ihr was? Ich werd jetzt mal aufhören mit dem gejammere hier, ich kann's selbst nicht mehr ertragen, dass immer nur alles so düster ist. Irgendeinen Weg wird es schon geben.
    Ich lese lieber nochmal in Ruhe was ihr geschrieben habt, vielleicht machts ja mal "klick" bei mir

  8. #8
    Neuling Avatar von Outside
    Registriert seit
    07.08.2007
    Beiträge
    7
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo beeboo,


    ich arbeite nicht in meinem Traumjob
    Naja, das können auch die wenigsten von sich behaupten, oder?

    verdiene aber gutes Geld und bin nun seit 13 Jahren immer in der gleichen Firma tätig
    Der Beruf gab dir anfangs noch Sicherheit (finanziell, du hattest einen festen Platz, du warst es deinen Eltern "schuldig") - aber jetzt, wo sich dein Leben gefestigt und deine Interessen sich immer weiter herauskristallisiert haben und du lange genug die Möglichkeit hattest, dich zu entwickeln, wird er dir immer lästiger. Er langweilt dich, unterfordert dich völlig.
    Du sagst es ja:

    Ich bin unmotiviert und gelangweilt und dafür schäme ich mich sehr
    Schämen musst du dich dafür nicht. Wieso denn auch? Du hast dich lange genug bewährt, erledigst den Job mit Engagement und bist auch gut darin.
    Aber es ist eben nicht sonderlich befriedigend.
    Du bist ja kein Affe in einer Bananenfabrik - du weißt, wo deine eigentlichen Stärken liegen, und haderst nun, weil dein Job dich offensichtlich daran hindert.

    Komme ich abends nach Hause, bin ich unglücklich und unzufrieden...
    Die Sache belastet dich inzwischen so sehr, dass du auch in den anderen Bereichen deines Lebens Schwierigkeiten hast. Du bist unzufrieden mit dir selbst und deinem Leben, und darunter leidet nun unter anderem eben auch deine Beziehung.

    versinke ich jetzt seit 2 Jahren in Haus- und Gartenarbeit...
    Alle 14 Tage haben wir die Kinder meines Partners am Wochenende bei uns
    was zu Beginn wie eine tolle Herausforderung für mich aussah...
    Du kannst dir den Ausgleich nicht dadurch schaffen, dass du dich aufopfernd um Haus und Garten kümmerst. Die Rolle der Hausfrau mag für manche ja befriedigend sein, für dich ist sie es nicht.
    Du brauchst eine Herausforderung.

    Natürlich, ich bin ja auf das Geld angewiesen, was ich dort verdiene, das ist noch mein täglicher Ansporn.
    Du verunsicherst dich selbst, versuchst, absolut vernünftig zu handeln.
    Du weißt nicht, was dich nach einem Wechsel erwarten würde, und hast Angst, das Falsche zu tun.
    Das ist aber doch bei jeder Entscheidung so, oder? Du musst das Risiko eingehen oder dich abfinden mit dem, wie es jetzt ist.

    Das kannst und willst du jedoch gar nicht.

    Und - auf das Geld angewiesen bist du sicherlich nicht mehr in dem Maß, wie du es noch beim Antritt des Jobs warst.

    Und dann ist da noch eine gewissen Angst: ich kann doch nicht jedes Mal weglaufen, wenn’s schwierig wird! Wie soll ich da je lernen Probleme zu meistern, wenn ich sie durch Flucht löse?
    Wieso weglaufen?
    Indem du ausbrichst aus dieser Situation, die dich selbst (und dadurch auch deinen Partner etc) unglücklich machst, zeigst du keine Schwäche.
    Im Gegenteil, du handelst mutig.
    Anstatt dich weiter zu ärgern, mit deiner Situation zu hadern und unausgeglichen, ja sogar gesundheitlich angegriffen zu sein, wagst du den Schritt nach vorn und ermöglichst es dir somit, dein Leben nach deinen Wünschen zu gestalten.
    Du läufst also nicht davon vor deinen Problemen, du stellst dich ihnen.


    Ich weiß nicht, inwieweit deine Ideen/ Überlegungen zu einem Jobwechsel gediehen sind.
    An deiner Stelle würde ich mich ab sofort ernsthaft umsehen nach möglichen Alternativen, mich so gut wie möglich informieren bzw. informieren lassen.
    Das geht auch, während du deinem Job weiter nachgehst, und nimmt dir vielleicht etwas von deiner Anspannung.
    Dann tust du nämlich etwas.

    Sag nicht "Ich hätte da so ne Idee mit Fotographieren und so, das macht mir Spaß...".
    Überlege dir genau, welche Möglichkeiten du hast, welche Angebote es in deiner Umgebung gibt und wo du dir Hilfe suchen kannst.

    Werde aktiv!
    Du kannst deine Situation ändern, wenn du das wirklich möchtest.
    Du hast einen kleinen Vorlauf gebraucht, hast viel überlegt und abgewogen; jetzt wird es langsam Zeit.

    Wie soll es weitergehen?
    Du musst dir darüber klar werden, was du wirklich willst.

    Reicht es dir, eine Homepage zu machen und somit deiner "Berufung" eher als Hobby nachzugehen? Denn wirklich Geld verdienen wirst du damit allein wohl nicht können.
    Willst du angestellt arbeiten? Wenn ja, was würde da infrage kommen?
    Willst du dich selbstständig machen? Wenn ja, als was?

    Beschäftige dich damit. Schmiede konkrete Pläne, wende dich gegebenenfalls an die zuständigen Behörden. Erkundige dich, lass dir Infomaterial schicken.

    Umdenken ist so leicht gesagt, aber so schwer getan - "Mensch" ist doch echt kompliziert
    Der erste Schritt ist der schwerste, wie du siehst; wenn du den getan hast, wenn du aktiv versuchst, etwas an deiner Situation zu ändern, dann wird es dir besser gehen.
    Du musst nur den Hintern hochkriegen

    Und als angenehmer Nebeneffekt - sobald du mit dir selbst ins Reine kommst und deine eigenen Wünsche erfüllst, kommst du auch mit deinem Leben wieder besser klar.

    Überwinde dich mal, dann packst du das.

    Outside

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. falsche warnehmung meines umfeldes
    Von marienchen im Forum Minderwertigkeitsgefühle
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 08.09.2008, 23:13
  2. Traumberuf?
    Von Time im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 20.11.2007, 14:21

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!