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Thema: Der perfekte Therapeut ?

  1. #1
    Loewenzahn
    Gast

    Idee Der perfekte Therapeut ?

    Ich würde gerne eine allgemeine Diskussion zu diesem Thema starten ,auch kritisch gemeinte Antworten und Kommentare von Fachpersonal sind willkommen .

    Was wäre für Euch der perfekte Therapeut ?

    Was von diesen Vorstellungen ist eher ein Ideal ?

    Was ist realistisch ?

    Traut Ihr Euch mit Eurem Therapeuten offen diese Ansprüche zu diskutieren ?

    Welches war Euer bestes Therapieerlebnis ,welches Euer schlechtestes ?

    Was bedeutet eigentlich das Wort Professionalität in diesem Beruf ?

    Und was ist wohl aus entgegengesetzter Sicht der perfekte Patient ?

  2. #2
    Schreibkraft Avatar von Limia
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    Ich denke einen perfekten Therapeuten gibt es nicht, denn es sind auch nur Menschen.
    Ich musste leider nur negative Erfahrungen mit Therapeuten machen. Meine letzte hat mich vor ein paar jahren von jetzt auf gleich sitzen gelassen und den Kontakt abgebrochen, da ich wohl zu unstabil war. Von da an habe ich mich alleine durchgeschlagen. Was ich mir wünsche, ist ein Therapeut der einem wirklich helfen kann, sein Leben besser zu meistern und mit der Vergangenheit besser leben zu lernen. Er muss für mich nicht perfekt sein, ich erwarte keine Wunder, aber er muss helfen können, in gewisser Weise für einen da sein und vor allem sollte er dann wenn man Hilfe braucht einen nicht im Stich lassen. Das ist meine Meinung zu diesem Thema.
    manchmal ist es das Beste, nach vorne zu schauen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen...
    egal wie weh es tut und wie schwierig es ist. Kämpfe für dein Leben! Keiner hat das Recht es zu zerstöhren!

  3. #3
    Loewenzahn
    Gast

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    Meine Erfahrungen waren auch eher negativ .

    Ich habe die meisste und effizienteste Hilfe von Menschen bekommen die eben nicht dafür bezahlt wurden sondern aus einem menschlichen Bedürfnis und Mitgefühl heraus einfach helfen wollten .

    Auch wenn diese private Hilfe natürlich auch sehr schnell an ihre Grenzen stossen kann war dieses Engagement für mich wichtig um mich nicht so ausgestossen und isoliert zu fühlen .

    Wenn ein Therapeut nett zu mir ist ,dann weiss ich eigentlich nie ,ob das jetzt auch wirklich so gemeint ist .

    Auch fehlte mir das Verhältnis auf Augenhöhe .

    Warum sollte ein Patient nicht bei Diagnose und Behandlungsstrategie mit einbezogen werden können ?

    In dem Moment wo ich ein seelisches Problem habe ,habe ich doch nicht meine Intelligenz an der Tür abgegeben und auch meine Selbstverantwortung besteht weiterhin .
    Ich kann doch auch selber unzählige Bücher über Krankheit und Behandlungsstrategie durcharbeiten .

    Was ich mir gewünscht habe war ein optimistischer ,warmherziger Mensch mit stabiler Persönlichkeitsstruktur .
    Wenn es mir schlecht geht brauche ich in erster Linie jemanden ,der mir die Hoffnung wiedergeben kann .
    Jemanden der auf akzeptierende Art zuhören kann um meine eigenen Selbstzweifel abzumildern .

    Ist das wirklich zu viel verlangt ?

    Gibt es vielleicht auch zu viele charakterlich ungeeignete Menschen in diesem Berufsfeld ?

  4. #4
    Roman Verfasser
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    Beste Therapieerlebnisse? Daß Dir praktisch Gedanken gelesen werden und Du umfassend verstanden wirst, aber auch mitbekommst, der muß sich dafür auch nicht anstrengen, der macht das mit links. Freilich waren es genau diese Therapeuten, das waren mehrere in einer Gruppentherapie auch immer gesagt, die Qualität des Therapeuten ist nicht entscheidend, entscheidend ist der Patientenwille zur Veränderung. Bei einem Therapeuten, der meinetwegen nicht so gut ist kann man auch Fortschritte machen, wenn man das was gesagt wird für sich übersetzt, sich das wichtige herausnimmt, über Fehler drüberwegschaut, etc.

    Seine Ansprüche und Probleme mit dem Therapeuten kann man diskutieren, bei uns (Gruppentherapie) war es sogar fester Bestandteil am Anfang. Freilich unter dem Blickwinkel, daraus die eigenen Defizite zu erkennen. Man muß erkennen, welche Ansprüche ok sind, welche überhöht. Manche Therapeuten blocken das auch ab, muß man akzeptieren.

    Den perfekten Therapeuten der einem alle Wünsche von den Augen abliest und umfassend deutet und alles für einen tut, den gibt es sicherlich nur, wenn man genügend Geld hat. Bis dahin heißt es, sich zufriedengeben mit dem was man bekommt.

  5. #5
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Zitat Zitat von Limia
    Ich denke einen perfekten Therapeuten gibt es nicht, denn es sind auch nur Menschen.
    Vielleicht kann man das ja auch noch etwas ausweiten: es gibt nicht den perfekten Therapeuten für alle Patienten ...
    Es sind ja immer zwei Personen an einer Therapiesituation beteiligt: Therapeut und Patient - die Individualität gibt es auf beiden Seiten, wie auch der jeweilige "Fall" immer ein individueller ist.
    Deswegen gibt es ja auch die unterschiedlichsten Methoden und Ansätze, die durchaus auch während einer Therapie mal wechseln können - sogar von Situation zu Situation.

    Zitat Zitat von Löwenzahn
    Gibt es vielleicht auch zu viele charakterlich ungeeignete Menschen in diesem Berufsfeld ?
    Ich sage es mal so: es gibt sie in diesem Berufsfeld ebenso wie in jedem anderen auch - es sind eben auch nur Menschen.
    Mal ganz ehrlich: ich habe aber viel mehr Patienten erlebt, bei denen kein Therapeut der Welt wirklich hätte greifen können - auch das ist kein Vorwurf: Beide Seiten hängen voneinander ab.
    Und manchmal scheitert es auch nur an Kleinigkeiten ...

    Anfangs hielt ich folgenden Satz auch für reichlich schräg: Als Patient bist Du selbst für Deine Therapie verantwortlich.
    Auf eine bestimmte Weise trifft er aber absolut zu: wenn ich den Mund halte, obwohl mir etwas nicht passt oder ich es weder verstehen noch einen Sinn in ihm entdecken kann, dann wird dies über kurz oder lang wie eine Mauer zwischen ihm und mir stehen - und ich bin der einzige, der dies verhindern kann (vorausgesetzt, ich erwarte nicht, dass mein Thera eine Kristallkugel hat ).
    Ich habe selbst schon mit Theras zu tun gehabt, mit denen ich meine Probleme hatte - anfangs.
    Kamen die Dinge dann aber auf den Tisch und war ich (wie mein Gegenüber auch) bereit, mich auf eine andere Sichtweise (oder eben auch auf den "Konflikt) zumindest mal probehalber , aber offen (!), einzulassen, dann stellten sich diese Differenzen im Nachhinein gesehen aber sehr oft als die eigentlich produktiven Momente heraus.

    Was ich selbst von (m)einem Thera erwarte? Gute Frage ...
    Spontan fällt mir da ein: "Handwerkliches" Können, Empathie und die Fähigkeit mir zu helfen, den geschützten Raum anzunehmen, den mir eine Therapie bietet.
    (Ob ich ihn dann auch annehme, hängt aber mehr an mir - wenn ich meine Blockaden pflege, kann auch er nichts machen )

    Wichtig ist mir, das Gefühl zu bekommen, als Mensch wertgeschätzt zu werden und nicht jedes meiner inneren Bilder lang und breit erklären zu müssen (das fühlt sich für mich zu leicht nach mich rechtfertigen müssen an) - auf dieser Basis darf es dann auch ruhig mal etwas konträrer zur Sache gehen.
    Mein erster Thera hatte die Begabung, lange schweigend zuhören zu können - um dann die Fragen zu stellen, die genau den Punkt trafen (selbst wenn es etwas war, das ich nur in einem Nebensatz mal angedeutet hatte).
    Die Prozesse wurden so plötzlich sichtbar.
    In den ersten Wochen war das der beste Weg, mich zu einem grudsätzlichen Öffnen zu begleiten - und später war es dann die perfekte Begleitung für die Methoden, die tiefer gingen.

    Beim zweiten Aufenthalt dort wäre er aber eher die "schlechtere" Wahl gewesen - nicht die "falsche": ich hatte andere Themen und andere Ziele und dafür gab es andere Ansätze, um in der beschränkten Zeit möglichst effektiv arbeiten zu können.

    Vielleicht ist es die eigene Erwartungshaltung, die häufig mit eine nicht zu unterschätzende Rolle dabei spielt, ob eine Therapie "vorwärts" geht oder doch eher schleppend verläuft, wenn nicht sogar in Stillstand endet
    Letztendlich komme ich nicht drum herum, mich irgendwann und irgendwie mit meinen eigenen Schatten zu konfrontieren - und das ist und bleibt eben unangenehm. Dass ich da ein großes Bedürfnis habe, dass dies möglichst sanft und wattebauschig angegangen wird (wenn überhaupt ), ist doch mehr als verständlich, oder?
    Die Frage ist halt nur: was, wenn dieses Bedürfnis dann zu weit gehen sollte?
    Was, wenn ich zwar Mitgefühl zu bekommen erwarte, ich aber unbewusst eher nach Mitleid suche? Könnte ich das denn immer erkennen?

    Es ist wichtig, dass zwischen den Parteien "die Chemie stimmt" - es sollte aber auch die "richtige" Chemie sein. Und die orientiert sich eben auch nicht ausschließlich am Wohlfühlfaktor aus Patientensicht.

    Mal ein paar Fragen:
    Zitat Zitat von Löwenzahn
    Was ich mir gewünscht habe war ein optimistischer ,warmherziger Mensch mit stabiler Persönlichkeitsstruktur
    Was würde dies denn konkret bedeuten?
    Warum muss es gerade dieses sein?

    Zitat Zitat von Löwenzahn
    Wenn es mir schlecht geht brauche ich in erster Linie jemanden ,der mir die Hoffnung wiedergeben kann
    Wäre es da nicht besser, jemanden zu haben, der einem dabei hilft, diese wieder selbst aufbauen zu können? Was man sich selbst erarbeitet, bleibt einem auch erhalten - und ist dauerhafter als alles "geborgte".

    Zitat Zitat von Löwenzahn
    Jemanden der auf akzeptierende Art zuhören kann um meine eigenen Selbstzweifel abzumildern
    Auch da könnte ich das gleiche schreiben

    War jetzt keine Kritik an Dir, okay?!
    Es klingt aber alles etwas arg nach "er soll mir geben" - und genau das sollte in einer Therapie eben niicht stattfinden. Ziel ist es ja, sich dies zukünftig wieder alles selbst geben zu können, ohne jemanden zu brauchen, der einem unter die Arme greift (und sei es auch nur anschiebend).
    Die Gefahr ist doch zu groß, dass dies dann die eigenen Bemühungen ungewollt ausbremst

    Zitat Zitat von Erwin
    Den perfekten Therapeuten der einem alle Wünsche von den Augen abliest und umfassend deutet und alles für einen tut, den gibt es sicherlich nur, wenn man genügend Geld hat.
    Fragt sich nur, ob dies dann überhaupt noch ein Therapeut wäre ...
    Es hört sich eher nach einer Mischung zwischen persönlichem Diener und "nach-dem-Mund-Reder" an

    Dass niemand glaubt, ich würde unkritisch das Hohe (Lob-)Lied der Therapeuten singen: ich hatte meine Konflikte mit einigen (wenigen), auch richtig heftige und, auf den ersten Blick, die Arbeit gefährdende - die einzige Thera, von der ich heute noch nicht begeistert bin, war ausgerechnet diejenige, mit der ich keine hatte: weil sie versuchte, diese "verständnisvoll" und "mitfühlend" zu vermeiden ...
    ... ab einem gewissen Punkt ging es dann einfach nicht mehr vorwärts.

    Wie gesagt: jeder ist da etwas verschieden und braucht andere Rahmenbedingungen.


    "Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
    (mongolisch)
    -----------------------------
    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
    (Immanuel Kant, 1724 - 1804)

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Darkstar für den sinnvollen Beitrag:

    Maeggie (28.11.2011)

  7. #6
    Roman Verfasser
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    Zitat Zitat von Darkstar Beitrag anzeigen
    Fragt sich nur, ob dies dann überhaupt noch ein Therapeut wäre ...
    Es hört sich eher nach einer Mischung zwischen persönlichem Diener und "nach-dem-Mund-Reder" an
    Wäre Deine Interpretation. Wenn Du es Dir so schlechtdenken willst.

    Wenn Du ordentlich Kohle hast läuft auch der Therapeut zu Hochform auf, ganz selbstverständlich.

    Nicht jeder Reiche ist zwangsweise auf Leute aus die ihm nach dem Mund reden. In diesen Regionen ist oft sogar entgegen dem Vorurteil das ganze Gegenteil der Fall.

    Es gibt so einen beliebten Forenwettbewerb: "Wer bekommt die negativste Assoziation zu einer gegebenen Aussage hin".
    Geändert von Erwin (28.11.2011 um 19:12 Uhr)

  8. #7
    Loewenzahn
    Gast

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    Hallo Darkstar !

    Ich bin grundsätzlich mit allen von Dir getroffenen Aussagen einverstanden .

    Ich bin hier von einem Beispiel am Anfang meines Erwachsenenlebens ausgegangen ,wo ich ein sehr zerbrochener ,fragiler höchstgradig selbstmordgefährdeter Teenie war ohne irgendeine Hoffnung auf Besserung .

    In dieser Situation geriet ich dann an einen äusserst unempathischen ,dominanten ,mich kritisierenden ,unter Druck setzendenden Therapeuten .

    Diese missglückte Therapie ,wo eigentlich von Anfang an alles falsch lief ,was auch nur im entferntesten falsch laufen konnte hat mir sehr geschadet und ich habe Jahre gebraucht diese Therapie zu verarbeiten .

    Eine Therapie wo man traumatisierter wird ,als man es vorher schon war ist offensichtlich gefährlich .
    In dieser Situation habe ich jedes Vertrauen in diese Berufsgruppe verloren .

    Ich konnte in der Folgezeit keine professionelle Hilfe mehr in Anspruch nehmen und mein Zustand ist chronisch geworden .

    Ürsprünglich bin ich nur mit der Erwartung in diese Therapie gegangen ,dass es mir besser gehen würde ,ohne spezielle charakterliche Anforderungen .

    Erst im Nachhinein in der Verarbeitung der Situation haben sich spezielle Ansprüche herausgebildet .

    Nur wenn ich weiss ,was schlecht für mich ist kann ich dieses vermeiden und nur wenn ich weiss ,was gut für mich ist ,kann ich dieses auch erhalten .

    Deshalb finde ich meine Ansprüche auch nicht grundsätzlich falsch und ich habe sie später auch auf privater Ebene erfüllt bekommen .

    Ob man bezahlte Warmherzigkeit erlangen kann ist natürlich eine andere Frage .

  9. #8
    Roman Verfasser
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    Wenn man das erste Mal schlechte Erfahrungen gemacht hat, das ist blöd, da wird man immer etwas vorsichtig bleiben. Ich kann nur dazu raten, das erste Gefühl zu einem Therapeuten ernstzunehmen und nur mit denen zu arbeiten mit denen man kann. Freilich ist das auch Glück, ich hätte das früher nicht gekonnt oder gar daran gedacht.

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