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Thema: Die Angst, als Mensch keinen Wert zu haben

  1. #1
    Neuling
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    Standard Die Angst, als Mensch keinen Wert zu haben

    Hallo liebe Community,

    ich schreibe hier, weil es mir im Moment leider nicht gut geht und ich auch nicht wirklich mit jemandem über meine Probleme sprechen kann. Ich hoffe es ist nicht schlimm, dass es schon ähnliche Themen im Forum gibt aber keines passte so wirklich auf meine Situation und ich wäre wirklich sehr dankbar für ein paar Tipps, Meinungen und Anmerkungen.

    Ich bin perfektionistisch, definitiv - aber glücklich: definitiv nicht. Ich habe ein sehr gutes Abitur gemacht und studiere nun Wirtschaft an einer sehr guten Uni, aber bei meinen letzten Klausuren habe ich lauter Konzentrationsfehler gemacht und zum ersten Mal in meinem Leben total und völlig versagt.

    Ich fühle mich wertlos und müde, dabei denke ich dass mein Perfektionismus darin begründet ist, dass man sich gerade NICHT wertlos, ungeliebt etc. fühlen möchte. Erst das Mobbing und die Einsamkeit haben mich in der Schule zu guten Leistungen gebracht - als Kompensation und als Bestätigung, denn wenn ich schon keine Freunde hatte, hatte ich wenigstens gute Noten - darüber habe ich seit dieser Zeit sehr stark meinen eigenen Wert, meine Persönlichkeit definiert.

    Seit diesen letzten verhauenen Klausuren fühle ich mich niedergeschlagen, erschöpft, müde, leer, wertlos. Ich habe das Gefühl immer nur für eine perfekte Karriere gelebt zu haben, für einen Auslandsaufenthalt, ein Jahr Auszeit blieb keine Zeit und die Semesterferien sind komplett mit einem Praktikum ausgefüllt. Ich glaube mir wurde alles zu viel, ich wurde immer reizbarer, hatte Panikattacken vor den Klausuren und habe diese dann auch trotz guter Vorbereitung scheinbar sinnlos in den Sand gesetzt.

    Meine Gedanken kreisen nur um diese Noten, ich wache nachts auf und mir fallen Fehler auf, ich habe keinen Appetit mehr...und noch schlimmer: niemanden wirklich zum Reden, keine wirklichen Freunde, keine Geschwister und meine Eltern sind beruflich voll ausgelastet. Ich habe keine Träume, keine Ziele mehr und weiß nicht wie ich mein Leben umstellen kann, man verharrt zu sehr in alten Angewohnheiten - ich kann mich einfach nicht von dem überzogenen Anspruch an mich selbst lösen, obwohl gerade der mich unglücklich macht, der Grund dafür ist, dass ich das Gefühl habe, immer "existiert" aber nie "gelebt" zu haben. So hatte ich z.B. auch noch nie einen Freund.

    Und obwohl ich dass alles weiß kann ich es nicht ändern. Ich weiß selbst, dass das total paranoid klingt, jeder normale Mensch würde sagen: "Kopf hoch und schau nach vorn, Noten sind nicht alles." Mein Verstand sagt mir auch immer "sei rational", aber meine Seele kann einfach nicht loslassen.

    Ich denke ich sollte noch sagen, dass ich früher (!, heute ist das nicht mehr so) sehr in der Kritik meines Vaters stand und im Streit auch öfter Worte wie "Nichtsnutz" gefallen sind. Zu dieser Zeit (auch wirtschaftlich schwierig für meinen Vater, heute haben wir eine sehr gute Beziehung) wurde ich auch häufig mit meinen Mitschülern verglichen ("...aber X hat einen Freund, Y zieht sich flotter an, Z macht dies..."). Nach außen war ich aber immer das "Aushängeschild", jede meiner "Erfolge" wurde gleich an Verwandte und Bekannte weitergegeben. Dabei habe bin ich doch nur so ehrgeizig geworden, da ich unglücklich war! Und jetzt komme ich aus der Spirale nicht mehr heraus.

    Wie kann ich mehr Selbstwertgefühl aufbauen, mein Leben verändern/verbessern - insgesamt einfach auch mal glücklich werden? Tut mir Leid wg. dem langen Text aber schon einmal

    ein großes Dankeschön für eure Hilfe!!!

    Geändert von lucille88 (13.06.2011 um 21:25 Uhr)

  2. #2
    Wunderlampe
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    Hallo lucille

    Der Mensch kann nicht immer nur Leistung erbringen, er muß Erholungsphasen haben, in der er seine Speicher auffüllen kann.

    Wenn ich deinen Bericht lese, dann fällen mir so Stichworte wie "ausgebrannt" ein. Und dagegen hilft nur "Pause, Ausgleich schaffen, sich ausruhen, neue Kraft tanken"

    Dass es dir nicht gut, kann ich mir lebhaft vorstellen. Da ist zum einen der Leistungsgedanke und zum anderen dises Gefühl absolut "urlaubsreif" zu sein.

    aber bei meinen letzten Klausuren habe ich lauter Konzentrationsfehler gemacht und zum ersten Mal in meinem Leben total und völlig versagt.
    und irgendwann sagt dir dein Körper, dass er am Ende ist...deutlich und unmißverständlich, weil du die leisen Anzeichen überhört, bzw. übersehen hast.
    und wenn du sie weiterhin übersiehst, bzw. überhörst, dann wird dir dein Körper noch deutlicher sagen, dass er einfach "Pause" braucht. Wenn es sein muß mit einer Krankheit, die dich zwingt "Pause" zu machen.

  3. Die folgenden 4 Benutzer bedankten sich bei Wunderlampe für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (13.06.2011),Kaja (14.06.2011),Magdolna (14.06.2011),Pure (13.06.2011)

  4. #3
    Schreibkraft Avatar von Pure
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    Ich stimme Wunderlampe vollkommen zu. Der Körper signalisiert dir nun, dass was du eigentlich auch schon weisst: Gute Noten sind nicht alles! (Top-)Leistung ist wichtig, aber nicht überlebenswichtig.

    Ich werte vor allem deine körperlichen Symptome als ein Zeichen, dass du auch bald innerlich (also von der Seele her) verstehen wirst, was dein Körper und dein rationaler Geist jetzt schon verstanden haben. Durch diese Symptome wirst du verinnerlichen, was du wirklich brauchst.

    Versuch es nicht als Qual oder etwas negatives Anzusehen. Nimm es an und akzeptiere es. Nicht dagegen Ankämpfen, kann manchmal der Schlüssel zum Erfolg sein!

  5. #4
    Neuling
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    Hallo Wunderlampe und Pure,

    vielen lieben Dank für eure Antworten. Erschöpfung kann sein, aber irgendwie kann ich mir das nicht eingestehen, so anstrengend kommt mir das Studium gar nicht vor, nur der Leistungsdruck (Noten, Praktika) ist einfach enorm. Ich glaube es ist irgendwie eine geistige Erschöpfung, denn wirklich Spaß habe ich am Lernen schon lange nicht mehr.

    Nun macht mir nur dieses Wertlosigkeitsgefühl sehr zu schaffen was kann ich tun? Was tut ihr? Welche Hobbies können helfen und wo holt ihr euch Bestätigung/Anerkennung (komme mir häufig einfach immer dumm und nicht "genug" vor)?

    Geht es irgendwem noch so? Hat jemand vll ähnliche Erlebnisse in der Schule/mit den Eltern gehabt?

    Ganz lieben Dank an euch!!!

  6. #5
    Gast784
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    Geht es irgendwem noch so? Hat jemand vll ähnliche Erlebnisse in der Schule/mit den Eltern gehabt?
    Was macht Dich eigentlich so sicher, dass die bisherigen Poster nicht aus eigener Erfahrung ihre Kenntnisse gewonnen haben? Willst Du Dich nur mit jemanden austauschen, der noch in der selben Falle drin sitzt, wie Du? Was bringt Dir das? Gemeinsames Jammern, damit Du nichts dagegen tun musst?

    Wie kann ich mehr Selbstwertgefühl aufbauen, mein Leben verändern/verbessern - insgesamt einfach auch mal glücklich werden
    Die Antworten gibst Du Dir doch schon selbst. Leistung war für Dich ein Kompensationsmittel, und weniger ein echtes Interesse, oder der nötige Weg, um Dir Deine Träume zu verwirklichen. Dass es schwer ist, da jetzt auszusteigen, was Du seit Jahren lebst, und für was Du noch nie andere Antworten gefunden, da erst gar nicht gesucht, hast, das ist klar. l

    Aber dennoch wäre es wohl an der Zeit mal zu gucken, was Du alles kompensierst und wie es anders erreichbar ist. Freundschaft, Liebe. Das wirst Du eher in Pausen finden, dadurch, dass Du Dich selbst mal mehr kennen lernst und Dir für Dich selbst Zeit nimmst.

    Vll eine ganz bewusste Auszeit, in der Du auf Reisen gehst? Weg von den Einflüssen, die Du mit Deinem geringen Selbstwert in Verbindung bringst? Und zwar keine Reise, um wieder was für die Karriere zu machen, sondern eine, auf der Du in die Orte, in die Mentalitäten und Lebensgeschichten um Dich rum, und letztlich in Dich selbst eintauchen kannst. Weniger ist oft mehr.
    Geändert von Gast784 (14.06.2011 um 05:34 Uhr)

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  8. #6
    Neuling
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    Ich weiß nicht mehr was mir noch helfen soll, ich weiß gar nicht mehr, für was ich überhaupt noch leben soll...ich komme mir vor wie der größte Versager...urlaub hab ich nicht verdient, ich hab gar nichts verdient, weiß nicht mehr was ich machen soll, ich möchte nur nicht mehr daran denken aber seit tagen kann ich nicht anders ich hasse mich dafür so sehr

  9. #7
    katha
    Gast

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    nanana etz net den kopf in den sand stecken

    kann es sein das dieser satz:

    "Was macht Dich eigentlich so sicher, dass die bisherigen Poster nicht aus eigener Erfahrung ihre Kenntnisse gewonnen haben? Willst Du Dich nur mit jemanden austauschen, der noch in der selben Falle drin sitzt, wie Du? Was bringt Dir das? Gemeinsames Jammern, damit Du nichts dagegen tun musst?"

    gerade schon ausgereicht hat um deine selbstzweifel zu steigern und dich in frage gestellt zu fühlen???

  10. #8
    Schreiberling Avatar von daysleeper82
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    Hallo Lucille88!

    Ich finde es schon gut, dass du den Austausch suchst und dich an jemanden gewandt hast. Ich habe selber Erfahrungen mit Stress im Studium und erkenne vieles wieder, was du beschreibst. Bloß ich habe viel zu spät bemerkt, dass etwas falsch läuft und deshalb denke ich, dass du eigentlich schon sehr weit bist. Du hast erkannt: Hier läuft irgendwas falsch, mir geht es nicht gut so.

    Dir da Lösungen zu geben ist immer so eine Sache. Es gibt sehr viele Lösungsansätze, aber vieles dauert halt seine Zeit. Ich finde es gut, dass du auf deine Psyche achtest und auch wenn du einfach nur mal dich ausweinen musst, ist es auch okay. Ich halte nichts von der Methode „Zuckerbrot und Peitsche“, wie es manche hier im Forum praktizieren. Ein wenig mehr Verständnis für die Situation wäre schon angebracht. Denn ich sehe, dass sich in dir ein Hass aufgebaut hat gegenüber deinem Selbst und da kommt man mit weiteren Aufforderungen nicht weiter. Ich bitte darum bevor man den Beitrag absendet zu überlegen, was man mit den Worten und seien sie noch so gut gemeint, anrichten kann. Das ist meine Meinung.
    Bewerte alle Meinungen genau und achte darauf, was dir gut tut. Auch mein Beitrag muss dir nicht weiterhelfen.

    Ich sehe es als wichtig an, dass du erst mal zur Ruhe kommst und dich entspannst. Da gibt es verschiedene Entspannungsmethoden zum Beispiel die Meditation, die ich selbst schon ausprobiert habe und dir empfehlen würde. Außerdem gibt es auch noch die Jacobsen-Entspannung und sicher noch allerhand andere Möglichkeiten zur Entspannung zu gelangen.
    Denn wäre Sport vielleicht auch eine Möglichkeit für dich, aber auch hier würde ich nicht übertreiben, denn auch hier besteht eine Gefahr einen Leistungsdruck aufzubauen. Zu guter Letzt kann ich dir nur den Ratschlag geben, achtsam auch mit deiner Seele und deinen Gedanken umzugehen. Denn auch die Seele hat wie dein Körper eine Grenze bezüglich der Machbarkeit, also auch sie stößt auf Situationen, wo einfach nicht mehr rauszuholen geht und manchmal auch ein Schritt zurück gemacht werden muss.
    LG daysleeper

    „Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.“ (Mutter Teresa)

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    lucille88 (15.06.2011)

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