Hallo,
ich bin 26 Jahre alt, weiblich und poste heute zum erstenmal in diesem Forum. Teils bin ich nichtmal ganz sicher, ob ich hier richtig bin. Immerhin komme ich mit dem Alltag noch halbwegs zurecht, hab eine Ausbildung, etc.
Trotzdem wird es immer schwerer.. am besten beginne ich am Anfang.
Ich hatte eigentlich keine sonderlich schwere Kindheit, zumindest bis zur vierten Klasse. Vater, Mutter, Schwester. Tante und Onkel fast um die Ecke. Ich bin das jüngere Kind und war immer der Sonnenschein, aufgeweckt, klug, wissbegierig, süß.
Meine Mutter meint immer ich hätte ihr schon als Kleinkind die Welt erklären wollen. Fast hätte ich bei der Einschulung auch eine Klasse übersprungen, war dann aber doch in den letzten Minuten des Einstufungstests zu zappelig.
Meine Eltern hatten oft Streit, auch wenn ich von den wirklich schlimmen Sachen (z.B. Morddrohung mit Küchenmesser) nichts mitbekommen habe. Wir Kinder konnten häufig auf die Tante ausweichen, die sich aufgrund eigener Kinderlosigkeit rührend um uns gekümmert hat.
Sie ist die Schwester meines Vaters, der ein ziemlicher Frauenheld zu der Zeit war. Hat meine Mutter wohl oft betrogen und die ganze Kleinstadt wusste es.
Da meine Tante auch sehr an ihrem Bruder hängt, beschränkte sie sich leider nicht nur auf Kinderliebe, sondern versuchte uns auch gezielt gegen die Mutter aufzuwiegeln.
Im Ergebnis ging die Ehe in die Brüche und sie ließen sich scheiden. Meine Mutter bekam, auch auf Wunsch der Kinder, das Sorgerecht.
Irgendwann hatte sie einen Freund und da begann dann die Geheimniskrämerei, die inzwischen fester Bestandteil meines Lebens ist.
Ich durfte weder meinem Vater, den ich zu festen Besuchszeiten sah (wenn er nicht gerade 5min vor dem Termin wieder absagte) noch meiner Tante oder dem Onkel etwas von diesem Freund verraten. Meine Mutter wollte nach dem Rosenkrieg einfach ihre Ruhe.
Leider kam ich mit der Situation nicht zurecht, ich glaube zu der Zeit war ich 7 oder 8 Jahre alt und erzählte es meiner Tante doch im Vertrauen.
Als meine Mutter dahinterkam, schrie sie die ganze Zeit, packte eine Reisetasche mit meinen Sachen und drohte mir an, mich direkt zum Vater zu geben. Ich flehte sie eine Ewigkeit an mich doch zu behalten und irgendwann durfte ich bleiben.
Ich habe seitdem nie wieder ein Geheimnis verraten.
Mit dem Freund der Mutter ging es dann nach meinem dritten Schuljahr in eine andere Stadt. Ohne die Verwandtschaft zu informieren. Wir waren einfach weg, aus dem Leben meines Vaters und meiner Tante gelöscht, meine Mutter wollte das so.
Und ebenso gab es sie nicht mehr in meinem Leben. Meinen Vater habe ich zumindest seitdem nie mehr gesehen.
Die neue Wohnung, komplett vom Freund finanziert, war dann auch richtig super, sehr groß und sowohl meine Schwester als auch ich hatten zum erstenmal je ein eigenes Zimmer.
Allerdings kamen wir damit auch nicht zurecht und waren oft zusammen in einem, um zu spielen. Dafür gabs dann auch wieder Ärger und wir galten als undankbar (ich vermute die eigenen Zimmer erhöhten den Mietpreis).
Jedenfalls hielt die Beziehung dann nicht mehr allzulange, da die Mutter des Lebensgefährten ständig bei uns war und ihn gegen meine eigene Mutter aufgehetzt hat. Das Ende vom Lied war, dass meine Mutter und wir Kinder noch vor Ende meines vierten Schuljahres vor der Tür landeten und ziemlich hastig eine Wohnung suchen und komplett neue Einrichtung kaufen mussten.
Schon hatten meine Schwester und ich wieder ein gemeinsames Zimmer, obwohl wir uns gerade an getrennte Räume gewöhnten.
Zu Hause gabs viel Stress, meiner Mutter wuchs alles über den Kopf. Sie musste Vollzeit arbeiten, obwohl sie während der Beziehung abgemacht hatten, dass sie sich um die Kinder kümmert und ihr Partner arbeiten geht.
Na ja, dumm gelaufen.
Mein letztes Grundschuljahr war auch schwierig, ich war in meiner Klasse die Neue und ein paar Mädels, die den Ton angaben, mochten mich nicht. Das führte soweit, dass mir die Eltern der einzigen Freundin, die ich dort hatte, aus Angst um ihr Kind irgendwann den Umgang untersagten.
Meine Schwester kam in die Pubertät und da gab es dann nur noch Krach. Sie hat ein Talent zur Rebellion und die Streitereien zwischen ihr und meiner Mutter eskalierten oft. Ich wusste nie wie ich mich verhalten sollte, versuchte oft die Wogen zu glätten und wurde dann mit hineingezogen.
Ich hatte immer solche angst davor, dass die Familie komplett auseinanderbricht, immerhin wollte meine Mutter auch meine Schwester öfter rauswerfen, obwohl meine Schwester niemanden hatte, zu dem sie konnte.
Das hat mich fast verrückt gemacht, aber meiner Mutter war das egal.
Irgendwann kam dann der Computer. Es war wie eine Rettungsleine. Ich konnte mein ganzes Leben ausblenden und zum erstenmal wieder ohne Angst mit anderen Menschen kommunizieren. Das war wie ein Rausch. Und letztendlich eine Sucht. Wie bei jeder Sucht vernachlässigte ich mein richtiges Leben total, machte mir nicht mehr die Arbeit mir reale Kontakte zu suchen und verpasste wohl auch viele wertvolle Erfahrungen.
Aber damals war es das Licht am Ende des Tunnels und fing mich auf.
Dann kam der Tag, an dem meine Mutter zum erstenmal mit einem verheirateten Mann ins Bett ging. Ich war damals in der Mittelstufe des Gymnasiums und allein in meinem Zimmer, meine Schwester war irgendwo auswärts. Aus dem Fenster konnte man in das Schlafzimmer meiner Mutter schauen und irgendwann gingen die Rollläden runter. Es war hellichter Tag und ich wusste, dass der Hausmeister da war.
Zuerst fragte ich mich noch ziemlich naiv, ob mit dem Fenster etwas nicht stimmt und sie das mit den Rolläden testen...ob da was mit dem Licht sei, weshalb sie das Zimmer verdunkeln müssten. Und solche Sachen.
Je näher die Erkenntnis kam, desto verbissener versuchte ich andere Gründe zu finden. Bis es irgendwann nicht mehr ging. Ich hatte einen ziemlichen Zusammenbruch und habe stundenlang nur geweint.
An diesem Tag ist etwas in mir zerbrochen, ich habe es körperlich gespürt.
Uns ging es finanziell nicht gut und es gab immer viel Streit. Aber bis zu dem Tag hatten wir immer noch gewisse moralische Werte.
Ich glaube ich hasste meine Mutter dafür, dass sie mir das genommen hat.
Später hatte sie dann mehrere solcher Affären, wir mussten sogar mit dem Mann am Tisch sitzen und auf Familienleben machen. Ich habe es gehasst.
(Fortsetzung Seite 2)


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