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Thema: Der Neid des Reichtums

  1. #9
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Ist das Beschriebene denn wirklich Neid?
    Oder eher Missgunst ...
    Gerade weil es sich primär im materiellen Bereich bewegt.

    Ich kann jemanden beneiden: weil er etwas erreicht hat, das auch ich gerne erreichen würde, es aber bisher noch nicht geschafft habe.
    Und dennoch gönne ich ihm dieses - und mache es nicht zu einem "Grund", ihn deswegen abwerten zu müssen.

    Es hält mir die Option offen, es weiterhin selbst probieren zu können; vielleicht auch, indem ich mir anschaue, wie er es geschafft hat, um für mich selbst neue Ansätze gewinnen zu können (oder: um sehen zu können, ob ich irgendwo etwas "falsch" gemacht haben könnte), um so dann auch irgendwann mal dahin kommen zu können.

    So, wie es hier beschrieben wurde, sieht es aber nach etwas ganz anderem aus: ich gönne es dem anderen nicht, weil nur ich alleine die Person bin, der dies auch rechtmäßig zusteht ...
    Wenn er es also "geschafft" hat und ich nicht - dann liegt dies nicht etwa an mir (an Fehlern, falsch gesetzten Prioritäten oder auch schlicht und ergreifend daran, dass ich einfach (noch) nicht die erforderlichen Voraussetzungen hierzu habe - alles Dinge, die laut meinem Selbstbild nicht sein können, nicht sein dürfen); sondern daran, dass er sich "unfairer Mittel" bedient hat.
    Die eigentliche Aussage wäre dann: wenn ich es nicht schaffe, dann darfst Du es erst recht nicht schaffen ... weil nur ich dies verdient habe ...

    Das klingt eher nach einem Statusproblem: Ich muss die Person abwerten, sie klein halten/machen, damit ich weiter die Oberhand behalten kann ...
    Wenn ich schon meine Defizite durch Äußerlichkeiten kompensieren muss, weil ich mich nicht den Konflikten in mir selbst stellen kann/will, dann darf ich auch nicht zulassen, dass sie durch die Hintertür wieder sichtbar werden, nur weil jemand anderes "erfolgreicher" ist ...


    "Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
    (mongolisch)
    -----------------------------
    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
    (Immanuel Kant, 1724 - 1804)

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Darkstar für den sinnvollen Beitrag:


  3. #10
    mad
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    Also ... ich kenne das anders
    Nicht von mir persönlich, weil Geld für mich vollkommen sekundär ist, und es mir auch gleich wäre, ob jemand in meiner Nachbarschaft eine Millionen auf dem Konto hätte oder gar nichts; es ist nicht mein Leben.

    Eine Bekannte von mir ist "reich" - ich definiere das Wort nun nicht weiter, sie ist zumindest so gut betucht, dass sie sich alles kaufen könnte, was sie wollte.
    Von jener höre ich oft, dass es gerade die anderen, die mit weniger Einkommen (in diesem Falle mit weniger Rente) sind, die sie sehr neidisch beäugen und zudem Sätze fallen lassen, die ungefähr so klingen: "Du musst Dir ja auch keine Gedanken um Geld machen, Du hast ja Geld!"

    Dass sie allerdings in ihrer aktiven Arbeitszeit weitaus mehr geleistet hat (leisten wollte), als manch ein anderer, übersehen diese Neider.
    Andererseits, könnte ich mir vorstellen, könnte auch Neid der reichen Person auftreten, wenn sie sieht, dass andere weitaus weniger benötigen (also gar kein Luxusleben wollen) und somit mehr vom Leben hatten als sie, da sie sich ja selbst vieles verwehrt hat, als sie noch im aktiven Arbeitsleben existierte.

    Keine Ahnung, ob das jetzt zu irgendetwas beiträgt

  4. #11
    Verleger Avatar von Physalis
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    Ich kenne das auch nur so, dass die, die wenig haben, anderen ihr Geld neiden.

    Die Wohlhabenden stört es doch wohl eher, dass sie so viele Steuern zahlen müssen, um die zu ernähren, die keine Verantwortung für sich selbst übernehmen wollen. Ich habe noch mit niemandem gesprochen, der dagegen sei, Menschen in Not zu helfen, aber wenn Familien in der 3. Generation von staatlicher Unterstützung leben, hört das Verständnis auf.

  5. #12
    Lib
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    Die Grenze zwischen dem Empfinden sozialer Ungerechtigkeit und Neid ist sehr klein, finde ich und ich maße mir nicht an zu sagen, wo sie verläuft.

    Bei dem Thema, das hier jetzt ja vor allem im Bereich Sozialneid geführt wird, verliert man sich schnell in Allgemeinplätzen.

    Je mehr ich schaffen werde, mein Leben so zu führen, dass es mich froh macht, umso weniger muss ich Neid und Missgunst empfinden. Allein schon, weil mein Fokus dann auf meinem Empfinden liegt und nicht auf dem, wie das bei anderen ist.

    Das Gefühl: Der hat was, was ich auch gern möchte ist etwas, was ja auch gut sein kann, weil es mich dazu bringt aktiv zu werden, weil ich es auch haben will.

    Neid fängt für mich da an, wo ich aufhöre mich selbst zu hinterfragen und zu spüren, wo kommt das her. Nur dann kann ich mein Erleben in Form von Neid an jemand anderem festmachen. In der Regel ist mein Erleben ja aber die Folge von Entscheidungen, die ich bewusst getroffen habe, also kann ich niemand anders dafür verantwortlich machen.

    LG
    Lib
    Geändert von Lib (21.08.2011 um 12:01 Uhr)

    Es gibt zwei Wege aus der Dunkelheit:
    Entweder Du machst Licht, dort wo Du bist,
    oder Du gehst in die Sonne.


  6. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Lib für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (21.08.2011),Kaja (21.08.2011)

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