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Thema: Der fehlende Enkel am Sterbebett

  1. #1
    Neuling
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    Standard Der fehlende Enkel am Sterbebett

    Hallo,

    ich bin 21 und derzeit belastet mich eine mehr oder weniger heftige Sache. Eigentlich geht es gar nicht wirklich um den Tod bzw. die Trauer an sich, sondern um die besonderen Umstände, aber lest selbst:

    Vor kurzem lag mein Opa im Sterben, allerdings habe ich ihn nicht mehr am Sterbebett besuchen wollen, weil ich diesen Anblick nicht ertragen hätte. Doch sieht meine Familie das alles ganz anders und beschuldigt mich nun, kaltherzig, rücksichtslos und asozial zu sein, unter anderem deswegen weil ich am Todestag nicht hergekommen bin. Vorgeworfen wird mir aber auch, dass ich nicht um meinen Großvater trauere und "er mir am ***** vorbeigeht". Meiner Meinung nach ist diese Wortwahl speziell in dieser Situation ziemlich erbärmlich, aber nun gut...jeder ist anders.
    Jedenfalls belastet mich all das Gerede über meine Gefühle weitaus mehr, als der Tod meines Großvaters, da auch ich getrauert habe...nur eben auf meine eigene Art und Weise. Ich war draußen, habe mir Gedanken über vergangene Tage gemacht und an ihn gedacht, habe geweint und habe dabei Musik gehört, die zu meinem Großvater "passt", so bin ich eben... Und dann kommt die eigene Familie daher und will mir klarmachen, ich sei kaltherzig. Ich finde diese Situation, in der ich mich zur Zeit befinde, einfach unerträglich und weiß absolut nicht, was ich tun soll, vor allem auch deshalb, weil ich mit einer meiner Schwestern zusammen in einer Wohnung lebe und mir nun jede Minute Geheule darüber anhören darf, wie schlecht & kalt ich doch sei und dass mich dieses Ereignis mein gesamtes Leben lang verfolgen soll. (Klingt schon fast nach ewiger Verdammnis)
    Weiß vielleicht jemand, was man in einer solchen Situation am besten macht?
    Ich habe schon darüber nachgedacht, mir eine eigene Wohnung zu suchen, da mein Studium demnächst beginnt und ich dann sowieso etwas mehr Ruhe brauchen werde.
    Aber wäre es auch ratsam, auf meine Familienwurzeln -grob gesagt- zu "*******n"?
    Denn ich kann einfach keinen Sinn mehr darin sehen, Kontakt mit (Unter)Menschen zu haben, die nur das glauben, was sie glauben möchten.

  2. #2
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Tarpeh,

    ich habe den Eindruck, dass sich hier Familientwistigkeiten am Tod des Großvaters aufhängen, sry wenn ich das so scheinbar respektlos formuliere. Aber genau darum gehts doch.

    Wäre es wirklich "nur" die Trauer, würde es reichen, wenn Du bei solchen Bemerkungen einfach sagst: "jeder Mensch trauert anders!" Basta. Diese Konflikte, die da im Hintergrund mitzulesen sind, bestehen sicher nicht erst seit dem Tod Deines Großvaters?! Aber beide Seiten ziehen sich wahrscheinlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit dran hoch.

    Es wäre ehrlicher, Du würdest Dich damit auseinander setzen und nicht das Symptom zur Ursache machen. Das wird Dich nicht weiter bringen.

    Und ausziehen ist sicher kein Fehler. Aus der Ferne lässt sich nämlich meist ganz anders auf eine Sache blicken.
    Geändert von Gast784 (24.09.2010 um 19:03 Uhr)

  3. #3
    Neuling
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    Danke für die Antwort...
    Das Problem ist einfach, dass es nichts bringt. Ich kann ihnen noch so oft sagen, dass jeder anders trauert...und ich könnte noch so oft geheult haben, irgendwie scheint das alles abzuprallen, weil ich angeblich "kalt" bin...
    Wie soll ich mich damit auseinandersetzen, wenn man mir ständig als einzige Antwort "kaltes Arschloch" gibt? Ich finde es echt traurig, dass es soweit gekommen ist, zumal ich vorher ein echt gutes Verhältnis zu allen hatte (sonst wäre ich wohl kaum mit meiner Schwester in eine Wohnung gezogen...).
    Hinzu kommt noch, dass nun minütlich Lügen am Telefon über mich verbreitet werden und ich das natürlich mitbekomme(n soll).
    Solch ein Verhalten ist doch echt nur lächerlich und ich weiß absolut nicht, was ich dagegen tun soll.

    Herrlich.

    Das ist wieder eine dieser Situationen, in denen ich mir Charles Bukowski als Kumpel wünsche....

  4. #4
    Gast5147
    Gast

    Standard

    Hi Tarpeh,

    ich sehe da wirklich nur eine Möglichkeit: Zieh da aus.
    Die sind doch total bekloppt. Ich finde es äußerst anmaßend, anderen vorzuschreiben, wie sie zu trauern haben.
    Ich sehe das wie Gaby: Das hat irgendetwas Tieferes an sich, sonst würden sich die anderen nicht von heute auf morgen derart anders verhalten.

    Wenn Leute mit irgendetwas nicht klarkommen, dann suchen sie sich jemanden, an dem sie das auslassen können. Ich kenne das auch aus meiner Familie. Manchmal muss man sich für eine gewisse Zeit distanzieren.

    Seltsame Leute ... wirklich sehr seltsam ...

  5. #5
    Gast784
    Gast

    Standard

    Ich kann ihnen noch so oft sagen, dass jeder anders trauert...und ich könnte noch so oft geheult haben, irgendwie scheint das alles abzuprallen, weil ich angeblich "kalt" bin...
    Warum erwartest Du eigentlich ihren Segen? Es reicht, wenn Du es einmal sagst. wenn sie das nicht akzeptieren können, ist das ihr Problem. Warum rennst Du so ihrer Bestätigung und Akzeptanz nach? Ich glaube eben nicht, dass Du das erst seit dieser Sache tust, sondern das scheint eine Rolle von dir zu sein, die Du nicht erst seit gestern in der Familie hast.

  6. #6
    Lib
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    Hi, Tarpeh.
    Ich verstehe, wie es Dir geht. Aber ich verstehe auch Deine Familie ein Stück weit. Sie würden wahrscheinlich gerne mit Dir zusammen trauern, diese Gefühle zusammen fühlen und verarbeiten. Du kannst das nicht. Und da fängt das Problem an. Dein Abgrenzen macht ihnen Angst und sie gehen schlecht damit um.

    Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, dass Du herausfindest, wer Du bist und aus den familiären Strukturen ausbrichst, aber überleg Dir, ob Du nicht insoweit Deine Gefühle zeigen wilst, dass Du ihnen sagst, wie Du diese Situation erlebst. Auf Augenhöhe! Du lässt Dich da in eine Opferposition drängen, die mir beim Lesen Unbehagen verschafft.

    Alles Liebe!
    Lib

    Es gibt zwei Wege aus der Dunkelheit:
    Entweder Du machst Licht, dort wo Du bist,
    oder Du gehst in die Sonne.


  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Lib für den sinnvollen Beitrag:

    schälchen (14.10.2010)

  8. #7
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    Zitat Zitat von Madness Beitrag anzeigen
    ich sehe da wirklich nur eine Möglichkeit: Zieh da aus.
    Die sind doch total bekloppt.



    Was für eine Problembewältigungsstrategie !

    Die anderen sind bekloppt, wegrennen, aus die Maus. Wenn nur alles im Leben so einfach wäre.



    Ich schließe mich Lib an, du kannst zur Konfliktlösung beitragen, wenn du noch einmal einen Schritt auf sie zu gehst. Ändere deine Ausgangsposition. Kannst du deine Schwester trösten, indem du sie bittest dich einmal komplett aussprechen zu lassen, und dass du nicht möchtest, dass dieser Konflikt euch auseinanderbringt? Wenn es dir gelingt, weg von der Opferrolle dich in eine Position, in der du handelst. Wenn eure Streitigkeiten immer nach demselben Muster ablaufen und es schwer ist, daran was zu ändern, kannst du deine Gefühle vielleicht in einem Brief formulieren, den werden sie sich schon zu Ende durchlesen.

    Deine Familie will momentan nur deine Gleichgültigkeit verstehen, es ist natürlich schwer, das zu durchbrechen, wenn es dir gelingt, deine Ernsthaftigkeit deutlich zu machen, könnt ihr euch auf eine andere (neue) Gesprächsebene begeben.


    Beim Durchlesen habe ich auch gedacht, vielleicht ist das ganze Brimborium um deine "Art" zu Trauern auch ein Teil der Trauer deiner Familie ist (verletzte Gefühle, nicht wahrhaben-wollen usw.)? Ich habe selbst in meiner Familie Trauer als Prüfstein erlebt. Ich finde deine Familie überhaupt nicht bekloppt, ihr macht eine sehr schwere Zeit durch und ich wünsche euch alles Liebe, dass ihr wieder zueinander findet.


    Geändert von schälchen (14.10.2010 um 14:12 Uhr) Grund: noch was eingefallen

  9. #8
    Gast5147
    Gast

    Standard

    Wegrennen?
    Ist für mich kein Wegrennen, wenn sie ausziehen würde.
    Manchmal muss man sich auch schützen
    Und manchmal sind Leute so töricht, dass man nicht mit ihnen vernünftig reden kann. Das ist Fakt

    Aber: Deine Meinung akzeptiere ich

  10. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast5147 für den sinnvollen Beitrag:

    schälchen (15.10.2010)

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