Hallo Löwenzahn,
sorry, hab nicht immer die Zeit und Möglichkeit, mich ins Forum einzuklinken.
Wie ich als Patient war? In den Worten meines Therapeuten am Ende der 12 Wochen: "Sie haben mich an meine Grenzen gebracht und waren eine ständige Herausforderung."
Vor die Tür wurde ich deswegen nicht gesetzt, im Gegenteil.
Nein, ich habe nicht alles "einfach so" geschluckt oder übernommen, nur weil er da der Profi war, im Gegenteil: man muss mich schon erst einmal von etwas überzeugen ...
Das heißt aber nicht, dass ich von den meinen abweichende Standpunkte nicht akzeptieren würde. Gute Argumente reichen, dann übernehme ich sie auch so weit wie sie auf mich oder meinen "Fall" anwendbar sind.
Es geht mir auch nicht darum, wer am Ende jetzt "Recht behält", auch wenn es oft so aussehen mag - es geht mir ums Ausloten der Fallstricke, die man oft leicht übersieht: um die verborgenen Konsequenzen, die es noch hat.
Was ich in der Klinik schnell ablegen konnte: meine stark ausgeprägte Schutzhaltung, die erst einmal alles rigoros und vollautomatisch abgelehnt hat, das sich für mich bedrohlich angefühlt hat - eigentlich fast alles.
Ich habe hier die ganze Zeit Deine negativen Erfahrungen (die Du ja gemacht hast - es ist vieles nicht so gelaufen, wie es hätte laufen können oder sollen) und ihre Konsequenzen für Dich im Hinterkopf gehabt.
Dass ich mir Dein komplettes Fühlen nicht wirklich 1:1 vorstellen kann - geht ja gar nicht (umgekehrt aber genauso). Ich bin mir sicher, dass ich einiges von dem, was da alles mit hineinspielt, durchaus auch aus meinem eigenen Leben kenne und daher in den Grundzügen auch nachvollziehen und nachfühlen kann. Nicht nur auf Basis eigenen Erlebens.
Ich muss dazu nicht zwangsläufig die identischen Erfahrungen gemacht, auch nicht bis ins letzte Detail die gleichen Prozesse durchlaufen haben, um zumindest grob die grundlegenden Prozesse nachfühlen zu können.
Die Details mögen sich dann zwar immer noch stark unterscheiden (ich bin nicht Du, Du bist nicht ich), aber die Muster selbst ...
Es klingt jetzt vielleicht aus Deiner Sich "herablassend" (sorry, ist wirklich nicht so gemeint!): wenn man einige dieser Prozesse erst einmal durchbrochen hat, dann gewinnt man auch oft eine andere Sicht auf das, wie sie gewirkt haben. Das heißt nicht, dass es vorher "falsch" oder oder ein "persönlicher Makel" war, was man da empfunden hat.
Die Sicht vorher war ebenso real und folgerichtig wie das, was danach an "Erkenntnis" kam.
Etwas zu werten macht einfach keinen Sinn, weil es einem Scheuklappen verpasst - man merkts aber leider oft erst hinterher. Vorher kann man es nur selten sehen - oder es, falls doch, nicht wirklich annehmen.
Ich habe meine Probs nicht in dem Sinne gelöst, als dass ich sie überwunden und mich von ihnen befreit hätte. Was ich gelernt habe (es gibt dennoch immer wieder Rückfälle!) ist mit ihnen besser umzugehen und mich nicht mehr so völlig von ihnen dominieren zu lassen.
Die Angst vor dem Kontrollverlust, dem Ausgeliefertsein und der eigenen Hilflosigkeit, die Panik davor, mein komplettes und gewohntes Leben u.U. auf den Kopf gestellt zu bekommen - warum habe ich mich so lange davor gedrückt, mir Hilfe (echte Hilfe!) zu suchen und mich damit zu arrangieren, dass ich sie auch brauche?!
Es gab immer irgendeine Möglichkeit, den Konsequenzen aus dem Weg zu gehen, irgendwelche Strategien, mit denen ich mich wieder etwas über Wasser halten konnte - und die sich auch als "erfolgreich" und "richtig" anfühlten ...
... wenns dann doch nicht mehr weiter ging, ließ sich ja eine andere finden.
Und damit fing, wenn ich ehrlich bin, das Spiel nur wieder von vorne an.
Wirklich gelöst hat das nichts - der Zahltag kam dann dennoch ...
Irgendwann ging nichts mehr: alle "Strategien" ausgeschöpft und alle haben versagt. No way out ...
Auch mit Ärzten habe ich nicht unbedingt die besten Erfahrungen gemacht. Von vielen fühlte ich mich nicht verstanden, so, als ob ich Kisuaheli mit nem Chinesen reden würde (und einige von ihnen hatten sicherlich nicht das erforderliche Gespür oder waren zu sehr von ihrer eigenen Weltsicht überzeugt).
Auch das hat dazu geführt, dass ich dort eher nichts mehr gesagt, sondern mich in mich selbst zurückgezogen habe.
Zumindest einer von ihnen war in diesem Punkt ne echte Flachpfeife - für ein Kind durchaus ein prägendes Erlebnis.
Zumindest heute sehe ich aber, dass es zum Teil auch an mir selbst gelegen hat: ich habe aufgehört, die Dinge deutlich genug anzusprechen oder Signale zu geben.
Ich werfe es mir aber nicht mehr selbst vor: ich konnte es in der damaligen Situation einfach nicht.
Auch für mich waren Ärzte ein rotes Tuch, wenn es um mehr als die üblichen Wehwehchen ging: kein wirkliches Vertrauen.
Bei einigen mag es berechtigt gewesen sein (obwohl Vorsicht statt Misstrauen die bessere Wahl gewesen wäre - heute kenne ich den Unterschied), bei anderen aber eben auch nicht - nur dass ich ihnen erst gar nicht die Chance gegeben habe, mir auch mal eine positive Erfahrung vermitteln zu können.
Meine eigene Verletzheit, meine eigenen Ängste und das gesammelte Misstrauen haben dazu ihren Teil beigetragen - ich hätte dies aber nie sehen können, weil meine eigenen Prozesse dies verhindert haben. Wer will schon wieder verletzt werden, wenn er es verhindern kann?
Das eigene Elternhaus, das restliche Umfeld ... Solche Fragen oder Themen, wie sich mich erst beschäftigten und später dann auch quälten: nicht ihre Welt, völlig außerhalb ihres Vorstellungsvermögens - und damit durch "man's" vom Tisch gefegt, tabu.
Es wirkt bis heute nach - er wirkt schon so lange, dass die Muster wohl auch nicht mehr völlig verschwinden können (habs die Tage erst erlebt, wie schnell die wieder zuschlagen und das Kommando übernehmen können).
Statt Verständnis (ich meine damit nicht Mitleid und Schonung!) gabs etwas anderes: den Schuldbegriff.
Wenn ich etwas nicht hinbekommen habe, dann hatte ich Schuld daran. Fehler machen dürfen (zutiefst menschlich - es gehört zum Lernen und sich Weiterentwickeln dazu), nicht perfekt sein, Schwächen und wunde Punkte haben - eigene Schuld, da (gefühlt) ein Zeichen von Versagen.
Wer will sich denn aber ständig schuldig fühlen? Es geht ja nicht mehr um die Frage, wo man warum welchen "Fehler" gemacht haben könnte, um ihn in Zukunft nicht mehr zu wiederholen - es geht darum, das Gefühl zu retten, von anderen weiter wertgeschätzt zu werden.
Wie aber, wenn man doch schuldig ist ...
... also sucht die Seele nach anderen "Schuldigen" und die eigenen Anteile werden ausgeblendet.
Diese Strategie funktionierte (gerade mit dem "passenden" Umfeld) schnell so gut, dass sie sich verselbständigt hat - meine Welt war dann eben so, wie sie sich anfühlte. Und alles, das da die Tarnkappe hätte wegziehen können, wurde abgelehnt, ausgeblendet - oder eben auch bekämpft, weil alleine die vage Möglichkeit ausreichte, Angst auszulösen.
Irgendwann geschieht dies vollautomatisch: die Prozesse haben das Kommando übernommen und unternehmen alles, um es nicht wieder abgeben zu müssen.
Es sind Muster, die in jedem Menschen schlummern!
Oft genügen Kleinigkeiten, auf die man selbst nicht den geringsten Einfluss hat, um sie ingang zu setzen - sind sie erst angestoßen, beginnen sie zu laufen und sich selbst ihre Bestätigung (ihre Nahrung) zu suchen.
Sie sind nicht leicht zu erkennen und, wenn doch, oft schon so mächtig geworden, dass sie nur schwer zum Anhalten zu bringen sind - gerade, wenn man es ohne Hilfe von außen machen muss oder will.
Ich habe meine eigenen sehr lange unterschätzt ...
Wer hätte sie mir auch so vor Augen halten können, dass ich mich ihnen hätte stellen können??
Manchmal können Mitgefühl und "einfühlsame Worte" auch helfen, den Weg zur Betonwand zu ebnen, gegen die man dann umso heftiger prallt ...
So wenig ich reine Konfrontation bei Traumata für sinnvoll halte, so wirksam war sie bei mir, als es darum ging, mich vor dem völligen Absturz doch noch mal wachzurütteln.
Ich hatte die Wahl (nach nicht einmal 10 Minuten beim Arzt): entweder Vollbremsung und stationäre Therapie, egal wie lange sie dauert, oder demnächst Friedhof, weil der ganze Körper bereits kurz vorm endgültigen Kollaps stand.
Bedenke, was ich anfangs über meine eigenen Ängste geschrieben habe - ein gefühlter freier Fall ins Bodenlose ...
Warum sollte ich da dann Deine Person (den Menschen Löwenzahn) "kritisieren"?
Warum sollte ich Deinen Charakter "angreifen"?
Da wäre er also wieder: der Schuldbegriff ...
Ich verwende ihn nicht, noch nicht einmal indirekt, durch die Blume oder im übertragenen Sinne!
Wenn Du mich und meine Beiträge so siehst, dann macht es keinen Sinn, mich hier weiterhin zu beteiligen.Wenn der Sinn meines Threads aber durch Deine Kommentare gefährdet ist ,werde ich mich vehement dagegen zur Wehr setzen.
[...]
Bekenne mal Farbe ,anstelle nur aus Egogründen meine Bemühungen kaputt zu schreiben .
Es gibt hier vielleicht ein paar Leute ,die ernsthaft an meinen Ideen interessiert sind ,sich nur nicht trauen mitzudiskutieren ,da sie dann auch automatisch als Therapeutenhasser verschrien wären .
[...]
Ich habe Dich bis vor kurzem als sehr intelligenten ,geistreichen ,stimulierenden Gesprächspartner angesehen ,bin zur Zeit aber etwas entäuscht .
Ich weiß nicht mehr, wie ich noch formulieren soll, damit ich nicht ständig diese Reaktionen in Dir auslöse
Und das alles, weil ich es wage, Dir eine etwas andere Perspektive darzulegen (und nicht, sie Dir aufzudrücken!!!)??
Zum Abschied doch noch etwas, das mein Thera mal gesagt hat (sinngemäß, weil erst später verstanden): Wenn Du nach vorne laufen willst, ohne ständig zu stolpern und hinzufallen, dann macht es keinen Sinn, den Blick nur auf das gerichtet zu halten, was hinter Dir liegt ...
(Es sei denn, Du bleibst stehen ...)


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